Archiv für März 2011

Unglaublich, aber leider wahr !

25 März 2011

In der vergangenen Woche ging neben den Schlagzeilen aus Japan und Libyen ein Thema ganz unter, wo ich auf der einen Seite auch denke „es ist ganz gut so, dass das nicht in den Vordergrund gerät“.

Es ist eine eigentlich unglaubliche Geschichte, die von meinen südafrikanischen Freunden mit den Worten „are you Germans crazy ?“ mehr als treffend kommentiert wurde.

Ein verurteilter Kindermörder verklagt das Land Hessen auf Schmerzensgeld und Schadensersatz, weil er angeblich bei seiner Vernehmung bedroht worden sei und dies habe zu einer Traumatisierung geführt.

Sie wissen alle, um wen es hier geht.

Für mich ist dieser Verbrecher Abschaum, eine „Un-Person“, die jeglichen Anspruch auf Respekt verloren hat und deshalb werde ich im Rahmen dieses Kommentars auch darauf verzichten seinen Namen zu nennen. Er ist es nicht wert, dass über ihn geredet oder geschrieben wird.

Was sich in diesem Verfahren abspielt bzw. abgespielt hat, kann der „normal denkende“ Bürger schon lange nicht mehr nachvollziehen. Da wird ein leitender Kriminalbeamter dafür, dass er versucht das Leben eines Kindes zu retten, indem er dem schweigenden Verdächtigen  auf Deutsch gesagt „etwas Feuer unter dem Hintern macht“, um ihn zu einer Aussage zu bewegen, selber in die kriminelle Ecke gestellt. Das ist ein Schlag ins Gesicht für alle Kollegen, die in der Verbrechensbekämpfung tätig sind.

Da braucht mir keiner (auch nur in Ansätzen) mit irgendwelchen Rechten, die der selbst übelste Verbrecher hat, zu kommen, um das zu rechtfertigen, was dieser Kindermörder in dem jetzigen Prozess veranstaltet.

Ein von mir hochgeschätzter Politiker, hat in einem Rundschreiben kurz vor der an diesem Wochenende anstehenden Kommunalwahl konstatiert:  „Es gab nie ein freieres, nie ein liberaleres und nie ein sozialeres Land, wie das Deutschland des Jahres 2011“. Wenn die Freiheit aber so aussieht, daß jeder Schwerverbrecher den ihn festnehmenden Polizisten wegen Beraubung eben dieser Freiheit verklagen kann, dann gebe ich davon gerne ein Stück zurück.

Für mich tut sich aber in diesem Zusammenhang noch eine ganz andere Frage auf:

Wie tief muss ich gesunken sein bzw. wie geld- und mediengeil muss denn ein Mensch sein, dass er dieses Anwaltsmandat annimmt ?

Wenn Sie ihn fragen wollen: Er heisst Michael Heuchemer, kommt aus Koblenz und ist – wie man der „Welt am Sonntag“ vergangene Woche entnehmen konnte – leidenschaftlicher Sammler hochwertiger Weine. Und einen grünen Rolls Royce fährt er als Zweitwagen.

Fragen ? Für mich eigentlich keine !

Außer, dass mir die Halsschlagader leicht anschwillt, wenn ich mir überlege, dass der feine Herr Heuchemer  mit seinem Auto auf Kosten des Steuerzahlers (für diesen Prozess wurde ihm nämlich Prozesskostenhilfe bewilligt) durch die Gegend fährt.

Wenn ich  dann lesen muss, dass bei diesem Prozess  auch noch der „forensische Spezialgutachter“ und Psychologe Prof Dr. Norbert Nedopil (der heisst wirklich so !), natürlich ebenfalls auf Staatskosten, sein Wissen zum Besten geben darf, dann besteht bei mir die akute Gefahr, dass das „Anschwellen“ zum „Platzen“ führt.

Leute, Karneval ist vorbei ! Dieses ganze Schauspiel, was hier aufgeführt wird, ist in meinen Augen pervers hoch drei.

Und wo wir gerade beim Potenzrechnen sind: In besagtem „Welt am Sonntag“ Artikel vergangene Woche war auch nachzulesen, was der damalige diensthabende Beamte angeblich zum Tatverdächtigen gesagt haben soll. Aus Gründen des Jugendschutzes kann ich dieses hier nicht wörtlich zitieren. „Aber eines weiß ich: Kindermörder, ich wünsche Dir das im Quadrat !“

Japan 2011- Stellt die Natur die Rechnung aus?

18 März 2011

Die Ereignisse in Japan stellen in dieser Woche alles andere in den Schatten. Von KT zu Guttenberg redet keiner mehr und der libysche Tyrann Gaddafi, der eigentlich schon „klinisch tot“ war, verdankt wohl dem Erdbeben und seinen Folgen seinen Verbleib an der Macht.

Die digitalisierte Welt lässt die Menschen, sozusagen wie im Kino, live an der sich in Japan abspielenden Katastrophe teilhaben. Erst ein verheerendes Erdbeben (dagegen war das,  was sich vor einigen Tagen bei uns abgespielt hat, ein „Kindergeburtstag“), dann ein Tsunami, der die Wassermassen unvorstellbare 10 KM ins Landesinnere gespült hat und ganze Ortschaften dem Erdboden gleich gemacht hat. Und als ob das noch nicht genug wäre, fliegt dann auch noch ein Atomkraftwerk in die Luft und keiner weiß so richtig, welche konkreten Schäden, denn die unsichtbare Strahlung anrichtet.

In einer solchen Situation frage ich mich „Wie leidensfähig ist der Mensch ?“

Wenn ich sehe, über was sich die Leute hierzulande alles aufregen, über was hier alles gejammert wird, wie schlimm es doch um unsere Zukunft bestellt ist und wie schlecht doch alles im Gegensatz zu früher geworden ist, dann brauche ich diesen Bildern die momentan über die Mattscheiben flimmern, eigentlich nichts hinzuzufügen außer den Worten: „Leute schaut Euch das an und denkt mal darüber nach, wie gut es Euch eigentlich geht !“.

Wir haben in Deutschland ein gemäßigtes Klima, die beste medizinische Versorgung weltweit, eine (im internationalen Vergleich) sehr geringe Kriminalitätsrate und die Infrastruktur, was Verkehrsbedingungen und die Wohnqualität betrifft, liegt ebenfalls auf international höchstem Niveau.

Für eine ganz einschneidende Veränderung in unserem Leben wird allerdings die Situation in Japan sorgen. Die Diskussion  „für und wider Atomkraft“ dürfte beendet sein und die Atomkraftwerke in Deutschland werden in absehbarer Zeit ihren Dienst quittieren müssen, da es sich momentan kein Politiker leisten kann, sich pro Atomkraft zu positionieren. Das bedeutet aber – für uns alle – deutlich höhere Strompreise und mittlerweile sollte auch der Letzte wissen, dass der Strom „nicht aus der Steckdose“ kommt, sondern genau wie Wasser eine Ressource ist, die nicht uneingeschränkt verfügbar ist, und vor allem auch nicht kostenlos ist.

Auf der anderen Seite gibt es mit den „erneuerbaren Energien“ einen großen Profiteur bei dieser ganzen Situation.  Das konnte man auch in den vergangen Tage am Börsengeschehen ablesen. Die Kurse von Windkraft- und Solarunternehmen schossen teilweise um 30-40% in die Höhe, während der „Rest vom Schützenfest“ teilweise kräftige Kurseinbußen hinnehmen musste.

Per Saldo gilt aber auch hier: Was in Japan passiert, ist schlimm, stellt aber keine Gefahr für eine mögliche neue Weltwirtschaftskrise dar, was die „Wirtschaftsexperten“ von der „Bild-Zeitung“ schon in großen Lettern befürchteten.

Welche Alternativen bietet denn der Energiesektor außer Wind- und Solarenergie ? Ein großes Argument der Kritiker ist die sogenannte „fehlende Grundlastfähigkeit“, d.h. wo kommt der Strom her, wenn der Wind nicht weht oder die Sonne nicht scheint.

Biogas bzw. Biomasse löst zwar dieses Problem. Allerdings sehe ich hier bei einer Ausweitung und einem Blick auf die aktuelle Preisentwicklung der zur Stromerzeugung notwendigen „nachwachsenden Rohstoffe“ auch irgendwann die Kapazitätsgrenze erreicht.

Neben der Verbesserung der Speichermöglichkeiten von Wind- oder Sonnenstrom bleibt eigentlich nur der momentan noch relativ kleine Bereich der geothermischen Stromerzeugung als Alternative übrig. Dieser Bereich steht meiner Einschätzung nach, gerade in Deutschland, vor einer großen Zukunft. Ein Handicap allerdings hat die Geothermie: Bei diversen Probebohrungen wurden auch schon leichte Erdbeben ausgelöst. So schließt sich sozusagen im „wahrsten Sinne des Wortes“ der Kreis.

Abschließend noch ein kurzer Hinweis: Im Gegensatz zur „Wirtschaftskompetenz“ muss ich der Zeitung mit den 4 Buchstaben höchste Kompetenz in Sachen „Fussball“ bescheinigen. Für mich war das in dieser Woche die beste Informationsquelle zur Posse, die sich „auf Schalke“ abgespielt hat.

Mehr dazu in einem separaten Beitrag auf www.markus-stillger.de

Is(s)t Tönnies eine Wurst ?

16 März 2011

Wieder einmal hat der FC Schalke 04 den selbst gewählten Pfad der Zukunft verlassen – nicht ungewöhnlich für diesen Verein.

Denn dort ist nichts so berechenbar, wie die eigene Unberechenbarkeit.

Nur unter größten Anstrengungen war es dem Wurstfabrikanten Tönnies überhaupt gelungen den Meistermacher der Jahre 2005, 2006 und 2008 im Jahr 2009 für seinen Verein zu verpflichten – Felix Magath.

Mit Engelszungen hat er auf ihn eingeredet, auf dem Magath’schen Bauernhof in Sachsen-Anhalt.

Früh ist es geworden in jener Nacht – bei Cola und Mineralwasser.

Vermeintlich im vollen Bewusstsein wurden die getroffenen Vereinbarungen per Handschlag besiegelt. Jetzt hatte Tönnies nur noch das Problem zu lösen: „wie bringe ich das Herrn Dr. Winterkorn (Vorsitzender des VW-Konzerns) bei ?“. Als er diesen „Gang nach Canossa“ hinter sich hatte, konnte es endlich losgehen…

FC Schalke 04 und Felix der Glückliche, das muss ja was Großes werden, dachten viele.

Doch dann wurde Magath erstmals blass um die Nase – beim Blick hinter die Kulissen. Und der Ohnmacht nahe, als er sich die Bilanz und den Kassenbestand genauer anschaute.

„Das“ – so dachte er „hörte sich in jener Nacht aber ganz anders an“ oder waren seine Gedanken vom Mineralwassser-Rausch getrübt ?

Aufgeben ist nicht Magath‘s Ding. Also Ärmel hochkrempeln und los geht’s. Den drohenden Konkurs abwenden und deutscher Meister werden mit Schalke 04 – Ist das die Quadratur des legendären „Schalker Kreisels“ ?

Der glückliche Felix machte seinem Namen zunächst alle Ehre, aus dem Nichts formte er ein schlagkräftiges Team und schaffte sogar den direkten Einzug in die Champions-League.

Stolz wie einst „Oskar S.“ schritt der „Wurstmacher“ Tönnies durch die vermeintlich heile blau-weiße Welt. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch daran, wie der Stern von Kuranyi wieder strahlte. Wer erinnert sich noch an die letzten Transfers der Zeit vor Magath ?

Streit, Ze Roberto 2, Großmüller, Jones…alleine diese 4 verdienten p.a. über 12 Mio €. In jener Zeit wurde das Geld förmlich mit der Schubkarre aus dem Verein transportiert. Dagegen waren die Gehaltszahlungen unter dem einstigen „Sonnenkönig“ Günter Eichberg geradezu Peanuts. Zugegeben: Jetzt hier alle Transfers der Magath-Ära aufzuzahlen wäre ein abendfüllendes Programm. Doch hat nicht gerade der verspottete Charisteas zuletzt am Wochenende mit dem Siegtor gegen Eintracht Frankfurt 2 wichtige Punkte gesichert ?

Nicht zu vergessen die vielen Jungtalente wie z.B. Schmitz, Moritz, Papadopoulis, Matip, Gavranovic, Draxler…oder nehmen wir den spanischen Superstar Raul, nach eigenem Bekunden „fit wie noch nie“…

Magath wäre nicht Magath hätte er sich nicht vor dem Amtsantritt bestimmte Positionen und Garantiezusagen geben lassen – aber das war doch bekannt, bevor man die Liason mit Magath einging. Oder hatte Clemes Tönnies in jener Nacht auf dem Magath’schen Bauernhof noch andere Getränke als Cola und Mineralwasser zu sich genommen ?

Ziehen wir ein kurzes Zwischenfazit der Ära Magath

–          Überraschende Qualifikation für die Champions-League 2010

–          Einzug ins DFB-Pokalfinale 2011

–          Einzug ins Viertelfinale der Champions-League 2011 (als einziges deutsches Team)

–          Erzielte Transferüberschüsse in Millionen-Höhe

–          Einsparungen bei den Gehaltskosten von über 10 Mio € p.a.

und das soll nun alles schlecht gewesen sein ?

Mit-Verlaub Herr Tönnies, wir haben große Achtung vor Ihnen, dass sie das schwere Erbe Ihres Bruders antraten, als er Ihnen auf dem Sterbebett den Auftrag erteilte „Kümmere Dich um Schalke“. Wir wünschen Ihnen sehr, dass Sie Ihr großes Ziel erreichen und dann an das Grab Ihres Bruders treten können – mit den Worten „Großer, wir haben die Schale !“

Auch halten wir es für absolut menschlich, dass man sich irrt und danach neue Wege einschlägt.

Doch warum eine solche Schlammschlacht und nun versuchte Demontage von Herrn Magath.

Wollen Sie ihn den Fans von Schalke zum Fraß vorwerfen ? Doch bedenken Sie, der kleine Mann hat ein feines Gespür. Wenn Sie ihn nicht mehr wollen, sagen Sie es klar und zahlen Sie den vereinbarten Preis – und Ruhe ist. Ihr jetziges Verhalten knüpft nahtlos an das Ihrer unzähligen Vorgänger auf Schalke an und lässt vermuten, daß der nun neu aufgerufene Kurs wieder nur von kurzer Dauer sein wird. So jedoch bringen Sie den Schalker Mythos zum Wanken. Wir wünschen Ihnen, daß Ihre Entscheidungen gut durchdacht sind und Sie auch mal das Rückgrat haben, sie durchzustehen.

Der Traum von der Meisterschale in Ihrer Ära wird wohl nur ein Traum bleiben – den vielen Fans und Freunden vom FC Schalke 04 würden wir die Schale jedoch nach über 50 Jahren von Herzen gönnen.

Is(s)t Herr Tönnies eine Wurst ? Entscheiden Sie selbst !

„Max“ Stillger und „Dr. h.c.“ Breidenstein – 2 neutrale Beobachter der Szene

E-10 ? Alles Super – oder nur ein Faschingsscherz ?

11 März 2011

„E 10, nein-tanke“ titelte die berühmte Zeitung mit den 4 Buchstaben diese Woche und hat damit in meinen Augen sehr treffend die Posse um den neuen Biosprit mit dem „Künstlernamen“ E-10 beschrieben.

Geht es Ihnen genauso ? Ich habe das erst gar nicht so richtig registriert, dass man beim Tanken auf einmal eine Alternative hat. „Auf einmal war E 10 da und keiner hat’s gemerkt“ könnte man auch sagen. Wenn man bedenkt, daß bei manchem Pendler mittlerweile die monatliche Benzinrechnung fast die Miete oder den Abtrag für das Haus übersteigt, sollte man doch meinen, dass solch eine gravierende Neuerung doch mit entsprechender Medienbegleitung strategisch dem Kunden (in dem Fall den Autofahrern) näher gebracht wird. Doch nichts von all dem. Wenn man beispielsweise sieht mit welchem Ballyhoo die Firma Apple ihre neuen Produkte wie I-Phone oder I-Pad bei der Markteinführung begleitet, dann sollte die „Bio-Sprit-Lobby“ sich bei Apple—Chef Steve Jobs mal ein paar Nachhilfestunden „gönnen“.

Was bei der „Bio-Sprit-Nummer“ an Dilettantismus abgeliefert wurde, sucht schon seinesgleichen.

Jeder Marketing-Praktikant weiß, dass bei einer Produkteinführung zunächst eine Bedarfsanalyse gemacht werden muss (nach dem Motto: Braucht der Markt dieses Produkt ?) und dass im 2. Schritt dann diejenigen, die das Zeug kaufen sollen, auch dahingehend  informiert werden müssen, welchen Vorteil ihnen das Produkt bringt.

Die Leute füttern doch ihr „Heiligstes“ nicht mit einer Brühe, wo keiner so richtig weiß „verträgt das mein Motor jetzt oder nicht“. Und die genauere Recherche im Internet führt dann zu Tage, dass der Biosprit zwar billiger ist, dafür das Auto aber mehr davon verbraucht, als wenn man das herkömmliche Benzin tankt.

Das stellt die Leute dann vor eine Rechenaufgabe: „ Ist es billiger den Liter für 1,40 € zu tanken und das Auto braucht 9 Liter für 100 KM, oder den Liter zu 1,50 € zu tanken und das Auto braucht nur 8 Liter für die gleiche Strecke ?“ lautet die Preisfrage,  die zwar ein Siebtklässler aus dem Eff-Eff beherrschen sollte, bei den meisten Tankkunden ist die 7. Klasse aber schon verdammt lange her.

Vielleicht haben die Verantwortlichen ja auch einfach nur gedacht „Komm es ist Fassenacht, da lassen wir uns mal irgendeinen Blödsinn einfallen.“ Das Schlimme dabei ist, dass bei einer Umfrage wahrscheinlich mehr als 50% der Befragten dies für möglich halten würden. Was die wenigsten wissen: Das ganze Theater um Biosprit gab es schon einmal im Jahr 2007. Damals sorgte eine unvermittelte Änderung der Besteuerung dafür, dass dieser Branche innerhalb weniger Monate der Boden unter den Füßen wegbrach. Die Besteuerung ist in meinen Augen auch das einzige Mittel um (wenn es denn die Politik überhaupt will) das Thema Biosprit noch auf die Erfolgsspur zu bringen. Mit der Mineralölsteuer, die immerhin knapp 60% des derzeitigen Benzinpreises ausmacht, hat der Staat ein weitaus gewichtigeres Argument in der Hand als die Scheichs der OPEC, die derzeit in vielen Bereichen andere Sorgen haben.

Auf der anderen Seite glaube ich, dass diese Diskussion in 20 Jahren obsolet sein wird, da dann mehr als die Hälfte der Fahrzeuge auf unseren Straßen  mit Elektromotoren ausgerüstet sein werden.

Auch ich bin mit dem Schreiben dieses Beitrags wieder ein bißchen schlauer geworden. Auf der Suche nach dem Mineralölsteuersatz fand ich die Information, dass diese Steuer auf dem Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland gilt mit Ausnahme von Helgoland und Büsingen.

Büsingen ? Nie gehört. Hierbei handelt es sich um die einzige deutsche Exklave, d.h. die Gemeinde ist komplett von Schweizer Staatsgebiet umschlossen. Mit allerlei kuriosen Nebenwirkungen. Googeln Sie es mal, es lohnt sich. Und das Theater mit dem Biosprit geht an den Büsingern garantiert vorbei.

„KTG“ und „Kommissar Google“

4 März 2011

Bleibt er ? Tritt er zurück ? Bleibt er ? Tritt er zurück ? Seit vergangenem Dienstag um die Mittagszeit ist die Frage beantwortet. KTG (so wie ihn alle genannt haben, bei denen es etwas schneller gehen muss) hat alle politischen Ämter niedergelegt.

Selten hat eine politische Affäre die Republik in den letzten Jahren so in Atem gehalten, wie die Diskussion um die, formulieren wir es mal so: „nicht auf seinem Mist gewachsene Doktorarbeit“ des politischen Überfliegers Karl-Theodor zu Guttenberg aus Oberfranken.

Anfang 2009 (als die ganze Welt vor Angst bibberte, die wirtschaftliche Depression der 30er Jahre würde sich wiederholen)  als Nachfolger des überforderten Michael Glos zum Wirtschaftsminister befördert, stieg der bis dato nur Insidern bekannte CSU-Mann innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Politiker und Hoffnungsträger der konservativen Politik  in Deutschland auf.

Mich persönlich hat es damals richtig geärgert, dass er nach den Wahlen im Herbst 2009 aus taktischen Gründen innerhalb des Kabinetts vom Wirtschaftsministerium ins Verteidigungsministerium wechseln musste, da er für mich seit Helmut Schmidt in den 70er Jahren, einer der kompetentesten Leute war, die dieses Amt seither bekleideten. Schon bei diesem Schritt musste man wieder mal erkennen, dass in der Politik eigene, manchmal seltsame Regeln gelten.   Aber auch in dem völlig neuen Terrain machte der Adelsspross eine gute Figur.

Um so tragischer ist es, dass ihn ein vermeintlicher Doktor-Titel (den er heute nie und nimmer gebraucht hätte)  jetzt die politische Karriere kostet, deren vorgezeichneter Weg mit einer hohen Wahrscheinlichkeit auf den Kanzlersessel geführt hätte.  „Jetzt hatten Sie endlich mal einen, den man gebrauchen konnte und dann sowas…“. Mit dieser einfachen Floskel kann man umschrieben, was die Mehrheit der politikverdrossenen Menschen in Deutschland denkt. Auf der anderen Seite ist aber nach alledem, was in den letzten Tagen an Informationen durchdrang, ein Verbleiben in einem repräsentativen Amt, wie das eines Ministers, nahezu unmöglich, da es sehr schwierig ist einer Vorbildfunktion gerecht zu werden. Auch wenn man erfolgreich ein Image als „Heilsbringer“ oder „Lichtgestalt“ aufgebaut hat. Der einzige, dem in Deutschland ein solcher Lapsus verziehen werden würde, ist und bleibt der „Kaiser“ Franz Beckenbauer.

Letztendlich wurde KTG seine eigen Popularität zum Verhängnis. Getreu dem Motto „Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid kriegt man geschenkt stürzten sich seine politischen Gegner wie die Geier auf diese Steilvorlage und als dann auch noch die geschlossene Linie innerhalb seiner Parteifreunde anfing zu bröckeln, war es um ihn geschehen. Auf der anderen Seite kann ich aber auch die Initiative der Akademiker bzw. Doktoranden verstehen, die Ihre jeweiligen Leistungen durch einen solchen Vorgang entwertet sehen.  Letztendlich ist KTG aber ein Opfer von „Kommissar Google“ geworden.

Ohne das Internet wäre diese Affäre, wie so viele in den vergangenen 50 Jahren in der Politik durch „Aussitzen“ gelöst worden. Mit Seiten wie „Guttenplagwiki“ fand sich relativ schnell eine wachsende Zahl von Leuten, die viel Zeit haben, um dann eine solche vermeintliche Doktorarbeit dahingehend zu screenen, wo sich denn vergleichbare Zitate in bereits erschienen Artikeln finden.

Die Vorwürfe an seinen Doktorvater bzw. an die Universität Bayreuth kann ich in diesem Zusammenhang nicht nachvollziehen, denn wie soll selbst der schlauste Professor  beim Prüfen einer Arbeit merken, ob dieses Satzgebilde nicht schon am Tag x vor 3 Jahren wortgleich in einem Artikel in der FAZ gestanden hat ?. Was mich allerdings an dieser ganzen Diskussion mächtig genervt hat, war die Art und Weise, wie der politische Gegner „links von der Mitte“ hier teilweise mit Vorwürfen unter der Gürtellinie vorgegangen ist. „Wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein“, diesen Satz sollten sich die Politiker aller Couleur hinter die Ohren schreiben.

Für mich ist diese „Affäre Guttenberg“ aber auch ein Anlass, um das Vergütungssystem in der Politik einmal grundsätzlich in Frage zu stellen. Wenn die Bundeskanzlerin gerade mal die Hälfte von dem verdient, was ein durchschnittlicher Zweitliga-Kicker nach Hause trägt, muss man sich nicht wundern, dass die cleversten Köpfe dieser Republik eher den Weg in die Wirtschaft, als in die Politik suchen.

Das politischen Ämter auf höchster Ebene werden von zu vielen Leuten ausgeübt, die das in erster Linie als „Versorgungsjob“ ansehen.  Meiner Meinung nach müssten die Schlüsselpositionen in der Politik deutlich höher honoriert werden, aber dafür auch nur so lange, wie der/die Betroffenen im Amt sind.

Allen die KTG hinter her trauern, sei an dieser Stelle gesagt. Nichts ist so vergesslich wie die Politik und ich bin mir relativ sicher, dass wir ihn nach einer gewissen Schonfrist in irgendeiner Funktion wieder sehen werden. In der Wirtschaft würde man sagen: Danach verlangt der Markt ganz einfach…

P.S.  Diese Kolumne ist garantiert echt und nirgendwo abgeschrieben 🙂