Signore Berlusconi: Il gioco è finito

10 November 2011 von Max Kommentieren »

Aus, aus, aus – Das Spiel ist aus ! Mit diesen Worten beendete Herbert Zimmermann 1954 seine legendäre Radio-Live Übertragung vom WM Finale zwischen Deutschland und Ungarn im Berner Wankdorf-Stadion. Wenn man sich die politische Situation in Italien anschaut, ist die oben genannte Übersetzung ins italienische eigentlich das einzige und letzte verbleibende Mittel, was man diesem „Politkasper“ Silvio Berlusconi noch mit auf den Weg geben kann.

Griechenland war ja von der Größe her für die „Berufs-Retter“ noch zu bewältigen, aber wenn sich die finanzielle Situation der italienischen Staatskasse in die gleiche Richtung entwickelt, wie bei den Griechen, dann ist das eine ganz andere Dimension und ich wage dann ernsthaft zu bezweifeln, ob die Rest-Europäer das dann stemmen können. Immerhin haben sich heute (Mittwoch, wo diese Zeilen geschrieben werden) die Zinsen für10-jährige italienische Staatsanleihen um sage und schreibe einen ganzen Prozentpunkt (von 6,5% auf 7,5%) erhöht. Zum Vergleich: Deutschland muss für die gleiche Laufzeit am Kapitalmarkt lediglich 1,75% und damit nur knapp 1/5 der Zinsen zahlen. Aber es gab schon genügend Beispiele in der Vergangenheit, wo einem das Wasser bis zum Hals stand und als es fertig war, wurden zwei Leichen aus dem Wasser gezogen. Derjenige, der zum Retten ins Wasser gesprungen war, kam dann mit um. Aber noch ist es nicht soweit: Es wird allerdings höchste Zeit, daß der innenpolitische Druck in Italien so stark wird, dass dieses norditalienische Pedant der „ehrenwerten Familie“ (die normalerweise den Süden Italiens „regiert“) aus dem Amt gejagt wird. Freiwillig wird der nie zurück treten. Ich weiß nicht wie es in der italienischen Verfassung geregelt ist, aber bei uns schwört der Regierungschef und jeder Minister einen Amtseid, in dem es heisst: „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde.“ Und da, wo die Welt noch in Ordnung ist, folgt dann der Zusatz „So wahr mir Gott helfe.“ Im Falle Berlusconi hat der alte Schürzenjäger alleine an einem einzigen Tag durch sein Festkleben am Präsidentensessel jetzt mal die Zinskosten für sein Land um 18 Milliarden pro Jahr verteuert. Wenn das mal kein Schaden ist ! Ich frage mich „warum tut der sich diesen Stress denn überhaupt an ?“ Er hat es zwar durch zahlreiche kosmetische Operationen versucht zu vertuschen, aber der Kalender zeigt an: Der Mann ist 75 Jahre alt. Und hier und da eine kleine Bunga-Bunga-Party zu feiern, macht wahrscheinlich mehr Spass als jeden Tag 16-18 Stunden Krisenmanagement  für die Republik Italien zu betreiben. Ein Grund könnte natürlich die Immunität sein, die er als Regierungschef geniesst, immerhin hat er in den vergangenen Jahren über 100 Verfahren unbeschadet überstanden. Und wenn er dann doch mal auch nachgewiesen bekam, dass er gegen ein Gesetz verstoßen hat, hat er seine Wurstmacher (pardon: Justiz) so gut im Griff gehabt, dass dann die Gesetze so geändert wurden, dass alles wieder im grünen Bereich war. Eigentlich in der heutigen Zeit unvorstellbar ! Der Mann hat genügend Geld, hält sich wie viele Unternehmer einen kleinen Fussballverein als Spielzeug (immerhin war der AC Mailand 18-mal italienischer Meister und gewann insgesamt 7-mal die europäische Königsklasse) und nennt auch ein kleines Medienimperium mit Fernsehsendern und Zeitungen sein Eigen. Aber wir befinden uns in der größten Herausforderung für Wirtschaft und Politik seit dem 2. Weltkrieg und die Kapitalmärkte sprechen dem guten Silvio B. schlichtweg nicht mehr das Vertrauen aus, Italien aus der Krise zu führen. Und deshalb gibt’s nur eine Konsequenz: Politiker treten zurück, bei ihm kann man das ja als „abdanken“ formulieren, das trifft wohl eher den Punkt. Und wenn er nicht will, dann sollte man ihm das mal am Beispiel seines geliebten AC Mailand deutlich machen. Dann heisst es allerdings nicht „Abdankung“, sondern „Rausschmiss“. Da befindet er sich dann mit Arrigo Sacchi und Fabio Capello, denen er beide in der Vergangenheit den Stuhl vor die Tür gesetzt hat, in bester Gesellschaft.

Kommentare geschlossen.