Europa braucht Schmieröl und Vertrauen

18 August 2011 von Max Kommentieren »

Es ist ein trüber Tag in Griechenland (Italien, Portugal oder Spanien könnte es auch sein); es regnet und alle Straßen sind wie leer gefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben auf Pump.
Da fährt ein deutsches Touristenpaar durch die Stadt und hält bei einem kleinen Hotel. Der Herr sagt dem Eigentümer, dass er sich gerne die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten und legt als Kaution einen 100 Euro Schein auf den Tresen.
Der Hotelier gibt ihm einige Schlüssel und dann geht’s los:
Kaum ist der Besucher die Treppe hinauf, nimmt der Hotelbesitzer den Geldschein, rennt zu seinem Nachbarn, dem Metzger, und bezahlt seine Schulden. Der Metzger nimmt die 100 €, läuft die Straße runter und bezahlt den Bauern. Der Bauer nimmt die 100 € und bezahlt seine Rechnung beim Genossenschaftslager. Der Mann dort nimmt den 100 € Schein, rennt zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung. Der Wirt schiebt den Schein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte. Die Hure rennt zum Hotel und bezahlt ihre ausstehende Zimmerrechnung . Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen.
In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt seinen Geldschein und meint, dass ihm keines der Zimmer gefällt und er verlässt die Stadt…

…und die Moral von der Geschichte ? Ohne gegenseitiges Vertrauen wären der Hotelier, der Metzger, der Bauer, der Mann vom Genossenschaftslager, der Wirt und selbst die Hure insolvent.

Mit dieser bildhaften Geschichte ist (nicht nur) die derzeitige Situation an den Kapitalmärkten sehr einfach und verständlich dargestellt. Man braucht Schmieröl (in Form von Liquidität) um die ganze Wirtschaft am Laufen zu halten. Und – was fast noch wichtiger ist – es muss Vertrauen unter Geschäftspartnern da sein, dass offene Rechnungen auch bezahlt werden. Das „Schmieröl“ liefern momentan die Notenbanken dieser Welt, allen voran die US-Notenbank (FED) und die europäische Zentralbank (EZB). Beim Vertrauen sieht es momentan leider so aus, dass im Gegensatz zu der o.g. Handlungskette, einige Länder wie z.B. Griechenland, Portugal, Spanien und auch Italien durch jahrelange Misswirtschaft in den letzten Monaten einen rapiden Vertrauensverlust erlitten haben. Im Klartext heisst das: Diese Länder müssen deutlich höhere Zinsen für Ihre Schulden zahlen, als beispielsweise Deutschland, das nach wie vor in der Gunst der Anleger, die auf Sicherheit bedacht sind, ganz weit oben steht. Damit sind wir aber bei der Grundsatzfrage, die momentan die Gemüter erhitzt. Soll Deutschland für die schwachen Länder in der Eurozone die Hand ins Feuer halten oder nicht ? Für mich ist die Lage in dieser Frage eindeutig: Die ganzen Sprüche vom „geeinten Europa“ können wir vergessen, wenn dieses Problem nicht gemeinschaftlich nach dem Motto „der Starke hilft dem Schwachen“ angepackt wird. Das darf allerdings nicht heißen, daß in der „Knoblauchzone“ – wie die mediterranen Länder auch scherzhaft genannt werden – so weitergewurschtelt wird, wie bisher. Dort müssen in Sachen Haushaltsdisziplin preußische Tugenden einziehen. Die Einführung von sog. „Eurobonds“, d.h. alle Länder der Eurozone haften für die Rückzahlung, ist in einer Grundversion (z.B. für die ersten 60% der jeweiligen Staatsschulden) die einzige Medizin, die in der aktuellen Situation hilft und die den derzeitigen gezielten Attacken einiger Spekulanten gegen einzelne Länder der Eurozone Einhalt gebietet. Der Preis für die „schützende Hand“ muss für diese Länder dann die Aufgabe gewisser Souveränitäten an die EU sein, die bisher in nationaler Hand liegen. Wenn Griechenland nicht in der Lage ist ein effizientes Steuersystem aufzubauen, dann muss diese Aufgabe in den Verantwortungsbereich der EU übertragen werden. Das Risiko stark steigender Zinsen für Gesamteuropa durch die Einführung von „Euro-Bonds“ sehe ich hierbei nicht, da letztendlich bei einer gemeinsamen Haftung die Bonität des stärksten und nicht die des schwächsten Mitglieds maßgebend ist. Und letztendlich sollten wir uns auch mal vor Augen halten, dass gerade Deutschland in erheblichem Maße von der Euro-Einführung profitiert. Für die deutsche Export-Industrie sind fest fixierte Wechselkurse mit den Handelspartnern z.B. in Frankreich, Spanien, Italien und den restlichen Ländern der Eurozone ein Segen und die Basis für das derzeitige Konjunkturhoch, das in Deutschland herrscht. Ein Paradebeispiel für die Synergien, die der Wettbewerb auf europäischer Ebene bietet findet sich einmal mehr im Sport. Man stelle sich das Fussball-Business mal ohne Champions-League oder Europa-League vor. Deshalb brauchen wir ein starkes Europa und wir müssen bereit sein den Preis dafür zu bezahlen. Mit der geplanten „europäischen Wirtschaftsregierung“ wurde diese Woche ein in meinen Augen längst überfälliger Schritt gemacht. Aber viele kleine und große Schritte müssen noch folgen.

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