Licht und Schatten

22 September 2016 von Max Kommentieren »

Manchmal sitzt man sonntags da und überlegt sich „Kerle, über was schreib ich da jetzt“ aber die vergangene Woche lieferte gleich Themen für eine ganze Zeitung.

Fangen wir doch gleich mit dem aus Limburger Sicht überragenden Ereignis an. Ehrlich gesagt gehören Gottesdienste nicht zu meinem bevorzugten Fernsehprogramm, aber die Bischofsweihe von „Monsignore Dr. Bätzing“ am vergangen Sonntag war ja quasi „Pflichtprogramm“. Ein altes Sprichwort sagt „für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance“ und ich muss sagen, dass unser Bischof für mich einen hervorragenden ersten Eindruck hinterlassen hat. Ein sympathischer und volksnaher Mann, der mit acht einfachen Worten „Hier bin ich und jetzt habt Ihr mich !“ die Herzen der Limburger Glaubensgemeinde gewonnen hat. Ich bin – als nach wie vor zahlendes Mitglied – der festen Überzeugung, dass er den Scherbenhaufen, den ihm sein Vorgänger hinterlassen hat, schnell beiseite kehren wird. In allen Bereichen des Bistums dürfte ein frischer Wind wehen und eine fröhliche „Aufbruch“-Stimmung Einzug halten. Ich wünsche ihm „alles Gute“ und die nötige Kraft und Gesundheit für die schwierige Aufgabe, dem guten ersten Eindruck möglichst viele folgende positive Eindrücke folgen zu lassen. „Benvenuto Monsignore“

Der zerbrochene „Heiligenschein“

Das war‘s aber fast schon mit den guten Nachrichten. In der gleichen Woche zerbröckelte der weltliche „Heiligenschein“ eines Mannes, für den ich mich noch vor zwei Wochen an dieser Stelle ganz weit aus dem Fenster gelehnt habe. Über Umwege kam ans Licht, dass Franz Beckenbauer für seine Tätigkeit im WM-Organisationskomitee 2006 ein Honorar von 5,5 Mio Euro – verdeckt als Provisionszahlung erhalten hat. Ob er das versteuert hat oder nicht, ist da fast schon zweitrangig, angesichts der Scherben, die da jetzt auf dem Boden liegen. Sicher war die Arbeit, die er geleistet hat, möglicherweise diese 5,5 Mio wert. Und wenn das von Anfang an offen kommuniziert worden wäre, hätte sich da niemand drüber aufgeregt. Aber warum stellt er sich dann hin und sagt „Ich mache das ehrenamtlich !“ ? Das war glatt gelogen. Und das allerschlimmste ist, dass alle Beteiligten im engen Zirkel des DFB von Anfang an über die Sache Bescheid wussten und das Ganze nun per Salamitaktik hochkocht. Auch das neue DFB-Präsidium muss sich die Frage gefallen lassen „Warum beauftragt Ihr eine Anwaltskanzlei für einen Millionenbetrag, um die Geldflüsse rund um die WM aufzuklären und dann haltet Ihr so eine brisante Information zurück ?“ Aufgefallen war es den Prüfern nämlich, wurde aber nach Rücksprache nicht in den „offiziellen Freshfields-Report“ aufgenommen. Ich kann bei diesem Thema nur noch mit den Worten „Mein Gott, Franz – wie kann man nur so …(das Adjektiv kann jeder für sich einsetzen)… sein“ den Kopf schütteln.

Apropos Kopf schütteln:

In der vergangenen Woche erreichte uns die Nachricht, dass die US-Regierung die Deutsche Bank in den USA wegen fauler Hypothekengeschäfte in der Finanzkrise 2008 auf 14 Milliarden US-Dollar verklagen will. Mein erster Gedanke dazu war „haben die den Trump schon gewählt – ging das an mir vorbei ?“ – Aber ganz im Ernst Mr. Obama: Wer hat denn diese Schrottpapiere, an der unser System im Jahr 2008 fast kollabiert wäre, in die ganze Welt verkauft ? Allen voran die Verbrecher um den damaligen Chef von „Lehman Brothers“ Richard Fuld und ganz knapp dahinter alles, was im US-Bankwesen Rang und Namen hat. Wenn Ihr 14 Milliarden von der Deutschen Bank haben wollt, können wir in Deutschland eine Gegenrechnung aufmachen, da stehen da aber mindestens 140 Milliarden Dollar drauf. Eigentlich wäre das eine schöne Aufgabe für unseren Haushaltsexperten KP Willsch, den Amerikanern das mal „unter Freunden“ vorzurechnen. „Mutti“ hat wohl keine Zeit dafür.

Die Deutsche Bank Aktie gibt’s jedenfalls im Sonderangebot. Beim Kurs von 12 Euro ist der Laden an der Börse gerade mal noch mit 16,5 Milliarden Euro bewertet. Das Eigenkapital liegt per 31.12.2015 bei 67 Milliarden. Wo bleibt Warren Buffet ?

Rechenspielchen in Berlin

Ach, so – gewählt wurde in der vergangenen Woche ja auch noch. Ging Ihnen das auch so ? Normalerweise sieht man ja bei der Hochrechnung der Sitzverteilung auf den ersten Blick, welche  Gruppierung denn künftig regiert. Bei den Wahlen zur „Stadtregierung“ in Berlin musste man schon ein paar Pfeile aufmalen und den Taschenrechner dazunehmen. Insgesamt 5 Parteien mit Ergebnissen zwischen 14 und 21%, dazu noch die FDP mit knapp über 6% – ich kann mich nicht erinnern, dass wir bei einer Landtagswahl in Deutschland ein Ergebnis hatten, wo die stärkste Kraft bei 21% lag. Auch wenn die Wahlbeteiligung mit 67% erstaunlich hoch liegt – der künftige Ministerpräsident repräsentiert mit den Stimmen seiner Partei noch nicht einmal 15% der Bevölkerung (unter Berücksichtigung der Nichtwähler). Da gehe ich jede Wette ein, dass es keine fünf Jahre bis zur nächsten Wahl dauert. Ob die bis dahin Ihren Flughafen „gebacken“ bekommen, bleibt ebenfalls offen.

Kommentare geschlossen.