Wen interessiert’s denn eigentlich noch?

15 Mai 2012 von Max Kommentieren »

Immer dann, wenn man als Kolumnist vor der Frage steht „Welches Thema knüpfe ich mir denn dieses Mal vor ?“ und die Tastatur nicht so recht in Gang kommen will, hört man zwei innere Stimmen. Die eine ruft von der linken Seite „Mach mal Pause“ oder frei nach Oscar Wilde „Gesegnet seien die, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.“ Die andere Stimme sagt „Du Weichei, lass Dir was einfallen !“ Da niemand gerne ein „Weichei“ ist, hilft in solchen Fällen meistens ein Klick auf www.bild.de und schon kriegt man das passende Thema auf dem Silbertablett geliefert. So auch dieses Mal, wobei ich Ihnen versprechen kann, dass das die letzte Kolumne ist, die ich zu diesem Thema abliefere. Es hängt mir nämlich als mittelbar Betroffener mittlerweile zum Hals raus.

Unter einer von dunklen Wolken umzingelten Akropolis prangt die Schlagzeile „Griechen-Chaos brandgefährlich – Neuwahlen – Angst vor Staatsbankrott – Börsenbeben“. Ich frage mich: Wen interessiert das denn eigentlich noch ? Ihren Staatsbankrott haben die Griechen doch schon am 20. März hingelegt, als sie eine zu diesem Termin fällige Staatsanleihe nicht zurück gezahlt haben. Was die Verantwortlichen des Internationalen Währungsfonds (IWF), bzw. die EURO-Finanzminister dort ausgehandelt haben, ist schlichtweg ein Skandal und eine Ohrfeige für jeden Anleger, der in griechische Anleihen investiert hat. Und das waren weiß Gott nicht nur Spekulanten. Es ist keine zwei Jahre her, da haben namhafte Politiker öffentlich dazu aufgerufen Griechenland-Anleihen zu kaufen, um damit Solidarität innerhalb der Euro-Gemeinschaft zu zeigen. Wenn das dann jemand für z.B. 5.000 Euro gemacht hat, hat er seit dem 20.März dann insgesamt 24 (!) verschiedene Anleihen im Gesamtwert von insgesamt 1.000 Euro in seinem Depot. Will er auch nur eine davon verkaufen, sind die Mindestgebühren höher als der Verkaufserlös. Da stand die griechische Regierung und alle, die mit Ihr diese Art von Schuldenschnitt ausgehandelt haben, den ganzen Skandalen, die diverse Banken in den letzten Jahren abgeliefert haben, um keinen Deut nach. Für mich können sich alle Beteiligten an dieser Sache „gehackt legen“.

Ich war immer ein Verfechter der Strategie „Man darf die Griechen nicht pleite gehen lassen“ und war auch immer davon überzeugt, dass das Land mit ein bißchen “Nachhilfe“ die Kurve kriegt. Damit meinte ich nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Hilfe im Aufbau von klaren Strukturen in der Verwaltung. Aber ich komme immer mehr zu der Überzeugung, dass sich der Patient einfach nicht helfen lassen will. Für die Finanzmärkte ist das Thema meiner Meinung nach durch. Ob die Griechen im Euro bleiben oder nicht, ist seit dem 20. März jedenfalls nicht mehr die große Preisfrage. Bei den Wahlen in Griechenland hat sich einmal mehr das Phänomen gezeigt, dass derjenige, der den Leuten die Wahrheit sagt, in schlechten Zeiten eigentlich gar nicht erst anzutreten braucht. Die Leute wählen denjenigen, der Ihnen das schönste Leben verspricht. Dabei ist es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass sich die Bevölkerung in Griechenland auf härtere Zeiten einstellen muss. Sie werden nämlich keinen mehr finden, der ihnen ihr Defizit finanziert. Die einzige Frage, die bleibt, lautet: Erwischt es außer den Griechen auch noch andere Länder in Südeuropa ?. 20% Arbeitslosigkeit, wie wir Sie momentan in Spanien sehen (bei den Jugendlichen unter 25 Jahren liegt die Rate sogar bei 40%) verträgt keine Volkswirtschaft auf Dauer. Apropos Wahlen: Während in Spanien nach 8 Jahren einer linksorientierten Regierung seit Ende 2011 das konservative Lager wieder an der politischen Macht ist, ging unser Nachbarland Frankreich (mit dem „Holländer in Paris“) genau den entgegengesetzten Weg. Da es der französischen Wirtschaft aber fast genauso schlecht geht, wie der spanischen Wirtschaft erübrigt sich damit auch die Frage „welche politische Richtung hat die richtigen Rezepte in der momentanen Situation ?“  Alle wirken Sie momentan irgendwie hilflos. Und am hilflosesten wirken auf mich zur Zeit die „Piraten“. Gar kein Konzept ist noch schlechter, als das falsche zu haben.

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