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Die Ware „Fußball“

16 November 2017

„Die Zukunft des Fußballs“ lautete der Arbeitstitel der 4. Fußball-Ökonomie-Konferenz, veranstaltet vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), an der ich in dieser Woche teilnehmen durfte.

Für mich immer wieder faszinierend ist es zu beobachten, welcher „Aufriss“ und welches „Tamtam“ in der heutigen Zeit um ein Spiel gemacht wird, wo 22 Mann einem Ball hinterherlaufen, was 90 Minuten dauert und wo – laut Gary Lineker – am Ende meistens die Deutschen gewinnen.

Die wichtigste Erkenntnis für mich aus dieser – mit teilweise hochkarätigen Referenten besetzten – Veranstaltung lautet:

Es ist keine Frage mehr, ob die „50+1-Regel“ fällt, sondern nur noch wann.

Zum Hintergrund: Die meisten Vereine im deutschen Profifußball haben die Fußballabteilung in eine separate GmbH oder AG ausgegliedert und aus dem Stammverein herausgelöst. An diesen Kapitalgesellschaften können sich Investoren und Sponsoren beteiligen (theoretisch mit bis zu 100%), aber die Statuten des Vereins „Die-Liga Fußballverband e.V.“ (DFL) fordern, dass die Mehrheit der Stimmrechte und damit auch die Entscheidungsgewalt beim Stammverein liegen muss.

Her findet man eine sehr gute Übersicht, welche Vereine ausgegliedert haben und wer an diesen Vereinen beteiligt ist.

https://de.wikipedia.org/wiki/50%2B1-Regel

Mit der „50+1“-Regel soll verhindert werden, dass Sponsoren Einfluss auf sportliche Entscheidungen nehmen. Eine Gefahr, die übrigens nicht nur im Profibereich, sondern auch latent über jedem Kreisligisten schwebt. In den 80er Jahren spielte sich im Vereinsheim des FCA Niederbrechen eine legendäre Diskussion ab, als ein örtlicher Sponsor einen vierstelligen Betrag mit den Worten „Das ist für Euch, wenn Ihr den Trainer heimschickt“ auf die Theke legte. Und beileibe nicht jeder Verein hat da so selbstbewusste Führungskräfte an Bord, wie der damalige FCA-Vorsitzende Rudi Fuchs, der den Sponsor mit den Worten „Du behältst dei Geld, und mir behalle unsern Trainer“ in die Schranken wies.

Gut 30 Jahre später geht es bei Sponsoren und Investoren in den deutschen Profiligen nicht mehr um vierstellige, sondern nicht selten um achtstellige Beträge und da wächst natürlich bei den Geldgebern der Wunsch nicht nur als „Melkkuh“, sondern auch als „Bulle“ (in dieses Wortspiel kann man allerhand reininterpretieren) zu agieren. Mit Bayer Leverkusen, dem VFL Wolfsburg, der TSG Hoffenheim, RB Leipzig und demnächst Hannover 96 gibt es mittlerweile schon 5 von 18 Vereine in der Bundesliga bei denen mehr oder weniger Investoren bzw. Sponsoren das Sagen haben und die „Gemeinde“ ist sich weitgehend einig, dass sich auf Dauer die alte kölsche Regel „Wer die Musik bezahlt, der bestimmt was sie spielt“ auch bei den restlichen Vereinen durchsetzen wird.

Ob das besser oder schlechter ist? – da gehen die Meinungen genauso weit auseinander, wie beim Videobeweis.

Digitalisierung steckt noch in den Kinderschuhen

Neben „50+1“ war die zunehmende Digitalisierung ein großer Themenschwerpunkt.

Gab es in den 80er Jahren außer dem Ergebnis und der Zuschauerzahl höchstens noch das Eckenverhältnis als zusätzliche Information, werden wir heute mit Daten zur Laufleistung jedes Spielers, wieviel Ballkontakte er hatte und wieviel Fehlpässe er gespielt hat, regelrecht überschwemmt. Glaubt man den Experten, stehen wir aber erst am Anfang der Entwicklung. Dass der Fan bereits bei der Anfahrt zum Stadion per Handy-App seine Bratwurst und sein Bier bestellt, was dann per Drohne zu seinem Stamm-Parkplatz ausgeliefert wird, ist nur eine Version. Der Gedanke dahinter (vielleicht isst der Fan dann insgesamt drei Bratwürste, weil er nicht mehr so lange anstehen muss) lässt mich nicht unbedingt unbesorgt in die Zukunft schauen.

„Big data“ – Analyse des Kaufverhaltens – Sammeln von Informationen und Präferenzen des „Kunden“ (in diesem Fall des Fans). Das komplette Horrorszenario von Daten- und Verbraucherschützern als Geschäftsmodell in der Bundesliga?

Ich brauche das nicht!

Mein persönliches Fazit: Der Fußball muss aufpassen, dass das Rad nicht überdreht wird. Insbesondere, wenn eine flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit der „Ware Fußball“ nicht mehr gewährleistet ist, bewegt sich der Spitzenfußball auf einem schmalen Grad.

Die verantwortlichen Funktionäre der FIFA – insbesondere die ganze korrupte Bande aus Lateinamerika (Grondona, Texeira, Leoz und Co,) – wissen mittlerweile wie schmal der Grat sein kann. Seit dieser Woche läuft in New York der Prozess gegen diese „Totengräber des Fußballs“. Grondona liegt mittlerweile waagrecht – der Rest sollte nach dem Urteil „sitzen“.

Weltspartag

1 November 2017

Es ist wieder soweit:

Der „Weltspartag“ wird seit nunmehr 93 Jahren am letzten Bankarbeitstag im Oktober „gefeiert“. Sie sind in jeder Stammtischrunde definitiv ganz vorne dabei, wenn Sie die Preisfrage stellen, wo denn der Weltspartag erfunden wurde. Nämlich in Italien, genauer gesagt in Mailand auf dem „First International Thrift Congress“, dem ersten internationalen Sparkassen-Kongress im Jahre 1924.

Ziel und Zweck des Weltspartags war neben der Förderung des „Sparens“ auch der pädagogische Auftrag breiten Bevölkerungsschichten Zugang zu wirtschaftlicher Bildung zu ermöglichen.

„Sparen“ an sich ist eine sehr lobenswerte Aktivität, heißt es doch weniger Geld auszugeben, als man an Einnahmen zur Verfügung hat. Der umgekehrte Weg führt – das wissen wir alle – früher oder später in die Pleite bzw. Insolvenz.

Was sich allerdings in den letzten 10 Jahren grundlegend geändert hat, ist die Frage bzw. die Aufgabe „Was mache ich denn mit dem gesparten Geld?“

Ich kann mich noch gut erinnern, dass es meiner Schulzeit in den 70er Jahren – genau wie heute – quasi „als Belohnung“ Werbegeschenke gab, wenn man sein Sparschwein zum Weltspartag auf die Bank brachte und den Inhalt auf sein Sparbuch einzahlte.

In der heutigen Zeit, wo wir seit gut fünf Jahren keinen Zins mehr kennen, macht Sparen zwar weiter Sinn, aber Zuwächse erzielt man auf dem Sparbuch nur noch durch Einzahlungen, nicht mehr durch Zinserträge. Also man muss umdenken, was man denn mit dem gesparten Geld macht.

Bei Nullzinsen sind alle Zinsprodukte wie Sparbücher, Festgeld, Bausparverträge oder Versicherungen praktisch „tot“. Aber es gibt Alternativen: Immobilien werfen Mieten ab, Unternehmen erwirtschaften Gewinne und wenn das Unternehmen börsennotiert ist, kann man sich daran beteiligen und erhält einen Anteil am Gewinn in Form der Dividende.

Wenn man das Gebot der Risikostreuung beachtet, kann die Alternativlösung zum Sparbuch eigentlich nur „Investmentfonds“ lauten. Sowohl im Immobilien- als auch im Aktienbereich findet man zahlreiche Angebote, die schon ab einem Beitrag von 25 € mtl. einen soliden Vermögensaufbau ermöglichen.

Aber – und das ist der große Unterschied zu Zinsprodukten – bei Immobilien und Aktien erwerbe ich keinen Nominalwert, der am Ende der Laufzeit auch garantiert zurückgezahlt wird, sondern ich kaufe zu einem aktuellen Marktpreis bzw. Börsenkurs. Und dieser Preis kann je nach wirtschaftlicher Entwicklung steigen oder fallen. Da die wirtschaftliche Entwicklung auf der Zeitachse wie ein schräger Pfeil nach oben gerichtet ist, brauche ich als Anleger nur entsprechend Zeit, damit ein Rückschlag meinen Gegenwert nicht unter den Einstandskurs fallen lässt.

Den zweiten Zweck des Weltspartags – die finanzielle Bildung hat mir aber kein Lehrer, sondern mein Großvater beigebracht. (siehe auch: http://www.dasinvestment.com/22-fragen-an-markus-stillger-im-leben-kannst-du-immer-verhandeln/)

Prozentrechnen gab es zwar in der Schule, aber das Händlerblut, Verhandlungsgeschick und den gesunden Menschenverstand um „gut und schlecht“ in Finanzfragen zu unterscheiden, stand dort leider nicht auf dem Lehrplan.

Sie ahnen es, es ist in der heutigen Zeit, viel, viel schwieriger als früher (wo es noch einen risikolosen Zins gab) erfolgreich mit dem gesparten Geld umzugehen. Umso wichtiger ist es – gerade junge Leute hier in Sachen wirtschaftlicher Bildung an diese Materie heranzuführen.

Das ist übrigens eine der Aufgaben, die sich die 2017 gegründete Max-Stillger-Stiftung auf Ihre Fahnen geschrieben hat.

In der heutigen Zeit ist ein Coach bzw. Berater, der sie in wirtschaftlichen Fragen begleitet, wichtiger denn je. Den „Richtigen“ zu finden ist eine schwierige aber lösbare Aufgabe.

Fußball für Ästheten

19 Oktober 2017

Bei allen künstlerisch angehauchten Fußball-Schöngeistern steht in dieser Woche eine wichtige Veranstaltung im Terminkalender. Am Freitag, den 20. Oktober verleiht die „Deutsche Akademie für Fußball-Kultur“ in insgesamt fünf verschiedenen Bereichen den „Deutschen Fußball-Kulturpreis“.

http://www.fussball-kultur.org/fussball-kulturpreis/

Der wichtigste Preis, der „Walther Bensemann Preis“ ist mit 10.000 € dotiert und geht jeweils an eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte, die sich im Sinne der Völkerverständigung um den Fußballsport verdient gemacht hat. Der diesjährige Preisträger – der spanische Weltmeister-Coach Vincente del Bosque befindet sich da in guter Gesellschaft mit den früheren Preisträgern Franz Beckenbauer, Uwe Seeler oder „Sir“ Bobby Charlton, um nur einige zu nennen. Der Gründer des „Kicker-Sportmagazins“ und Namensgeber der Ehrung Walther Bensemann hätte posthum sicherlich nichts dagegen, wenn der Gekürte sein Preisgeld für einen guten Zweck spenden würde. Oder er legt noch einen drauf, wie der Ski-Rennläufer Christian Neureuther neulich anlässlich der Verleihung der „Goldenen Sportpyramide“ (mit 25.000 dotiert). Er kündigte in seiner Dankesrede an, dass er das Preisgeld spendet und O-Ton „Ich hab mit der Rosi noch net gesprochen, aber die Familie Neureuther legt auch nochmal 25.000 aus eigener Tasche drauf.“ Dazu sage ich: Chapeau!
Weiterhin wird in der Tafelhalle in Nürnberg das „Fußballbuch des Jahres“ ausgezeichnet. In diesem Jahr eine Biografie über Helmut Schön. Der „Mann mit der Mütze“ hat das sicherlich verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten, aber für mich gebührt dieser Preis eigentlich den beiden Spiegel-Journalisten Rafael Buschmann und Michael Wulzinger für Ihr Buch „Football Leaks – die schmutzigen Geschäfte im Profifußball“.

Fußballspruch des Jahres 2017

Sicherlich die meiste mediale Resonanz wird der Fußballspruch des Jahres 2017 erhalten – hier sind 4 Sprüche in der Endauswahl, aber in meinen Augen reicht keiner an die Qualität des Siegerspruchs von 2016 heran „Ich habe dem Linienrichter meine Brille angeboten. Aber auch das hat er nicht gesehen“ (Köln-Trainer Peter Stöger). Hier die vier „Kandidaten“.

a) Schalker Fans
„Wir danken der Mannschaft, dass sie uns auch in dieser Saison so zahlreich hinterhergereist ist.“
Transparent beim Saisonabschluss in Ingolstadt

b) Alexander Nouri
„Ich habe nichts gegen das Wort Europa. Ich bin ja nicht die AfD.“
angesprochen auf die Möglichkeit, mit Werder Bremen noch einen Europa-League Platz zu erreichen

c) Thomas Delaney
„Nein, den Ball habe ich nicht mitgenommen. Ich muss jetzt erst einmal schauen, ob mein Wikipedia-Eintrag auf dem neuesten Stand ist.“
nach seinem Dreierpack beim 5:2-Sieg mit Werder Bremen in Freiburg

d) Thomas Tuchel
„Wenn konsequent, dann konsequent konsequent.“
zur Suspendierung von Pierre-Emerick Aubameyang für das Champions-League-Spiel gegen Sporting Lissabon

Zu meinem Lieblings-Thema „Fußballsprüche“ kann man – solange kaltes Bier im Kühlschrank ist – in einer gepflegten Experten-Runde wunderbar diskutieren, bis es hell wird.

Mein Spruch des Jahres für 2017 kommt von einem gewissen Herren Neymar da Silva Santos Júnior (anlässlich seines Wechsels vom FC Barcelona nach Paris St. Germain)

„Es geht mir nicht ums Geld!“

Weiterhin werden noch ein Lernanstoß und ein Fanpreis vergeben. In diesem Jahr an zwei Projekte aus Essen und Kreuzlingen am Bodensee.

Wie sollte es anders sein in Nürnberg: Alle Gewinner erhalten neben den Gelddotierungen auch noch einen „Max“, eine Figur im Trikot der deutschen Fußballnationalmannschaft, benannt nach der Nürnberger Legende Max Morlock

Sollte am Freitagabend der Eurosport-Player wieder mal Probleme bereiten….

Ab 20 Uhr wird die Veranstaltung im Live Stream auf der eingangs erwähnten Website übertragen.

50 plus 1 – Fluch oder Segen?

22 September 2017

Max Stillger über Tradition und Moderne

In den letzten 20 Jahren hat wohl kaum eine Branche einen derartigen Aufschwung erlebt, wie der Profi-Fußball in Deutschland. Galt Fußball in den 60er und 70er Jahren das vergangenen Jahrhunderts noch als „Volks- „bzw. „Proletensport“, ist ein Bundesligaspiel in der heutigen Zeit ein gesellschaftliches Ereignis, wo vom Arbeiter bis zum Wirtschaftsboss alle Schichten „in der Sache vereint“ mitfiebern. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich in meiner Jugendzeit heimlich die Schuhe für einen Kumpel mitgebracht habe, der von zu Hause aus keinen Fußball spielen durfte.

Das gab es in jedem Dorf – in der heutigen Zeit undenkbar! In den 70er Jahren hatte mein Heimatverein (FCA Niederbrechen) in der damaligen A-Klasse einen Zuschauerschnitt von 500 Zuschauern und Eintracht Frankfurt war froh, wenn an einem regnerischen Samstagnachmittag gegen den MSV Duisburg mehr als 10.000 Zuschauer den Weg ins Waldstadion gefunden hatten.

Die Kluft zwischen Amateur- und Profi-Fußball wurde mit der flächendeckenden TV-Berichterstattung seit Ende der 80er Jahre immer größer. Gab es in den 70er Jahren noch die traditionelle ARD-Hörfunkkonferenz mit den Reporterlegenden Walter Jasper (Werder Bremen), Oskar Klose (Bayern München), Heinz Eil (Eintracht Frankfurt), Kurt Brumme (1.FC Köln) und Manni Breuckmann (Schalke 04) – um nur einige zu nennen – begann mit ersten Liveübertragung eines Bundesligaspiels (Borussia Mönchengladbach — FC Bayern München am 12. Dezember 1984) eine neue Epoche.

Gleichzeitig begann sich auch das Bild der Vereine zu wandeln. Vom Zigarren rauchenden Präsidenten, der als Allleinherrscher und Mäzen fungierte und oftmals spontane Entscheidungen traf – ich erinnere nur an das legendäre „Prost Bernd, Du bist entlassen“ mit dem Löwen Präsident Karl Heckl 1984 seinen Trainer Bernd Patzke auf dem Oktoberfest begrüßte, hin zu nach modernen kaufmännischen Grundsätzen geführten Wirtschaftsunternehmen. Das Thema „Fußball“ lockt aufgrund der gesellschaftlichen Bedeutung auch immer mehr Kapital an. Und zwar nicht mehr nur als „Spielgeld“ von durchgeknallten, extrovertierten und geltungssüchtigen und – aus welchen Gründen auch immer – zu Reichtum gekommenen schrägen Vögeln, sondern zusehends auch von Investoren, die Ihren Einsatz auch unter Renditeaspekten sehen. Mit der „50+1“ Regel gibt es in Deutschland eine Regel die besagt, dass der Stammverein bei allen Entscheidungen, sowohl im sportlichen, als auch im wirtschaftlichen Bereich stets die Mehrheit der Stimmen und damit die Entscheidungsgewalt hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/50%2B1-Regel

Es ist schon interessant einmal zu sehen, welche Vereine ihre Profiabteilung ausgegliedert haben und noch interessanter ist es zu sehen, wer da alles als Geldgeber unterwegs ist.

Renditeorientierte Investoren hassen diese kastrierte Form der „Mitbestimmung“ wie der Teufel das Weihwasser. In der Öffentlichkeit häufen sich deshalb aktuell die Diskussionen über ein „für“ und „wider“ dieser Regel. Ich glaube mittelfristig wird die 50+1 Regel fallen, dafür gibt es zum einen schon zu viele Ausnahmen in Deutschland und – noch wichtiger – im Ausland kennt man eine solche Regel nicht. Und Fußball wird immer mehr ein grenzüberschreitendes Geschäft. Aber eines kann ich den Verantwortlichen der – insbesondere in den Niederungen der Regionalliga oder noch tiefer darbenden – Traditionsvereine heute schon sagen: Verkaufen kann ein Verein seine „Seele“ nur einmal!

Und auch hier ist 1860 München ein Paradebeispiel dafür, was man alles falsch machen kann. Apropos falsch machen: Genauso wie der Fußball mit der flächendeckenden TV-Berichterstattung „groß geworden“ ist, kann dieser Schuss auch nach hinten losgehen, wenn das Rad – wie aktuell – überdreht wird. Ich glaube mit der Aufteilung der TV-Rechte auf mehrere Kanäle hat sich die Liga keinen Gefallen getan.

Das neue Modell ist viel zu kompliziert und schreckt viele – insbesondere ältere und nicht PC-affine Konsumenten ab. Und wenn der mögliche Konsument nicht mehr flächendeckend erreicht wird, ist das ein Wendepunkt und der Anfang vom Ende.

Danke Fussballgott !

25 August 2017

Am vergangenen Dienstag um 22:34 habe ich gedacht: „Es gibt ihn wirklich !“

Den vieldiskutierten „Fussballgott“. Was war passiert ? In der 89.Minute des Champions-League Play-Off-Matches zwischen dem FC Sevilla und Basaksehir FK klatschte beim Stand von 2.2 ein Freistoß des türkischen Nationalspieler Emre Belözoglu an den Pfosten. Nachdem Sevilla das Hinspiel in der Türkei mit 2:1 gewonnen hatte, reichte es für den Ex-Verein von Diego Maradona und fünfmaligen Euro-League-Gewinner (unter anderem der Jahre 2014/2015/2016) mit viel Glück zur Gruppenphase der Champions-League in der man jetzt auf den FC Liverpool, NK Maribor und Spartak Moskau trifft. Man ist geneigt zu sagen „Losglück kam dann auch noch dazu“ – oder wie die Österreicher sagen: „Wanns laaft, da laaft’s“.

Warum schreibe ich das ?

Basaksehir FK ist kein gewöhnlicher Fussballclub, sondern der Lieblingsverein eines gewissen Herrn Erdogan aus Istanbul. Der Verein steig im Jahr 2014 in die 1. türkische Liga auf und belegte in der vergangenen Saison mit vier Punkten Rückstand auf Besiktas Istanbul Platz zwei. Im Pokalfinale zog man im 11-Meter-Schiessen (noch) den Kürzeren. Ich gehe jede Wette ein: Der türkische Meister in der Saison 2017/2018 heisst Basaksehir FK. Den Schiedsrichter will ich sehen, der in der letzten Minute einen Elfmeter gegen die pfeift, oder ein Abseitstor zurück nimmt.

Eigentlich schaltet sich in Fällen der politischen Einmischung in das nationale Sportgeschehen immer direkt die FIFA ein und verhängt Sanktionen, bis hin zur Suspendierung des Nationalteams vom Spielbetrieb. Hier könnte der Glatzkopf aus Zürich mal ein paar Pluspunkte bei mir sammeln, wenn er das aufmerksam verfolgt und gegebenenfalls auch mal dazwischen haut. Aber auf europäischer Ebene haben wir in diesem Jahr nochmal den Fussballgott an unserer Seite gehabt. Im nächsten Jahr hilft der uns leider nicht mehr weiter, denn der türkische Meister ist direkt für die Champions-League qualifiziert.

Ansonsten sind nach der fussballlosen Zeit im Juli mittlerweile sowohl im Amateur- als auch im Profibereich die ersten Punkte vergeben und auch die erste Runde im Pokal ist gespielt. Und – same procedere as every year – mit Maik Walpurgis (FC Ingolstadt) und Thomas Letsch (Erzgebirge Aue), sowie Gertjan Verbeek (VfL Bochum) mussten nach drei Spieltagen bereits drei Trainer in der zweiten Liga ihren Hut nehmen. Verbeek sogar bevor der erste Ball der neuen Saison getreten wurde. Die Haltbarkeit des Joghurts im Kühlschrank ist mittlerweile länger als ein Trainerjob. Für mich eine genauso schwachsinnige Entwicklung, wie die Entscheidung vor einigen Jahren den Schluss der Transferperiode auf den 31. August zu legen.

Wer in der kommenden Woche mal für 2 Tage „offline“ oder von der Nachrichtenwelt abgeschnitten ist, kann auf keinem Stammtisch mehr mitreden. Eine für mich unerzichtbare Quelle mich in diesem Thema auf dem Laufenden zu halten ist der legendäre „11 Freunde Transferticker“

https://www.11freunde.de/liveticker/der-grosse-11freunde-transferticker-18

Aber wir hätten genauso viel Spass daran, wenn die Wechselfrist am 30.6. enden würde. Und das wäre in meinen Augen der einzig richtige Termin.

Balla-Balla

4 August 2017

Der 3. August 2017 war für den Schatzmeister des FC Barcelona ein guter Tag. Beim morgendlichen Blick auf das Konto blinkte eine Gutschrift von 222 Mio. €. Aufraggeber des Geldregens war einer seiner bisherigen Gehaltsempfänger, der sich mit dieser Summe aus seinem eigentlich noch bis zum 30.06.2021 laufenden Vertrag freigekauft hat.

Neymar da Silva Santos Júnior – bekannt unter dem Kürzel Neymar – hatte es offensichtlich eilig seinen ehemaligen Wunschverein zu verlassen. Da er trotz des üppigen Gehalts in Barcelona diesen Betrag nicht mal so eben aus seiner Portokasse zahlen kann, wurde Anfang der Woche kurzerhand ein Vertrag als Werbebotschafter mit dem Emirat Katar geschlossen in dem Neymar jr. als „Gesicht für die WM 2022“ verpflichtet wurde. Als Antrittsgeld gab’s gleich mal 222 Mio. €, die konnte er ja zufällig 2 Tage später gut gebrauchen…

Ein paar Fragen bleiben da schon offen: Warum zahlt nicht sein neuer Verein Paris St. Germain – so wie es üblich ist – die Ablösesumme an den abgebenden Verein. In der Kreisliga soll es ja mal vorkommen, dass ein Spieler die 500 oder 1.000 Euro aus eigener Tasche zahlt – aber 222 Millionen?

Glauben die Franzosen wirklich mit so einer Posse die „Financial-Fairplay-Regel“, die von der UEFA hochgehalten wird, zu umgehen und den Rest der Fußballwelt zu verarschen?

„Financial Fairplay“ besagt, dass ein Verein über einen Zeitraum von 3 Jahren eine ausgeglichene Bilanz vorlegen muss, d.h. nicht mehr Geld ausgeben, als einnehmen darf. Ein Negativ-Saldo darf maximal in Höhe von 45 Millionen Euro durch private Geldgeber ausgeglichen werden. Weiterhin muss man wissen, dass Ablösesummen nicht sofort in voller Höhe berücksichtigt werden sondern über 5 Jahre verteilt (abgeschrieben) werden.

Also hätte der Neymar-Deal bei korrektem Vorgehen de PSG-Bilanz mit 44,4 Mio. jährlich belastet. Nur was die Ablöse betrifft. Der Bub muss ja auch noch was verdienen und sein Vater (als Berater) natürlich auch. 30 Millionen Netto pro Jahr heißt in Frankreich 100 Millionen brutto – und Neymar Senior bekommt 40 Mio. aufs Konto die er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in bester „George Best-Manier“ ausgeben wird. Alles in allem reden wir dann über fünf Jahre verteilt über 750 Mio. Euro, nur damit ein brasilianischer Junge den Parisern zeigt, wie Fußball gespielt wird. Mir fehlen da echt die Worte, gerade auch wenn ich das damit vergleiche, dass die ganze „Veranstaltung“ BVB derzeit an der Börse gerade mal mit 500 Mio. Euro (also 2/3 von fünf Jahren „Neymar unter Vertrag“) bewertet wird.

Ich bin mal gespannt wie die UEFA das sieht. Wenn dieser Deal so durchgeht, kann die UEFA für das „Financial Fairplay“ den Grabstein mit dem Sterbedatum 03.August 2017 bestellen. Aus meiner Sicht war der 3. August ein guter Tag für den FC Barcelona und ein schlechter Tag für den Fußball. Die Seele des Spiels landet auf dem Basar in Doha!

Payment Problem

Dagegen sind doch die Probleme mit denen sich manche heimischen Clubs rum schlagen müssen wirklich Peanuts. Bei den Bundesligisten Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, FC Augsburg und dem Zweitligisten 1.FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden durften die Fans die obligatorische Stadionwurst und die Getränke nicht mehr bar bezahlen, sondern man musste sich eine Geldkarte mit Guthaben kaufen. Dumm nur, dass der Geschäftspartner dieser fünf Vereine – die Firma Payment Solution entweder von wirtschaftlichen Chaoten oder von Verbrechern geführt wurde. Jedenfalls war der Laden vor dem letzten Bundesliga-Spieltag in der vergangenen Pleite. Und dass auf den Karten noch vorhanden Guthaben – so ist leider die gängige Rechtslage – wurde vom Insolvenzverwalter einkassiert und die Fans können sich in der Reihe der Gläubiger anstellen in der Hoffnung, dass eine ordentliche Insolvenzquote herauskommt.

Hier trifft es die Treuesten der Treuen und deshalb mein Appell an den Eintracht Finanz-Chef Oliver Frankenbach – Olf mach die Büchse auf und entschädige die Fans – Ihr kriegt es doch von denen doppelt und dreifach zurück. Der FC Augsburg hat es vorgemacht und unbürokratisch gehandelt.

http://www.br.de/themen/sport/inhalt/fussball/bundesliga/fc-augsburg/bezahlkarten-stadion-fc-augsburg-fans-geld-zurueck-100.html

Für mich ist dieser ganze „Fan-Karten-Mist“ sowieso ein lästiges Übel. Jetzt wurden mit dem Euro mal die ganzen Schubladen für Schillinge, Francs, Peseten und Lira frei, stattdessen liegen dann da die „Knappen-Karte“, „Arena-Card“ oder „Werder-Card“. Das braucht eigentlich kein Mensch.

Und irgendwer in den Vereinen muss ja auch die Verträge mit Payment Solution gemacht haben. Der sollte aus Solidarität dann auch mal ein Monatsgehalt dazu tun. Oder zumindest die Provision zurückbezahlen. Das wäre mal eine gute Nachricht für den Fußball.

Bitte neue Gesetze – und zwar schnell !

9 Juli 2017

Was wir in den vergangenen drei Tagen in Hamburg erlebt haben, stellt nicht nur für mich alles bisher da Gewesene an Krawallen in den Schatten. Das war drei Tage lang Bürgerkrieg. Wobei dieses Wort so eigentlich nicht stimmt. Der Mob, der da wütete, sind keine Bürger, das sind für mich Arschlöcher, die jegliche Rechte, die ein Straftäter in Deutschland „geniesst“, verwirkt haben. Es geht jetzt nicht darum sich auf der politischen Ebene gegenseitige Schuldvorwürfe zu machen, wer denn jetzt dafür verantwortlich ist, dass diese Veranstaltung aus dem Ruder gelaufen ist. Wir brauchen neue Gesetze – und zwar schnell.

Bundesjus­tiz­mi­nis­ter Heiko Maas hat publikumswirksam an­ge­kün­digt, mit aller Kon­se­quenz gegen die Ham­bur­ger Ge­walt­tä­ter vor­zu­ge­hen:

„Das sind keine blo­ßen Chao­ten, das sind schwerst­kri­mi­nel­le Ge­walt­tä­ter und Brand­stif­ter“, so Maas in der „BILD am SONN­TAG“. Dass in Ham­burg ma­ro­die­ren­de Ban­den ganze Stra­ßen­zü­ge ver­wüs­te­ten, zeige „eine neue Qua­li­tät von Bru­ta­li­tät“. Weiter wird der Minister mit den Worten zitiert. „Die Ver­ant­wor­tung für diese hem­mungs­lo­se Ge­walt tra­gen die Ver­bre­cher. Sie wer­den sich dafür vor Ge­richt ver­ant­wor­ten müs­sen. Unser Rechts­staat wird mit aller Kon­se­quenz dar­auf re­agie­ren.“

Na ja: Erstmal ist ein Teil von denen entspannt mit dem Zug nach Hause gefahren (siehe unten)

Aber wie kann denn nach der jetzigen Gesetzesgrundlage jemand verurteilt werden, der nicht klar als Täter identifiziert wird. Und wenn von 20 Vermummten einer einen Molotow-Cocktail auf ein hilfloses Auto wirft, wird das sehr, sehr schwer, diesen Drecksack herauszufiltern.

Deshalb brauchen wir als erstes ein  „KLARES VERMUMMUNGSVERBOT“ mit drakonischen Strafen für denjenigen, der dagegen verstösst. Wer sich unkenntlich macht, hat den Falschen im Säckel. Und gehört bestraft, BEVOR er Unheil anrichtet.

Es kann doch in der heutigen Zeit, wo jeder Furz überwacht wird, nicht sein, das so ein Krebsgeschwür wie der „schwarze Block“ mitten in unserem Land sein Unwesen treibt. Da brauchen wir schnellstens eine internationale Sonderkommission, die da mal einen (ich formuliere das mal bewusst provokativ) „kleinen Holocaust“ veranstaltet und diesen Puff ausräuchert. Bevor sich jetzt jemand aufregt: Das ist bildlich gemeint bzw. ein Wortspiel und ich verurteile alle Vorgänge, die zur Entstehung dieses Wortes geführt haben, auf’s schärfste. Übrigens bin ich stolz darauf ein Niederbrechener zu sein, dem Ort, wo das Arschloch Adolf 1933 mit 3,1% deutschlandweit die wenigsten Stimmen bekommen hat !

http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Die-Anhaengerschaft-der-Nazis;art680,410672

 

Die Polizei hat in meinen Augen absolut richtig reagiert und erst Härte gezeigt, als die ersten vermummten Gestalten sich unter die Demonstranten gemischt haben. Und im Prinzip gilt hier das gleiche wie im Fussball-Stadion. Wenn neben mir einer eine Pyrofackel zündelt, dann habe ich eigentlich die Pflicht, den anzuzeigen. Und genauso müssten friedliche Demonstranten diesen asozialen Chaoten vom „schwarzen Block“ sagen, „verpisst Euch, wir wollen keinen Krawall“. Macht aber keiner.

In der Realität muss ich aber dann leider Meldungen wie diese aus dem „BILD LIVE-TICKER“ vom Sonntag, den 09.07.2017 um 00:59 wahrnehmen

Sonderzug bringt die Störer weg

„Am Hamburger Hauptbahnhof ist ein Sonderzug losgefahren, der G20-Gegner in Richtung Basel bringen sollte. Die Abfahrt verzögerte sich um gut eine Stunde, weil die Polizei die Personalien von Mitfahrenden aufnehmen und Videos von ihnen machen wollte. Mit der Maßnahme sollte nach mutmaßlichen Straftätern gesucht werden. Letztlich kontrollierten die Beamten nur oberflächlich. Festnahmen gab es nicht.“

Das lasse ich mal unkommentiert mit der Frage stehen: Hatten die alle eine Fahrkarte oder wer hat diesen Zug finanziert ? Oder waren das alle friedliche Demonstranten ? Dann sollten die die Zugfahrt mal nutzen um nachzudenken, ob das denn künftig überhaupt Sinn macht. Wenn allerdings „Vermummte“ in den Zug eingestiegen sind, dann fehlen mir echt die Worte !

 

Kommen wir zum nächsten Thema: Was machen wir denn mit der Handvoll Verbrecher, die jetzt festgenommen wurden ? (aktueller Stand; 144)

Zunächst mal eine Meldung, die ich auf „Focus-Online“ gelesen habe.

„Der anwaltliche Notdienst hat eine massive Behinderung durch Polizei und Justiz in Hamburg beklagt. Am Donnerstag sei ihnen der Zugang zu den Mandanten verwehrt worden, inzwischen seien in geringem Umfang Anbahnungsgespräche mit den Festgenommenen möglich.“

Liebe Mitarbeiter vom „anwaltlichen Notdienst“. Wie schmerzfrei muss man sein, um überhaupt solche Typen zu verteidigen. Ihr habt doch genug Prozessfälle im Land. Wenn ich mir so etwas antun müsste – ich glaube, ich würde mir überlegen umzuschulen. Organisiert doch z. B. mal eine Spendenaktion für die Oma, denen Eure „Mandanten“ das Auto abgefackelt haben und die jetzt zu Fuss gehen muss !

Wer mit Böllern, Flaschen und Steinen auf Polizisten wirft, gehört ins Gefängnis. Punkt ! Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchte Körperverletzung, versuchter Totschlag oder versuchter Mord“. Und es kann auch nicht sein, dass ein Polizist, der sein Leben riskiert, um die Allgemeinheit zu schützen, Stress bekommt, wenn er seine Dienstwaffe benutzt. Dafür ist die da. An dieser Stelle möchte ich allen beteiligten Polizisten meine Hochachtung und meinen Dank für Ihren Einsatz aussprechen. Und allen verletzten Polizisten eine baldige Genesung wünschen.

Mediale und juristische Aufarbeitung

Dieses Wochenende wird natürlich in den kommenden Tagen in unzähligen Talkshows aufgearbeitet werden. Ich habe nur eine Bitte an die Programmmacher: Ladet mir bitte keinen dieser linken Krawallbrüder ein, sondern lasst auch mal beteiligte Polizisten, deren Frauen oder Kinder zu Wort kommen. Und wenn Ihr Politiker einladet, bitte nur einen. Der kann sich dann auf die Sache konzentrieren und muss nicht ständig darauf achten, dass er das Gegenteil von dem zweiten anwesenden Politiker sagt.

Gespannt bin ich mal, ob die Protagonisten der linken Hamburger Szene dieses Mal ungeschoren davon kommen – wenn es nach mir geht, definitiv nicht !

Wenn ich mir die Aussagen ihres „Rechtsanwalts“ Andreas Beuth so anschaue, wäre als erste Maßnahme mal die Aberkennung seiner Zulassung als Rechtsanwalt angesagt.

http://www.huffingtonpost.de/2017/07/08/anwalt-g20-beuth_n_17433880.html

Bei dem „offiziellen Anmelder“ der Demonstration „welcome to hell“ Andreas Blechschmidt frage ich mich, wo er die ganze Kreide gekauft hat, die er jetzt vor seinen Statements gefressen hat, wo er sich erstaunt über die Gewaltexzesse zeigt.

Der beigefügte Artikel beschreibt übrigens nicht die Ereignisse des vergangenen Wochenendes, sondern stammt vom 21. Dezember 2013.

http://www.spiegel.de/panorama/hamburg-schwere-krawalle-bei-demonstration-fuer-rote-flora-a-940495.html

Lieber Herr Blechschmidt, für wie blöd halten Sie eigentlich die Öffentlichkeit ?

Wenn es nach mir geht, ist die nächste Anmeldung, die Sie vornehmen, die der Privatinsolvenz und die linke Brutstätte „Rote Flora“ gehört eher gestern als heute dicht gemacht. Ihr seid keinen Deut besser, als die ganzen Hassprediger !

Die politischen Ergebnisse des G-20 Gipfels sind angesichts der ganzen Randale völlig in den Hintergrund gerückt. Aber auch bei den Demonstranten, die mit friedlichen Absichten gekommen sind, frage ich mich : „Gegen was demonstriert Ihr eigentlich ?“ Da kommen die 20 Regierungschefs der größten Industriestaaten zusammen und bereden, wie die Welt besser zu machen ist. Mindestens 18 von denen sind demokratisch gewählt. Was sollen die denn sonst tun ? Sollen die sich gegenseitig in die Fresse hauen, oder Ihre Völker gegeneinander aufhetzen, wie vor 75 Jahren ? Wer heute noch davon träumt, Sozialismus oder Kommunismus ist die bessere Staatsform: Um 20:15 fliegt AIR CHINA heute abend von Frankfurt nach Pjöngjang – one way für 2.000 Euro – Guten Flug !

So entstehen Fake News

8 Juni 2017

Dünn drüber oder genau hinschauen

„Den deutschen Privathaushalten sind durch die Niedrigzinsen seit 2010 Einnahmen in Höhe von 344 Milliarden Euro entgangen. Zu diesem Ergebnis kommt die DZ Bank in einer aktuellen Studie.“ Nachzulesen auf „Spiegel-Online“ am 22. Mai. Außerdem, so die Strategen des genossenschaftlichen Instituts, kommen im laufenden Jahr 92 Milliarden dazu.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/niedrigzinsen-deutschen-buergern-entgingen-344-milliarden-euro-a-1148761.html

Und wie man in der Zusammenfassung der Studie weiterlesen kann, werden die armen Sparer jetzt auch noch von der langsam ansteigenden Inflation zusätzlich belastet. Eine Steilvorlage für die Stammtische, an denen über die EZB und Mario Draghi geschimpft und gelästert wird, was das Zeug hält.

Aber das Ganze ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie man den Mainstream in die gewünschte Richtung lenkt. Man muss sich nur die Mühe machen und die Studie der DZ-Bank einmal selber lesen und sich nicht auf Zusammenfassungen verlassen. Und außerdem soll es ja, außer dem Finanzminister, auch eine Klientel geben, die von den niedrigen Zinsen profitiert.

https://www.dzbank.de/content/dam/dzbank_de/de/library/presselibrary/pdf_dokumente/Konjunktur_Niedrigzins2017.pdf

Bereits am Ende von Seite 1 der insgesamt 24-seitigen Studie finden wir die Lösung für die armen Sparer. „Langfristig könnte daher eine ausgewogene Portfoliostruktur, die neben Zinseinnahmen auch stärker Dividendenerträge und Kursgewinne ermöglicht, Abhilfe schaffen.“ – auf Deutsch: „Jammert nicht über die Zinsen, kauft halt ein paar gute Aktien (oder Aktienfonds) dazu!“

Seit 30 Jahren fallende Zinsen

Was mich in der heutigen Zeit immer wieder wundert ist, dass es Leute mit angeblich wirtschaftlichem Sachverstand gibt, die steigende Zinsen für gut halten oder dies öffentlich einfordern. Zugegeben, wir leben seit 30 Jahren mit einem Zinstrend, der im Prinzip nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten. Und wenn man genau hinschaut – auf Seite 3 der Studie findet man eine sehr schöne Grafik – hat in den letzten 20 Jahren jede auch nur ansatzweise einsetzende Korrektur dieses Trends (1999-2001, 2006-2008 und 2011) zu starken Verwerfungen an den Aktienmärkten geführt. Aber ganz im Ernst: Wer glaubt denn, dass Europa künftig mit Zinssätzen von vier oder fünf Prozent leben kann. Die öffentlichen Haushalte wären nicht mehr refinanzierbar, die Bauindustrie könnte Kurzarbeit anmelden und Start-Up Unternehmen würden gar nicht erst gegründet. Leute es macht keinen Sinn alten Zeiten hinter her zu trauern, sondern man muss sich auf die neue Welt einstellen, und die ist Scharia-konform und heißt „Nullzins“. Ansonsten halte ich es weniger mit dem Islam, sondern hebe bei Gelegenheit immer wieder mal das Glas auf das Wohl von Mario Draghi. Und habe dabei immer meinen Spaß in die verdutzten Gesichter meiner Gegenüber zu schauen, die das oft zunächst gar nicht verstehen. Dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Mai 2017 unter 2,5 Millionen gefallen ist, haben wir jedenfalls nicht unserer Arbeitsministerin zu verdanken, da schicke ich den Gruß eher an die EZB.

Dass „zinsbasierte“ Produkte wie Bausparen und Lebens- bzw. Rentenversicherungen überhaupt noch eine Existenzberechtigung haben, ist aus meiner Sicht nur dem weit verbreiteten finanziellen Analphabetismus in Deutschland zu erklären. Bei den meisten reicht es – wenn überhaupt – für die Grundrechenarten. Bei Prozentrechnen und Dreisatz trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Und die finanzmathematischen Königsdisziplinen Zinseszinsrechnung bzw. Exponentialrechnung können viele schon nicht fehlerfrei schreiben.

Die Aktien-Hausse fängt gerade an zu laufen

Mir soll bloß keiner mit dem Märchen kommen, die seit 2009 anhaltende Aktienhausse verliert im neunten Jahr ihre Kraft. Im Jahr 2011 hatten wir eine Korrektur von 7.527 DAX-Punkten auf 5.072 Punkte, was einem Rückgang von 33% entspricht. Und in 2015/2016 korrigierte der Markt von 12.374 Punkten bis auf 8.752 Punkte (30%). In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe ich gelernt, bei 30% Rückgang ist das Ende der Fahnenstange bei einem Crash erreicht. In den Jahren 2002 und 2008 wurden wir zwar eines Besseren belehrt, aber für mich heißt das auch, 2011 und 2015/2016 wurde die Uhr auf null zurückgedreht. Für mich hat die Hausse am 11.2.2016 begonnen und ist demzufolge noch verdammt jung.

Einen Versuch war es wert!

1 Juni 2017

Max Stillger zur letzten Ausgabe der Limburger Zeitung

Liebe Leser, zum letzten Mal halten Sie eine Kolumne in gedruckter Form in der „Limburger Zeitung“ in den Händen. Es gibt sicherlich viele, die sagen „Gott-sei-Dank“ bleiben wir in Zukunft von diesem „Gesabbel“ verschont. Aber mir haben auch jede Menge Leute auf die Schulter geklopft und gesagt, „das finden wir klasse, was du da schreibst“. Wie im realen Leben – man kann es halt nicht allen recht machen. Das Schulterklopfen bedeutet aber auch leider, dass man sich davon nichts kaufen kann. sondern ein Blatt wie die „Limburger Zeitung“ lebt von Anzeigen – und da kam halt leider einfach zu wenig. Die zweite große Herausforderung, die Zeitung an den Mann, die Frau bzw. ins Haus zu bringen, ist in der heutigen Zeit auch nicht mehr so einfach, wie das noch vor zehn oder 15 Jahren war, wo sich Jugendliche nach so einem Job „die Finger geleckt haben“. Aber eines sind wir nicht: „so blauäugig, dass wir das nicht vorher gewusst haben“…

Wir sind dieses – ich nenne es mal „Projekt“ – vor ca. anderthalb Jahren mit einem klaren Plan angegangen und waren zuversichtlich, dass es uns gelingt in der Region Limburg ein Wochenblatt im z.Zt. generell unter Schwäche leidenden Markt der Printmedien zu etablieren. Und das Ganze mit dem parallelen Blick auf den Online-Bereich bzw. auch auf eine App. Wenn ich aber dann Monat für Monat sehe, dass meine Ausgaben größer sind als die Einnahmen, ist es logisch, dass ich als Investor irgendwann denn Stecker ziehe, wenn mein für diese „Veranstaltung“ bereit gestelltes Budget aufgebraucht ist. Zumal es keinen positiven, sondern eher seitwärtsgerichteten Umsatztrend gab.

Das allerletzte was ich und meine Mitstreiter jetzt gebrauchen können, sind die Zeigefinger und in meinen Augen „echten Dummbabbler“ die jetzt mit den Worten nach dem Motto „das haben wir gleich gewusst, dass das nix wird“ aus allen Löchern gekrochen kommen. Denen kann ich nur zurufen: „Dann macht Ihr mal ne Zeitung und dann diskutieren wir weiter!“

Da schließe ich mich 1:1 den legendären Worten von Rudi Völler vom 6.September 2003 auf Island an, als er Waldi Hartmann zur Weißbier-Legende machte

https://www.youtube.com/watch?v=V0xIECkaMVA

Der Rudi wusste damals schon, wie gut die Isländer sind. 2016 haben es dann die Engländer schmerzhaft registriert

An alle Oberlehrer: Das zeichnet übrigens erfolgreiche Unternehmer aus, irgendwann „STOP“ zu sagen, als endlos weiter zu wursteln! Ich kenne keinen großen Unternehmer in der heutigen Zeit, der nicht auch bei dem ein oder anderen Projekt die Eier „neben das Nest gelegt hat“. Entscheidend ist, dass man hier und da auch ein paar Engagements hat, die gut laufen und in der Gesamt-Summe die schlechten übertreffen.  Vielleicht hätte das Projekt „Zeitung“ funktioniert, wenn ich meine komplette Arbeitskraft in den Dienst dieses „Baby’s“ gestellt hätte, aber bekanntermaßen geht das ja nicht.

Kolumnen auf FLW24 und DerFonds

Was das Thema „Kolumne“ betrifft, gibt es ja bereits seit mehr als fünf Jahren meinen Blog www.markus-stillger.de auf dem auch alle Beiträge, die in dieser Zeitung erschienen sind, online gestellt sind. Bei den Sport-Themen bin ich nach wie vor in regelmäßigen Abständen auch über www.flw24.de präsent. Hier bietet das gerade zu Ende gegangene Pokalfinale mit einem legendären Auftritt von „Helenchen“ Fischer ja geradezu eine Steilvorlage. Ich fand das kollektive Pfeifkonzert der Eintracht und BVB-Fans klasse. Ein erstes Zeichen, dass die Fans sich nicht alles gefallen lassen.  Das DFB-Pokalfinale als Promotion-Plattform für das neue Album von Helene Fischer! Geht’s noch? Hoffentlich haben die Herren um DFB-Präsident Reinhard Grindel registriert, wie weit er und seine Kollegen mittlerweile von der Basis entfernt sind. Und der Herr Grindel war eigentlich – wie auch Theo Zwanziger – ein „Mann für die Amateure“. Aber bei ihm gewinne ich zusehends den Eindruck, dass er nur bemüht ist, möglichst Fehler zu vermeiden, anstatt Akzente zu setzen. Und das ist gerade bei der FIFA dringend notwendig. Bei meinen Freunden von FLW24 um Dominik Groß möchte ich mich im Nanen meiner Mitstreiter des LMZ-Verlags an dieser Stelle für die sehr angenehme Zusammenarbeit in den letzten 15 Monaten bedanken. Das war eine sehr gelungene Mischung von Online und Printmedien im lokalen Bereich.

Zu Wirtschaftsthemen gibt es bereits seit einiger Zeit ebenfalls eine monatliche Kolumne bei www.derfonds.de. In der kommenden Woche einmal mehr zum Thema Zinspolitik. Die DZ-Bank hat in einer Studie ausgerechnet, wieviel Geld den deutschen Sparern durch die Niedrigzinsphase durch „die Lappen“ geht. Meine Meinung dazu ist bekannt: Die Deutschen sollten lieber mal für einen Teil der Kohle, die auf dem Sparbuch liegt (nicht für alles, aber für einen Teil) Aktien kaufen, dann würde aus dem Nachteil ganz schnell ein Vorteil werden. Und bei Zinsen von 5% würden zwar die Sparer entspannt aus dem Fenster schauen, aber in jeder Familie gäbe es dann mindestens einen Arbeitslosen. Ob das dann erstrebenswert ist? Auf alle Fälle gibt es wenigstens ein paar Leser, die meinem Ratschlag gefolgt sind. Aber es ist wie bei den Anzeigen -ein paar mehr hätten es schon sein können…

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht

25 Mai 2017

Max Stillger über ungesunde Entwicklungen im Fußballgeschäft

Ich glaube es war im Jahr 2002 oder 2003. Der schwergewichtige Rainer Calmund – damals noch in Manager-Diensten bei Bayer 04 Leverkusen – prägte in einem Interview den Satz „Wir fahren alle mit Vollgas auf die Wand zu, aber keiner traut sich auf die Bremse zu treten.“ „Calli“ ruderte dabei in seiner unnachahmlichen Art mit den Armen, als halte er persönlich das Lenkrad in der Hand. Zahlreiche Experten pflichteten ihm aber in dieser Zeit bei, dass der finanzielle Kollaps einiger Bundesliga-Vereine unmittelbar bevorsteht. 15 Jahre später sind wir alle schlauer. Ob es besser geworden ist, wage ich zu bezweifeln. Betrug zum Zeitpunkt von „Calli’s“ Ausführungen beispielsweise der gesamte Mannschaftsetat des Hamburger SV noch gut 15 Mio. Euro, „schleppt“ diese Summe heute der ein oder andere FC Bayern Spieler alleine nach Hause. Aber welchen Preis zahlen die Fans? Eine – in meinen Augen viel zu wenig in der Öffentlichkeit diskutierte – Frechheit, war es beispielsweise, dass sich der Rechteinhaber SKY vor der Saison hinstellte und verkündete: „Unsere Preise bleiben stabil!“. Auf den ersten Blick stimmte das. Mit dem kleinen Unterscheid, dass der Fan in dieser Saison samstags mittags getrost um 13:30 Uhr seine Gattin zum Einkaufen begleiten konnte, weil zu dieser Uhrzeit anstatt des Londoner Derbys Chelsea gegen Tottenham, das ost-steyrische-burgenländische Derby Puntigamer Graz gegen SV Mattersburg über den Bildschirm flatterte. Und das meine Herren von SKY – mit Verlaub – interessiert hierzulande wohl keine Sau. Die Umlegung der Kosten für die Fernseh-Rechte an der britischen Premier-League wollte und konnte man dem deutschen Gebührenzahler dann wohl doch nicht zumuten.

Lieber „Fan“ vom Spieler als vom Verein

Irgendwann in den neunziger Jahren hatte ein pfiffiger Werbeprofi die Idee, den Spielern feste Rückennummern zu vergeben und dazu die Namen der Spieler auf die Trikots zu drucken. Das kannte man bis dato nur von Welt- und Europameisterschaften. Eigentlich eine gut gemeinte Idee. Allerdings hat sich die durchschnittliche Verweildauer eines Profis bei einem Verein mittlerweile auf einen Zeitraum von zwei-drei Jahren deutlich ermäßigt. Ein Roman Weidenfeller, der im kommenden Jahr in seine 16. Saison bei Borussia Dortmund geht, ist da eine rühmliche Ausnahme. Und nicht selten kriegen die Fans ein Trikot im Wert von 80-100 Euro unter den Weihnachtsbaum gelegt, dass bereits in der darauffolgenden Wechselperiode im Januar unter der Rubrik „ach ja, der hat auch mal hier gespielt“ seinen Wert verloren hat.  Hier hätte der erste Verein noch ein Zeichen zu setzen, frei nach dem Motto: „Wenn der Spieler kurzfristig wechselt, gibt es einen Teil des Geldes zurück“. In Anbetracht des sich immer schneller drehenden Transferkarussels habe ich auch schon Fußballfreunde kennen gelernt, die gesagt haben. „Mein Verein tauscht ja alle drei Jahre die komplette Mannschaft aus, da kann ich mich nicht mehr mit identifizieren. Ich bin jetzt Fan des Spielers x oder y“.

Kein Bier mehr auf dem „Deckel“

Vor zwei Wochen hat uns dann eine Nachricht ereilt, bei der ich mir denke: „Wann platzt denn endlich mal den Leuten kollektiv der Kragen“ bzw. „wo ist die Schmerzgrenze der Verarschung?“. Ich finde es schon schlimm genug, dass man in den meisten Stadien nicht mehr mit Bargeld zahlen kann. Getränke und die obligatorische „Stadionwurst“ gibt es nur über einen entsprechenden „Fan-Deckel“ den man kaufen muss und der dann nach Ablauf des Guthabens neu aufgeladen wird. Im Extremfall haben „Edelfans“, die auch einige Auswärtsspiele besuchen, dann ein ganzes Sortiment dieser Deckel im Besitz. Aber was macht ein Anhänger von Werder Bremen denn jetzt mit dem Restguthaben auf der „Schanzer-Fan-Karte“ vom letzten Auswärtsspiel in Ingolstadt? Das kann Jahre dauern, bis der – wenn überhaupt – wieder mal dahin kommt.  Getoppt wurde das alles jetzt von der Pleite der Firma „Payment Solution“, die unter anderem auch in Frankfurt; Berlin und Kaiserslautern für die Bewirtschaftung der Stadien zuständig war. Wer es in der heutigen Zeit, bei dieser Auslastung der Stadien, nicht schafft kostendeckend zu arbeiten ist entweder eine betriebswirtschaftliche Pfeife oder ein Betrüger. Den betroffenen Vereinen kann ich nur sagen: „Seht zu, dass Ihr Eure gebeutelten Fans wenigstens entschädigt!“ Die hatten allesamt, ob in Berlin Frankfurt oder Kaiserslautern, in der zurückliegenden Rückrunde ohnehin wenig zu lachen.