Samariter, Spekulanten und Heuchler

10 Mai 2010 von Max Kommentieren »

Angesichts der Bilder aus Athen, die uns in der vergangenen Woche erreichten, muss ich auch in dieser Ausgabe das Thema „Griechenland“ in den Vordergrund stellen.

Es gibt – wie bereits an dieser Stelle gesagt – keine Alternative zu der Strategie

a)    dem Land mit EU-Mitteln bzw. Garantien zu helfen und

b)    gleichzeitig diese Hilfe mit strengen Auflagen und Sparzwängen zu verbinden

Eine Pleite Griechenlands wäre der Super-Gau für die internationalen Finanzmärkte und hätte weitaus dramatischere Auswirkungen als die Lehman-Krise vor 2 Jahren.

Staatsanleihen zählen in der heutigen Zeit als letzte Bastion der Sicherheit und eine „Insolvenz“ des Staates Griechenland würde dazu führen, dass die Anlageklasse „Staatsanleihe“ künftig bei den Investoren in einem ganz anderen Licht stehen würde.

Ging man bisher davon aus, dass Staaten ihren Verpflichtungen nachkommen, würde in diesem Fall eine komplette Neubewertung aller weltweit ausgegebenen Staatsanleihen stattfinden.

Mit der höchstwahrscheinlichen Folge, dass alle Staaten weltweit höhere Zinsen für Ihre Anleihen zahlen müssten.

Bei einer aktuellen Staatsverschuldung von 1,8 Billionen € in Deutschland beträgt der Mehraufwand für 1% höhere Zinsen dann 18 Milliarden € (und zwar jedes Jahr !).

Da sind die 22 Mrd, die wir jetzt einmalig Richtung Akropolis überweisen, ein echtes „Schnäppchen“, zumal ich fest davon überzeugt bin, dass wir dieses Geld auch pünktlich (in 5 Jahren) samt Zinsen zurück erhalten werden.

Die Griechen werden die nötigen Reformen einleiten und umsetzen, weil das der Preis dafür ist, Hilfe von den europäischen Nachbarn zu erhalten.

Ein Abkoppeln aus der Euro-Zone und die Wiedereinführung der Drachme als lokale Währung würde zu einer sofortigen deutlichen Abwertung führen und auf Dauer würde der Lebensstandard der Bevölkerung noch deutlicher sinken, als es durch die jetzt angekündigten Reformen der Fall ist. Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Bevölkerung das verstanden hat und der Rest kann sich gerne mal auf einer Studienfahrt nach Island davon überzeugen, wie es sich denn anfühlt, wenn sich die eigene Währung mal so eben gegen den Euro halbiert.

An eine Sanierung der griechischen Staatsfinanzen glaubt auch eine Gruppe von deutschen Wirtschaftsexperten, die sich am vergangenen Montag im Handelsblatt unter dem Motto „Deutschland hilft“ als Käufer griechischer Staatsanleihen „geoutet“ haben. Ganz vorne dabei der ehemalige Finanzminister Hans Eichel und der Ex-Manager von Werder Bremen Willi Lemke, der mit den Worten zitiert wird: „Als Akt der Solidarität werde ich heute eine Anleihe zeichnen. Ich will den Griechen noch ins Gesicht schauen können.“

Leute mir kommen gleich die Tränen !

Ein Hans Eichel, der noch vor anderthalb Jahren auf dem Höhepunkt der Finanzkrise durch Talkshows tingelte und die Vorzüge des Sparbuchs pries, spielt sich jetzt als Robin Hood der Hochfinanz auf ?

Ich stehe dazu, auch ich habe Anleihen gekauft. Aber in erster Linie weil ich sage 12% für eine Staatsanleihe, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit bei Fälligkeit zurückgezahlt wird, ist ein gutes Angebot für das mir anvertraute Geld. Ob da Griechenland, Spanien , Portugal oder Italien draufsteht ist zweitrangig.

Und ich fühle mich da nicht als böser Spekulant, sondern eher als Stabilisator im Markt, denn wenn ich nicht kaufe sinkt der Kurs der Anleihen mangels Nachfrage womöglich noch weiter, was gleichbedeutend damit ist, dass die Griechen dann noch höheren Zinsen zahlen müssen, damit ihnen jemand die Anleihen abkauft.

@HE und WL: Wenn Ihr glaubhaft den Samariter spielen wollt, dann spendet den Mehrertrag, den ihr im Vergleich zum Sparbuch erzielen werdet, an griechische Kindergärten oder Altersheime, die unter den jetzt verordneten Sparmassnahmen verstärkt leiden.

Ansonsten seid Ihr nur billige Heuchler, aber auch da gibt es noch eine Steigerung.

Wie die BILD-Zeitung berichtet besitzt der Ex-Chef der Pleite Bank „Hypo Real Estate“ Georg Funke, der für den größten Schaden verantwortlich ist, den je ein Manager in Deutschland angerichtet hat, doch allen Ernstes die Dreistigkeit eine monatliche lebenslange Rente in Höhe von 47.000 € vor Gericht einzuklagen.

Ich hoffe der für diesen Fall zuständige Richter verfügt über ein Mindestmass an gesundem Menschenverstand und spricht das richtige Urteil

Meine Meinung dazu:

Herr Funke sind Sie noch ganz dicht ? Sie sollten sich schämen !!!

In irgendeiner geschlossenen Anstalt in Deutschland wird ja wohl noch ein Platz für Sie frei sein…

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