HRE: „Hier rechnen Exoten“ oder „Hosen runter, endlich !“

3 November 2011 von Max Kommentieren »

Manchmal ist das Leben als Wochenkolumnist schon schwer, insbesondere wenn man morgens noch keine richtigen Ideen und Themen „auf dem Schirm hat“, aber gleichzeitig den Druck spürt, dass man spätestens am Abend etwas „Brauchbares“ abliefern muss. In dieser Woche ist das anders, da gab es gleich mehrere „Steilvorlagen“.

Die sogenannte „Bad Bank“ der Hypo Real Estate lieferte Anfang dieser Woche eine schier  unglaubliche Schlagzeile. Die Buchhalter der Bank haben sich in den letzten beiden Jahren um glatte 55 Milliarden verrechnet. Da der Bund ja für alle Eskapaden dieses Ladens haftet, und es ausnahmsweise in diesem Fall nicht um mehr, sondern weniger Schulden ging, kann Deutschland diesen Betrag als außerordentliche Einnahme verbuchen. Mit 55 Milliarden (wohlgemerkt nicht Millionen) kann man schon einiges anstellen. Die 300 Millionen, die die KFW seinerzeit an die insolvente Lehman-Bank überwiesen hat, sind dagegen ja „Peanuts“. Dieser Betrag reicht aus, um die Zinslast des Bundes für seine Verbindlichkeiten von knapp 2 Billionen Euro für ein Jahr komplett abzudecken. Oder man überweist ein halbes Jahr lang jeden Tag 300 Millionen ins „Nirwana“. Aber bei aller Freude, mir macht das Angst. Welche Pfeifen sitzen denn da, jonglieren mit diesen unvorstellbaren Summen und sind noch zu blöd, um in einer Excel-Tabelle richtig mit den Funktionen „Subtrahieren“ und „Addieren“ umzugehen ? Im Endeffekt können wir ja noch froh sein, dass diese Schulbuben nicht „Multiplizieren“ und „Dividieren“ verwechselt haben, die hätten ja das ganze Finanzsystem in die Luft jagen können. Das eigentlich Schlimme dabei ist, dass die jetzt Verantwortlichen ja erst nach dem ganzen Desaster um die Hypo Real Estate im Jahr 2008 sozusagen als „Aufräumer“ in die jetzigen Positionen gelangt sind. Aber vor allem: Über welche Beträge reden wir denn hier ? Hier geht’s ja nicht um die Kegelkasse von der „Lustigen Acht“ in Wanne-Eickel. By the way, in jedem Kegelclub würde der Kassierer mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt werden, wenn er eine solche „Leistung“ abliefern würde. Eines zeigt dieser Fall ganz klar: In dem ganzen Laden sitzen nur „Fachidioten“, wo jeder nur ein kleines Rädchen im Getriebe überwacht. Aber es gibt keinen, der mit einem gesunden Menschenverstand die Gesamtsituation überwacht. Stellen Sie sich mal vor ein Franck Ribery legt ein Dribbling über den halben Platz hin und haut den Ball an dem verdutzten Manuel Neuer vorbei ins Netz. Und der Fitnesstrainer des FC Bayern sagt dann: „Meine Aufgabe ist es, seine Schnelligkeit und Beweglichkeit zu schulen. Ihm zu sagen, dass der Ball eigentlich ins andere Tor gehört, dafür bin ich nicht zuständig.“ Aber genau das sind doch elementare Aufgaben von Vorstand, Aufsichtsrat und vor allem den Heerscharen von Wirtschaftsprüfern, die zwar wahrscheinlich allesamt „dicke“ Rechnungen geschrieben haben, aber im Endeffekt gnadenlos versagt haben. Eigentlich fehlt bei dieser Komödie nur noch, dass die Verantwortlichen wegen diesem unerwarteten Geldsegen noch einen Bonus fordern…

…und jetzt noch ein paar Worte zu meinen „griechischen Freunden“. Ich weiß nicht wie viele Gipfeltreffen in den vergangenen 12 Monaten wegen Euch einberufen wurden. Ich habe Sie nicht gezählt. Zumindestens wurde letzten Mittwoch in Brüssel der große Befreiungsschlag in der Schuldenkrise verkündet. Jetzt verkündet Euer Präsident, er will eine Volksabstimmung durchführen, ob das von den Geldgebern geforderte Reformpaket auch von der Bevölkerung angenommen wird.

Ich war immer der Meinung, wenn man bei Euch mal ein bißchen Ordnung rein bringt, kriegen wir die Probleme gelöst. 8 Milliarden Euro Rentenzahlung an Tote, 250 Milliarden Euro auf Schweizer Konten von griechischen Steuerbetrügern. Es gab genügend Ansatzpunkte. Aber wenn Ihr nicht wollt, dann fragt doch einfach Eure türkischen Nachbarn, ob die nicht vielleicht mit Euch eine Währungsunion bilden wollen. Ich vermute aber in diesem Zusammenhang ein ganz anderes Problem.

Das Problem heißt CDS, auf „Deutsch“: Credit Default Swaps. Die sogenannten Kreditausfallversicherungen, die bei einer Pleite Griechenlands fällig werden, könnten ungeahnte Turbulenzen an den Finanzmärkten auslösen, wenn eine „offizielle“ Pleite Griechenlands festgestellt wird und die Versicherungssummen ausgezahlt werden müssen. Mit den Brüsseler Beschlüssen vom vergangenen Mittwoch wäre das Problem gelöst gewesen. Kein Mensch weiß aber, wer alles diese CDS im Besitz hat. Es gibt Stimmen, die sagen, dass insbesondere vermögende Griechen massiv in diese Papiere investiert haben, d.h. ein großes Interesse an der Pleite des eigenen Landes haben. Wir brauchen hier definitiv mehr Transparenz, wer welche Interessen am Kapitalmarkt verfolgt. Es wird Zeit, dass hier die Hosen runter gelassen werden…

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