König Otto muss es richten

3 Mai 2010 von Max Kommentieren »

Erneut beherrschte das Thema „mögliche Zahlungsunfähigkeit von Griechenland“ in der vergangenen Woche die Schlagzeilen.

Im Blickfeld standen dabei die Einschätzungen der Rating-Agenturen, deren Urteil, in welche Stufe ein Schuldner eingeordnet wird, darüber entscheidet, zu welchen Konditionen ein Schuldner an den Kapitalmärkten Kredit bekommt. Die meisten Marktteilnehmer an der Börse starren wie das Kaninchen auf die Schlange, wenn aus der Richtung der Rating-Agenturen neue Nachrichten kommen und die hießen in den vergangenen Tagen fast täglich: „Herabstufung von Griechenland, und zuletzt auch Portugal und Spanien.“

Das Problem dabei: Wenn die Rating-Agenturen einen Schuldner (wie z.B. Griechenland) herabstufen, ist das Kind meistens schon in den Brunnen gefallen.

Vergleich Renditen Griechenland Portugal

Vergleich Renditen Griechenland Portugal

Böse Zungen behaupten: „Wenn es zu Zeiten der Titanic schon Rating-Agenturen gegeben hätte, hätten diese wohl auch eine Herabstufung vorgenommen. Allerdings wahrscheinlich erst dann, als das Wasser in den Maschinenraum lief.“

Hintergrund solcher Kritik ist die Tatsache, daß sämtliche Rating-Agenturen (Moody‘s, S & P, sowie Fitch) im Vorfeld der Finanzkrise 2008 in ihrer Rolle als „Frühwarnsystem“ kollektiv versagten.

Vielleicht sind die Herrschaften gerade deshalb in der aktuellen Situation umso eifriger, wenn es darum geht mögliche Zahlungsausfälle zu prophezeihen.

Im Falle „Griechenland“ haben diverse Herabstufungen in den letzten 8 Tagen dazu geführt, daß griechische Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 2 Jahren derzeit ca. 15% jährlichen Ertrag abwerfen.

Da muss man kein Mathematikstudium absolviert haben, um auf den ersten Blick zu erkennen, dass 
a) die Griechen sich das in dieser Form nicht mehr lange leisten können und
b) für den risikofreudigen Anleger, das eine echte Gelegenheit zum Einstieg darstellt.

Die entscheidende Frage hierbei lautet: Kann die EU es zulassen, dass eines ihrer Mitgliedsländer seine Schulden nicht bedient ?

Meine Einschätzung hierzu: Nein, denn dadurch würde ein 2. Fall „Lehman Brothers“ zugelassen mit dem kleinen aber feinen Unterschied, daß es sich dieses Mal nicht um eine Bank, sondern um einen Staat handelt.

In diesem Fall gibt es nur ein Rezept:

Die Kreditwürdigkeit des Landes muss wieder hergestellt werden. Spätestens wenn die Griechen nächste Woche ihren traditionellen Generalstreik hinter sich haben, wird dort jemand gebraucht, der dem Volk die einfache Rechnung aufmacht:
 „Wir dürfen nicht mehr ausgeben, als wir einnehmen.“

Notfalls muss der beste deutsche Export nach Griechenland in den letzten Jahren, der gelernte Anstreicher Otto R. auch das politische Zepter in die Hand nehmen und den Faulenzern dort Feuer unter dem Hintern machen.

Dass das griechische Volk in der Lage ist durchaus preußische Tugenden anzunehmen, hat er ja mit seinen Kickern im Jahr 2004 unter Beweis gestellt.

Mit Disziplin und einer klaren Strategie lässt sich auch dieses Land  aus der Krise heraus führen.

Dagegen spricht allerdings eine Theorie, die besagt, daß in der Euro-Zone eigentlich 2 grundverschiedene Mentalitäten aufeinander treffen.

Auf der einen Seite die hanseatisch-kaufmännisch geprägten Länder nördlich der Alpen und auf der anderen Seite die vom mediterranen „laissez-faire“ beeinflussten Südländer. Vieles spricht dafür, dass die nächste Zeit „schluss mit lustig“ bzw. mit „laissez-faire“ ist und sich auch in diesen Ländern ein gewisses Mass an Disziplin entwickeln muss, wollen diese Länder ihren Lebensstandard halten.

Im Finanzbereich wurde zuletzt der Begriff „PIGS“ für die Länder Portugal, Italien,  Griechenland und Spanien geprägt.

Wenn wir schon bei den Tieren sind…

… der wöchentlich von der Deutsche Börse AG ermittelte „Bull-Bear-Index“, der das Verhältnis von Optimisten zu Pessimisten misst, wies am vergangenen Mittwoch den höchsten Anteil von Pessimisten seit Beginn der Aufzeichnungen auf.

Vielleicht sollte man (gegen die vorherrschende Meinung) dann lieber ein paar solide Aktien, anstelle von griechischen Staatsanleihen kaufen…

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