Schluss mit dem Kasperltheater!

4 Oktober 2010 von Max Kommentieren »

Was in der letzten Woche an Nachrichten aus dem Bankensektor an die Öffentlichkeit drang, sorgte bei vielen Beobachtern der Szene für krampfartiges Kopfschütteln

Im Mittelpunkt standen mit der Hypo Real Estate und der Commerzbank zwei Institute, die sich während der Finanzkrise vor allem durch 2 Eigenschaften auszeichneten.

Überall, wo es am Markt etwas zu verlieren gab, waren diese beiden Pleitekandidaten (neben den „politikgeführten“ Landesbanken) an vorderster Front beteiligt und zweitens zeichneten sich die Führungskräfte dieser „Läden“ vor allem durch die Eigenschaften „Arroganz“ und „Raffgier“ aus.

Die Quittung erhielten beide Institute durch die Quasi-Verstaatlichung. Bei der HRE mit 100% und bei der Commerzbank mit 25% Beteiligung des Bundes. Bezahlt haben die Zeche allerdings fast ausnahmslos die Aktionäre. Ein Kurssturz von 37 € im Sommer 2007 auf 2,27 € im Frühjahr 2009 bei der Commerzbank und eine für einen DAX-Wert beispiellose Kapitalvernichtung in Höhe von 98% bei der HRE, lassen bei manchem Aktionär noch heute zurecht die Halsschlagader anschwellen. Vor allem, wenn man sieht, daß die Hauptverantwortlichen für dieses Debakel in der heutigen Zeit fröhlich pfeifend durch die Gegend laufen bzw. sogar die Dreistigkeit besitzen vor Gericht Boni einzuklagen.

Mit Martin Blessing bei der Commerzbank und seinem Schwager Axel Wieandt bei der HRE wechselten dann im Frühjahr bzw. Herbst 2008 zwei der hoffnungsvollsten Nachwuchstalente der deutschen Bankszene auf die Chefsessel der beiden „Schrottinstitute“. Die Hauptaufgabe der beiden bestand in erster Linie darin, den Scherbenhaufen, den ihre Vorgänger hinterlassen hatten, zusammen zu kehren und aufgrund der Eskalation der Krise im 4. Quartal 2008 (wobei ich beide ausdrücklich von der Verantwortung freispreche) mussten sich die beiden „armen Kerle“ vom damaligen Finanzminister Steinbrück auch noch eine Gehaltsdeckelung von 500.000 € pro Jahr diktieren lassen. Zumindest wurde dies medienwirksam von Peer Steinbrück verkündet, der zu dieser Zeit auf den Pressekonferenzen derart grimmig und entschlossen dreinblickte, daß mancher Bankvorstand sich vorkam, wie der Postbote, der genau weiß, dass der Weg zum Briefkasten an der Haustür schmerzhaft sein wird.

Aber jetzt kam raus: Alles nur Show ! Die beiden cleveren Nachwuchstalente haben die verantwortlichen Aufsichtsräte am Nasenring durch die Manege geführt. Klar, das Gehalt blieb auf 500.000 € gedeckelt, aber die gleichzeitig vereinbarten Pensionsansprüche gehen in den Millionenbereich. Und bei der Commerzbank gibt es 50 Manager in der sogenannten 2. Reihe, die mehr als die 500.000 € verdienen, weil diese Grenze nur für den Vorstand, nicht aber für alle Mitarbeiter gilt.

Wenn ich dann in der Rheinischen Post vom 25.9.2010 den Satz lese „Da die FMSA (Finanzmarktstabiliserungsanstalt) annimmt, dass die Bank die Regel befolgt, sieht sie keine Notwendigkeit, eine Überprüfung der tatsächlichen Auszahlung der Gehälter vor Ort vorzunehmen“ mit dem der parlamentarische Staatssekretär im Finanzministerium  Kampeters eine Anfrage beantwortete, wundere ich mich nicht, wie so etwas durchgehen konnte.

Frei nach dem Motto: „Schuld sind nicht die, die es genommen haben, sondern die, die es ihnen gegeben haben“.

Das Thema „Pensionsansprüche“ wird uns in den nächsten Jahren zunehmend beschäftigen, da sich in diesem Bereich in den öffentlichen Haushalten aber auch in manchem Unternehmen ein Pulverfass zusammenbraut.

Die Leute werden immer älter und das Zinsniveau scheint auf dauerhaft niedrigem Niveau zu verharren. Um es am Beispiel des vieldiskutierten Pensionsanspruchs von Herrn Wieandt von der HRE zu verdeutlichen: Wenn ich einem 42-jährigen, ab seinem 60. Lebensjahr eine Pension von 240.000 p.a. zusage, muss ich dafür im Jahr der Zusage (bei einem Zinssatz von 4%) einen Betrag von 1,5 Mio zurücklegen.

Sinkt der Zins auf 3% steigt der zur Zahlung der Pension notwendige Betrag auf 2,0 Mio. an. Das alles interessiert die meisten Politiker aber relativ wenig.

Zum einen bin ich der festen Überzeugung, dass viele die finanzielle Tragweite einer Rentenzusage nicht einschätzen bzw. berechnen können. Außerdem sind sie ja zu dem Zeitpunkt wenn rauskommt, dass die ganze Rechnung so nicht aufgeht, längst nicht mehr im Amt.

Endgültig wie im falschen Film fühlte ich mich aber, als ich in der Handelsblatt-Online Ausgabe vom 22.9.2010 die Nachricht las:

„Die Finanzaufsicht BaFin sperrte sich, als die Deutsche Bank vorsichtig für eine Erlaubnis vorfühlte, dass Axel Wieandt den Vorstandposten bei der BHF-Bank übernehmen darf, heißt es jetzt in Finanzkreisen. Der Grund: Dem 44-Jährigen fehle die Erfahrung im Kredit- und Kreditfolgegeschäft. Jener Disziplin also, bei der es auch um die Beurteilung von Kreditportfolios und ihre Risiken geht.“

Ja was hat der Mann denn die letzten 2 Jahre bei der HRE gemacht ???

Es wird höchste Zeit, daß die Verantwortlichen (wer ist das denn eigentlich ?) wach werden und dieses Kasperltheater beenden.

Das Bankgeschäft ist viel zu komplex und es geht auch um viel zuviel Geld, als dass sich hier Politiker als „Feierabend-Aufsichtsräte“ betätigen. Hier müssen Profis an die Schlüsselstellen, die das Geschäft beherrschen. Und vor allen Dingen muss den Verantwortlichen in den Geldinstituten klar gemacht werden, daß Sie für die Geschäfte, die Sie tätigen, auch verantwortlich sind. Der Herbst 2008 darf sich nicht wiederholen. Und wenn bei den „Staatsbanken“ die Verluste vom Steuerzahler getragen werden, dann müssen die dort Tätigen sich auch mit Gehältern auf dem Niveau von Staatsdienern begnügen.

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