„Kuvert-Sepp“ und seine Vasallen

13 Dezember 2010 von Max Kommentieren »

In der vergangenen Woche blickte die Fussball-Welt gespannt nach Zürich, wo die Vergabe der FIFA-WM 2018 bzw. 2022 bekannt gegeben wurde.

Nachdem FIFA-Chef Sepp Blatter nach der Bekanntgabe des Veranstalters 2018 (die Wahl „Russland“ war angesichts der Konkurrenz in Form von England, Spanien/Portugal und Holland/Belgien schon eine kleine Überraschung) um 16:58 Uhr das Kuvert für den Ausrichter 2022 öffnete und die Kamera auf den Inhalt zoomte, der die Aufschrift „Quatar“ zeigte, ist mir fast die Tasse mit dem Nachmittagskaffe aus der Hand gefallen.

„Haben die se noch alle“ war mein erster Gedanke und ich bin mir sicher, daß ich mit meiner Meinung nicht der Einzige war.

Katar, gerade mal halb so groß wie Hessen, 1 Mio Einwohner (davon sind 80% Ausländer), soll das – neben den olympischen Spielen – bedeutendste Sportereignis der Welt ausrichten ?

Das ist an sich noch nicht das Problem, da die „Kataris“, wie die Einwohner des Wüstenstaates genannt werden, dank der üppigen Ölvorkommen, über genügend „Kohle“ verfügen, um die notwendige Infrastruktur (in Form von Stadien, Transportwegen und Hotels) zu schaffen.

Zweifelsohne wird auch die deutsche Bauwirtschaft einen ordentlichen Teil des Kuchens ab bekommen, der durch die zahlreichen Baumaßnahmen „gebacken“ wird.

Eines haben allerdings „Kuvert-Sepp“ und seine Vasallen in Ihrem Rausch „neue Märkte zu erschließen“ wohl völlig ausgeblendet.

In dieser Region wird es in den Monaten Juni und Juli, wenn der WM-Titel ausgespielt wird, mit bis zu 50° (wohlgemerkt: Im Schatten !) unerträglich heiß. Ich hatte das Vergnügen dieses Jahr im Mai 4 Tage im benachbarten Scheichtum Abu Dhabi zu verbringen. Die Devise tagsüber lautete da nur: Möglichst in klimatisierten Räumen bleiben und (sollte man gezwungen sein diese zu verlassen) sich möglichst nicht bewegen. Und abends war man geneigt zu sagen „Lass uns in den Schatten gehen…“ obwohl es schon dunkel war.

Bis 2022 sollen ja klimatisierte Stadien gebaut werden, aber nur mit den Stadien ist es ja nicht getan.

Was ist mit Trainingsmöglichkeiten, Fan-Zonen, Unterkünften, etc. Die Scheichs können ja nicht das ganze Land „runter kühlen“. Und dann gibt’s für uns Europäer ja bei der ganzen Hitze noch nicht mal was ordentliches (sprich: ein kaltes Bier) zu trinken.

Der einzig vernünftige Vorschlag kam vom „Kaiser“ Franz Beckenbauer, der die Wahl in seiner unnachahmlichen Art mit den Worten kommentierte „Dann spielts die WM halt im Winter aus“, wobei „Winter“ dann bedeutet, daß es nur 25-30 Grad warm ist.

Diese Idee wurde jedoch vom FIFA-Generalsekretär Jérome Valcke gleich wieder einkassiert.

Bei der FIFA habe ich manchmal den Eindruck, die sind von der Basis noch weiter weg, als der Papst.

Wenn man sich mit dieser ganzen Vergabepraxis einmal etwas näher auseinandersetzt, macht man sich schon so seine Gedanken, was denn die Entscheidung des ein oder anderen Verantwortlichen denn beeinflusst. Bereits vor der Wahl wurden 2 der 24 Mitglieder wegen angeblicher Bestechungsversuche vorübergehend aus dem Verkehr gezogen. Wenn man den Begriff „FIFA-Exekutivkomitee“ in Verbindung mit dem Begriff „Korruption“ googelt, sollte man sich vorher 2 Tage Urlaub nehmen. Solange braucht man nämlich, um alle Treffer, die dann angezeigt werden, durch zu arbeiten.

„Wenn ich alles sage, was ich denke, werde ich ein Leben lang gesperrt“ sagte einmal Dortmunds Trainer Jürgen Klopp nach einen Interview, als er auf eine offenkundige Fehlentscheidung eines Schiedsrichters angesprochen wurde. So ähnlich geht mir das hier auch.

Mit der Wahl der vergangenen Woche haben die Mitglieder des Exekutivkomitees der FIFA jedenfalls einmal mehr eine einsame Entscheidung getroffen, für die der breiten Basis der Fussballfans hierzulande jegliches Verständnis fehlt.

Mein Vorschlag: Die Sitzungen des Komitees während der WM 2022 sollten unter freiem Himmel (am besten mittags um 12) abgehalten werden. Dann werden diese „Experten“ merken, was sie da angerichtet haben.

Aber wahrscheinlich trifft das – wie immer im Leben – dann die Falschen, weil die, die uns das eingebrockt haben, dann wohl nicht mehr im Amt sind. Hoffentlich…

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