Bravo Herr Grindel!

12 Dezember 2018 von Jens 2 Kommentare »

ich hatte in einem an Sie adressierten „offenen Brief“ am 01.07.2018 einige Missstände im Umfeld des DFB und der deutschen Fußball-Nationalmannschaft angesprochen.

Eine Antwort auf diesen Brief habe ich von Ihnen nie bekommen.

Aber da befinde ich mich in guter Gesellschaft – in Folge des o.g. offenen Briefes erreichten mich unter den über 20.000 positiven Rückmeldungen auch ca. 100 Nachrichten von Sportkameraden die sinngemäß beklagten „auch ich habe schon an den DFB geschrieben, aber nie eine Antwort erhalten“

Aber bevor sie sich jetzt durch die Gänge der DFB-Zentrale in der Otto-Fleck-Schneise auf die Suche nach dem Schuldigen für die Nichtbeantwortung machen…

…lassen sie die Bemerkung einfach mal sacken und denken Sie das nächste Mal darüber nach, nur Dinge zu versprechen, die Sie auch halten können. Darauf komme ich noch zurück. Auch wenn das als ehemaliger Politiker schwerfällt.

Da Sie ja offensichtlich meine Facebook-Posts verfolgen, spare ich mir das Porto für einen weiteren Brief, sie erhalten ja auf diesem Weg dann eh Kenntnis von diesem Schreiben.

In der Jahres-Versammlung der „Freunde der Nationalmannschaft“ im September in München haben Sie in Bezug auf meine Person vor versammelter Mannschaft dann teilweise falsche Fakten verbreitet, und mir so gut wie keine Möglichkeit gegeben, darauf in dieser Sitzung angemessen zu reagieren. Immerhin waren Sie in der kompletten Sitzung anwesend, das hat es in den letzten 20 Jahren nicht gegeben, dass ein DFB-Präsident überhaupt an dieser Versammlung teilnimmt.

Sportkamerad Eugen Gehlenborg, seines Zeichens vom DFB bestimmter Vorsitzender der „Freunde der Nationalmannschaft“ – hat mir mit Schreiben vom 17.09.2018 dann Ihre Einschätzung übermittelt.

Die Kernbotschaft dieses Schreibens lautete:
Bei der nächsten öffentlich geäußerten Kritik schmeißen wir Dich raus.

Im ersten Moment, als ich diesen Brief gelesen habe, habe ich gedacht:
Mein Gott – der Genosse Erich Honecker ist von den Toten auferstanden und mahnt mich zur Räson…

Aber wir leben in einem freien Rechtsstaat und ich zitiere aus dem Grundgesetz Artikel 5 Absatz 1
(als ehemaliger Abgeordneter des Deutschen Bundestags – auch wenn Sie Ihren Platz da eher in den hinteren Reihen hatten – müsste Ihnen das geläufig sein)

„Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

Mit Schreiben vom 07. Dezember 2018 sieht sich der Vorstand des FDN jetzt gezwungen mich aufgrund von diversen „Facebook“-Postings in den letzten Wochen, die dem Präsidenten nicht gefallen, aus dem Verein auszuschließen.

Natürlich war da eine Spur „Provokation“ in diesen Postings, aber das können Sie als Reaktion auf Ihr Verhalten in der Mitgliederversammlung und des darauffolgenden Briefes verbuchen.

Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich mir, als seit über 30 Jahren erfolgreicher Unternehmer, der eine dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen geschaffen hat, in seinem bisherigen Leben einen achtstelligen Betrag an Steuern gezahlt hat (mit dem u.a. Ihre Abgeordnetenbezüge gezahlt wurden) und aus eigenen Privatmitteln mit erheblichem Aufwand eine gemeinnützige Stiftung initiiert hat, wie ein kleiner Bub den Mund verbieten lasse, nur weil ich dem großen Herrn Grindel in einigen Bereichen – und das sehe beileibe nicht nur ich so – sein Fehlverhalten aufgezeigt habe.

Mit meiner Meinung stehe ich nicht allein da, da gibt es durchaus prominente Mitstreiter wie z.B. den Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München Karl-Heinz Rummenigge der am 20.7.2018 in einem Interview gesagt hat:

„Ich bin ein Stück irritiert und auch erstaunt über das, was man beim DFB so als Krisenbewältigung versteht, weil mir da so ein bisschen die Fußballkompetenz fehlt. Mir fehlt da ein bisschen im Moment einfach die klare professionelle Handhabung der Krisenbewältigung. Es wundert mich allerdings auch nicht, weil der DFB ist eigentlich nur noch durchsetzt von Amateuren.“

https://web.de/magazine/sport/fussball/wm/karl-heinz-rummenigge-dfbeigentlich-durchsetzt-amateuren-33079010

Zu meinen Aussagen stehe ich und setze noch einen drauf, indem ich mich der Meinung des ehemaligen DFB Pressesprechers Harald Stenger anschließe, der vom „schlechtesten DFB-Präsidenten aller Zeiten“ spricht

Nahezu alle Kritikpunkte aus meinem Brief

  • Fehlende Nähe der Mannschaft zu den Fans
  • Überteuerte Preise
  • Völlig übertrieben Kommerzialisierung „Die Mannschaft“ – „the best never rest“- „z#ss#m#n“ „Interessen der Stakeholder vertreten“
  • Katastrophales Management in der Özil-Gündogan-Erdogan-Affäre
  • Völlig unnötige Vertragsverlängerung von Jogi Löw vor der WM
  • Umgang des „neuen“ DFB mit Franz Beckenbauer, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach

fanden uneingeschränkte Zustimmung bei den Lesern meines BLOGs.

Und die sportliche Entwicklung des einstigen Aushängeschilds im deutschen Fußball in den sechs Monaten nach dem blamablen WM-Aus spricht für sich.

Wir sind aus der A-Gruppe der Nations-League abgestiegen und kicken dort künftig mit der Nr. 13-24 in Europa um die goldene Ananas. Damit verbunden auch der Verlust des Vorteils als „gesetzte Mannschaft“ in EM und WM-Qualifikation den europäischen TOP-Teams aus dem Weg zu gehen.

Das einzig Positive im letzten Halbjahr war der Zuschlag für die EM 2024. Sie haben den Elfmeter gegen die Türkei überragend ins leere Tor getreten.

Ich habe seit 1997 in über 150 Länderspielen unsere Mannschaft begleitet, aber Sie haben es geschafft, dass es mich nicht mehr interessiert.

Seit dem Südkorea-Spiel habe ich mir kein Länderspiel mehr angeschaut.

Von daher tangiert mich der Ausschluss aus dem FDN nicht – sie sind damit lediglich meinem Austritt zum 31.12.2018 zuvorgekommen.

Und ich bin stolz darauf, dass ich das erste Mitglied bin, das ausgeschlossen wurde, nicht weil Beitragsrückstände bestanden, sondern weil es seine Meinung vertreten hat.

Bei den verbleibenden Mitgliedern bedanke ich mich für viele wunderbare Begegnungen – es sind viele Freundschaften entstanden, die auch weiter Bestand haben werden.

Nicht mehr als FDN-Mitglied, aber als kritischer Beobachter aus der Distanz bleiben nicht nur für mich einige Fragen offen: z.B.

  1. Wie hoch ist Ihre gesamte Aufwandsentschädigung bei FIFA, UEFA und DFB pro Jahr?
  2. Wer bezahlt Ihren persönlichen Medienberater Kai Diekmann – falls es der DFB ist, was kostet er pro Jahr?
  3. Warum wurde der DFB-Bundestag, der traditionell immer Ende Oktober stattfindet, im kommenden Jahr um vier Wochen auf Ende September vorverlegt?

Und zum Schluss erlaube ich mir den Rat: Hören Sie mit dem Gefasel auf „Ich bin ein Mann der Amateure“

Sie sind von den Amateuren gewählt, aber wenn Sie ein „Mann der Amateure“ wären, würden Sie den Sonntag zum „Tag der Amateure“ machen.

Jeder, der die Zusammenhänge in der heutigen Fußballwelt kennt weiß, dass man auf Sonntagsspiele im Profibereich nicht mehr verzichten kann.
Und was nicht machbar ist, sollte man auch nicht versprechen.
Wenn Sie ein „echter Mann der Amateure“ wären, hätten Sie die FIFA und UEFA anderen überlassen und sich intensiv um die wichtige Schnittstelle zwischen Profis und Amateuren gekümmert.

Ein Oliver Kahn, Michael Ballack oder Christoph Metzelder wären für die internationalen, repräsentativen Ämter sicherlich geeignetere Vertreter gewesen.

Nochmal mit Verlaub: Ein Michael Ballack kann dem Infantino auch mal Contra geben.
Einen Herrn Grindel lacht der doch nur aus.

Mir reichts jetzt an dieser Stelle und noch habe ich die Hoffnung, dass Sie es nicht ganz schaffen den DFB an die Wand zu fahren.

Es ist nicht „IHR DFB“ – der Verband gehört den über 6,5 Millionen Mitgliedern
(und in nahezu jedem Vereinsheim liegen gelbe Leibchen – fast hätte ich gesagt „Westen“ im Keller…)

Treten Sie zurück und nehmen Sie Ihren Trainer gleich mit!

Markus Stillger