„Höchschten“ Respekt

14 Juni 2018 von jonas Keine Kommentare »

Luis Manuel Rubiales hat bereits in jungen Jahren eine herausragende Funktionärskarriere gemacht.

Nach einer eher „durchwachsenen“ Laufbahn als Aktiver in den Niederungen des spanischen Profi-Fussballs (unter anderem lauteten seine Stationen: Deportivo Xerez und UD Levante) und gerade mal einem einzigen Tor – erzielt für die Reserve von Real Mallorca- beendete er seine Karriere und konzentrierte sich auf die Felder rund um den Rasen. Mit gerade einmal 33 Jahren wurde er Vorsitzender der Spieler-Gewerkschaft, die in Spanien einen sehr hohen Stellenwert geniesst, und vor gerade mal vier Wochen wurde er zum Präsidenten, des königlich-spanischen Fussball-Verbandes gewählt. Übrigens als Nachfolger von Angel Maria Villar, der den Laden 30 Jahre lang nach bester Gutsherren – (oder sollte man besser sagen „Mafiosi“) Art geführt hatte und genau wie Sepp Blatter, Michel Platini und viele andere abtreten musste.

Einer der ersten Gratulanten war Real-Madrid-Präsident Florentino Pérez, der betonte: „Es beginnt eine neue Etappe, in der wir alle zusammenarbeiten müssen, so dass die Organisation unseres Sports moderner, effizienter, professioneller und transparenter wird.“

Darauf komme ich noch zurück…

Als erste Amtshandlung verlängerte Rúbiales dann Ende Mai den Kontrakt mit dem äußerst erfolgreichen Nationaltrainer Julen Loptegui um zwei Jahre bis 2020.

Gerade mal drei Tage vor dem ersten WM-Spiel wurde jetzt bekannt, dass der Nationaltrainer, der seit 20 Spielen ungeschlagen ist (14 Siege, 6 Remis) nach der WM seine Ausstiegsklausel zieht und zu Real Madrid wechselt , um die Nachfolge von Zinedine Zidane anzutreten.

Als die Meldung am Dienstag über den Ticker lief, dachte ich noch: „das wär ja genauso, als wenn der Jogi jetzt sagen würde, ich gehe nach der WM zu den Bayern“

Punkt 1: Ein sehr unglückliches Timing (drei Tage vor dem ersten WM-Spiel, noch dazu gegen Erz-Rivale Portugal)

Punkt 2: Warum verlängere ich vor drei Wochen einen Vertrag, um ihn dann gleich wieder zu brechen ?

Was aber dann gestern passierte, hat wohl die gesamte Fussball-Welt überrascht.

Verbandspräsident Rubiales setzte kurzerhand eine Pressekonferenz an und verkündete: Loptegui ist mit sofortiger Wirkung entlassen !

Und die folgende Begründung war kurz, knapp und verständlich: „Es gibt gewisse Regeln des Anstands und des Benehmens. Wir mussten ihn entlassen !“

Hintergrund: Fünf Minuten vor der Bekanntgabe des Wechsels war der Verbandspräsident erst über diesen informiert worden und hatte noch vergeblich darum gebeten, bis zum Ende der WM die Sache nicht öffentlich zu machen.

Aber Madrid ist wie München und in dem Moment konnte auch der allmächtige Real-Präsident Florentino Perez die Medienmaschinerie nicht mehr stoppen.

Oder ?

Und das wird die große Diskussion in Spanien:

Hat er diese Eskalation bewusst herbei geführt ?

Die spanische Zeitung „El País“ jedenfalls schreibt zu diesem Vorgang: „Niemand hätte für möglich gehalten, dass Real Madrid „eine Handgranate in die Baracken der Nationalelf schmeißt“.

Auf alle Fälle hat Senor Perez mit dieser Aktion vielleicht in Portugal ein paar Freunde gefunden, in seinem Heimatland Spanien mit Sicherheit nicht.

Und zur Entscheidung von Luis Rubiales sage ich nur: Höchsten Respekt !

Die Überschrift „Höchschten“ Respekt, hätte ich mir bereits vor drei Wochen als Überschrift einer Kolumne gewünscht…

Endlich mal ein Verantwortlicher der „Balls“ und klare Kante zeigt.

Ich bin der festen Überzeugung, dass Rubiales als Gewinner aus dieser ganzen Nummer hervor gehen wird. Außer in Teilbezirken von Madrid ist er das heute schon.

Eigentlich ist ihm in der ganzen Sache nur ein Vorwurf zu machen:

Warum verlängert er ohne Not bereits vor der WM den Vertrag mit seinem Trainer.

Bei den großen Fussball-Nationen wie Spanien, Frankreich, England, Italien oder Deutschland wäre es undenkbar, dass bei einem Ausscheiden in der Vorrunde der Trainer dann im Amt bleibt. Außer bei den Holländern, die haben selbst nach der Nicht-Qualifikation 2016 noch den Vertrag mit Danny „Blind“ verlängert.

Übrigens: Auch der DFB hat im Mai den Vertrag mit Jogi Löwn um satte vier Jahre (bis 2022) verlängert. Wenn Ihr mich fragt: Ich hätte erst mal die WM gespielt. Aber wahrscheinlich haben die Verantwortlichen gedacht: Schweden, Mexiko und Südkorea sind ja auch keine wirklichen Gegner.

Oder sind sie es vielleicht doch ?

Fest steht: Die mögliche Abfindung muss ja keiner der Verantwortlichen um Herrn Grindel aus eigener Tasche zahlen.