Keine Angst vorm schwarzen Montag

17 Oktober 2012 von Max Kommentieren »

Am 19. Oktober 2012 jährt sich zum 25. Mal der sogenannte „schwarze Montag“, der Tag, der uns den bisher größten prozentualen Kursverlust an der Börse in den USA bescherte und den legendären „schwarzen Freitag“  aus dem Jahr 1929, der ja eigentlich ein Donnerstag war, deutlich in den Schatten stellte.

An diesem Tag verlor der Dow-Jones-Index 22,61%, d.h. mehr als ein Fünftel der Börsenbewertung wurde innerhalb einer Sitzung ausradiert. Wir reden hier wohlgemerkt nicht über börsennotierte Unternehmen wie z.B. die Sektkellerei Wachenheim AG, die Regenbogen AG und die Halloren Schokoladenfabrik AG, wo an durchschnittlichen Tagen Aktien im Gegenwert von  50.000 € gehandelt werden und wenn einer der Großaktionäre seiner Frau ein neues Kleid kaufen muss, sich das sofort in einem entsprechenden Minus beim Kurs niederschlägt. Hier handelte es sich vielmehr um die Cremé de la Cremé der amerikanischen Wirtschaft – angeführt damals von General Electric, IBM, Coca Cola und McDonald’s. 58 Jahre vorher – das kannten wir bis dahin ja nur aus den Geschichtsbüchern – lag der Tagesverlust „nur“ bei 12,82%. Dafür „rummste“ es damals am nächsten Tag gleich nochmal um 11,73% nach unten. Während es in den 20er Jahren noch einen Tag dauerte, bis das Kursdebakel in Europa bekannt wurde, und die europäischen Börsen ebenfalls mit deutlichen Kursverlusten reagierten, waren die Kursinformationen in 1987 schon immerhin soweit fortgeschritten, dass die Tagesschau bzw. die Tagesthemen im Stundentakt über die neueste Entwicklung informierten. Internet und Bloomberg,  bzw. n-tv gab es damals noch nicht. Einmal täglich wurden mittags um 14:05 im Radio beim hessischen Rundfunk die aktuellen Kurse verlesen. Wenn man diese Sendung verpasst hatte musste man bis zum nächsten Morgen auf die Zeitung warten oder man konnte sich unter dem „Börsentelefon“ 01168 (gibt’s das eigentlich noch ?) eine Bandansage abhören. Und es gab damals tatsächlich noch „Kursaushänge“ in den Schaufenstern der Bank. Anstelle eines „Mausklicks“ mussten gelbe Zettel für den Kauf und rote Zettel für den Verkauf ausgefüllt werden. Während der „Börsencrash“ 1929 die schwerste wirtschaftliche Krise, die wir in den letzten 200 Jahren gesehen haben ,auslöste, waren die Turbulenzen im Jahr 1987 im Nachhinein nur ein – mehr oder weniger – kleiner Rücksetzer in der Aufwärtsbewegung, die 1982 begonnen hatte und bis ins Jahr 2000 andauerte. Wenn man in den Lehr- bzw. Geschichtsbüchern die Unterschiede beider Krisen analysiert, fällt ein gravierender Punkt sofort ins Auge. 1987 öffneten die Notenbanken die Geldschleusen und senkten weltweit die Zinsen, während in der Krise 1929-1933 die Notenbanken genau das Gegenteil taten, nämlich für eine Geldverknappung sorgten. Diese Lektion haben die Verantwortlichen, die an den Geldschleusen sitzen offenbar sehr gut verstanden, wird sie doch in der aktuellen Krise genauso gehandhabt. Kommen wir zu der Frage, die alle bewegt: „Kann sich so etwas wiederholen ?“ Die Antwort darauf lautet: „Ja, an der Börse ist alles möglich !“

Mittlerweile gibt es zwar sogenannte „Volatilitätsunterbrechungen“, d.h. wenn die Kurse zu stark schwanken, wird der Börsenhandel vorübergehend eingestellt, aber dann holt der Markt sich den „Skalp“ der Anleger eben am nächsten oder am übernächsten Tag.

Der entscheidende Punkt ist und bleibt aber, wie man denn als Anleger mit einer solchen Situation umgeht. In der Aussage „Ja, es kann sich wiederholen“ liegt der eigentliche Hauptgrund dafür, dass ich als Anleger nur Geld in Aktien stecken darf, dass ich in den nächsten 2,3 oder besser 10 Jahren nicht brauche. Und auch 1987 war es der Fall, dass die Kurse diesen Verlust von über 20% bereits 15 Monate später wieder aufgeholt hatten. Und wer in einer solchen Krisensituation verkaufen muss, weil er das Geld braucht, schaut dann wehmütig dem fahrenden Zug hinterher, wenn es wieder nach oben geht. Im Nachhinein waren solche Situationen immer Prima-Kaufgelegenheiten. Wenn da nur nicht die Psychologie und die Nerven wären. Sie finden in einer solchen Situation nur ganz, ganz wenige Stimmen, die über Chancen reden. Die Zeitungen sind voll von Negativmeldungen „wie schlimm denn alles wird“. Die „ganz Schlauen“, die mehr oder weniger ständig von Crash-Szenarien reden, haben in solchen Situationen keine braunen Streifen in der Unterhose,  bei dem ein oder anderen findet man dann ganze Meteoriten darin. Um es in der Jahrmarktsprache zu sagen:  „Wer die Nerven für die Achterbahn nicht hat, muss halt mit dem Karussell fahren“. Aber wenn ich auf dem Karussell sitze, darf ich nicht neidisch sein, dass die Leute auf der Achterbahn die bessere Aussicht haben. Dass die Achterbahnfahrer im – Gegensatz zum Jahrmarkt – an der Börse immer höher aussteigen als einsteigen steht auf einem anderen Blatt. Man muss nur lange genug mitfahren,

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