Facebook (Daumen rauf) – Facebook-Aktie (Daumen runter)

9 Mai 2012 von Max Kommentieren »

Momentan vergeht kein Tag, an dem nicht in der Finanzpresse über den bevorstehenden Börsengang des „Social-Media-Netzwerks“ Facebook diskutiert wird. Für die älteren unter Ihnen, die nicht wissen „Was ist Facebook ?“, nachstehend der Versuch einer Erklärung.

 

In der Urzeit hockten die Menschen abends am Lagerfeuer. Die Männer guckten ins Selbige (das heute „Fernsehen“ heisst) und die Frauen fixierten die Umgebung, dass keine bösen Nachbarn in das Reich eindringen konnten (diese Funktion haben heutzutage Zäune, Haustüren und Alarmanlagen). Gefühlte fünftausend Jahre später ging dann abends der Nachtwächter mit der Laterne durchs Dorf und verkündete die Neuigkeiten, bevor die Stadttore geschlossen wurden. Und weitere gefühlte fünfhundert Jahre später – man könnte auch sagen: In der letzten Zeit des vergangenen Jahrtausends – konnte man die Neuigkeiten aus aller Welt in gedruckter Form in der Zeitung lesen und die Männer saßen nicht mehr am Lagerfeuer, sondern in der Dorfkneipe. Soziale Kontakte außerhalb der Familie wurden in Vereinen und in der Kirche gepflegt. Mit der Entwicklung des Computers hat sich die Welt schlagartig verändert. Man schreibt keine Briefe mehr, sondern e-Mails, die innerhalb von Millisekunden jeden Empfänger auf der ganzen Welt erreichen. Seit einigen Jahren geht das Ganze nicht nur per Computer, sondern auch per Handy oder „Smartphone“ wie diese kleinen Geräte mittlerweile genannt werden. Die können auch schöne Fotos machen und man kann damit auch im Internet „surfen“, was im Übrigen nicht unbedingt bedeutet, dass diese Geräte wasserfest sind.

Im Jahr 2004 kam dann ein junger Amerikaner namens Mark Zuckerberg auf die Idee, den Leuten, die immer mehr Zeit mit Computer und Internet verbringen, eine virtuelle Plattform zu bieten, auf der sich diese Leute miteinander verständigen können. Das ist „Facebook“.  Wie im richtigen Leben kann man sich einen Freundeskreis aufbauen, man kann Nachrichten individuell austauschen, man kann die Mitteilungen aber auch in ein Schaufenster stellen, dass alle Freunde oder sogar alle 900 Millionen Facebook-Nutzer weltweit (immerhin 13% der gesamten Welt-Bevölkerung) diese sehen können. Wenn man versehentlich das falsche Schaufenster wählt, kommen dann nicht die 50 Personen, die man zu seinem Geburtstag einladen wollte, sondern es stehen plötzlich 5.000 Leute vor der Tür. Das ist alles schon passiert. Waren die Nutzer anfangs noch „Stubenhocker“, die den ganzen Tag vor dem Computer sitzen, sind es durch die Weiterentwicklung der Mobiltelefone zusehends Leute, die sich in der Öffentlichkeit bewegen und man kann nicht nur Nachrichten, sondern Bilder, Zeitungsartikel und Videos austauschen. „Bin beim Bob !“ oder „Wo geht was heut abend?“ sind gängige Eintragungen, die in vielen Fällen unwegsames Telefonieren ersparen und vereinzelt helfen das Leben etwas leichter zu organisieren. Natürlich wird auch viel „Müll“ produziert. Ich muss nicht immer wissen, welcher meiner Kumpels gerade auf einer Skihütte, das dritte Weizenbier nimmt, oder nach „Penne Arrabiata“ beim Italiener nach dem Wasserglas schreit. Aber – und das wichtig – man kann sich aussuchen, welche Nachrichten man liest. Kurzum: Für mich ist Facebook eine wertvolle Unterstützung, um mit vielen Bekannten in Kontakt zu bleiben. Aber ist eine solche Veranstaltung 75 Milliarden Dollar wert ? Meine Antwort hierauf ist ein klares NEIN ! Ich verfahre bei Facebook nach dem Motto: „Nutzer ? ja – Investor ? nein, danke !“ Im Gegensatz zur Allianz-Versicherung, die mit knapp 38 Milliarden Euro Börsenwert dann nur halb so hoch bewertet ist, wie Facebook. Da sage ich: „Allianz-Aktien: her damit ! – Allianz Lebensversicherung :  geh fort !“. Bei der Allianz, Siemens oder Daimler stehen reale Werte hinter dem Börsenkurs. Bei Facebook ist alles nur virtuell, man ist geneigt zu sagen: „heisse Luft“. Wenn man sieht, wie schnell sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat, kann ein Facebook auch schnell wieder „out“ sein. Und dann reden wir bei der Börsenbewertung nicht über Milliarden, sondern nur über „Kisten“ (da sind dann nur 6 Nullen dran). Man kann aber nicht ausschließen, dass die Hammelherde der Investoren den Kurs nach dem Börsengang erst einmal kräftig nach oben treibt. Das hat dann aber nichts mit Investieren zu tun, das ist dann reine Spekulation. In dieser Welt gilt dann die alte Weisheit von Börsen-Guru André Kostolany:  „Wer viel Geld hat, kann spekulieren – wer etwas Geld hat, darf nicht spekulieren – und wer kein Geld hat, muss spekulieren.“  Ich glaube, der alte „Kosto“ hätte Zuckerberg zum Teufel gejagt, wenn er ihm Facebook-Aktien angeboten hätte.  Die noch lebende Legende und eines meiner Investorenvorbilder Warren Buffet hat sein Urteil jedenfalls gefällt. „Daumen runter“ lautet die Botschaft aus Omaha !

 

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