Und die alten Regeln gelten doch !

15 Februar 2012 von Max Kommentieren »

Gegen Anfang des Jahres 2000 hielt der legendäre US-Investor Warren Buffet einen Vortrag vor Studenten der Harvard-University über die Regeln, an die sich ein Anleger bei der Bewertung eines Unternehmens halten sollte. Diese dienen ihm auch heute noch als Basis dafür, ob man die Aktie eines Unternehmens kauft, oder besser die Finger davon lässt. Der ein oder andere Leser wird sich noch an diese Zeit erinnern, als an den Stammtischen und Arbeitsplätzen zeitweise nicht über Fußball diskutiert wurde, sondern die Gespräche sich zunehmend darum drehten, welche Aktien sich am „Neuen Markt“ denn in der nächsten Woche verdoppeln werden. Es war die Zeit, in der sich die Mitarbeiter einer damals in Limburg ansässigen Firma namens „Internolix“ mitsamt ihrem Chef in der Lokal-Presse ablichten ließen. Im Text hieß es dazu „Wir gehen an die Börse und wir werden alle reich…“ Wie dieses „Spielchen“ ausgegangen ist, wissen wir alle. Und die Studenten, die damals in Boston feixend den Hörsaal mit den Worten verlassen haben „Was erzählt der denn für einen Mist. Die Zeit des alten Mannes ist auch abgelaufen. Heute gelten andere Regeln !“, haben wohl in der Regel bitteres Lehrgeld gezahlt.

Ähnlich versuchen uns auch in der heutigen Zeit diverse „Experten“ weiszumachen, dass gewisse Regeln momentan keine Gültigkeit mehr haben. „Die Welt ist schnelllebiger geworden“, „Man muss am Ball bleiben und reagieren“, „Aktien kaufen und Schlaftabletten nehmen (das Rezept von Börsen-Altmeister André Kostolany) funktioniert nicht mehr.“

Meine Meinung dazu ist identisch mit der Antwort von Rudi Völler im legendären Interview mit Waldi Hartmann im September 2003 auf Island nach einem hart erkämpften 0:0 Unentschieden: Das „S-Wort“ möge man mir in diesem Zusammenhang verzeihen, aber die Authentizität des Ereignisses fordert dieses. „Ich kann diesen Scheiss nicht mehr hören.“, so damals „Tante Käthe“ im O-Ton.

Meine Meinung: Natürlich gelten die alten Regeln heute noch und das wird es auch in 50 Jahren noch so sein. Ein gutes Unternehmen zeichnet sich dadurch aus, dass es dauerhaft mehr Geld einnimmt , als es ausgibt. Das ist die Regel Nr. 1. Und wenn ich ein Unternehmen für einen Preis kaufen kann, der niedriger ist als das in der Bilanz ausgewiesene Eigenkapital, dann kaufe ich sozusagen einen 100 Euro-Schein für einen Preis von vielleicht 80 Euro. Das ist und wird immer ein gutes Geschäft sein, solange der 100 Euro Schein „echt“ ist, d.h. solange die Bilanz des Unternehmens nicht „frisiert“ wurde (Regel Nr.2). Und es wird immer der Zeitpunkt kommen, an dem die Mehrzahl der Anleger den wahren Wert eines Anlagegutes erkennt. Das ist wie bei einem Pendel. Man muss nur die Zeit haben, um dies abwarten zu können (Regel Nr. 3). Die einzig wirklich neue Erkenntnis, die ein Geldanleger in den vergangenen Jahren gewinnen konnte ist die, dass nichts mehr sicher ist auf dieser Welt. Selbst vermeintlich sichere Staatsanleihen legen Schwankungen an den Tag, die man früher nicht einmal jeden Tag bei Aktien gesehen hat. Und die vermeintlich „sicheren“ Sachwerte wie Gold oder Silber hatten in der 2. Hälfte des vergangenen Jahres Rückschläge von 20 bzw. 30% zu verdauen, bevor es auch dort zuletzt wieder deutlich nach oben ging. Und wer vor 15 Monaten im November 2010 bei einem DAX Stand von 6.700 Punkten erstmals Aktien gekauft hat und seitdem nicht mehr hingeschaut hat, hat durch die Entwicklung in den letzten Wochen seinen ersten „Crash“ schadlos überstanden. Aber eben nur wenn er die alten Regeln befolgt hat und „ruhig Blut“ bewahrt hat. Dazu bedurfte es allerdings einer gehörigen Portion „Beratungsresistenz“ gegenüber allen Schwarzsehern und Weltuntergangspropheten, die in diesem Zeitraum Hochkonjunktur hatten.

Der Eingangs zitierte Warren Buffet auch genannt das „Orakel von Omaha“, gilt übrigens als erfolgreichster Anleger aller Zeiten. Wer 1965 10.000 Dollar in seine Firma „Berkshire Hathaway“ investierte, verfügt heute über ein Vermögen von 50 Mio. Dollar. Das entspricht einer Verzinsung von 26% p.a. Von ihm stammt im Übrigen auch das Zitat:

„Die meisten Leute interessieren sich für Aktien, wenn alle anderen es tun. Die beste Zeit ist aber, wenn sich niemand für Aktien interessiert.“ Einfach mal drüber nachdenken…

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