Und jetzt auch noch die Italiener ?

15 Juli 2011 von Max Kommentieren »

Nachdem ja seit geraumer Zeit Spekulationen über eine Pleite der südeuropäischen Euro-Länder Portugal, Spanien und allen voran Griechenland durch die Medien geistern, hat die internationale Spekulantenschar seit Anfang dieser Woche mit Italien ein weiteres Opfer auf dem Schirm. Wo soll dieses Theater denn enden ? Sind demnächst noch die Franzosen, Belgier und dann vielleicht auch noch die Österreicher dran ? Mir geht dieses ganze Gerede um den Euro und wie schlimm doch alles ist zusehends auf den Zeiger ! Geldanlage ist Vertrauenssache und momentan werden die Leute von allen Seiten, seien es Politiker, Notenbanken und ganz vorneweg die Medien total verunsichert. Ich sage das an dieser Stelle nicht zum ersten Mal: Es gibt keine Region auf der Welt, wo es den Menschen so gut geht und wo die Lebensqualität so hoch ist, wie in Europa. Wenn man sich die wirtschaftlichen Kennzahlen von den USA und Japan anschaut, dann sind diese weitaus schlechter als bei uns. In den USA reden wir über 15 Billionen Dollar Staatsverschuldung (das entspricht knapp 11 Billionen Euro). Und in Japan liegt die Verschuldung bei knapp 7,5 Billionen Euro. Die 350 Milliarden Staatsschulden der Griechen entsprechen da gerade mal der Zinszahlung für 1-2 Jahre. Beide Staaten halten sich in der momentanen Situation eigentlich nur durch die Nullzinspolitik Ihrer Notenbanken einigermaßen über Wasser. Ich kann mir nicht erklären, warum jemand, der bei klarem Verstand ist, sein Geld in amerikanischen oder japanischen Staatsanleihen anlegen soll. Und noch weniger kann ich verstehen, dass wir uns in Europa von irgendwelchen amerikanischen Ratingagenturen, die bei der Bewertung der US-Hypothekenanleihen vor ein paar Jahren gnadenlos versagt haben (und uns letztendlich in 2008 den ganzen Zirkus eingebrockt haben) jetzt sagen lassen müssen, wer von den europäischen Ländern kreditwürdig ist und wer nicht. Als ob es in Europa dafür nicht genügend Kompetenz gäbe. Die gleichen Ratingagenturen (Moodys, S+P und Fitch), die jetzt über Wohl und Wehe ganzer europäischen Staaten mit sogenannten „Downgrades“ (Herabstufungen) entscheiden, haben auf den ganzen Subprime-Ramsch ein „Triple A“ drauf geklebt und damit die halbe europäische Bankenwelt, die in gutem Glauben auf das Gütesiegel diesen Ramsch gekauft hat, an den Rand des Ruins geführt. Und der mit den ganzen Diskussionen einhergehende Vertrauensverlust führt dazu, dass Griechenland aktuell 35% Zinsen für 1 Jahr bezahlen muss, Japan und die USA sich dagegen nach wie vor mit Zinsen von 0,5 -1% refinanzieren können. Doch nicht nur das. Auch für Länder wie Spanien, Portugal, Irland und jetzt auch Italien wird es zusehends schwerer sich am Kapitalmarkt Mittel zu vernünftigen Zinsen zu besorgen. Die Strategie in der europäischen Union darf nicht lauten, wo haben diese Länder noch Einsparpotential in ihren Haushalten, sondern es müssen Konzepte her, wie man in diesen Ländern auch (außer dem Tourismus) Wertschöpfung, sprich Einnahmen, generieren kann. Wenn ich mir alleine die Entwicklung im Energiebereich nach Fukushima anschaue, bieten sich hier doch jede Menge Ansätze. In Griechenland z.B. gibt es bis zu 50% mehr Sonnenstunden als in Deutschland. In Portugal findet man dazu außerdem nahezu im ganzen Land ideale Windverhältnisse vor. Aber wer baut dort bei den derzeitigen Rahmenbedingungen eine Solaranlage oder ein Windrad ? Hier können nur Konzepte erfolgreich sein, die auf dem europäischen Gedanken beruhen und wo nationale Interessen außen vor bleiben. Es wird allerhöchste Zeit – und da muss von Deutschland aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Stärke die Initiative ausgehen – dass Europa (insbesondere die Euro-Länder) gemeinsam mit einer Stimme sprechen und nicht nur den Märkten, sondern auch Ihren Bürgern wieder Vertrauen geben. Es kann doch nicht sein, dass wir uns von einer Mafia aus Hedgefonds-Managern, Rating-Agenturen und Spekulanten hier den Laden in die Luft sprengen lassen. Denn eines ist klar: Scheitert das Projekt „Euro“ wird es den Menschen nicht nur in Griechenland, Spanien oder Italien, sondern auch bei uns deutlich schlechter gehen als vorher. Aber ich bin mir sicher, dass es nicht soweit kommen wird. Bleibt die Frage für die deutschen Sparer: Wohin mit den 5 Billionen, die momentan an Geldvermögen vorhanden sind ? Da gibt es für mich in der aktuellen Situation nur eine Antwort: Vor lauter Angst das Ganze auf dem Tagesgeld versauern zu lassen, ist die schlechteste aller Alternativen. Ich gebe zu: Alles muss man den Griechen nicht geben, aber bei 35% p.a. ist das für mich eher eine Alternative, als es der ERGO oder der Hamburg-Mannheimer zu geben. Aber wenn man sich mal genau überlegt: Wer steht denn hinter dem „Modell Deutschland“, das momentan weltweite Anerkennung genießt. Das sind in erster Linie die deutschen Großkonzerne wie Siemens, Daimler, BASF oder E.ON. Und solide DAX-Aktien zu kaufen (natürlich breit gestreut) dürfte in den kommenden Jahren – alle Diskussionen um den EURO mal beiseite gelegt – die beste aller Strategien sein. Aber auch die Nervenaufreibendste, wie man diese Woche wieder gesehen hat. Aber wie immer im Leben, hat alles seinen Preis…

 

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