Die Dinosaurier des 21. Jahrhunderts

21 November 2012 von Max Kommentieren »

Die derzeit auf einem sehr niedrigen Niveau verharrenden Zinsen, machen in vielen Bereichen richtig Spaß. Häuslebauer, deren Zinsfestschreibung in diesen Tagen ausläuft, können sich über deutlich niedrigere Raten freuen. Hier gebe ich aber allen den Rat: Steckt das künftig bei den Zinsen gesparte Geld in eine höhere Tilgung. Viele Unternehmer nutzen die günstige Situation und packen Investitionen an, sei es in neue Maschinen oder in die Erweiterung der Betriebsgebäude. Das schafft Arbeitsplätze und Aufträge für die Wirtschaft. Als logische Folge daraus liest man sogar gelegentlich von Überschüssen in den Rentenkassen und einige Krankenkassen überlegen sogar Prämien an Ihre Mitglieder auszuschütten. Auch hier gilt: Leute werdet nicht leichtsinnig und übermütig, neben den niedrigen Zinsen sorgt auch der EURO dafür, dass bei uns eine im europäischen Vergleich hohe Beschäftigung herrscht, das wird nicht ewig so bleiben. Ein weiterer Bereich, der von den niedrigen Zinsen derzeit extrem profitiert, sind alle Finanzprodukte – oder besser sollte man sagen: Anlageprodukte – die aus einer Kombination von Investitionen mit festen Erträgen (z.B. Immobilien = Mieten/Pachten oder Windräder/Solaranlagen = Stromerlöse) auf der linken Seite der Bilanz und Eigenkapital kombiniert mit Krediten auf der rechten Seite der Bilanz bestehen. Je höher der Anteil von Fremdkapital zu Eigenkapital, desto attraktiver werden die Renditen für Investoren. Hierin liegt aber zugleich auch eine große Gefahr. Viele Menschen sind geneigt, Risiken auszublenden, weil die sogenannte „Halskrankheit“ (besser bekannt unter der Bezeichnung: „Gier“) das definitiv notwendige Gespür für ein gewisses Maß an Sicherheit oft ausschaltet. Man muss bei allen langfristigen Investitionen auch mal durchrechnen, wie sich diese denn mit einem Fremdkapitalzins von 5% anstatt der derzeitigen 2-3% „anfühlen“. Das gilt insbesondere für Anleger, die sich überlegen in einem der Ballungszentren wie München, Frankfurt oder Hamburg eine Immobilie anzuschaffen, nach dem Motto „Da werden immer Wohnungen gesucht“. Letzteres stimmt ohne Zweifel, aber wenn ich für eine Wohnung die 30-fache Miete auf den Tisch des Hauses lege, dann ist der alte Kaufmanns-Grundsatz „Im Einkauf liegt der Gewinn“ völlig ausgeblendet. Diese Anlage macht dann bei 5% Kredit-Zinsen definitiv keinen Spaß mehr und man kommt aus diesem Geschäft auch ohne Blessuren nicht mehr raus. Es heißt zwar so schön „jeden Tag steht ein Dummer auf“ aber leider gehörte man dann wohl eher selbst zu dieser Gruppe und zwar an dem Tag, an dem man dieses Investment eingegangen ist. Das fühlt sich dann wahrscheinlich genauso an, als wenn man vor 13 Jahren Telekom-Aktien zum Kurs von 100 € gekauft hat (die gibt es heute übrigens für 8,29 €)in der Hoffnung einen noch Dummeren zu finden, der sie einem dann für 130 € ein paar Monate später abkauft.  Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn man an einem dieser Standorte eine Immobilie zu der 10-15-fachen Jahresmiete „schießen“ kann.  Da kann man nicht viel falsch machen, aber bei jedem vermeintlichen „Schnäppchen“ gilt natürlich zu prüfen „Was ist denn der Grund warum die Gegenseite zu diesem Preis verkaufen will?“ Wie so oft im Leben gibt es da, wo Gewinner sind,  auch Verlierer. Hauptverlierer in der momentanen Situation der niedrigen Zinsen sind sicherheitsorientierte Sparer. Aber da muss die Devise lauten: „Umdenken“ und mit einer möglichst breiten Streuung auch mal raus aus dem geliebten Festgeld. Es gibt aber auch einen Wirtschaftszweig, der in diesem Umfeld „austrocknet“, um den es mir – ehrlich gesagt – wenig Leid tut. Zumal aus diesem Umfeld jetzt allen Ernstes eine Stimme laut wurde, die die Europäische Zentralbank aufforderte, die Niedrigzinsphase zu beenden und die Zinsen anzuheben. Es handelt sich hierbei um die Versicherungsbranche, für mich die „Dinosaurier des 21. Jahrhunderts“ . Alleine eine solche Forderung zu stellen und damit Millionen von Arbeitsplätzen in der Wirtschaft zu riskieren, ist für mich eine Unverschämtheit schlechthin. Als das letzte Woche gelesen habe, war mein erster Gedanke: „Was hat der denn geraucht ?“ Die Dinosaurier konnten sich nicht an veränderte Lebensbedingungen anpassen, was Ihnen letztendlich den Garaus bescherte. Meine lieben Herren von der  Ergo, Generali und wie sie alle heißen: Wenn Euer Geschäftsmodell im jetzigen Umfeld nicht mehr funktioniert, dann dreht halt den Schlüssel rum und sperrt Eure Läden zu. Wenn man bedenkt, dass 80% der Versicherungsverträge nicht bis zum Ablauf bespart werden, ist es künftig für diese Anleger besser, das Geld zuhause unter die Matratze zu legen, als es in einen Vertrag bei Euch einzuzahlen. Mit der Propaganda der „totalen Sicherheit“ kann man heute nichts mehr verdienen, zumindest reicht es nicht für die ganzen „Wasserköpfe“, die Ihr in der Verwaltung und im Vertrieb aufgebaut habt. Oder wie wär‘s denn mal mit ein  paar innovativen Ideen auf der Anlageseite. Im Jahr 2000 betrug der Aktienanteil an den Kapitalanlagen der Versicherer 12%, heute liegt er bei lächerlichen 2%. Apropos Dinosaurier – die gibt es nicht nur in der Finanzbranche. Auch der Zeitungsmarkt wandelt sich im Moment langsam, aber sicher. Die Verknüpfung von Print und Onlinemedien ist für die Zukunft unabdingbar. Und wenn dann das Ganze noch durch einen Fernsehsender unterstützt wird, umso besser.

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