Prophetin „Angie“ und ängstliche Hessen

7 Januar 2011 von Max Kommentieren »

Ich sage es sehr offen: Wir können nicht erwarten, dass der Wirtschaftseinbruch schnell wieder vorbei ist. Manches wird gerade im neuen Jahr erst noch schwieriger…“

Erinnern Sie sich noch an diese Worte ? Sie entstammen der Neujahrsansprache unserer Bundeskanzlerin Angela Merkel vom 31.12.2009. Manchmal ist es schon ganz interessant die Zeitung von gestern zu lesen, und mit dem Wissen von heute die Prognosen der Vergangenheit zu analysieren.

Einer der unschätzbaren Vorteile im heutigen „digitalen Zeitalter“ liegt darin, dass jeder „Pups, der irgendwann mal gelassen wurde““ archiviert wird und relativ einfach wieder an die Oberfläche geholt werden kann.

Im Falle unserer Bundeskanzlerin können Sie allerdings getrost davon ausgehen, daß diese Aussage nicht von Frau Merkel ins Blaue hinein getätigt wurde, sondern dass ein ganzer Beraterstab (und dazu gehören die exzellentesten Wirtschaftsfachleute unserer Republik) im Vorfeld die Situation analysiert hat und letztendlich diese Marschrichtung in der Aussage vorgegeben hat.

Was lernen wir daraus ?

Selbst die schlauesten Leute können mit Ihren Einschätzungen auch mal daneben liegen.

Kleines Bonmot am Rande in diesem Zusammenhang : In den 80er Jahren passierte bei der ARD einmal das Malheur, dass versehentlich die Neujahrsansprache von Helmut Kohl aus dem Vorjahr ausgestrahlt wurde. Und bis auf ein paar wenige „Experten“ hat’s keiner gemerkt. Diese Gefahr hat dieses Jahr nicht bestanden, vielmehr verlieh das Handelsblatt unserer Kanzlerin in der diesjährigen Silvesterausgabe den Titel „Pinocchio des Tages“.

Aber mir ist diese Entwicklung definitiv lieber, als wenn Angela Merkel mit Ihrer Prognose recht behalten  hätte.

Deutschland entwickelt sich immer mehr zum Musterknaben in Europa und ich rechne in diesem Jahr damit, dass sich die positive Entwicklung sowohl am Arbeitsmarkt, als auch an der Börse fortsetzt, wohlwissend, dass ich auch damit Gefahr laufe, in einem Jahr die Nase lang gezogen zu bekommen.

Aber damit sind wir bei einem anderen Thema: Wenn ich mich nicht positioniere, keine Meinung habe und vor lauter Angst keine Entscheidung treffe, werde ich auch niemals von einer positiven Entwicklung profitieren. Diejenigen, die in der aktuellen Situation das Land nach vorne bringen sind in erster Linie Unternehmer und Investoren, die bereit sind ins Risiko zu gehen und Arbeitsplätze schaffen.

Laut einer Untersuchung der Postbank, die in diesen Tagen veröffentlicht wurde, hat jeder Bundesbürger im Schnitt  17.618 € in Sparguthaben „gebunkert“ , d.h. in Festgeld, Sparbüchern und Kontoguthaben. Analysiert man das nach Bundesländern, nehmen die Hessen da mit 31.251 € den absoluten Spitzenplatz ein. Das wirft natürlich die Frage auf: Sind wir reicher als der Rest in Deutschland oder sind unsere hessischen Landsleute einfach ängstlicher als der Rest in Deutschland und trauen sich nicht an rentablere Anlagen ran ?

Ehrlich gesagt hat mich das Ergebnis etwas überrascht, sollte man doch nicht zuletzt durch die Nähe zur  „Finanzhauptstadt“ Frankfurt gerade in unserer Region, ein etwas „aktiveres“ Wirtschaften der Leute mit Ihrem Geld unterstellen.

Fakt ist: Auch das Jahr 2011 bietet dem aufgeklärten und risikobewusstem Anleger vielfältige Investitionsmöglichkeiten, die im Ergebnis mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Sparbuchrendite schlagen. Nicht nur den Unternehmern auch den Kapitalgebern  dürfte ein erfolgreiches Jahr bevorstehen.

Es liegt an jedem selbst, ob er mit seinen Spargroschen auf der Auswechselbank sitzen bleibt und das Spielfeld seiner Bank überlässt oder ob er sich traut mitzuspielen.

Die wichtigste Regel lautet: Man muss ja nicht gleich alles in den Ring werfen. Aber die nicht benötigte Liquidität (auf Deutsch: das Geld, das man nicht braucht) kann sicherlich eine „Frischzellenkur“  vertragen, anstatt zu Minizinsen zu versauern.

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