Die Lehren aus der Causa Wulff

22 Februar 2012 von Max Kommentieren »

Mit dem Rücktritt von Christian Wulff am vergangenen Freitag ging ein politisches Schmierenstück zu Ende, das in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in dieser Form seinesgleichen sucht. Nachdem im wahrsten Sinne des Wortes „scheibchenweise“  immer neue Ungereimtheiten ans Licht kamen, sorgte schließlich die Staatsanwaltschaft in Hannover mit der Ankündigung, die Aufhebung der Immunität des Bundespräsidenten zu beantragen, für ein Ende des Medienspektakels. Als diese Meldung vergangenen Donnerstag  über den Ticker lief, war für mich klar „das war‘s !“. Ein Staatsoberhaupt gegen das die Staatsanwaltschaft ermittelt – so was geht eigentlich nur in Italien. Von daher war der tags darauf folgende Rücktritt keine wirkliche Überraschung mehr. Für mich bleibt die Frage: Was können unsere Politiker aus diesem Vorgang lernen ? Ein ganz wichtiger Punkt: In der heutigen Welt ist alles transparent. Es lässt sich definitiv nichts vertuschen. Bedingt durch die heutige Informationswelt (Stichworte: Internet, Facebook, Twitter) wird kein Furz auf der Welt gelassen, der nicht tausendfach kommentiert wird. Und so entwickelte sich der Fall Wulff irgendwann zum Selbstläufer. War es erst ein Privatkredit, kam dann schnell Getuschel auf, wer denn die Garderobe seiner Frau, das Auto oder die Wahlparty finanziert hat. Das Schlimme dabei ist: Es hat doch jeder in diesem Bereich sein Päckchen zu tragen (und dabei schließe ich explizit auch die nicht aus, die jetzt am lautesten geschrien haben). Was aber für jeden Amtsträger gelten muss: Es dürfen keine privaten und beruflichen Interessen miteinander verquickt werden. Aber wenn man sich erst einmal, so wie Christian Wulff, im öffentlichen Kreuzverhör befindet, und jedes – aber auch wirklich jedes – Detail in die Mangel genommen wird, hat man so gut wie keine Chance mehr, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Was hätte er tun können ? Er hätte alle Vorwürfe gegen ihn sofort aufs Tablett bringen müssen, sagen seine Kritiker. Da hätten aber 3 Tage für die Pressekonferenz, wo das alles bekannt gegeben wird, nicht gereicht. Wo soll man da anfangen und wo aufhören ? Früher – in Zeiten Helmut Kohls – wurden solche Affären ausgesessen, Man stelle sich mal vor, in der heutigen Zeit würde ein Politiker mit dem alten Adenauer-Spruch „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“ seine Kritiker abkanzeln. Der bekäme das „Geschwätz von gestern“ so lange auf You-Tube vorgeführt, bis er zurück tritt. Ich hoffe nur, dass mit der bevorstehenden Wahl von Joachim Gauck da wieder etwas Ruhe in dieses Thema einkehrt – bis zum nächsten Skandal. Die Ersten meckern ja schon rum – „wilde Ehe in Schloss Bellevue“ – das ginge gar nicht !. Und vielleicht hat er auch irgendwo mal ein Glas Wein getrunken, was ein anderer bezahlt hat. Aber wir haben definitiv wichtigere Themen in diesem Land, um uns mit so etwas aufzuhalten. Die für mich wichtigste Lehre aus dem Fall Wulff ist ein ungeschriebenes Gesetz in diesem Land, das wieder einmal eindrucksvoll bestätigt wurde. Es lautet: „Leg Dich nie mit der Presse an, und insbesondere schon gar nicht mit der BILD-Zeitung !“.

Diese ganzen Diskussionen wer welche Rechnung bezahlt hat, haben mich am Ende teilweise gelangweilt. Aber den Anruf von Christian Wulff auf die Mailbox von BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, am Tag bevor die ersten Vorwürfe öffentlich wurden, würde ich gerne irgendwann einmal im Original hören. Der gehört normalerweise als Audio-Datei ins Deutsche Museum. Wie sagte der amtierende Vorstandsvorsitzende der Axel Springer AG, Mathias Döpfner bereits vor einigen Jahren  treffend: „Wer mit der „BILD“ im Fahrstuhl nach oben fährt, fährt auch mit „Bild“ wieder runter.“ Und wie so oft im Leben liefert uns der Sport auch hier erstaunliche Parallelen. Dem BILD-Sportchef Alfred Draxler wird folgender Ausspruch nachgesagt: „Wir können keinen Trainer entlassen, aber wir können dafür sorgen, dass es etwas schneller geht !“ Das gilt seit letzter Woche auch für den Bundespräsidenten…

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