„Und wenn die Stern vom Himmel falle…

10 Oktober 2012 von Max Kommentieren »

…die Brecher Kermes wird gehalle“ lautet im „Goldenen Grund“ das Motto dieses Wochenendes.

Bei diesem Spruch werden bei mir immer Erinnerungen an den Herbst 2008 wach. Ist zwar schon lange her, aber trotzdem nochmal zur Erinnerung. Am Morgen des 15. September 2008 lief die Nachricht über die Ticker, dass die US-Investmentbank Lehman Brothers pleite ist. Manch einer hat dann erst Wochen später realisiert, was es denn bedeutet, wenn ich ein „Zertifikat“ auf einen „Aktienbasket“ habe, der „Aktienbasket“ seinen Wert behalten hat, aber der „Emittent“ (falls es Lehman war) pleite ist. Die Kapitalmärkte verharrten 2 Wochen in Schockstarre. Als aber absehbar wurde, dass das Ganze nicht nur ein „Lehman-Problem“ ist und Kanzlerin Merkel mit ernster Miene zusammen mit dem damaligen Finanzminister Peer Steinbrück vor die Kameras trat und verkündete „Ihre Sparguthaben sind sicher“, brachen dann in der ersten Oktoberwoche alle Dämme. Innerhalb von einer Woche fiel der DAX von 6.000 auf 4.500 Punkte, d.h. 25% des Börsenwerts der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften hatte sich in Luft aufgelöst. Der Ruf der ganzen Finanzbranche wurde damals in wenigen Tagen derart ramponiert, dass die Nachwirkungen bis heute noch andauern. Warum schreibe ich das ? Zum einen, weil man mittlerweile mit 4 Jahren Abstand schon das ein oder andere aus diesen Vorgängen analysieren kann. Im Prinzip haben Notenbanken und Politik in einer gemeinsamen, konzertierten Aktion den Karren wieder aus dem Dreck gezogen. Mit dem Preis, dass wir heute in Bezug auf die Bonität von Staatsanleihen eine völlig andere Welt als noch vor 4 Jahren haben. Aber alle Beteiligten hatten keine andere Wahl. Die Schuldigen, auch das ist im Nachhinein klar, sind nicht pauschal alle Finanzleute, sondern es sind die, die sich von einem Boom (in diesem Fall der Immobilienmarkt in den USA, UK und den Südländern) haben blenden lassen. Sogenannte „Bubbles“ (Preisblasen) gab es immer wieder in der Geschichte. Angefangen mit den Tulpenzwiebeln in Amsterdam im 17. Jahrhundert. Und immer wenn eine Blase platzt, werden ein paar Umstehende nass. Das Problem an der Situation im Jahr 2008 war, dass niemand abschätzen konnte, wie groß denn dieses Mal die Blase ist. Von daher mussten möglichst große Rettungsschirme aufgespannt werden, um sicherzustellen, dass sich die Welt auch nach dem Platzen dieser Immobilienblase weiter dreht (und die Sterne eben nicht vom Himmel fallen!). Das Motto der Kirmes 2008 in Niederbrechen wurde denn auch kurzerhand von den Kirmesburschen dahingehend umgewandelt:  „Auch wenn die Aktien falle, die Kermes werd gehalle“. Dass auf Ihren Trikots der Schriftzug eines Aktienprodukts Ihres Sponsors das ganze Wochenende leuchtete, haben die wenigsten der Buben wohl realisiert. Heute sehe ich das entspannt, damals hat mich das maßlos geärgert. Ärgern können sich heute diejenigen, die damals Ihr Geld aus Aktien abgezogen haben und auf das von Frau Merkel und Herrn Steinbrück so sicher gepriesene Sparbuch gelegt haben. Seit dem Oktober 2008 hat der DAX nämlich um gut 50% wieder zugelegt. Und alle, die noch vor dem 01.01.2009 investiert haben, können  sich doppelt freuen, da diese Gewinn steuerfrei sind (und es auch künftig bleiben !).  Von den Sternen auf den harten Boden der Realität zurück geholt wurden in der vergangen Woche auch eine Reihe von Führungskräften der ERGO-Versicherung. Haben Sie einen Vertrag, wo Hamburg-Mannheimer oder Victoria drauf steht ? Nicht nur dann sollten Sie sich Gedanken machen, ob es in der heutigen Zeit wirklich Sinn macht solchen Leuten (und ich bin mir sicher in naher Zukunft darf ich die auch ganz offiziell als „Betrüger“ bezeichnen) weiterhin sein Geld anzuvertrauen. Dass auf Kosten der Versicherten eine große, bezeichnen wir das mal als „Party mit professionellen Damen“, gefeiert wird, ist wahrscheinlich kein Einzelfall und ich bin gespannt darauf, was in den kommenden Monaten da noch alles ans Licht kommt. Dass aber Tausende von Riester-Kunden systematisch beschissen werden, indem den Verträgen höhere Kosten aufgebürdet werden, als es im Kleingedruckten steht ,   (und das Ganze den Verantwortlichen bekannt ist !), ist in meinen Augen kriminell und seit vergangener Woche hat sich (endlich !) auch die Staatsanwaltschaft in Hamburg diesen Vorgängen angenommen.

Das ganze Modell „Lebensversicherung“ gehört auf den Prüfstand.  Wenn ich sehe, mit welchem Schreibkram und allen möglichen Risikobelehrungen sich jeder Bankberater, der seinem Kunden einen Investmentfonds verkaufen will, herumplagen muss. Jeder „Furz“, der auf fremde Kosten gelassen wird, muss hier detailliert aufgelistet werden Bei einer Lebensversicherung unterschreibt der Anleger einen Vertrag  über 30 Jahre und länger, wo die Versicherung nach Belieben Kosten und Gebühren verteilen kann. Wenn in dieser Form bei einer Lebensversicherung auf alle Kosten und Risiken hingewiesen wird, unterschreibt das bei klarem Verstand kein Mensch mehr und die Gesellschaften können Ihren Geschäftsbetrieb einstellen. Bevor ich mein Geld in so einer Anlageform „versenke“, setze ich das lieber an der Kirmestheke um ! Aber es gibt ja – Gott sei Dank – auch andere Alternativen. Übrigens: An jenem Kirmesmontag im Oktober 2008 verzeichnete der DAX mit + 11,4% den größten täglichen Kursanstieg aller Zeiten. Das ist doch mal ein schönes Jubiläum auf das man anstossen kann.

 

 

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