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Keine gute Woche

Januar 7th, 2024

Der vergangene Montag sollte ja eigentlich DER GROSSE PROTESTAG sein, für alle, die in unserem Land mit der Arbeit der regierenden Klasse unzufrieden sind.

Und davon gibt es in vielen Branchen jede Menge Leute.

Am Ende des Tages reduzierte sich alles aber auf Proteste der Landwirte und einiger Spediteure. Für mich enttäuschend.

Es wurde munter diskutiert und auch in der heimischen Presse gab es reichlich Gegenwind – für mich völlig unverständlich. Aber jeder in unserem Land darf seine Meinung sagen, ein nicht zu unterschätzendes Attribut einer Demokratie. Auch wenn man dann manchmal scharfen Gegenwind bekommt – ich bin bekanntermaßen musikalisch nicht sehr begabt, kann hiervon aber ein Lied singen.

Die Landwirte sind für mich Helden und haben meinen höchsten Respekt. Ich habe mich natürlich auch in einigen Diskussionen in den sozialen Medien beteiligt und es ist für mich immer wieder eine grenzwertige Belustigung, wenn „Städter“, die im Leben noch keine lebendige Kuh gesehen haben, meinen hier mit Halbwissen sich zu dem Thema nach dem Motto „den Bauern geht es doch gut – die haben laut Statistik im Schnitt 115.000 € Gewinn pro Jahr erzielt“ äußern zu müssen.

Ich glaube für mich, dass ich auch als „Bürohengst“ bei diesem Thema kompetent mitreden kann. Ich bin seit mehr als 10 Jahren stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender eines lange Jahre börsennotierten Ackerbaubetriebs, der in Rumänien ca. 6.500 Hektar Land bewirtschaftet und dort pro Jahr über 30.000 Tonnen Weizen, Raps, Mais und Soja erntet. Und ich pflege nicht zuletzt wegen dieser Aufgabe auch einen regelmäßigen Austausch mit vielen Landwirten in der Region.

Und glauben Sie mir: Es brennt! Steigende Düngerkosten und parallel sinkende Verkaufspreise für die erzeugten Produkte werden in den neuesten Bilanzen die vielleicht in 2022 erzielten Gewinne dahinschmelzen lassen wie Butter in der Sonne.

Aber genauso, wie wir in verantwortungsvoller Position eine Bundesbauministerin haben, die letztes Jahr im November noch von 400.000 neu geschaffenen Wohnungen pro Jahr „geschwafelt hat“ (es werden – mit Glück – vielleicht die Hälfte) fehlen den Regierenden in Berlin der feinfühlige Blick und die Antennen, wo es in unserem Land klemmt.

Ich könnte unzählige Beispiele aufzählen:

Der Skandal um die Erhöhung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie

Die Untätigkeit von Behörden – man wartet Monate auf Genehmigungen oder Gerichtsdokumente, aber wehe man gibt die Steuererklärung mal drei Tage zu spät ab.

Die ungelösten Probleme mit denen Kommunen in der Flüchtlingsversorgung alleine gelassen werden

Da hätten am Montag eigentlich auch alle Gastwirte, Bauherren, Unternehmer und kommunale Mandatsträger auf die Straße gehört.

Die Verantwortlichen in Berlin haben schlichtweg den Schlag nicht gehört und wenn ich dann lese, dass die Vorsitzende der SPD Frau Esken (mit prognostizierten 3% Stimmenanteil bei der Landtagswahl in Sachsen) ein Verbot der AFD (mit prognostizierten 37%) fordert, fällt mir nichts mehr ein außer der Empfehlung, dass sie vielleicht mal wegen akuter Wahrnehmungsstörung einen Arzt konsultiert.

Das ist ungefähr genauso, wenn Haiti bei der FIFA den Ausschluss von Brasilien fordert.

Wie eingangs gesagt: Ich ziehe meinen Hut vor den Landwirten, dass sie dieses Zeichen gesetzt haben, habe aber wenig Hoffnung dass in Berlin Einsicht einkehrt.

Wie haben in Deutschland eine Zwei-Klassen Gesellschaft. Stadt- und Landbevölkerung. Der Politik in Berlin fehlt jegliche Sensibilität für die Bedürfnisse der Landbevölkerung, alleine aus diesem Grund sind gerade die Proteste der Landwirte als Berufsgruppe wichtig. Auf dem Land – und dazu zähle ich den kompletten Landkreis Limburg-Weilburg, aber auch den Westerwaldkreis und den Rhein-Lahn-Kreis -ist das Auto das zentrale Fortbewegungsmittel. Auch wenn in der heimischen Presse ein pensionierter Oberstudienrat kundtut, dass man auch mit Bus und Bahn überall hinkommt. Die Stadtpolitik in Limburg läuft hier mit der ständigen Verknappung der Parkmöglichkeiten in eine völlig falsche Richtung. Die Stadt lebt vom Umland und die Leute aus Hünfelden, Mengerskirchen oder Wallmerod kommen nun mal bevorzugt mit dem Auto. Und wenn es keine Parkmöglichkeiten in der Innenstadt mehr gibt, bleiben diese Leute zuhause oder orientieren sich anderweitig. In Berlin, Hamburg oder München, wo alle 5 Minuten eine U-Bahn fährt, brauche ich kein Auto, aber in unserer Region geht es nicht anders. Und mit dem unsäglichen Heizungsgesetz hat der „Auszubildende“ im Wirtschaftsministerium vielen – insbesondere älteren – Menschen in unserer Region schlaflose Nächte beschert.

Und jetzt ist auch noch der Franz gestorben – es war keine gute Woche. Aber wir geben nicht auf!

Wunschzettel 2024

Dezember 27th, 2023

Wenn Sie diese Zeitung in den Händen halten, ist er vorbei – der vorweihnachtliche Rummel. Mir dauert das mittlerweile deutlich zu lange und ich bin froh im Radio (wir „Alten“ nutzen ja noch dieses Medium) auch wieder mal andere Lieder als „Last Christmas“ und „Happy Christmas“ zu hören. Und bei Temperaturen von 10 Grad ziehen ich ein kaltes Bier definitiv einem Glühwein vor.

Wobei John Lennon es mit seinem Songtext „Happy Christmas“ eigentlich auf den Punkt bringt.

„Hey es ist Weihnachten – wieder ein Jahr rum, und das nächste steht vor der Tür – was hast Du eigentlich das ganze Jahr gemacht? – Ich hoffe Du hast Spaß dabeigehabt.“

Da stehen natürlich einige Leute auf meiner Liste, denen ich diese Frage sehr gerne stellen würde – allen voran den drei „Leuchten“ in Berlin, die sich „Ampel“ nennen.

Weihnachten ist ja die Zeit der Wunschzettel und an Silvester werden dann gute Vorsätze gefasst, die – wenn’s gut läuft – den Januar gerade so überleben.

Wenn ich drei Wünsche für das kommende Jahr frei habe, stehen da in dieser Reihenfolge:

  • Gesundheit und persönliche Zufriedenheit (nicht nur bei mir, sondern bei Ihnen allen)
  • Am 31.12.2024 das Gefühl zu haben, die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben
  • Vorgezogene Neuwahlen für den Deutschen Bundestag

Die ersten beiden kann ich selber beeinflussen, den dritten Punkt leider nicht, da muss ich auf Einsicht der Verantwortlichen hoffen.

Ich war vor zwei Wochen auf dem Jahresempfang der IHK Limburg, wo man viele Menschen trifft, die im Kreis Limburg-Weilburg Verantwortung tragen (sei es als Arbeitgeber oder in der Verwaltung).

Ich habe den Eindruck, dass die Stimmung in der Wirtschaft so schlecht ist, wie schon lange nicht mehr. Ich persönlich bin mit der Geschäftslage meiner Firmen in 2023 genauso zufrieden, wie in den Jahren zuvor, aber ich kann den Frust über überbordende Bürokratie, fehlendes Personal und schlechte Auftragslage in vielen Branchen sehr gut nachvollziehen.

Und die Politik schafft alles andere als verlässliche Rahmenbedingungen. Die Behörden treten immer mehr als „Geschäftsverhinderer“ auf – hier wünsche ich mir im kommenden Jahr ein Umdenken dahin, dass das Personal im öffentlichen Dienst sich als „Dienstleister“ und nicht als „Schikanierer“ der freien Wirtschaft sieht.

In der freien Wirtschaft wird das Geld verdient, mit dem Steuern gezahlt werden, die den ganzen Verwaltungsapparat finanzieren.

Diese „Nahrungskette“ scheint aktuell nicht in allen Köpfen präsent zu sein.

Und das Thema „Personalmangel“ kann in 2024 relativ einfach gelöst werden, wenn wir den Grundsatz „Keine Leistung ohne Gegenleistung“ beachten, der eigentlich in einer von freier Marktwirtschaft geprägten demokratischen Gesellschaft fest verankert sein sollte. Ich bin in einer Zeit aufgewachsen als es im geteilten Deutschland (in der „DDR“) auch das Gegenteil – nämlich den staatlich alimentierten Sozialismus – gab. Dieses System konnte sich nur 40 Jahre halten, weil die Leute eingesperrt waren und nicht ausreisen durften. Für alle, die das nicht wissen, oder schon wieder vergessen haben: An der innerdeutschen Grenze wurde auf Flüchtlinge geschossen, wenn sie die „DDR“ verlassen wollten. Ich kann für mich nur sagen: Ich möchte diese Verhältnisse, wie sie in der „DDR“ herrschten, nicht in unserem Land haben. Wer das anders sieht – bitte schön, in Nordkorea ist noch Platz.

Kranke und Schwache müssen selbstverständlich in unserem System aufgefangen werden, aber nicht der Faulenzer, der den ganzen Tag auf dem Sofa liegt und sich denkt: „Warum soll ich denn arbeiten – beim Bürgergeld bekomme ich ja genauso viel!“ Diese Situation betrifft in hohem Maße Leute mit Migrationshintergrund – hier muss im Prinzip von Anfang an den Menschen ein anderes Leitbild vermittelt werden.

Von mir aus „Willkommenskultur“, aber am nächsten Tag fängt der Ernst des Lebens an und der heißt Deutsch lernen und arbeiten.

Sonst gehen in diesem Land wirklich die Lichter aus, weil die „Ernährer“ irgendwann keine Lust mehr haben und auswandern oder aufgeben.

Im Kleingedruckten auf meinem Wunschzettel (auf den Plätzen 4-10) stehen natürlich auch Punkte wie Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank und deutlicher Rückgang der Inflation, was natürlich auch den Unternehmern wieder ein leichtes Lächeln ins Gesicht zaubern würde.

2024 findet das Finale der Champions-League in London statt – ein Revival des 2013er Finals zwischen dem FC Bayern und dem BVB findet man sicher bei vielen Fußball-Fans auf dem Wunschzettel. Auch das vielleicht (die Bayern Fans mögen mir das verzeihen) auch wieder mal ein anderer Verein Deutscher Meister wird. Bei der anstehenden Europameisterschaft wünsche ich mir nur, dass unsere Mannschaft das Land nicht blamiert, der Kapitän unserer Mannschaft eine schwarz-rot-goldene Armbinde trägt, und der Fußball im Mittelpunkt steht – bei hoffentlich gutem Wetter.

Apropos Wetter: Gewinner des Jahres 2024 sind alle Betreiber von Solar- und Windkraftanlagen. Ihr bekommt einen Tag Produktion geschenkt – 2024 ist nämlich ein Schaltjahr.

 

Setzen, Sechs!

Dezember 2nd, 2023

Die letzten Wochen waren nicht einfach für unser Land.

  • Das Bundesverfassungsgericht bremst die „Ampel“ aus und kassiert die Umwidmung von 60 Milliarden aus dem Corona-Hilfsfonds in den Klimaschutz-Fonds.

 

  • Sobald der erste Schnee fällt, bricht der öffentliche Verkehr zusammen.

 

  • Die Fußball-National-Mannschaft liefert 8 Monate vor der EM im eigenen Land mit Niederlagen gegen Österreich und die Türkei einen sportlichen Offenbarungseid ab.

 

  • In der neuesten Pisa-Studie sind die deutschen Schüler im Vergleich zur letzten Studie deutlich abgerutscht

 

Eigentlich ist jedes Thema für sich einen eigenen Beitrag wert.

Ich befürchte jedoch, dass wir in den nächsten Wochen, bevor wir mit dem Abarbeiten dieser Liste fertig sind, bereits die nächsten Problemmeldungen auf dem Tisch liegen.

Deshalb eine Kurzanalyse der Punkte 1, 2 und 4 (die sportliche Aufarbeitung von Punkt 2 folgt dann in einer der nächsten Ausgaben)

Das Veto des Bundesverfassungsgerichts finde ich gar nicht so schlecht, wurde doch einigen „Experten“ in unserer Regierung damit ein deutliches Zeichen gesetzt, dass das Geld nicht wie „Manna vom Himmel fällt“, sondern auch für Regierungen Grenzen in der Ausgabewut und Spendabilität gelten. Die Finanzmärkte jedenfalls haben sehr positiv auf dieses „Zeichen der Vernunft“ reagiert und am Zinsmarkt kam der Zinsanstieg ins Stocken und wir sahen zuletzt deutlich rückläufige Zinsen. Beflügelt von dieser Entwicklung konnte der DAX im Laufe dieser Woche einen neuen historischen Höchststand erreichen.

Zum Thema „Sparen“ erlaube ich mir eine kleine Anregung:

Mitte November war ich zum zweiten Mal in diesem Jahr zu Gast im Deutschen Bundestag.

Meine Meinung dazu: Diese ganze „Veranstaltung“ ist völlig überdimensioniert! Auch hier gilt „Weniger ist manchmal mehr“

736 Abgeordnete sind aus meiner Sicht mindestens 300 zu viel.

Jeder Gemeinde- oder Magistratsvertreter in unserer Region weiß, wie schwierig es ist, selbst bei 30 Leuten effektiv zu arbeiten.

Wer in der vergangenen Woche mit Auto, Bus, Bahn oder Flugzeug unterwegs war, hat teilweise eine regelrechte Odyssee erlebt.

Wie eigentlich jedes Jahr erinnert der erste Schneefall viele daran, dass es Zeit wird, die Winterreifen auf das Auto zu montieren. Leider ist es dann bereits zu spät. Und die öffentlichen Verkehrsmittel haben leider so gut wie keine Resistenz mehr, widrigen Wetterbedingungen Paroli zu bieten. Flughäfen und Bahnhöfe werden dann einfach „dicht gemacht“ – nicht zuletzt, weil auch in vielen Bereichen ganz einfach Personal fehlt. Aber auch das ist ein Thema für sich. Wir brauchen fünf Jahre (!) um eine marode Autobahnbrücke zu sanieren. Ein Armutszeugnis für alle Verantwortlichen!

Ein Armutszeugnis liefern auch die deutschen Schüler in der letzten Pisa-Studie ab.

Die Bild-Zeitung kommentierte das kurz und knapp mit „Setzen- Sechs“ .

Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen will, findet auf der Webseite der OECD die komplette Studie für Deutschland unter diesem Link:

GERMANY_Country-Note-PISA-2022_DEU.pdf (oecd.org)

Die wichtigste Erkenntnis lautet:

Insgesamt handelt es sich bei den Ergebnissen von 2022 in allen drei Kompetenzbereichen um die niedrigsten Werte, die jemals im Rahmen von PISA gemessen wurden.

Bei der PISA-Studie werden weltweit 15-jährige Schüler in ihren Fähigkeiten in den Bereichen „Lesen, Mathe und Naturwissenschaften“ getestet. Das Ganze wird weltweit nach den gleichen Standards gemessen und erlaubt dann ein internationales Ranking. Und den deutschen Schülern geht es wie der Fußball-Nationalmannschaft.

Die Frage, woran das liegt, wird sicherlich in den kommenden Wochen kontrovers diskutiert werden.

Liegt es an der Qualität der Lehrer?

Liegt es an dem zunehmenden Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund?

(immerhin ist der in den letzten 10 Jahren von 13% auf 26% gestiegen)

Oder liegt es – was ja eine beliebte Ausrede in den letzten drei Jahren war – einfach an Corona?

Zu letzterem muss ich allerdings sagen: Corona war kein auf Deutschland isoliertes Problem, sondern die Pandemie hat weltweit alle Schüler vor die gleichen Herausforderungen gestellt.

Eines ist sicher (im Fußball, wie in der Wirtschaft): Schwache Nachwuchsarbeit rächt sich früher oder später.

Nach dieser PISA-Studie müssen wir in Deutschland dringend analysieren, was in der Schule anders laufen muss. Beim DFB keimt dagegen nach den beindruckenden Leistungen der U17- Nationalmannschaft und dem Gewinn der Weltmeisterschaft Hoffnung auf.

Quelle:

Weniger ist manchmal mehr

November 6th, 2023

In der vergangenen Woche durfte ich an einer interessanten Veranstaltung teilnehmen.

„Zukunft der Tageszeitungen in der Region Limburg-Weilburg“ hiess es in einer Einladung zu einer Podiumsdiskussion in der Werkstadt-Lounge in Limburg, zu der der Wirtschaftsrat der CDU eingeladen hatte.

Neben meiner Wenigkeit in der Funktion als gelegentlicher Kolumnist dieser Zeitung saßen bzw. standen NNP-Chefredakteur Dr. Uwe Röndigs, der Leiter der Geschäftsstelle Limburg der Lahnpost Christian Schütz und der Limburger Finanzexperte und Betreiber des Blogs „Limblog“ Prof. Dr. Stefan Schäfer auf der Bühne und stellten sich den Fragen des Moderators Hans-Peter Schick, nach 24 Jahren als Bürgermeister in Weilburg immer noch in zahlreichen Ehrenämtern unterwegs.

Sicher werden Sie in den unterschiedlichen Medien die jeweilige Bewertung der Veranstaltung aus Sicht der Beteiligten verfolgen können, dies möchte ich an dieser Stelle auch für Sie als Leser tun.

Das Thema „Tageszeitungen“ in der Region muss man aus meiner Sicht auf den Begriff „Medienlandschaft“ ausweiten. Längst ist die Tageszeitung nicht mehr die „ultimo ratio“, sondern sieht sich wachsender Konkurrenz durch das Internet ausgesetzt. Waren früher Radio und Fernsehen neben der Tageszeitung die Hauptinformationsquellen der Leute, hat sich das in den vergangenen 25 Jahren (seit sich das Internet flächendeckend verbreitet hat) grundlegend geändert. Jedes der eingangs genannten Medien – jede Zeitung, jeder Fernsehsender und auch jede Radiostation hat mittlerweile einen Online-Auftritt -mit teilweise deutlichen Qualitätsunterschieden.

Bei Nachrichten kommt es oft auf Schnelligkeit an, und da ist das Printmedium natürlich deutlich im Nachteil. Um es praktisch auszudrücken: Wenn in der Zeitung über einen Mord berichtet wird, ist oft der Täter bereits gefasst – das kann man dann im „Live-Ticker“ online nachlesen.

Oder – um in meinem Metier zu bleiben – braucht man eine ganze Seite Börsenkurse vom Vortag? Vor 40 Jahren – als ich anfing mich mit Aktien zu beschäftigen – konnte man die Kurse über die Telefonnummer 01168 abhören, das Band wurde dreimal täglich aktualisiert. Oder mittags um 16:00 Uhr wurden ausgesuchte Kurse im Schaufenster der Bank ausgehängt. Heute hat man in „Echtzeit“ alle Informationen jederzeit auf dem Mobiltelefon verfügbar.

Von daher auch meine provokative Feststellung: Beim Erscheinungsbild der Tageszeitung hat sich in den letzten 40 Jahren im Grunde nur wenig geändert – man nimmt sinkende Auflagen achselzuckend zur Kenntnis. Einig waren sich alle Teilnehmer: Die Zeitung als lokale Informationsquelle darf nicht sterben, aber meine persönliche Meinung zu diesem Thema: Wir müssen völlig neue Wege gehen.

Die erste Frage lautet: Muss die Zeitung jeden Tag erscheinen?

Aus meiner Sicht: Nein – wichtig ist eine Montagsausgabe mit der Sportberichterstattung. Dann vielleicht noch eine Mittwoch/Donnerstagausgabe mit den Schwerpunkten „Berichte aus dem Vereinsleben“ und „Berichterstattung aus den Gemeindeparlamenten und dem Kreistag“ und eine große Wochenendausgabe am Samstag, die dann auch überregionale Themen aufgreifen kann.

In erster Linie sehe ich aber die Aufgabe einer regionalen Tageszeitung in den regionalen Themen und nicht in der Weltpolitik.

Die zweite wichtige Frage: Wie sollte sich eine Zeitung online präsentieren?

Hier habe ich den Eindruck, dass aktuell – die Sportberichterstattung ausgenommen – das ganze Thema bei der NNP relativ stiefmütterlich und lieblos behandelt wird. Fast alle Artikel werden hinter einer Bezahlschranke angeboten, was viele Leute dann sofort zu anderen Inhalten bzw. Anbietern im Internet wechseln lässt – ich spreche da aus eigener Erfahrung. Gewisse Grundinformationen sollten im Online-Bereich für alle Interessierten frei zugänglich sein, sonst bekommt man keinen „Traffic“ bzw. keine „Klicks“ auf die Seite und das ist im Internet die Kennzahl, die bei der Printausgabe „Auflage“ heisst.

Obwohl ich nach wie vor Abonnent der NNP bin, nutze ich das Internet-Angebot so gut wie gar nicht, was natürlich nicht unbedingt für die Qualität des Online-Auftritts spricht.

Und die dritte Frage: Wo sollte die Zeitung der Zukunft inhaltliche Schwerpunkte setzen ?

Hier lautet meine Meinung ganz klar: „Schuster bleib bei Deinen Leisten“ – die regionale Zeitung sollte Ihren Schwerpunkt in der regionalen Berichterstattung haben – hier hat sie ein Alleinstellungsmerkmal. Und – im Gegensatz zur Informationsflut im Internet, insbesondere in den sozialen Medien – kann man bei der Zeitung von einem ausgehen.

Was hier drin steht, stimmt – jedenfalls meistens.

„Entscheidend ist in der Kabine“ – eine etwas andere Wahlanalyse

Oktober 16th, 2023

Jeder Fußball-Interessierte kennt das berühmte Zitat der Dortmunder Legende Adi Preissler „Entscheidend ist auffem Platz“.

Übertragen auf die Politik könnte man diesen Satz umformulieren in „Entscheidend is inne (Wahl)Kabine“, womit genau das Problem in der Politik auf den Punkt gebracht wird.

Es wird zu viel geschwätzt und zu wenig gemacht!

Mit dem heutigen Aufwand, der rund um ein Bundesligaspiel betrieben wird – mit Pressekonferenz vor und nach dem Spiel, mit nützlichen und noch viel mehr unnützen Statistiken, wie „gespielte Pässe“ oder „gewonnene Luftzweikämpfe“ hätte der gute Adi heutzutage sicher ein Problem.

Jose Mourinho hat diese Thematik einmal grandios ausgehebelt, als er auf die Frage „der Gegner hatte aber 73% Ballbesitz“ antwortete: „Von mir aus können die den Ball mit nach Hause nehmen – wir haben die drei Punkte“

Viele Pressekonferenzen nach Bundesligaspielen sind ja Musterbeispiele für Ausreden, getoppt wird das Ganze aber von den Interviews und Stellungnahmen der politischen Protagonisten an Wahlabenden.

Die „Mutter aller Analysen“ sicherlich 2005 als Gerhard Schröder sich – gestärkt durch ein paar Gläser Rotwein, die er vorher zu sich genommen hatte – kurzerhand in einer Talkrunde mit der sichtlich verblüfften Wahlsiegerin Angela Merkel zum eigentlichen Gewinner der Wahl erklärte.

Gehen wir von der Bundesliga mal in die Kreisoberliga und schauen uns ein paar Stimmen und Ergebnisse der Landtagswahl in Hessen an.

Das Fazit ist schnell auf den Punkt gebracht: Es gibt zwei Gewinner, die heißen CDU und AFD. Und es gibt drei Verlierer, die heißen SPD, GRÜNE und FDP.

Und nicht nur rein zufällig sind die drei Verlierer auch gleichzeitig die Parteien, die die aktuelle Regierung in Berlin bilden.

Hier ein paar Kommentare der heimischen Vertreter in der Presse zum Wahlergebnis:

Marion Schardt (FPD): „Die Leute sind entsetzt, dass jemand (gemeint sind die AFD-Vertreter) so wenig weiß und damit Politik macht“

Sebastian Schaub (Grüne): „Die AFD hat kaum Wahlkampf gemacht, ich habe von den Kandidaten keinen gesehen“

Tobias Eckert (SPD): „Mit eine Ursache für das schlechte Wahlergebnis war auch die unprofessionelle Diskussion zwischen Grünen und FPD um die Grundsicherung.“

Ich schätze alle drei sehr, aber mit Verlaub:

Wenn Ihr nach einem verlorenen Fußballspiel einen solchen Kommentar in einer Pressekonferenz abgegeben hättet, hätten Euch mindestens 17 von 18 Vereinspräsidenten auf der Stelle entlassen.

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Ihr Leut unn ihr Kenn!

September 25th, 2023

Es gibt wohl keinen Stammtisch im Nassauer Land, an dem dieser Satz nicht mindestens einmal am Abend ausgesprochen wird.

Diese Floskel steht für „ungläubiges Staunen“ oder Unverständnis für eine Situation.

In der letzten Woche konnte man diesen Satz in vielen Diskussionen über den Zustand des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) hören.

Einst einer der mächtigsten und reichsten Sportverbände der Welt, bin ich in der aktuellen Situation geneigt zu sagen: „Ein Musterbeispiel dafür, wie es in unserem Land mittlerweile abwärts geht“ – und das liegt nicht nur an der der strengen Befolgung der „Gendersprache“, die die Medienberater dem DFB verordnet haben.

Mit Ausnahme von Fritz Keller wurde der Verband in den letzten 10 Jahren von Politikern geführt. Das Resultat: Die einstmals prall gefüllte Kasse ist leer! In Frankfurt steht dafür eine Akademie, deren Besuch sich lohnt. Leider wurde der Bau aber doppelt so teuer wie ursprünglich veranschlagt (nachzulesen bereits 2019 in der Frankfurter Rundschau). Aus ursprünglich geplanten 75 Millionen Euro dürfte am Ende ein Betrag von deutlich über 150 Millionen gestanden haben.

DFB-Akademie doppelt so teuer (fr.de)

Bis heute vermisse ich eine Aufarbeitung dieses finanziellen Bau-Desasters. Wer ist schlussendlich dafür verantwortlich? Es ist im Grunde das gleiche wie in der Politik – da kostet das neue Feuerwehrhaus halt 6 anstatt 3 Millionen – mit einem kleinen Unterschied: In der Politik wird ein Nachtragshaushalt verabschiedet – das geht beim DFB nicht!

Der zweite Grund für das finanzielle Debakel, das weitaus schwerer wiegt wie die sportliche Krise in den letzten Jahren, liegt in einer sehr unglücklichen Personalpolitik. Den Vertrag eines Trainers vor einem großen Turnier zu verlängern (wie bei Löw 2018) ist an Dilettantismus kaum zu übertreffen. Bei Löw galt im Prinzip das gleiche wie bei Angela Merkel – das letzte Drittel der Amtszeit war zuviel.

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War früher alles besser?

September 11th, 2023

Diese Frage oder soll man besser sagen, dieses „geflügelte Wort“ nehme ich in ganz vielen Bereichen auch in der Form der Behauptung „Früher war das alles besser!“ sehr oft in Diskussionen wahr.

Die Antwort aus meiner Sicht lautet: „Es war nicht alles besser, aber anders.“

Für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft war bis zu den erbärmlichen Auftritten in Russland und Katar bis auf vier Ausnahmen (1962, 1978, 1994 und 1998) das Erreichen des Halbfinales bei einer Fußball-Weltmeisterschaft „Gesetz“ – ein Ausscheiden in der Vorrunde konnten sich die meisten Experten gar nicht vorstellen. Bei diesem Thema sei mir kurz ein Blick in die Zukunft gestattet: Für mich nicht mehr undenkbar ist künftig auch ein Scheitern in der Qualifikation. „Ohne Holland fahrn wir zur WM“ wird dann von unseren Nachbarn möglicherweise umgedichtet.

Eine spezielle politische Gruppierung in Limburg fordert ja „mehr Migranten in der Nationalmannschaft“, was auf deren Website nachzulesen ist.

Hierzu meine klare Meinung: Jeder kann in diesem Land sagen, was er will, jeder kann sich auch zu Themen äußern, von denen er offenkundig keine Ahnung hat. Aber es gibt in der Historie ein Muster-Beispiel dafür, was passiert, wenn sich die Politik in die Mannschaftsaufstellung einmischt. 1938 bei der WM in Frankreich musste der damalige „Reichstrainer“ – heute heißt das Bundestrainer – Sepp Herberger auf Druck der Nazis 6 Deutsche und 5 Österreicher aufstellen. Das Ergebnis ist bekannt und war 80 Jahre lang der Schandfleck in der deutschen WM-Bilanz.

Anderes Thema: Seit dieser Woche läuft ja wieder der Schulbetrieb und das bedeutet – gerade in Limburg – die Verkehrsströme verändern sich drastisch. Zu meiner Schulzeit (in den 70er Jahren) waren morgens die Züge nach Limburg voll – heute sind es die Straßen rund um die Tilemannschule. Ist es den Kindern heute nicht mehr zuzumuten zum Bahnhof oder der örtlichen Bushaltestelle zu laufen und vom Limburger Bahnhof dann den einen Kilometer zur Schule – auch wenn eine anspruchsvolle „Bergwertung“ auf dem Weg liegt? Aus meiner Sicht war die Variante der 70er Jahre hier deutlich besser für alle Beteiligten und auch für die Umwelt.

In der vergangenen Woche hatte ich einen Geschäftstermin in Düsseldorf und bin dorthin mit dem ICE angereist. Reisedauer von Limburg-Süd: 1 Stunde und 8 Minuten – früher unvorstellbar.

Früher dauerte das drei Stunden aber die Leute haben im Zug miteinander geredet, heute ist jeder mit seinem Mobiltelefon und Laptop beschäftigt (ich schließe mich da nicht aus).

In den letzten Monaten wird ja – insbesondere in der Wirtschaftspresse – sehr stark über das Thema „KI“ (künstliche Intelligenz) debattiert. An der Börse sind Firmen, die dieses Thema besetzen aktuell sehr stark im Aufwind, Künstliche Intelligenz bestimmt unser Leben aber schon seit vielen Jahrzehnten, angefangen mit Schachcomputern, elektronischen Taschenrechnern oder Navigations-Systemen im Auto, die es weit vor der „I-Phone“ Zeit gab.

All diese Dinge – und natürlich hunderte von Apps auf dem Mobiltelefon machen unser tägliches Leben – ohne jeden Zweifel – leichter.

Aber es macht auch faul. Ich wundere mich immer, wenn manche Leute auf dem Weg nach Frankfurt ihr Navigationssystem einschalten – und es soll auch schon Fälle gegeben haben, wo das Navi den Fahrer schnurstracks in den Main geleitet hat.

Und ich stelle immer wieder fest, dass „Kopfrechnen“ fast zu den aussterbenden Fähigkeiten in diesem Land gehört, dafür aber mit einer unglaublichen Fingerfertigkeit in Rekordzeiten Textnachrichten auf dem Handy geschrieben werden.

Und auch ich ertappe mich oft bei der Frage: Wann hast Du denn das letzte Mal einen Stift in der Hand gehabt und Dir handschriftliche Notizen gemacht oder einen Text geschrieben.

Bei allem Fortschritt: Die Mischung machts und der gesunde Menschenverstand darf aus meiner Sicht nicht durch blindes Vertrauen in die Technik komplett ausgeblendet werden.

Was mich in der heutigen Zeit sehr befremdet, ist die zunehmende „Bevormundung“, die sich manche „Oberlehrer“, sei es in der Politik oder im sonstigen Gesellschaftsleben herausnehmen. Ich habe eingangs geschrieben: Für mich kann in diesem Land jeder sagen, was er denkt – mit der Einschränkung: „Im Rahmen des Grundgesetzes“. Das hat unseren Staat nach dem Krieg – im Gegensatz zur DDR – ausgezeichnet.

Mittlerweile wandelt sich aber das Blatt und wir sind auf dem besten Weg nicht mehr – ich formuliere das mal: „BRD-Konform“ zu sein, sondern nähern uns in Teilbereichen Verhältnissen, wie sie unsere Brüder und Schwestern in den neuen Bundesländern 40 Jahre lang gekannt haben.

Wenn man seine Meinung sagt, muss man damit rechnen (natürlich auch befeuert durch die sozialen Medien) durch „Andersdenkende“ beleidigt zu werden und deshalb denken viele „dann halte ich lieber meinen Mund“ – aber genau das ist in einer Demokratie die falsche Einstellung.

Die neue „Stasi“ heißt „Whistleblower“ – oder man kann auch Denunzierung sagen.

Ein Beispiel von vielen gefällig:
Früher hat der Nachbar auf das Haus aufgepasst, wenn, man im Urlaub war – in der Corona-Zeit hat der Nachbar die Polizei gerufen, wenn mehr als 5 Leute im Haus waren.

Es gibt schon ein paar Dinge, die früher besser waren!

100 Millionen für „eigentlich“ nichts

August 19th, 2023

Das beherrschende Thema der vergangenen Woche in den Sportgazetten lautete „kommt er ? – kommt er nicht ? – kommt er ?“ Am Ende kam er – und 100 Millionen Euro wurden aus München über den Ärmelkanal geschickt. Und das alles für einen Spieler, der im kommenden Jahr ablösefrei zu haben gewesen wäre.

Und im Prinzip nur dafür, dass er ein Jahr früher seinen Dienst antritt, der mit jährlich 25 Mio. vergütet wird. Rechnen wir noch die üblichen Beraterhonorare dazu, dann sind wir schnell bei einem Betrag von knapp 250 Millionen, die die FC Bayern München AG dafür auf den Tisch legt, dass ein gewisser Herr Kane in den kommenden vier Jahren das rot-weiße Trikot der Bayern trägt.

Um die Größenordnung dieses „Deals“ einmal zu verdeutlichen: Der komplette Börsenwert des ärgsten Verfolgers der Bayern – Borussia Dortmund – liegt inclusive Markenrechten, Stadion und der kompletten Lizenzspieler-Truppe bei grade mal 500 Millionen Euro.

Meine persönliche Meinung dazu: Die „mia san mia“-Abteilung hat nicht nur die Nerven, sondern auch völlig den Bezug zur Realität verloren. Was schon mit der völlig übereilten und unprofessionell vorbereiteten Trennung von Julian Nagelsmann begann, mit dem ebenso schlechten Timing des Rauswurfs von Manager „Brazzo“ Salihamidzic und Vorstandsboss Oli Kahn, fortsetzte, gipfelt jetzt in einem Transfer, den ganz Fussball-Deutschland mit erstauntem Blick verfolgte. Und es gab sogar 20.000 völlig „Bekloppte“, die auf dem Flight-Tracker (auf deutsch: Flugverfolgungsseite) www.flightradar24.com den Flug der Privatmaschine mit Harry Kane an Bord von London nach München verfolgten. Um 19:51 am letzten Freitag dann die Sensationsmeldung des Tages: „Soeben hat das Flugzeug den deutschen Luftraum erreicht“ – als ob immer noch die Sorge bestanden hätte, britische Abfangjäger wollten die Ausreise des Kapitäns der englischen Fussball-Nationalmannschaft verhindern.

Es hat eigentlich nur noch gefehlt, dass Reporter-Legende Rolf Töpperwien nach 13 Jahren im Ruhestand reaktiviert wird, um die Landung in München mit den enthusiastischen Worten „jetzt, jetzt, jetzt, betritt er deutschen Boden“ zu kommentieren, so wie er einst Otto Rehagel (dem ich an dieser Stelle ganz herzlich zu seinem 85. Geburtstag gratulieren möchte) nach dem ersten Bremer Europapokalsieg huldigte.

Jetzt muss man wissen, der Bursche ist schon 30 – d.h. nach Ablauf der 4 Jahre wird es allenfalls noch ein kleines Taschengeld geben.

Und nur so am Rande – vor einem Jahr holten die Bayern einen, der fast genauso heisst und der vom Leistungsvermögen mindestens in der gleichen Kategorie einzuordnen war, aber mit 32 Mio nur knapp ein Drittel gekostet hat.

Ich will hier den Teufel nicht an die Wand malen, aber wer garantiert, dass es jetzt besser läuft ?

Ein Vorgeschmack, dass im Fussball nichts planbar ist und auch Geld nicht immer Tore schiesst, konnten die Bayern-Bosse ja bereits seit dem unnützen Trainer-Wechsel im Frühjahr bereits „genießen“.

Obwohl der „Super-Cup“ für mich ein Spiel um die „goldene Ananas“ ist, was ich nicht live verfolgt habe, habe ich mir dann doch im Nachgang die Stimmen nach dem Spiel angeschaut.

Der ehemalige „Sport-Bild“-Chef Pit Gottschalk schrieb am letzten Montag in seinem sehr empfehlenswerten Blog „Fever Pit‘ch“

„94,4 Prozent aller Bundesligatrainer werden nach einem Interview, wie es Thomas Tuchel am Samstag in der ehemaligen Dominanz-Arena gegeben hat, sofort verabschiedet. Mit oder ohne Blumenstrauß. Im „Nagelsmann-Tempo“, notfalls sogar per WhatsApp.“

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache:

Der Punkteschnitt von Tuchel liegt nach 13 Pflichtspielen bei 1,54, der von Julian Nagelsmann lag bei 2,16 und damit noch vor den Legenden Ottmar Hitzfeld (2,15), Jupp Heynckes (2,08) und Udo Lattek (2,07). Schlechter als Tuchel schnitt nur Sören Lerby ab (1,18).

Das war in der Saison 1991/92 – vor mehr als 30 Jahren.

Und mit der Preisfrage: Welchen Platz belegten die Bayern in dieser Saison, kann man – wenn alle Handys „offline“ (aus) sind – einen kostenlosen Abend an der Theke verbringen.

Ich kenne viele, die nichts gegen eine Wiederholung der Geschichte hätten. Allerdings sorgen 5 der ersten 12 Mannschaften in dieser historischen Saison dafür, dass wir wieder einmal von der stärksten 2. Liga aller Zeiten sprechen. Allesamt Traditionsvereine, die heute auch dort stehen könnten, wo die Bayern stehen, wenn dort vor 35 Jahren  zufällig ein Uli Hoeneß den Manager-Job übernommen hätte.

Um so mehr wundert es mich, dass in München jetzt das Geld aus dem Fenster geschmissen wird, als gäbe es kein Morgen mehr.

Einfache Mathematik (2. Folge)

August 6th, 2023

In der vergangenen Woche erschien im „kleingedruckten Teil“ der Medien eine nicht ganz so unwichtige Meldung des statistischen Bundesamts – keine Angst meine „Freunde“, ihr könnt entspannt weiterlesen.

Die gesamte Verschuldung der öffentlichen Hand in Deutschland ist im Jahr 2022 auf insgesamt 2,368 Billionen Euro gestiegen.

Man kann diese Zahl auch so schreiben: 2.368.000.000.000.

Von diesem Geld kann man sich z.B. in dieser Woche 389 Milliarden Dosen mit Wiener Würstchen beim Discounter „Penny“ zum angeblich fairen Preis kaufen – aber das ist ein anderes Thema.

Die gute Nachricht: Der Zuwachs der Verschuldung lag „nur“ bei knapp 2% (oder 47 Milliarden) und damit deutlich unterhalb der derzeitigen Inflationsrate. Pro Kopf haben wir damit bei einer Bevölkerungszahl von 84 Millionen etwas über 28.000 € die jeder von uns „auf dem Deckel“ hat.

Natürlich stehen diesen Schulden auch Werte gegenüber – das Strassennetz, staatseigene Immobilien und auch staatliche Unternehmensbeteiligungen, wobei sich bei letzteren – ich nenne hier als Beispiel die Commerzbank – die Verantwortlichen alles andere als mit Ruhm bekleckert haben.

Bei der Commerzbank hat der Staat z.B. im Jahr 2009 18,2 Milliarden für einen Anteil von 25% bezahlt. Heute kostet die komplette Bank 13,5 Milliarden – macht ein Minus von 81% !

Aber das ist alles zu verschmerzen, weil es ja von uns allen bezahlt wird und wenn ein Verlust in Höhe von 15 Milliarden € auf genügend Köpfe aufgeteilt wird, sind das bei 84 Millionen ja nur schlappe 17,77 € für jeden. Dann werden halt drei Dosen Wiener Würstchen weniger gegessen. Und dem damals verantwortlichen „Chef“ der Commerzbank, Klaus-Peter Müller haben sie zum Abschied auch noch das Bundesverdienstkreuz umgehängt

Natürlich gibt es auch eine ganz einfache Möglichkeit die Schuldenanzahl pro Kopf zu reduzieren – aber auch dazu sage ich hier nichts.

Kommen wir mal von der Ironie in die Realität.

Uns fliegt nämlich gerade in vielen Bereichen ein Problem um die Ohren, das die meisten noch gar nicht realisiert haben.

Plötzlich gibt es wieder „Zinsen“ – die „Sparer“ jubeln.

Aber was ist der Preis dafür ?

Als erste Branche wird momentan in der Bauindustrie das Licht ausgeknipst.

Bei 1% Zinsen rechnet es sich vielleicht ein Mietshaus zum Preis der 20-fachen Jahresmiete zu kaufen – dann bleiben weitere 4% für Tilgung und Instandhaltung.

Wenn ich aber bei der Bank 4,5% Zinsen bezahlen muss – dann bleibt so gut wie nichts mehr übrig – es sei denn die Mieten werden kräftig angehoben.

Und genau das passiert momentan am Markt – Immobilienpreise fallen und Mieten steigen.

Hinzu kommt das Problem, dass durch eine enorme Preissteigerung und auch dank einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Bürokratie die Baukosten in den letzten 5 Jahren um mindestens 30% gestiegen sind.

Bei den aktuell gültigen Rahmenbedingungen hält jeder Immobilien-Investor, der 1 und 1 zusammen zählen kann, die Füße still und bereitet Projekte vor – aber kein Bagger fährt auf die Baustelle.

1 und 1 zusammen zählen können auch viele private Bauherren, da muss ich nur die Riege der Bürgermeister im Landkreis fragen, wie viele Bauplätze denn von bauwilligen Familien momentan zurück gegeben werden.

Und wer mit dem Auto von Limburg nach Elz fährt, muss nur in Höhe Kaufland die Augen nach rechts halten, dann sieht man ein großes Loch, wo vielleicht irgendwann mal das neue Finanzamt stehen soll.

Das allerdings hätte längst fertig sein können, wenn die Verantwortlichen in Wiesbaden nicht den Auswahlprozess über drei Jahre in die Länge gezogen hätten. Und wenn dort jetzt über eine Mieterhöhung verhandelt wird, muss eigentlich der Auswahlprozess neu starten – sprich das Ganze muss dann neu ausgeschrieben werden. Denn die höhere Miete dort zahlt der Steuerzahler und bei 13 Euro anstatt 11 Euro Miete, hätte auch mancher Investor sein Angebot aufrechterhalten.

Der richtig „dicke Deckel“ kommt auf uns alle aber in den Haushaltsberatungen von Bund, Länder und Kommunen im Jahr 2024 zu.

Es gibt sicher noch Darlehen, die zu 0, 1 oder 2% festgeschrieben sind, aber die Neuverschuldung kostet mindestens 4%.

Die Rechnung ist einfach: Bei 2,5 Billionen sind 4% 100 Milliarden.

Da werden einigen Politikern die Augen geöffnet, denn eine – in den letzten Jahren komplett vernachlässigte Frage wird auftauchen: „Wie können wir das finanzieren ?“

Von nix kommt nix

Juli 20th, 2023

Nachdem die „einfache Mathematik“ ja für einige Aufregung gesorgt hat, heute mal ein kleiner Ausflug in die Wirtschaft. Eines kann ich vorwegnehmen: Diejenigen, die schon mit Mathe ihre Probleme hatten….für die wird es leider nicht leichter.

Alleine schon aus dem Grund, dass „Wirtschaft“ sich in erster Linie durch Handel und Arbeit und nicht durch das Beziehen von Sozialleistungen und Verwaltung definiert.

Vor ziemlich genau 78 Jahren lag unser Land in Schutt und Asche, nachdem das ganze Volk sich von einem „durchgeknallten Österreicher“ blindlings ins Verderben hat führen lassen. Auch dabei haben Medien eine entscheidende Rolle gespielt, damals hiess das nicht „Internet“ sondern „Volksempfänger“.

Direkt nach Kriegsende wurde der Begriff der „Trümmerfrauen“ geprägt, die als erstes anfingen den Staub abzuschütteln und aufzuräumen, während die meisten Männer und Väter ncoh in Kriegsgefangenschaft waren.

Ich bin 17 Jahre nach Kriegsende geboren und meine ersten „bewussten“ Erlebnisse, an die ich mich erinnern kann, waren so gegen Ende der 60er Jahre. Ich hatte die Gnade der günstigen Geburt (im August) und war im Jahrgang oder beim Fussball immer einer der Ältesten. Dadurch konnte ich auch gegen Ende meiner Kindergartenzeit auch schon lesen und während meine Freunde die Bilder im „Kicker“ anschauten, habe ich Ihnen die Spielberichte vorgelesen. Woran ich mich aber auch erinnern konnte war, dass mein Vater und mein Großvater (beides gelernte Maurer) auch Samstags zur Arbeit gingen – eine 6-Tage Woche war damals normal.

Mein zweiter Großvater war Altwarenhändler und ein „Fuchs“ – als ich so knapp in der Schule war, hat er mich einmal im Jahr immer zur Bank mitgenommen, um den Zinssatz für sein Geld dort auszuhandeln.

Im Schaufenster der Bank stand dann „Festgeld für 1 Jahr – 6%“ und mein Großvater hat zum Bankdirektor gesagt „Gib mir 7% oder ich nehm das Geld mit“ – und das hat meistens geklappt.

In beiden Fällen, ob der Maurer ein Haus baut oder der Händler „einen Schnaps mehr“ raus holt, wird „Wertschöpfung“ betrieben. Und der Staat profitiert davon in Form von Steuern, die auf Verdienst und Gewinn erhoben werden.

In einem gesunden Staat werden genug Steuern eingenommen, um davon die Verwaltung zu bezahlen, für eine gescheite Verkehrsinfrastruktur zu sorgen, die medizinische Versorgung der Menschen zu sichern, Rentnern einen lebenswerten Ruhestand zu ermöglichen und Kindern eine vernünftige Ausbildung sicher zu stellen. Und dann gab es die Sozialhilfe, die denjenigen, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage waren, eigenständig für ihren Lebensunterhalt zu sorgen, unterstützend zur Seite stand.

Das alles hat in Deutschland jahrzehntelang irgendwie funktioniert. Und zwar sowohl unter „schwarzen“, als auch unter „roten“ Brüdern und Schwestern an der Macht.

Wo stehen wir heute ?

Ich mache mir da große Sorgen. Unsere Verkehrsinfrastruktur ist überaltet und marode. Unsere medizinische Versorgung steht auf der Kippe. Arzneimittel sind knapp und in der Pflege explodieren die Kosten. Nicht nur der aktuelle Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist hier völlig überfordert, auch sein Vorgänger Jens Spahn hat hier total versagt. Und das Rentensystem funktioniert nur, weil es quersubventioniert wird. Das allergrößte Problem ist aber aus meiner Sicht das Bürgergeld, da hier völlig falsche Anreize geschaffen werden. Wir werden – wenn das Ruder nicht schnell herumgerissen wird – im Bereich der Pflege eine wahre „Völkerwanderung“ erleben. Und zwar in der Form, dass die Leute das nicht mehr bezahlen können und Bürgergeld beantragen müssen. Und wenn das Bürgergeld bei uns höher ist als in vielen europäischen Nachbarstaaten der durchschnittliche Monatsverdienst (und ich rede hier nicht mal von den Ländern, aus denen die meisten Migranten zu uns kommen), ist es doch kein Wunder, dass viele dann sich auf den Weg nach Deutschland machen.

Ich bin sehr dafür, denen die arbeiten auch einen ordentlichen Mindestlohn zu bezahlen und „Lohn“ ist eng verwandt mit „lohnen“.

Derjenige der arbeiten geht und Steuern und Sozialabgaben zahlt, muss deutlich mehr verdienen, als derjenige der zu Hause auf dem Sofa liegt. Und zwar nicht derjenige, der krank ist, sondern der, der ganz einfach nicht motiviert ist, zu arbeiten (früher hatte man „faul“ dazu gesagt),

Wir haben definitiv zu wenige Arbeiter und Händler und zu viele, die in den Topf hineinlangen.

Auch für den Staat gilt: Er kann nur das Geld ausgeben, was auch verdient wird (bzw. in diesem Fall über Steuern hereinkommt).

Das ganze „Spiel“ hat in den letzten Jahren aus meiner Sicht nur funktioniert, weil das Geld nichts gekostet hat. Aber die Nullzinsphase ist vorbei und die erste Branche, die das gerade sehr schmerzhaft erfährt, ist die Baubranche. Hier wird es in den kommenden Monaten Insolvenzen hageln. Nein Herr Habeck, die hören nicht nur auf zu bauen, die können dann wirklich Ihre Rechnungen bzw. die Zinsen nicht mehr bezahlen – und das heisst dann leider „Insolvenz anmelden“.

Und wenn die Existenz auf dem Spiel steht, will ich den sehen, den dann CO-2-Bilanz oder Nachhaltigkeit interessiert. Da geht es um das nackte Überleben.

Ich hoffe nicht, dass wir in ein paar Jahren auch den Staat in dieser Rolle sehen. Argentinien, Venezuela oder auch Griechenland sind die besten Beispiele dafür. Aber eine große japanische Autofirma predigt in der Werbung „nichts ist unmöglich“.

Ich persönlich glaube, dass wir im weiteren Jahresverlauf deutlich rückläufige Inflationszahlen sehen und die Europäische Zentralbank die Zinskeule dann hoffentlich wieder einpackt.

Eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, dass uns Horror-Szenarien erspart bleiben.