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Danke Fussballgott !

25 August 2017

Am vergangenen Dienstag um 22:34 habe ich gedacht: „Es gibt ihn wirklich !“

Den vieldiskutierten „Fussballgott“. Was war passiert ? In der 89.Minute des Champions-League Play-Off-Matches zwischen dem FC Sevilla und Basaksehir FK klatschte beim Stand von 2.2 ein Freistoß des türkischen Nationalspieler Emre Belözoglu an den Pfosten. Nachdem Sevilla das Hinspiel in der Türkei mit 2:1 gewonnen hatte, reichte es für den Ex-Verein von Diego Maradona und fünfmaligen Euro-League-Gewinner (unter anderem der Jahre 2014/2015/2016) mit viel Glück zur Gruppenphase der Champions-League in der man jetzt auf den FC Liverpool, NK Maribor und Spartak Moskau trifft. Man ist geneigt zu sagen „Losglück kam dann auch noch dazu“ – oder wie die Österreicher sagen: „Wanns laaft, da laaft’s“.

Warum schreibe ich das ?

Basaksehir FK ist kein gewöhnlicher Fussballclub, sondern der Lieblingsverein eines gewissen Herrn Erdogan aus Istanbul. Der Verein steig im Jahr 2014 in die 1. türkische Liga auf und belegte in der vergangenen Saison mit vier Punkten Rückstand auf Besiktas Istanbul Platz zwei. Im Pokalfinale zog man im 11-Meter-Schiessen (noch) den Kürzeren. Ich gehe jede Wette ein: Der türkische Meister in der Saison 2017/2018 heisst Basaksehir FK. Den Schiedsrichter will ich sehen, der in der letzten Minute einen Elfmeter gegen die pfeift, oder ein Abseitstor zurück nimmt.

Eigentlich schaltet sich in Fällen der politischen Einmischung in das nationale Sportgeschehen immer direkt die FIFA ein und verhängt Sanktionen, bis hin zur Suspendierung des Nationalteams vom Spielbetrieb. Hier könnte der Glatzkopf aus Zürich mal ein paar Pluspunkte bei mir sammeln, wenn er das aufmerksam verfolgt und gegebenenfalls auch mal dazwischen haut. Aber auf europäischer Ebene haben wir in diesem Jahr nochmal den Fussballgott an unserer Seite gehabt. Im nächsten Jahr hilft der uns leider nicht mehr weiter, denn der türkische Meister ist direkt für die Champions-League qualifiziert.

Ansonsten sind nach der fussballlosen Zeit im Juli mittlerweile sowohl im Amateur- als auch im Profibereich die ersten Punkte vergeben und auch die erste Runde im Pokal ist gespielt. Und – same procedere as every year – mit Maik Walpurgis (FC Ingolstadt) und Thomas Letsch (Erzgebirge Aue), sowie Gertjan Verbeek (VfL Bochum) mussten nach drei Spieltagen bereits drei Trainer in der zweiten Liga ihren Hut nehmen. Verbeek sogar bevor der erste Ball der neuen Saison getreten wurde. Die Haltbarkeit des Joghurts im Kühlschrank ist mittlerweile länger als ein Trainerjob. Für mich eine genauso schwachsinnige Entwicklung, wie die Entscheidung vor einigen Jahren den Schluss der Transferperiode auf den 31. August zu legen.

Wer in der kommenden Woche mal für 2 Tage „offline“ oder von der Nachrichtenwelt abgeschnitten ist, kann auf keinem Stammtisch mehr mitreden. Eine für mich unerzichtbare Quelle mich in diesem Thema auf dem Laufenden zu halten ist der legendäre „11 Freunde Transferticker“

https://www.11freunde.de/liveticker/der-grosse-11freunde-transferticker-18

Aber wir hätten genauso viel Spass daran, wenn die Wechselfrist am 30.6. enden würde. Und das wäre in meinen Augen der einzig richtige Termin.

Balla-Balla

4 August 2017

Der 3. August 2017 war für den Schatzmeister des FC Barcelona ein guter Tag. Beim morgendlichen Blick auf das Konto blinkte eine Gutschrift von 222 Mio. €. Aufraggeber des Geldregens war einer seiner bisherigen Gehaltsempfänger, der sich mit dieser Summe aus seinem eigentlich noch bis zum 30.06.2021 laufenden Vertrag freigekauft hat.

Neymar da Silva Santos Júnior – bekannt unter dem Kürzel Neymar – hatte es offensichtlich eilig seinen ehemaligen Wunschverein zu verlassen. Da er trotz des üppigen Gehalts in Barcelona diesen Betrag nicht mal so eben aus seiner Portokasse zahlen kann, wurde Anfang der Woche kurzerhand ein Vertrag als Werbebotschafter mit dem Emirat Katar geschlossen in dem Neymar jr. als „Gesicht für die WM 2022“ verpflichtet wurde. Als Antrittsgeld gab’s gleich mal 222 Mio. €, die konnte er ja zufällig 2 Tage später gut gebrauchen…

Ein paar Fragen bleiben da schon offen: Warum zahlt nicht sein neuer Verein Paris St. Germain – so wie es üblich ist – die Ablösesumme an den abgebenden Verein. In der Kreisliga soll es ja mal vorkommen, dass ein Spieler die 500 oder 1.000 Euro aus eigener Tasche zahlt – aber 222 Millionen?

Glauben die Franzosen wirklich mit so einer Posse die „Financial-Fairplay-Regel“, die von der UEFA hochgehalten wird, zu umgehen und den Rest der Fußballwelt zu verarschen?

„Financial Fairplay“ besagt, dass ein Verein über einen Zeitraum von 3 Jahren eine ausgeglichene Bilanz vorlegen muss, d.h. nicht mehr Geld ausgeben, als einnehmen darf. Ein Negativ-Saldo darf maximal in Höhe von 45 Millionen Euro durch private Geldgeber ausgeglichen werden. Weiterhin muss man wissen, dass Ablösesummen nicht sofort in voller Höhe berücksichtigt werden sondern über 5 Jahre verteilt (abgeschrieben) werden.

Also hätte der Neymar-Deal bei korrektem Vorgehen de PSG-Bilanz mit 44,4 Mio. jährlich belastet. Nur was die Ablöse betrifft. Der Bub muss ja auch noch was verdienen und sein Vater (als Berater) natürlich auch. 30 Millionen Netto pro Jahr heißt in Frankreich 100 Millionen brutto – und Neymar Senior bekommt 40 Mio. aufs Konto die er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in bester „George Best-Manier“ ausgeben wird. Alles in allem reden wir dann über fünf Jahre verteilt über 750 Mio. Euro, nur damit ein brasilianischer Junge den Parisern zeigt, wie Fußball gespielt wird. Mir fehlen da echt die Worte, gerade auch wenn ich das damit vergleiche, dass die ganze „Veranstaltung“ BVB derzeit an der Börse gerade mal mit 500 Mio. Euro (also 2/3 von fünf Jahren „Neymar unter Vertrag“) bewertet wird.

Ich bin mal gespannt wie die UEFA das sieht. Wenn dieser Deal so durchgeht, kann die UEFA für das „Financial Fairplay“ den Grabstein mit dem Sterbedatum 03.August 2017 bestellen. Aus meiner Sicht war der 3. August ein guter Tag für den FC Barcelona und ein schlechter Tag für den Fußball. Die Seele des Spiels landet auf dem Basar in Doha!

Payment Problem

Dagegen sind doch die Probleme mit denen sich manche heimischen Clubs rum schlagen müssen wirklich Peanuts. Bei den Bundesligisten Hertha BSC, Eintracht Frankfurt, FC Augsburg und dem Zweitligisten 1.FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden durften die Fans die obligatorische Stadionwurst und die Getränke nicht mehr bar bezahlen, sondern man musste sich eine Geldkarte mit Guthaben kaufen. Dumm nur, dass der Geschäftspartner dieser fünf Vereine – die Firma Payment Solution entweder von wirtschaftlichen Chaoten oder von Verbrechern geführt wurde. Jedenfalls war der Laden vor dem letzten Bundesliga-Spieltag in der vergangenen Pleite. Und dass auf den Karten noch vorhanden Guthaben – so ist leider die gängige Rechtslage – wurde vom Insolvenzverwalter einkassiert und die Fans können sich in der Reihe der Gläubiger anstellen in der Hoffnung, dass eine ordentliche Insolvenzquote herauskommt.

Hier trifft es die Treuesten der Treuen und deshalb mein Appell an den Eintracht Finanz-Chef Oliver Frankenbach – Olf mach die Büchse auf und entschädige die Fans – Ihr kriegt es doch von denen doppelt und dreifach zurück. Der FC Augsburg hat es vorgemacht und unbürokratisch gehandelt.

http://www.br.de/themen/sport/inhalt/fussball/bundesliga/fc-augsburg/bezahlkarten-stadion-fc-augsburg-fans-geld-zurueck-100.html

Für mich ist dieser ganze „Fan-Karten-Mist“ sowieso ein lästiges Übel. Jetzt wurden mit dem Euro mal die ganzen Schubladen für Schillinge, Francs, Peseten und Lira frei, stattdessen liegen dann da die „Knappen-Karte“, „Arena-Card“ oder „Werder-Card“. Das braucht eigentlich kein Mensch.

Und irgendwer in den Vereinen muss ja auch die Verträge mit Payment Solution gemacht haben. Der sollte aus Solidarität dann auch mal ein Monatsgehalt dazu tun. Oder zumindest die Provision zurückbezahlen. Das wäre mal eine gute Nachricht für den Fußball.

Bitte neue Gesetze – und zwar schnell !

9 Juli 2017

Was wir in den vergangenen drei Tagen in Hamburg erlebt haben, stellt nicht nur für mich alles bisher da Gewesene an Krawallen in den Schatten. Das war drei Tage lang Bürgerkrieg. Wobei dieses Wort so eigentlich nicht stimmt. Der Mob, der da wütete, sind keine Bürger, das sind für mich Arschlöcher, die jegliche Rechte, die ein Straftäter in Deutschland „geniesst“, verwirkt haben. Es geht jetzt nicht darum sich auf der politischen Ebene gegenseitige Schuldvorwürfe zu machen, wer denn jetzt dafür verantwortlich ist, dass diese Veranstaltung aus dem Ruder gelaufen ist. Wir brauchen neue Gesetze – und zwar schnell.

Bundesjus­tiz­mi­nis­ter Heiko Maas hat publikumswirksam an­ge­kün­digt, mit aller Kon­se­quenz gegen die Ham­bur­ger Ge­walt­tä­ter vor­zu­ge­hen:

„Das sind keine blo­ßen Chao­ten, das sind schwerst­kri­mi­nel­le Ge­walt­tä­ter und Brand­stif­ter“, so Maas in der „BILD am SONN­TAG“. Dass in Ham­burg ma­ro­die­ren­de Ban­den ganze Stra­ßen­zü­ge ver­wüs­te­ten, zeige „eine neue Qua­li­tät von Bru­ta­li­tät“. Weiter wird der Minister mit den Worten zitiert. „Die Ver­ant­wor­tung für diese hem­mungs­lo­se Ge­walt tra­gen die Ver­bre­cher. Sie wer­den sich dafür vor Ge­richt ver­ant­wor­ten müs­sen. Unser Rechts­staat wird mit aller Kon­se­quenz dar­auf re­agie­ren.“

Na ja: Erstmal ist ein Teil von denen entspannt mit dem Zug nach Hause gefahren (siehe unten)

Aber wie kann denn nach der jetzigen Gesetzesgrundlage jemand verurteilt werden, der nicht klar als Täter identifiziert wird. Und wenn von 20 Vermummten einer einen Molotow-Cocktail auf ein hilfloses Auto wirft, wird das sehr, sehr schwer, diesen Drecksack herauszufiltern.

Deshalb brauchen wir als erstes ein  „KLARES VERMUMMUNGSVERBOT“ mit drakonischen Strafen für denjenigen, der dagegen verstösst. Wer sich unkenntlich macht, hat den Falschen im Säckel. Und gehört bestraft, BEVOR er Unheil anrichtet.

Es kann doch in der heutigen Zeit, wo jeder Furz überwacht wird, nicht sein, das so ein Krebsgeschwür wie der „schwarze Block“ mitten in unserem Land sein Unwesen treibt. Da brauchen wir schnellstens eine internationale Sonderkommission, die da mal einen (ich formuliere das mal bewusst provokativ) „kleinen Holocaust“ veranstaltet und diesen Puff ausräuchert. Bevor sich jetzt jemand aufregt: Das ist bildlich gemeint bzw. ein Wortspiel und ich verurteile alle Vorgänge, die zur Entstehung dieses Wortes geführt haben, auf’s schärfste. Übrigens bin ich stolz darauf ein Niederbrechener zu sein, dem Ort, wo das Arschloch Adolf 1933 mit 3,1% deutschlandweit die wenigsten Stimmen bekommen hat !

http://www.nnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Die-Anhaengerschaft-der-Nazis;art680,410672

 

Die Polizei hat in meinen Augen absolut richtig reagiert und erst Härte gezeigt, als die ersten vermummten Gestalten sich unter die Demonstranten gemischt haben. Und im Prinzip gilt hier das gleiche wie im Fussball-Stadion. Wenn neben mir einer eine Pyrofackel zündelt, dann habe ich eigentlich die Pflicht, den anzuzeigen. Und genauso müssten friedliche Demonstranten diesen asozialen Chaoten vom „schwarzen Block“ sagen, „verpisst Euch, wir wollen keinen Krawall“. Macht aber keiner.

In der Realität muss ich aber dann leider Meldungen wie diese aus dem „BILD LIVE-TICKER“ vom Sonntag, den 09.07.2017 um 00:59 wahrnehmen

Sonderzug bringt die Störer weg

„Am Hamburger Hauptbahnhof ist ein Sonderzug losgefahren, der G20-Gegner in Richtung Basel bringen sollte. Die Abfahrt verzögerte sich um gut eine Stunde, weil die Polizei die Personalien von Mitfahrenden aufnehmen und Videos von ihnen machen wollte. Mit der Maßnahme sollte nach mutmaßlichen Straftätern gesucht werden. Letztlich kontrollierten die Beamten nur oberflächlich. Festnahmen gab es nicht.“

Das lasse ich mal unkommentiert mit der Frage stehen: Hatten die alle eine Fahrkarte oder wer hat diesen Zug finanziert ? Oder waren das alle friedliche Demonstranten ? Dann sollten die die Zugfahrt mal nutzen um nachzudenken, ob das denn künftig überhaupt Sinn macht. Wenn allerdings „Vermummte“ in den Zug eingestiegen sind, dann fehlen mir echt die Worte !

 

Kommen wir zum nächsten Thema: Was machen wir denn mit der Handvoll Verbrecher, die jetzt festgenommen wurden ? (aktueller Stand; 144)

Zunächst mal eine Meldung, die ich auf „Focus-Online“ gelesen habe.

„Der anwaltliche Notdienst hat eine massive Behinderung durch Polizei und Justiz in Hamburg beklagt. Am Donnerstag sei ihnen der Zugang zu den Mandanten verwehrt worden, inzwischen seien in geringem Umfang Anbahnungsgespräche mit den Festgenommenen möglich.“

Liebe Mitarbeiter vom „anwaltlichen Notdienst“. Wie schmerzfrei muss man sein, um überhaupt solche Typen zu verteidigen. Ihr habt doch genug Prozessfälle im Land. Wenn ich mir so etwas antun müsste – ich glaube, ich würde mir überlegen umzuschulen. Organisiert doch z. B. mal eine Spendenaktion für die Oma, denen Eure „Mandanten“ das Auto abgefackelt haben und die jetzt zu Fuss gehen muss !

Wer mit Böllern, Flaschen und Steinen auf Polizisten wirft, gehört ins Gefängnis. Punkt ! Das ist Widerstand gegen die Staatsgewalt, versuchte Körperverletzung, versuchter Totschlag oder versuchter Mord“. Und es kann auch nicht sein, dass ein Polizist, der sein Leben riskiert, um die Allgemeinheit zu schützen, Stress bekommt, wenn er seine Dienstwaffe benutzt. Dafür ist die da. An dieser Stelle möchte ich allen beteiligten Polizisten meine Hochachtung und meinen Dank für Ihren Einsatz aussprechen. Und allen verletzten Polizisten eine baldige Genesung wünschen.

Mediale und juristische Aufarbeitung

Dieses Wochenende wird natürlich in den kommenden Tagen in unzähligen Talkshows aufgearbeitet werden. Ich habe nur eine Bitte an die Programmmacher: Ladet mir bitte keinen dieser linken Krawallbrüder ein, sondern lasst auch mal beteiligte Polizisten, deren Frauen oder Kinder zu Wort kommen. Und wenn Ihr Politiker einladet, bitte nur einen. Der kann sich dann auf die Sache konzentrieren und muss nicht ständig darauf achten, dass er das Gegenteil von dem zweiten anwesenden Politiker sagt.

Gespannt bin ich mal, ob die Protagonisten der linken Hamburger Szene dieses Mal ungeschoren davon kommen – wenn es nach mir geht, definitiv nicht !

Wenn ich mir die Aussagen ihres „Rechtsanwalts“ Andreas Beuth so anschaue, wäre als erste Maßnahme mal die Aberkennung seiner Zulassung als Rechtsanwalt angesagt.

http://www.huffingtonpost.de/2017/07/08/anwalt-g20-beuth_n_17433880.html

Bei dem „offiziellen Anmelder“ der Demonstration „welcome to hell“ Andreas Blechschmidt frage ich mich, wo er die ganze Kreide gekauft hat, die er jetzt vor seinen Statements gefressen hat, wo er sich erstaunt über die Gewaltexzesse zeigt.

Der beigefügte Artikel beschreibt übrigens nicht die Ereignisse des vergangenen Wochenendes, sondern stammt vom 21. Dezember 2013.

http://www.spiegel.de/panorama/hamburg-schwere-krawalle-bei-demonstration-fuer-rote-flora-a-940495.html

Lieber Herr Blechschmidt, für wie blöd halten Sie eigentlich die Öffentlichkeit ?

Wenn es nach mir geht, ist die nächste Anmeldung, die Sie vornehmen, die der Privatinsolvenz und die linke Brutstätte „Rote Flora“ gehört eher gestern als heute dicht gemacht. Ihr seid keinen Deut besser, als die ganzen Hassprediger !

Die politischen Ergebnisse des G-20 Gipfels sind angesichts der ganzen Randale völlig in den Hintergrund gerückt. Aber auch bei den Demonstranten, die mit friedlichen Absichten gekommen sind, frage ich mich : „Gegen was demonstriert Ihr eigentlich ?“ Da kommen die 20 Regierungschefs der größten Industriestaaten zusammen und bereden, wie die Welt besser zu machen ist. Mindestens 18 von denen sind demokratisch gewählt. Was sollen die denn sonst tun ? Sollen die sich gegenseitig in die Fresse hauen, oder Ihre Völker gegeneinander aufhetzen, wie vor 75 Jahren ? Wer heute noch davon träumt, Sozialismus oder Kommunismus ist die bessere Staatsform: Um 20:15 fliegt AIR CHINA heute abend von Frankfurt nach Pjöngjang – one way für 2.000 Euro – Guten Flug !

So entstehen Fake News

8 Juni 2017

Dünn drüber oder genau hinschauen

„Den deutschen Privathaushalten sind durch die Niedrigzinsen seit 2010 Einnahmen in Höhe von 344 Milliarden Euro entgangen. Zu diesem Ergebnis kommt die DZ Bank in einer aktuellen Studie.“ Nachzulesen auf „Spiegel-Online“ am 22. Mai. Außerdem, so die Strategen des genossenschaftlichen Instituts, kommen im laufenden Jahr 92 Milliarden dazu.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/niedrigzinsen-deutschen-buergern-entgingen-344-milliarden-euro-a-1148761.html

Und wie man in der Zusammenfassung der Studie weiterlesen kann, werden die armen Sparer jetzt auch noch von der langsam ansteigenden Inflation zusätzlich belastet. Eine Steilvorlage für die Stammtische, an denen über die EZB und Mario Draghi geschimpft und gelästert wird, was das Zeug hält.

Aber das Ganze ist auch ein Musterbeispiel dafür, wie man den Mainstream in die gewünschte Richtung lenkt. Man muss sich nur die Mühe machen und die Studie der DZ-Bank einmal selber lesen und sich nicht auf Zusammenfassungen verlassen. Und außerdem soll es ja, außer dem Finanzminister, auch eine Klientel geben, die von den niedrigen Zinsen profitiert.

https://www.dzbank.de/content/dam/dzbank_de/de/library/presselibrary/pdf_dokumente/Konjunktur_Niedrigzins2017.pdf

Bereits am Ende von Seite 1 der insgesamt 24-seitigen Studie finden wir die Lösung für die armen Sparer. „Langfristig könnte daher eine ausgewogene Portfoliostruktur, die neben Zinseinnahmen auch stärker Dividendenerträge und Kursgewinne ermöglicht, Abhilfe schaffen.“ – auf Deutsch: „Jammert nicht über die Zinsen, kauft halt ein paar gute Aktien (oder Aktienfonds) dazu!“

Seit 30 Jahren fallende Zinsen

Was mich in der heutigen Zeit immer wieder wundert ist, dass es Leute mit angeblich wirtschaftlichem Sachverstand gibt, die steigende Zinsen für gut halten oder dies öffentlich einfordern. Zugegeben, wir leben seit 30 Jahren mit einem Zinstrend, der im Prinzip nur eine Richtung kennt, nämlich nach unten. Und wenn man genau hinschaut – auf Seite 3 der Studie findet man eine sehr schöne Grafik – hat in den letzten 20 Jahren jede auch nur ansatzweise einsetzende Korrektur dieses Trends (1999-2001, 2006-2008 und 2011) zu starken Verwerfungen an den Aktienmärkten geführt. Aber ganz im Ernst: Wer glaubt denn, dass Europa künftig mit Zinssätzen von vier oder fünf Prozent leben kann. Die öffentlichen Haushalte wären nicht mehr refinanzierbar, die Bauindustrie könnte Kurzarbeit anmelden und Start-Up Unternehmen würden gar nicht erst gegründet. Leute es macht keinen Sinn alten Zeiten hinter her zu trauern, sondern man muss sich auf die neue Welt einstellen, und die ist Scharia-konform und heißt „Nullzins“. Ansonsten halte ich es weniger mit dem Islam, sondern hebe bei Gelegenheit immer wieder mal das Glas auf das Wohl von Mario Draghi. Und habe dabei immer meinen Spaß in die verdutzten Gesichter meiner Gegenüber zu schauen, die das oft zunächst gar nicht verstehen. Dass die Arbeitslosenzahl in Deutschland im Mai 2017 unter 2,5 Millionen gefallen ist, haben wir jedenfalls nicht unserer Arbeitsministerin zu verdanken, da schicke ich den Gruß eher an die EZB.

Dass „zinsbasierte“ Produkte wie Bausparen und Lebens- bzw. Rentenversicherungen überhaupt noch eine Existenzberechtigung haben, ist aus meiner Sicht nur dem weit verbreiteten finanziellen Analphabetismus in Deutschland zu erklären. Bei den meisten reicht es – wenn überhaupt – für die Grundrechenarten. Bei Prozentrechnen und Dreisatz trennt sich schon die Spreu vom Weizen. Und die finanzmathematischen Königsdisziplinen Zinseszinsrechnung bzw. Exponentialrechnung können viele schon nicht fehlerfrei schreiben.

Die Aktien-Hausse fängt gerade an zu laufen

Mir soll bloß keiner mit dem Märchen kommen, die seit 2009 anhaltende Aktienhausse verliert im neunten Jahr ihre Kraft. Im Jahr 2011 hatten wir eine Korrektur von 7.527 DAX-Punkten auf 5.072 Punkte, was einem Rückgang von 33% entspricht. Und in 2015/2016 korrigierte der Markt von 12.374 Punkten bis auf 8.752 Punkte (30%). In den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts habe ich gelernt, bei 30% Rückgang ist das Ende der Fahnenstange bei einem Crash erreicht. In den Jahren 2002 und 2008 wurden wir zwar eines Besseren belehrt, aber für mich heißt das auch, 2011 und 2015/2016 wurde die Uhr auf null zurückgedreht. Für mich hat die Hausse am 11.2.2016 begonnen und ist demzufolge noch verdammt jung.

Einen Versuch war es wert!

1 Juni 2017

Max Stillger zur letzten Ausgabe der Limburger Zeitung

Liebe Leser, zum letzten Mal halten Sie eine Kolumne in gedruckter Form in der „Limburger Zeitung“ in den Händen. Es gibt sicherlich viele, die sagen „Gott-sei-Dank“ bleiben wir in Zukunft von diesem „Gesabbel“ verschont. Aber mir haben auch jede Menge Leute auf die Schulter geklopft und gesagt, „das finden wir klasse, was du da schreibst“. Wie im realen Leben – man kann es halt nicht allen recht machen. Das Schulterklopfen bedeutet aber auch leider, dass man sich davon nichts kaufen kann. sondern ein Blatt wie die „Limburger Zeitung“ lebt von Anzeigen – und da kam halt leider einfach zu wenig. Die zweite große Herausforderung, die Zeitung an den Mann, die Frau bzw. ins Haus zu bringen, ist in der heutigen Zeit auch nicht mehr so einfach, wie das noch vor zehn oder 15 Jahren war, wo sich Jugendliche nach so einem Job „die Finger geleckt haben“. Aber eines sind wir nicht: „so blauäugig, dass wir das nicht vorher gewusst haben“…

Wir sind dieses – ich nenne es mal „Projekt“ – vor ca. anderthalb Jahren mit einem klaren Plan angegangen und waren zuversichtlich, dass es uns gelingt in der Region Limburg ein Wochenblatt im z.Zt. generell unter Schwäche leidenden Markt der Printmedien zu etablieren. Und das Ganze mit dem parallelen Blick auf den Online-Bereich bzw. auch auf eine App. Wenn ich aber dann Monat für Monat sehe, dass meine Ausgaben größer sind als die Einnahmen, ist es logisch, dass ich als Investor irgendwann denn Stecker ziehe, wenn mein für diese „Veranstaltung“ bereit gestelltes Budget aufgebraucht ist. Zumal es keinen positiven, sondern eher seitwärtsgerichteten Umsatztrend gab.

Das allerletzte was ich und meine Mitstreiter jetzt gebrauchen können, sind die Zeigefinger und in meinen Augen „echten Dummbabbler“ die jetzt mit den Worten nach dem Motto „das haben wir gleich gewusst, dass das nix wird“ aus allen Löchern gekrochen kommen. Denen kann ich nur zurufen: „Dann macht Ihr mal ne Zeitung und dann diskutieren wir weiter!“

Da schließe ich mich 1:1 den legendären Worten von Rudi Völler vom 6.September 2003 auf Island an, als er Waldi Hartmann zur Weißbier-Legende machte

https://www.youtube.com/watch?v=V0xIECkaMVA

Der Rudi wusste damals schon, wie gut die Isländer sind. 2016 haben es dann die Engländer schmerzhaft registriert

An alle Oberlehrer: Das zeichnet übrigens erfolgreiche Unternehmer aus, irgendwann „STOP“ zu sagen, als endlos weiter zu wursteln! Ich kenne keinen großen Unternehmer in der heutigen Zeit, der nicht auch bei dem ein oder anderen Projekt die Eier „neben das Nest gelegt hat“. Entscheidend ist, dass man hier und da auch ein paar Engagements hat, die gut laufen und in der Gesamt-Summe die schlechten übertreffen.  Vielleicht hätte das Projekt „Zeitung“ funktioniert, wenn ich meine komplette Arbeitskraft in den Dienst dieses „Baby’s“ gestellt hätte, aber bekanntermaßen geht das ja nicht.

Kolumnen auf FLW24 und DerFonds

Was das Thema „Kolumne“ betrifft, gibt es ja bereits seit mehr als fünf Jahren meinen Blog www.markus-stillger.de auf dem auch alle Beiträge, die in dieser Zeitung erschienen sind, online gestellt sind. Bei den Sport-Themen bin ich nach wie vor in regelmäßigen Abständen auch über www.flw24.de präsent. Hier bietet das gerade zu Ende gegangene Pokalfinale mit einem legendären Auftritt von „Helenchen“ Fischer ja geradezu eine Steilvorlage. Ich fand das kollektive Pfeifkonzert der Eintracht und BVB-Fans klasse. Ein erstes Zeichen, dass die Fans sich nicht alles gefallen lassen.  Das DFB-Pokalfinale als Promotion-Plattform für das neue Album von Helene Fischer! Geht’s noch? Hoffentlich haben die Herren um DFB-Präsident Reinhard Grindel registriert, wie weit er und seine Kollegen mittlerweile von der Basis entfernt sind. Und der Herr Grindel war eigentlich – wie auch Theo Zwanziger – ein „Mann für die Amateure“. Aber bei ihm gewinne ich zusehends den Eindruck, dass er nur bemüht ist, möglichst Fehler zu vermeiden, anstatt Akzente zu setzen. Und das ist gerade bei der FIFA dringend notwendig. Bei meinen Freunden von FLW24 um Dominik Groß möchte ich mich im Nanen meiner Mitstreiter des LMZ-Verlags an dieser Stelle für die sehr angenehme Zusammenarbeit in den letzten 15 Monaten bedanken. Das war eine sehr gelungene Mischung von Online und Printmedien im lokalen Bereich.

Zu Wirtschaftsthemen gibt es bereits seit einiger Zeit ebenfalls eine monatliche Kolumne bei www.derfonds.de. In der kommenden Woche einmal mehr zum Thema Zinspolitik. Die DZ-Bank hat in einer Studie ausgerechnet, wieviel Geld den deutschen Sparern durch die Niedrigzinsphase durch „die Lappen“ geht. Meine Meinung dazu ist bekannt: Die Deutschen sollten lieber mal für einen Teil der Kohle, die auf dem Sparbuch liegt (nicht für alles, aber für einen Teil) Aktien kaufen, dann würde aus dem Nachteil ganz schnell ein Vorteil werden. Und bei Zinsen von 5% würden zwar die Sparer entspannt aus dem Fenster schauen, aber in jeder Familie gäbe es dann mindestens einen Arbeitslosen. Ob das dann erstrebenswert ist? Auf alle Fälle gibt es wenigstens ein paar Leser, die meinem Ratschlag gefolgt sind. Aber es ist wie bei den Anzeigen -ein paar mehr hätten es schon sein können…

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht

25 Mai 2017

Max Stillger über ungesunde Entwicklungen im Fußballgeschäft

Ich glaube es war im Jahr 2002 oder 2003. Der schwergewichtige Rainer Calmund – damals noch in Manager-Diensten bei Bayer 04 Leverkusen – prägte in einem Interview den Satz „Wir fahren alle mit Vollgas auf die Wand zu, aber keiner traut sich auf die Bremse zu treten.“ „Calli“ ruderte dabei in seiner unnachahmlichen Art mit den Armen, als halte er persönlich das Lenkrad in der Hand. Zahlreiche Experten pflichteten ihm aber in dieser Zeit bei, dass der finanzielle Kollaps einiger Bundesliga-Vereine unmittelbar bevorsteht. 15 Jahre später sind wir alle schlauer. Ob es besser geworden ist, wage ich zu bezweifeln. Betrug zum Zeitpunkt von „Calli’s“ Ausführungen beispielsweise der gesamte Mannschaftsetat des Hamburger SV noch gut 15 Mio. Euro, „schleppt“ diese Summe heute der ein oder andere FC Bayern Spieler alleine nach Hause. Aber welchen Preis zahlen die Fans? Eine – in meinen Augen viel zu wenig in der Öffentlichkeit diskutierte – Frechheit, war es beispielsweise, dass sich der Rechteinhaber SKY vor der Saison hinstellte und verkündete: „Unsere Preise bleiben stabil!“. Auf den ersten Blick stimmte das. Mit dem kleinen Unterscheid, dass der Fan in dieser Saison samstags mittags getrost um 13:30 Uhr seine Gattin zum Einkaufen begleiten konnte, weil zu dieser Uhrzeit anstatt des Londoner Derbys Chelsea gegen Tottenham, das ost-steyrische-burgenländische Derby Puntigamer Graz gegen SV Mattersburg über den Bildschirm flatterte. Und das meine Herren von SKY – mit Verlaub – interessiert hierzulande wohl keine Sau. Die Umlegung der Kosten für die Fernseh-Rechte an der britischen Premier-League wollte und konnte man dem deutschen Gebührenzahler dann wohl doch nicht zumuten.

Lieber „Fan“ vom Spieler als vom Verein

Irgendwann in den neunziger Jahren hatte ein pfiffiger Werbeprofi die Idee, den Spielern feste Rückennummern zu vergeben und dazu die Namen der Spieler auf die Trikots zu drucken. Das kannte man bis dato nur von Welt- und Europameisterschaften. Eigentlich eine gut gemeinte Idee. Allerdings hat sich die durchschnittliche Verweildauer eines Profis bei einem Verein mittlerweile auf einen Zeitraum von zwei-drei Jahren deutlich ermäßigt. Ein Roman Weidenfeller, der im kommenden Jahr in seine 16. Saison bei Borussia Dortmund geht, ist da eine rühmliche Ausnahme. Und nicht selten kriegen die Fans ein Trikot im Wert von 80-100 Euro unter den Weihnachtsbaum gelegt, dass bereits in der darauffolgenden Wechselperiode im Januar unter der Rubrik „ach ja, der hat auch mal hier gespielt“ seinen Wert verloren hat.  Hier hätte der erste Verein noch ein Zeichen zu setzen, frei nach dem Motto: „Wenn der Spieler kurzfristig wechselt, gibt es einen Teil des Geldes zurück“. In Anbetracht des sich immer schneller drehenden Transferkarussels habe ich auch schon Fußballfreunde kennen gelernt, die gesagt haben. „Mein Verein tauscht ja alle drei Jahre die komplette Mannschaft aus, da kann ich mich nicht mehr mit identifizieren. Ich bin jetzt Fan des Spielers x oder y“.

Kein Bier mehr auf dem „Deckel“

Vor zwei Wochen hat uns dann eine Nachricht ereilt, bei der ich mir denke: „Wann platzt denn endlich mal den Leuten kollektiv der Kragen“ bzw. „wo ist die Schmerzgrenze der Verarschung?“. Ich finde es schon schlimm genug, dass man in den meisten Stadien nicht mehr mit Bargeld zahlen kann. Getränke und die obligatorische „Stadionwurst“ gibt es nur über einen entsprechenden „Fan-Deckel“ den man kaufen muss und der dann nach Ablauf des Guthabens neu aufgeladen wird. Im Extremfall haben „Edelfans“, die auch einige Auswärtsspiele besuchen, dann ein ganzes Sortiment dieser Deckel im Besitz. Aber was macht ein Anhänger von Werder Bremen denn jetzt mit dem Restguthaben auf der „Schanzer-Fan-Karte“ vom letzten Auswärtsspiel in Ingolstadt? Das kann Jahre dauern, bis der – wenn überhaupt – wieder mal dahin kommt.  Getoppt wurde das alles jetzt von der Pleite der Firma „Payment Solution“, die unter anderem auch in Frankfurt; Berlin und Kaiserslautern für die Bewirtschaftung der Stadien zuständig war. Wer es in der heutigen Zeit, bei dieser Auslastung der Stadien, nicht schafft kostendeckend zu arbeiten ist entweder eine betriebswirtschaftliche Pfeife oder ein Betrüger. Den betroffenen Vereinen kann ich nur sagen: „Seht zu, dass Ihr Eure gebeutelten Fans wenigstens entschädigt!“ Die hatten allesamt, ob in Berlin Frankfurt oder Kaiserslautern, in der zurückliegenden Rückrunde ohnehin wenig zu lachen.

Die „ehrenwerte“ Familie ist zurück

11 Mai 2017

Max Stillger über die Entwicklung in der FIFA

Für eine kurze Zeit sah es wirklich so aus, als sei der Fußball-Weltverband FIFA auf einem guten Weg. Es wurde systematisch ausgemistet und korrupten Funktionären wurde nach und nach das Handwerk gelegt, nicht zuletzt dank des radikalen Durchgreifens der US-Justiz. Die Basisarbeit erledigte die FIFA-Ethik-Kommission – eine insgesamt 15-köpfige Kammer, der der deutsche Richter und Korruptionsexperte Hans-Joachim Eckert und der Schweizer Jurist Cornel Borbely (einer der wenigen mir sympathischen Schweizer) vorstanden. Insgesamt 70 Verfahren leitete die Ethik-Kommission ein. Unter anderem wurde Sepp Blatter, Michel Platini, Mohammed Bin Hamann und Ex FIFA Generealsekretär Jeromé Falcke aus dem Amt gejagt. Und die Vorgänge um die hochkorrupte Südamerikanische Bande um Nicolaz Leoz, Jack Warner wurden gleich an die Amis übergeben, die „tabula rasa“ machten. Der Argentinier Grondona und der brasilianische Ex-FIFA-Chef Joao Havelange können posthum froh sein, dass sie das Zeitliche gesegnet haben, sonst wären sie auch nochmal in den Genuß von gesiebter Luft gekommen. Dass die FIFA-Ethik-Kommission trotz dieser respektablen Ergebnisse nicht über eine unbestrittene Macht verfügte, zeigten aber bereits die Diskussionen um den sogenannten „Garcia-Report“ in dem die Vorgänge, um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 untersucht worden waren. Die FIFA entschied im Jahr 2014 diesen Report nicht zu veröffentlichen, worauf der damalige Leiter der Ethik-Kommission, der New Yorker Jurist Michael Garcia zurücktrat. Der Mann genießt meinen allerhöchsten Respekt.

Paukenschlag auf dem FIFA-Kongress  

Auf dem FIFA-Kongress in Bahrein in dieser Woche wurden jetzt – auch für die Betroffenen völlig überraschend – Eckert und Borbely bei der turnusmäßig anstehenden Neubesetzung der Ethik-Kommission nicht mehr berücksichtigt. Explizit nicht gewünscht wurde seitens der FIFA-Spitze auch nicht eine geordnete Übergabe der Amtsgeschäfte, sondern beide sind – wie bei einer fristlosen Kündigung – Knall auf Fall aussortiert. Hunderte von noch laufenden Verfahren sind davon betroffen und verzögern sich entsprechend bei der Aufarbeitung.  Es bleiben ein paar Fragen offen, die hoffentlich in den nächsten Tagen aufgeklärt werden. Auf die Eliminierung der beiden Juriste, angesprochen hiess es von FIFA-Seite zunächst, beide hätten nicht auf der „Nominierungsliste“ für die turnusmäßige Neubesetzung der Ämter gestanden. Damit wäre vor 10 oder 20 Jahren das Thema erledigt gewesen. Heute sind aber Gott-sei-Dank auch ein paar kritische Journalisten vor Ort, die flugs die Nominierungsliste studierten und siehe da, die Namen „Eckert“ und „Borbely“ standen dort ganz oben. Dann hiess es auf einmal: Es sollten mehr Frauen und „Nicht-Europäer“ in der Spitze der FIFA mitarbeiten. Wenn es nach mir geht, können wir bei dem Präsidenten, dem unsympathischen Glatzkopf aus der Schweiz damit gleich mal anfangen. Einmal mehr stinkt der Fisch am Kopf.

Undurchsichtige Rolle von Reinhard Grindel

Mehr als undurchsichtig ist bei diesem Theater auch die Rolle des neuen DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. In Presse-Statements kritisierte er die Entscheidung der FIFA die beiden Juristen abzusetzen, laut Medienberichten verlief die dazu gehörige Abstimmung aber einstimmig. Das würde aber bedeuten er hätte auch dafür gestimmt.

http://www.n-tv.de/sport/fussball/Fifa-schasst-ihre-Spitzen-Ethiker-um-Eckert-article19830889.html

http://www.n-tv.de/sport/der_sport_tag/Fifa-Auch-DFB-Boss-Grindel-stimmte-gegen-Eckert-article19832592.html

Mir gefällt diese Ämterhäufung ohnehin nicht. Warum muss denn der DFB-Präsident gleichzeitig in den Gremien von UEFA und FIFA sitzen? Die Arbeit kann man auch auf mehrere Schultern verteilen. Das macht diese Gremien auch transparenter und offener. Mit dieser ganzen Aktion in Bahrein haben die Verantwortlichen dem Fußball jedenfalls einen Bärendienst erwiesen und jede Menge Sympathien (meine hatte der neue Präsident ohnehin nicht) verspielt.

Königlich Nassauischer Magistrat

4 Mai 2017

Max Stillger über politische Debatten

Kürzlich scheiterte die AfD-Fraktion im Kreistag mit dem Antrag die Parlamentssitzungen über einen sogenannten „Live-Stream“ im Internet öffentlich zu übertragen. Ich kann mich noch gut an die Zeit in den siebziger Jahren erinnern, als einer der beiden öffentlichen Fernsehsender (damals gab es ja keine Alternativen) stundenlang mit politischen Debatten blockiert war, in denen sich Herren mit dicken Hornbrillen langweilige verbale Attacken lieferten. Lustiger ging es da schon bei Gerichtssendungen zu, insbesondere wenn ich an die Kultserie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ mit dem legendären bayerischen Volksschauspieler Gustl Bayrhammer denke. Ob ich mir Übertragungen der Kreistagssitzungen anschauen würde? Wohl eher nicht.

Hoher Unterhaltungswert in Runkel

Mit einem gewissen Grad an Belustigung verfolge ich dagegen die Berichterstattung in der heimischen Presse über die Parlamentssitzungen in Runkel. Ich bin mir sicher, dass der Unterhaltungswert der ansonsten relativ spröden politischen Diskussionen in keiner Kommune im Landkreis Limburg-Weilburg auch nur annähernd an das regelmäßig stattfindende Schauspiel im ansonsten beschaulichen Lahnstädtchen heranreicht. Im Mittelpunkt des ganzen steht ein Mann, der, wie jeder weiß nicht unbedingt mein politisches „Trikot“ trägt. Aber Bürgermeister Friedhelm Bender verfolgt unkonventionelle Ideen und genießt meine höchste Wertschätzung, mit welcher Standfestigkeit er den gegnerischen Kräften entgegen tritt und Angriffe – teilweise weit unter der Gürtellinie – an ihm abprallen. Hier hilft ihm sicherlich sein Hobby weiter. Er ist seit Jahrzehnten engagierter Fußball-Schiedsrichter und hat vor einigen Jahren die Nachfolge des legendären Obmanns Toni „Dusch“ Stillger angetreten. Für mich als externen Beobachter ist es immer wieder interessant zu sehen, wie teilweise traditionelles politisches Terrain verlassen wird und ein Vorschlag torpediert wird, nur weil er aus der falschen Ecke kommt. Ich will hier nicht den Oberlehrer spielen, aber wenn ich lese, dass die Stadt momentan 10.800 Euro Miete für ein Gebäude zahlt, dieses aber für 100.000 Euro erwerben kann, muss ich bei einem Zinssatz von 0,8% nicht lange überlegen. Noch dazu in dieser strategisch günstigen Lage, nämlich in Rufnähe zum Rathaus. Eigentlich sollte kaufmännisches Rechnen ja seit Konrad Adenauer und Ludwig Ehrhard die Stärke der Christdemokraten sein, aber in diesem Fall werden dann auch wieder politische Scharmützel über das Gemeinwohl gestellt, nur weil die Idee von der anderen Seite kam. Dem Besitzer der Immobilie kann ich nur zurufen: „Wenn die Stadt net will, für diesen Kaufpreis verbunden mit einem 10-Jahres Mietvertrag nehm ich es!“ Obwohl ich ein halbes Prozent höhere Zinsen als die Stadt zahlen muss.

Zweistellige Rendite mit Mehrheitsbeteiligung am Solarpark

Und ich mache dem Magistrat gleich noch einen Vorschlag: Vor 5 Jahren habt Ihr 210.000 € in einen Solarpark investiert. Eine gemeindeeigenes – bis dahin nutzlos brachliegendes – Wiesenland bringt der Stadtkasse seitdem eine jährliche Pacht in Höhe von 9.000 €. Und auf das investierte Kapital gibt es seit 4 Jahren eine Ausschüttung in Höhe von 11% p.a. Was wurde hier bei der Planung und während der – nicht einfachen – Realisierung des Projekts nicht nach allen Regeln der Kunst „geschennt“. Aber in erster Linie wieder nur, weil auch diese Idee aus der falschen Ecke kam. Ich lese die Berichte über die Magistratssitzungen sehr genau. In den vergangenen vier Jahren hat da nicht einer mal die Stimme gehoben und gesagt „Gut gemacht Herr Bürgermeister!“ Aber die 11% werden jedes Jahr eingesackt und nach der Sitzung wird beim verdienten Bier in der Kneipe über den bösen Herrn Draghi gelästert und „dass es ja keine Zinsen mehr gibt…“. Um allen „Reichsbedenkenträgen“ gleich den Wind für das Argument „ja wer weiß, ob das alles so weiter läuft“ aus den Segeln zu nehmen: Die Stadt könnte bei der derzeitigen Marktlage die Anteile für einen Aufschlag von 10%-20% auf den damals gezahlten Kaufpreis verkaufen. Besser beraten wäre man allerdings, dieses Projekt zu behalten. Ein paar Kilometer weiter lahnaufwärts wäre man wahrscheinlich froh, jedes Jahr einen „warmen Regen“ von 33.000 € sozusagen aus dem Nichts in der Kasse zu haben. Stattdessen muss da der amtierende Bürgermeister einen siebenstelligen Scherbenhaufen zusammen kehren, den ihm die Dilettanten, die vor ihm den Zugriff auf die Gemeindekasse hatten, hinterlassen haben. Für dieses Thema reicht keine Kolumne, da müsste man eigentlich ein Buch drüber schreiben…

Ein kranker Kopf und jede Menge Ungereimtheiten

27 April 2017

Max Stillger über den Anschlag auf den BVB Mannschaftsbus

Als am vergangenen Freitag die Meldung über die Ticker lief, dass der Attentäter auf den BVB-Mannschaftsbus gefasst sei und es sich hierbei um einen „Spekulanten“ handelt, der auf einen fallenden Aktienkurs von Borussia Dortmund gesetzt hatte, war das ein Steilpass für die wöchentliche Kolumne. Natürlich steht zunächst einmal die Verurteilung dieser widerwärtigen und perfiden Tat im Vordergrund. Dies umso mehr, weil der Täter offensichtlich aus Geldgier gehandelt hat. Was aber nicht heißen soll, dass Anschläge aus politischen Motiven weniger schlimm sind. Dazu später mehr.

Zunächst aber möchte ich auf ein paar Ungereimtheiten eingehen, die mir bei diversen Recherchen aufgefallen sind. Man kann in der heutigen Zeit im Internet – wenn man weiß, wo man klicken muss – relativ leicht sämtliche Börsenumsätze für jedes Wertpapier innerhalb eines bestimmten Zeitraums herausfiltern. Den „offiziellen“ Statements zufolge hatte der Attentäter 45.000 (3*15.000) sogenannte Put-Optionsscheine gekauft und hätte mit einem Einsatz von ca. 70.000 € bis zu 3,9 Mio. € verdienen können – wie die Experten des Wirtschaftsfachblatts „Bild“ am Samstag bereits ausgerechnet hatten. Am Montag war dagegen in der F.A.Z. zu lesen, dass Spezialisten des Bundeskriminalamts noch dabei sind zu berechnen, wie viel Geld Sergej W. bei seinem mörderischen Hebelgeschäft hätte verdienen können.

Wie funktioniert ein „Put“ ?

Mit meinen bescheidenen forensischen Fähigkeiten komme ich auf folgendes Ergebnis: Insgesamt lassen sich sechs Transaktionen über insgesamt 91.000 Papiere im Gegenwert von 8.308 € wohl eindeutig dem Attentäter zuordnen. Eindeutig, weil in diesen Papieren im gesamten Jahr 2017 kein Umsatz stattfand, außer an jenem ominösen 11. April als die Bomben explodierten. Und fünf der Umsätze lauten über 15.000 Stück und einer über 16.000. Bleibt aber die Frage wie hoch denn das Gewinnpotential war? Dazu muss man wissen, wie so ein Put-Optionsschein funktioniert. Ganz vereinfacht ist es ein Recht auf die Auszahlung einer Differenz zwischen dem Basispreis und dem aktuellen Kurs einer Aktie. Die BVB-Aktie stand vor dem Anschlag bei 5,40 €, Angenommen ich habe einen Basispreis von 5,20 € und die Aktie fällt aufgrund schlechter Nachrichten um ca. 30% auf 4,00 Euro. Dann hat dieser Schein einen inneren Wert von 1,20 €. Hinzu kommt dann noch der Zeitwert, der gegen Ende der Laufzeit immer mehr Richtung Null abnimmt. Sergej W. hat z. B. konkret einen solchen Schein gekauft – 15.000 Stück für einen Preis von 0,18 €, Laufzeit bis Juni 2016. Und hat dabei einen Preis gezahlt, der doppelt so hoch, wie der vorher und nachher taxierte „faire Wert“ dieses speziellen Scheins war

35 Menschenleben für 100.000 € ?

Um gleich mal mit dem „Märchen von den 3,9 Mio“ aufzuräumen: Der obige Kauf hätte bei einem Einsatz von 2.700 €, im Falle eines Kurssturzes auf 4,00 € einen Gewinn von 15.300 € erbracht. Bei einem Kurssturz auf 3 € reden wir über 30.300 €. Insgesamt hat er bei fünf weiteren Geschäften in dieser Art 8.350 € investiert. Bei einem Kurs von 4,00 € hätte er läppische 28.000 € Gewinn gemacht, bei einem Kurs von 3,00 € wären es 106.000 € gewesen. Dafür legt einer Bomben, die 25 junge Sportler und 10 Betreuer im schlimmsten Fall ihr Leben kosten können? Und die Begleitumstände der Tat erwecken ja – gelinde gesagt – sofort den Eindruck, dass da einer partout entdeckt werden will. Das fängt damit an, dass er unter seinem richtigen Namen im Hotel eincheckt und die fraglichen Aktienkäufe auf seinem eigenen Depot abwickelt. Bereits am 12. April, also am Morgen nach der Tat, war auf www.boerse.ard.de zu lesen, dass es auffällige Umsätze in Put-Optionsscheinen auf Borussia Dortmund gab.

http://boerse.ard.de/aktien/borussia-aktie-trotzt-dem-terror100.html

Interessant in diesem Zusammenhang ist aber auch, dass es am 12. April, also einen Tag nach dem Attentat, erneut drei verdächtige Transaktionen über 15.000/16.000 und 16.500 Scheine im Gegenwert von insgesamt 2.100 € gab, die eigentlich nahezu zu 100% ins Täterprofil passen.

Wunsch und Wirklichkeit

Bleibt die Frage was machen wir (bzw. die Justiz) mit dem Kerl: Wenn es nach mir ginge, gehört dieser kranke Kopf als allererste Maßnahme beim nächsten Heimspiel mit Unterhose bekleidet an den Pfosten vor der Südtribüne angebunden und die Mannschaft darf sich eine Stunde lang warm schießen. Getreu dem alten Bibelspruch: „Auge um Auge – Zahn um Zahn“,  würde das den Spielern bei der Verarbeitung dieses traumatischen Erlebnisses vielleicht eher helfen, als das Ganze in Gesprächen zu verarbeiten. In der Realität – befürchte ich – wird irgendein geldgeiler Psychologe dafür sorgen, dass es für ein paar Jahre „in den Streichelzoo“ geht, weil „der arme Kerl ja total traumatisiert von seinen erlittenen Verlusten ist“. Dabei hätte der es ganz einfach haben können. Vor sieben Jahren gab’s die BVB-Aktie für jedermann zum Kurs von 1 Euro an der Börse zu kaufen. Hätte er damals 20.000 Euro investiert, wären die heute 110.000 € wert. Und keiner wär ihm böse…

verdächtige Umsätze in BVB Optionsscheinen
Basispreis Laufzeit Stück Kurs Datum Uhrzeit Betrag Börse ISIN
Kauf
Gesamt 138.500 8.308,00€
5,20 € 16. Jun 15.000 0,180 € 11. April 11:16 2.700,00 € Frankfurt DE000DGQ1VV9
4,80 € 16. Jun 15.000 0,120 € 11. April 11:32 1.800,00 € Frankfurt DE000DGM51Y4
4,40 € 16. Jun 15.000 0,043 € 11. April 11:12 645,00 € Frankfurt DE000DGQ1VU1
4,00 € 16. Jun 15.000 0,059 € 11. April 16:57 885,00 € Frankfurt DE000DG7MN57
3,60 € 15. Sep 16.000 0,058 € 11. April 11:19 928,00 € Euwax DE000DGM20W3
3,60 € 15. Dez 15.000 0,090 € 11. April 11:24 1.350,00 € Frankfurt DE000DG9CHE2

theoretische Gewinne
Gewinn bei Kurssturz auf 4,00 €:     27.692 €
Gewinn bei Kurssturz auf 3,00 €:   106.292 €
Gewinn bei Kurssturz auf 2,00 €:   197.292 €

Wie wär’s denn mal mit Jugendarbeit ?

20 April 2017

Nachdem sich der ranghöchste Fussballverein im Kreis Limburg Weilburg, der SV Rot-Weiß Hadamar in der Winterpause das Dehrner Nachwuchstalent Leon Burggraf „schnappte“ wurde vor zwei Wochen publik, dass auch Raphael Schmidt – seit Jahren ein überragender Stürmer in der Kreisoberliga – den Sprung von der Lahnbrücke an die Faulbacher Strasse macht.

Für mich allerdings ein völlig unverständlicher Schritt. Nachdem ja im Fall „Burggraf“ gegenseitige Scharmützel (u.a. auf dieser Plattform) ausgetragen wurden, ist die Lunte für weiteres Feuer gelegt. Auf Hadamarer Seite wird man in den nächsten Jahren mit Sicherheit keinen Zuschauer und erst recht auch keine Sponsoren aus Dehrn mehr begrüßen und das kann ich völlig nachvollziehen. Bei Leon Burggraf haben wir ein19-jähriges Talent, das mit Sicherheit den richtigen Schritt gemacht hat, auch wenn die Begleitumstände um diesen Wechsel alles andere als glücklich waren – um nicht zu sagen schlicht unprofessionell.

Über den Wechsel von Raphael Schmidt kann ich nur den Kopf schütteln und sagen „Junge überleg Dir das nochmal, was Du da machst. Du bist 25 Jahre alt – der Zug zum Profi ist definititv abgefahren – und nur mal ein, zwei Jahre wegen ein paar hundert Euro vielleicht in der Oberliga zu spielen – ist das den ganzen Zirkus wert, der durch diese Aktion ausgelöst wird ?“

Und den Verantwortlichen in Hadamar kann ich nur sagen: „Was Ihr hier veranstaltet, geht gar nicht !“ Ich kann ja verstehen, wenn 18-20 jährige den Sprung zu euch wagen, um – Ausnahmen bestätigen die Regel – dann vielleicht doch noch ein, zwei Klassen weiter nach oben zu kommen. Aber das Ding hier sieht mir ganz stark nach „Retourkutsche“ aus. Und einem Nachbarverein dann gleich zwei Leistungsträger „wegzukaufen“ ist alles andere als „Gentlemenlike“.

Reform dringend notwendig

Apropos „wegkaufen“: Die ganze Wechselbörse im Amateurbereich gehört meiner Meinung nach dringend reformiert. Durch das Instrument „Amateurvertrag“ haben finanzkräftige Vereine die Möglichkeit Spieler ohne die in meinen Augen moralisch manifestierte Ausbildungsentschädigung vom langjährigen Heimatverein wegzuholen. Dies ist umso ärgerlicher, wenn Vereine im Seniorenbereich Amateurverträge abschließen, die teure und aufwändige Jugendarbeit aber links liegen lassen. Ein Blick in die Tabellen der regionalen und überregionalen Jugendligen zeigt, welchen Weg die verschiedenen heimischen Vereine gehen. Dass das „Konstrukt“ SV Rot-Weiß Hadamar hier Nachholbedarf hat, ist offenkundig. Immerhin hat man sich durch die „Eingemeindung von Mannebach“ hier Fußball-Kultur und Tradition ins Boot geholt. Das muss sich aber auch mittelfristig in besserer Jugendarbeit auszahlen.

Dietkirchen und Dehrn – geteiltes Leid

Ansonsten zeigt der TuS Dietkirchen vorbildlich wie dieser Weg geht. Auch wenn da die neueste Meldung vom heimischen Transfermarkt – ich vermute mit Miguel Granja „schnappt“ sich Hadamar innerhalb von zwei Jahren den 6. Spieler vom Landesligisten – die alten Nachbarschafts-Rivalen „Dickerisch“ und Dehrn im Schmerz bzw. Zorn vereint. Das Fundament eines Vereins muss immer eine solide Jugendarbeit sein. Und in Zeiten, wo sich alle zwei Wochen maximal 200 Zuschauer für meine Leistungsdarstellung interessieren, sollte ich als verantwortungsbewusster Vereinsvorstand auch nicht darüber nachdenken, meine Akteure zu entlohnen. Im Gegenteil: Wir sind nicht mehr weit davon weg, dass auch Fussballer, genau wie Tennisspieler oder Golfer für die Ausübung Ihres Sports auf den mittlerweile hervorragend präparierten Anlagen eine Gebühr zahlen. Das auch für sozial schwache Fussballbegeisterte zu ermöglichen, sollte bei Sponsoren mehr im Vordergrund stehen, als einem durchschnittlichen Bezirksoberligakicker (das ist heute die 7. Liga) ein Lehrlingsgehalt zu zahlen.