Der will doch nur spielen…

15 August 2012 von Max Kommentieren »

Kennen Sie den letzten Satz, den der Jogger gehört hat, bevor er im Krankenhaus aufwachte ?

Ich musste daran denken, als am Wochenende die Nachricht vom Ausbruch von drei Häftlingen aus der „forensischen Klinik“ in Hadamar durch die Medien im heimischen Raum geisterte. „Forensische Klinik“ hört sich irgendwie an wie „Behandlung von Bandscheibenvorfällen“. Und genau so geht es dort offensichtlich zu. Man bekommt jedenfalls den Eindruck. In jedem Kurort, wo die Patienten sich abends um 22 Uhr nach dem Tanztee im Erholungsheim der Arbeiterwohlfahrt zur Nachtruhe einfinden müssen (und wehe, es kommt einer zu spät !) scheint eine strengere Überwachung zu herrschen als dort. Allerdings gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied: In Hadamar sind „Kurgäste“ untergebracht, die eigentlich ins Gefängnis gehören. Mord, schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, räuberische Erpressung steht u.a. auf der Visitenkarte der Patienten. Natürlich werden durch eine solche Aktion wieder Diskussionen über den Strafvollzug in Deutschland losgetreten, die meiner Meinung nach aber absolut berechtigt sind.  Wir haben es hier mit Schwerverbrechern zu tun, die mit Sicherheit nach Ihrem „Ausbruch“ (dieses Wort hier zu gebrauchen ist ja fast eine Beleidigung für jeden „Knacki“, der aus einem echten Gefängnis geflohen ist) nicht an der nächsten Haustür klingeln und freundlich nach einem warmen Essen fragen. Man konnte es ja „gefühlt“ 20-mal täglich hören: „Schließen Sie Ihre Türen und Fenster, nehmen Sie keine Anhalter mit, die gesuchten Personen neigen zu körperlicher Gewalt.“ Ich frage mich „Wie kann es  denn gleich drei Personen auf einmal gelingen, den Duft der Freiheit wieder zu spüren ?“ Die Sätze, die der eigens an den Ort des Geschehens geeilte hessische Sozialminister Grüttner den Journalisten am Montag in die Notizblöcke diktierte, beruhigen mich da nicht wirklich: „Die Forensische Klinik in Hadamar sei sicher. Er habe einen ausgesprochen guten Eindruck und sei zudem überzeugt, dass die vorhandenen Sicherheitsmaßnahmen sorgsam und gut umgesetzt werden“ betonte er. Genau das werden Sie aber offensichtlich nicht, sonst bräuchte ich an dieser Stelle nicht darüber zu schreiben. „In den Nachtstunden sind demnach 23 Pflegekräfte oder Mitarbeiter des Sicherheits- und Wachdienstes in der Klinik. Dass sie gute Arbeit leisteten, sei auch daran festzumachen, dass nur 30 Sekunden nach Auslösung des Alarms die Verfolgung der „psychisch kranken Straftäter“ aufgenommen worden sei.“ Entschuldigung, wenn ich so einen Mist höre ! Ohne Zweifel gebührt der Feuerwehr (in diesem Fall dem zuständigen Wachpersonal) immer ein Lob, wenn sie schnell zur Stelle ist und richtig reagiert. Aber ich muss mir doch in aller erster Linie Gedanken darum machen, warum  es denn gebrannt hat. Und danach dann Maßnahmen ergreifen, dass es in Zukunft nicht mehr brennt. Ich kenne einige Gewerbetreibende (insbesondere Gastwirte), die in der Vergangenheit am Thema „Brandschutz“ schier verzweifelt sind. Im Fall „Hadamar“ habe ich wenig Hoffnung, dass vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden. Das waren nicht die Ersten und werden auch nicht die letzten Verbrecher sein, die aus dieser Anstalt entflohen sind. Jeder Straftäter muss doch nach seiner Festnahme nur ein Ziel haben.  „Wie schaffe ich es nach Hadamar zu kommen ?“ Ein guter Anwalt plädiert dann, wie schwer doch die Kindheit des Angeklagten war und dass er dadurch schwere psychische Schäden davon getragen hat und schon läuft’s in die gewünschte Richtung. Davon ganz abgesehen: Eine schwere Kindheit – zumindestens in materieller Sicht –  hat doch in unserem Land fast jeder, der in den Nachkriegsjahren vor 1960 geboren wurde, gehabt. Dieses Argument wird bei der Verteidigung von Straftaten inflationär missbraucht.

Der Hund, der nur spielen will, hat Streicheinheiten verdient. Bei Straftätern glaube ich nicht, dass das die richtige Medizin ist. Ich wünsche den Suchtrupps rund um Hadamar einen raschen und baldigen Erfolg. Wenn aber bei dieser Aktion (bzw. bevor es dazu kommt) auch nur einem Unbeteiligten ein Haar gekrümmt wird, gehören diejenigen mit bestraft, die so etwas ermöglichen.

 

 

 

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