Wenn nicht jetzt, wann dann ?

26 August 2011 von Max Kommentieren »

„Gewinnmaschine Deutschland – Erstmals in der Nachkriegsgeschichte sind deutsche Konzerne wie Volkswagen, Lufthansa oder BASF profitabler als ihre weltweiten Wettbewerber. Das Geheimnis des Erfolgs: aggressives Kostenmanagement und boomende Exportmärkte.“ So lautete die Schlagzeile einer Handelsblatt-Ausgabe, die mir diese Woche beim Aufräumen in die Hände gefallen ist.
Auf der 2-seitigen Ausarbeitung, die sich im Innenteil unter dem Motto „Konzerne auf Erfolgskurs“ mit diesem Thema auseinandersetzt, nehmen zahlreiche Experten zu der Frage Stellung: „Warum honoriert der DAX diese deutsche Erfolgsgeschichte nicht ?“. Der Geschäftsführer der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) Marc Tüngler sagt hierzu „Deutsche Aktien wurden in der Wirtschaftskrise 2008 ganz besonders stark abgestraft. Seit 2009 haben sich die Kurse zwar wieder verdoppelt, aber das spiegelt noch nicht die enormen Gewinn- und Margenverbesserungen der deutschen Konzerne wider. Insoweit gibt es für deutsche Aktien noch Potential. Die Unternehmen haben jedenfalls Ihre Hausaufgaben gemacht.“ Dies alles nachzulesen nicht in einer Handelsblatt-Ausgabe aus den 90er Jahren, sondern konkret am Dienstag, den 26. Juli 2011, also genau vor einem Monat. Für alle, die sich nicht so intensiv mit Zahlen beschäftigen: Der DAX stand an diesem Tag bei 7.350 Punkten. Exakt 4 Wochen später steht das deutsche Kursbarometer bei 5.500 Punkten, d.h. genau 25% der Börsenbewertung sind mal so – mir nichts, Dir nichts – ausradiert worden. Die Börse des alten kranken „Uncle Sam“ (auch bekannt als Dow-Jones-Index) hat übrigens im gleichen Zeitraum mit 11% weniger als die Hälfte dessen verloren, obwohl der „S & P Rating-Doktor“ den Daumen gesenkt hat. Außer einer wachsenden Angst vor einer Abschwächung der Konjunktur gibt es in den letzten 4 Wochen keine richtig neuen Erkenntnisse. Wenn man aber die Konjunktur-Zahlen mal richtig interpretiert, ist das eine völlig normale Entwicklung.
Wie haben mit 5% Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im Jahr 2009 den stärksten Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen gehabt. Im Jahr 2010 mit 3,5% und in diesem Jahr mit voraussichtlich knapp 3% wurde diese Scharte dann ausgewetzt. Dass das in diesem Tempo nicht weitergeht, sondern auch mal wiedereine Phase eingeläutet wird, wo die Wachstumsraten etwas schwächer werden, ist doch ein völlig normaler Vorgang. Was mir allerdings momentan Sorgen macht, ist die zusehends aufkommende „Anti-EURO“-Stimmung, die von einigen Politikern geschürt wird. Ich habe das an dieser Stelle schon mehr als einmal gesagt: Nicht trotz, sondern wegen der Einführung des EURO steht Deutschland momentan wirtschaftlich so solide da. Und die Politiker sollten sich hüten hier mit wahltaktischen Argumenten und „Stammtisch-Parolen“ Öl ins Feuer zu gießen. Die vorrangige Aufgabe der Politik muss darin liegen, in diesem Umfeld zunächst mal für ausgeglichene Haushalte zu sorgen, getreu dem Motto der „Höhner“ : „Wenn nicht jetzt, wann dann ?“ Ich empfehle jedem Politiker, sich einmal etwas näher mit der Geschichte des Unternehmens „Volkswagen AG“ in den letzten 25 Jahren zu befassen. Anfang der 90er Jahre (als der Laden wie ein Staatsbetrieb geführt wurde) fast pleite, wurde innerhalb von 20 Jahren aus diesem Unternehmen eines der profitabelsten der Welt. Warum ? Weil dort endlich mal nach kaufmännischen und nicht nach politischen Grundsätzen gehandelt wurde.
Ich komme aber nochmal zurück auf die Berichterstattung vom 26. Juli. „Deutschen Anlegern fehlt der Mut und das Vertrauen in die Aktie als Anlageform, obwohl Sie langfristig die höchsten Renditen abwirft“ so der eingangs zitierte DSW-Geschäftsführer. Ich glaube, dass mittlerweile drei Crashs (Kursrückgänge von 25% und mehr) in den letzten 10 Jahren da sicherlich Ihre Spuren hinterlassen haben. Auf der anderen Seite mache ich persönlich in diesen Tagen die positive Erfahrung, dass die Leute, die aktuell Aktien bzw. Aktienfonds halten, sehr besonnen und ruhig mit der aktuellen Situation umgehen, was im Übrigen auch die einzig richtige Strategie ist. Ein letztes Zitat: „Viele Deutsche reagieren erstaunt, wenn Sie hören, dass die großen DAX-Werte mittlerweile mehrheitlich Ausländern gehören. Dass Interesse an diesen Firmen ist also sehr wohl vorhanden. Doch der nächste Schritt, der Kauf von Aktien bleibt leider aus.“ Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen – außer, dass mir bei diesem Punkt ebenfalls die Melodie der „Höhner“ in den Ohren klingt – Wenn nicht jetzt, wann dann ? Es gibt ein Drittel mehr fürs gleiche Geld…

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