Grün ist die Hoffnung

2 Januar 2013 von Max Kommentieren »

Kurz vor Jahresschluss bekam der geneigte Leser noch einmal die volle Krisendosis serviert.  „Altersvorsorge: Zu teuer und zu undurchsichtig“ prangte es in dicken Lettern auf der Titelseite der Frankfurter Neuen Presse vom 28. Dezember. Diese Steilvorlage nehme ich natürlich gerne auf.

Ausgerechnet die Grünen haben eine Studie in Auftrag gegeben, die die Effizienz der angelegten Spargroschen der Deutschen untersucht. Das Ergebnis ist vernichtend: „Verbraucher verlieren Milliarden, weil Sie in zu teure und zu wenig lukrative Produkte investieren. Allein durch fehlgeleitete Abschlüsse bei Kapitallebens- oder privaten Rentenversicherungen und ineffiziente Riester-Verträge entsteht ein jährlicher Schaden von 50 Milliarden EURO“ lautet das Fazit des Finanzwissenschaftlers Dr. Andreas Oehler von der Universität Bamberg, der diese Studie im Auftrag der Bundesfraktion der Grünen erstellt hat. Und weiter geht die Breitseite in Richtung Versicherungswirtschaft:

„Für die überwiegende Zahl der Verbraucher sind Kapitallebens – bzw. Rentenversicherungen kein sinnvolles Produkt, da Vertrieb und Provisionen zu hohe Kosten verursachen. Zudem sind die Produkte extrem unflexibel. Abschluss – und Vertriebskosten verhindern am Anfang den Aufbau eines Sparanteils.“ Professor Oehler fordert als Konsequenz aus seiner Studie die Provisionen und Kosten auf die Gesamtlaufzeit der Verträge, anstatt nur auf die ersten Versicherungsjahre aufzuteilen. In diesem Punkt muss ich dem Professor allerdings widersprechen (oder besser gesagt noch einen drauf setzen): Wer diese Studie im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte gelesen und verstanden hat, wird jeden „Finanzberater“, der es sich noch erlaubt ihm eine Versicherungsangebot vorzulegen mit Schimpf und Schande vom Hof jagen. Dass aber eine solche Studie ausgerechnet von den „Grünen“ veröffentlicht wird, spricht Bände und gebührt in meinen Augen höchsten Respekt. Alle „etablierten“ und älteren Parteien haben sich jahrzehntelang von der Lobby der Versicherungsunternehmen um den Finger wickeln lassen. Mir liegt hier ein süditalienisches Wort auf der Zunge, das die Zustände in diesem Bereich treffend beschreibt. Jetzt haben wir in Deutschland das Problem, dass als Resultat dieses jahrzehntelang praktizierten, steuergetriebenen Nachfragedopings der Versicherungswirtschaft insgesamt 90 Millionen Verträge in bundesdeutschen Aktenordnern schlummern. Die meisten noch mit Garantiezinsversprechen von 4%, die man in der heutigen Zeit tunlichst nicht anrühren sollte. Aber es ist den Leuten schon viel damit geholfen, wenn sie denn künftig auf diese Art der Geldanlage verzichten. Man muss kein großer Prophet sein, um zu prognostizieren, dass es bei mindestens der Hälfte der in 2012 abgeschlossenen Lebens- bzw. Rentenversicherungsverträge für die Kunden besser gewesen wäre, sie hätten Ihre Unterschrift unter diesen Vertrag nicht geleistet und stattdessen das Geld in die gute alte Sparbüchse gesteckt. Welche Alternativen bieten sich aber an ? Das bleibt die Kardinalfrage, und auch die Ergebnisse des Jahres 2012 liefern hier nur bedingt die richtige Antwort. Der deutsche Aktienindex DAX hat das Jahr 2012 mit einem Plus von 29% abgeschlossen. Aber diese zweistellige Rendite hat eben auch nur derjenige auf seinem Konto, der auch vor einem Jahr den Mut hatte zu investieren. Was das Jahr 2013 bringt, steht in den Sternen. Wer allerdings glaubt der Börsenzug ist abgefahren, dem hilft vielleicht ein Blick in die Vergangenheit. 2012 war das beste Börsenjahr seit 2003 (in diesem Jahr stieg der DAX um 37,1%). Wer dann erst zu Beginn des Jahres 2004 (nach diesem Anstieg um 37%) eingestiegen ist, hat bis zum Jahr 2007 ausnahmslos positive Börsenjahre erlebt. In drei Jahren (2005,2006 und 2007) sogar mit Kurssteigerungen von mehr als 20%. Aber um diese Ergebnisse einzustreichen braucht man  gute Nerven und eine gewisse Verlusttoleranz. Zwei Eigenschaften, die vielen Deutschen bei der Geldanlage fehlen. Aber nach dem Jahr 2012 gilt umso mehr: „Die Hoffnung stirbt zuletzt“. Die niedrigen Zinsen (und hier wird sich zum Leidwesen aller Festgeld-Anhänger) auch im Jahr 2013 nicht viel ändern, begrenzen die Alternativen zur Aktie und machen Dividendenpapiere auch im Jahr 2013

zu meinem Favoriten bei der Geldanlage. Aber wie in vielen Bereichen gilt auch hier: „E bisje, vielleicht aach e bisje mih, abber net alles.“ Die Voraussetzungen für ein gutes Börsenjahr werden zu Beginn des Jahres ausgerechnet von unseren italienischen Freunden getroffen. Ich kann nur hoffen, dass sich die Vernunft dort durchsetzt und der „Polit-Kasper“ Berlusconi von den Wählern dahin geschickt wird, wo er hingehört: In die Wüste !

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