Gary Linekers zeitlose Erkenntnis

14 Juni 2010 von Max Kommentieren »

Wenn Sie diese Zeilen lesen, rollt er endlich wieder. Der „Jabulani“, so die Bezeichnung des „offiziellen“ WM-Balls, der exklusiv von einer großen deutschen Sportartikelfirma hergestellt wurde. Überhaupt sind deutsche Unternehmen, was das Equipment bei der Fussball-WM betrifft, ganz vorne dabei. Vom Ball über Trikots, Schuhe, ja sogar die Pfeifen der Schiris und die Fähnchen der Linienrichter – alles deutsche Wertarbeit „made in Germany“.

Wobei in den nächsten 4 Wochen neben dem Ball auch der „Rubel“ weiter rollt, was heißt, dass das Wirtschafts- und Börsengeschehen auch in den nächsten 4 Wochen unbeeindruckt von „König Fußball“ weiter seinen Lauf nimmt.

Blicken wir einfach mal 4 Jahre zurück…

Am 9.Juni 2006, dem Beginn der WM in Deutschland, stand der DAX bei 5.464 Punkten und am 9.Juli 2006 als die Italiener den Welt-Pokal mit über die Alpen nahmen (si, si: wir haben Euch den Cup mal für 4 Jahre ausgeliehen…) , notierte der DAX bei 5.681 Zählern.

Macht immerhin ein Plus von 4% über einen Zeitraum von einem Monat.

Der sicherheitsorientierte Anleger, der sein Geld in Zinspapieren anlegt, benötigt in der heutigen Zeit knapp 3 Jahre, um auf dieses Ergebnis zu kommen.

Die Zinsentwicklung oder besser gesagt der aktuelle Trend, der die Zinsen in Richtung 0% fallen lässt, bereitet in der Tat manchem Anleger schlaflose Nächte.

In einer Kolumne im „Handelsblatt“ wurden in der vergangenen Woche sogar die Aktivisten von „Greenpeace“ zur Tat aufgefordert, gegen das Aussterben der Rasse „Zinsen“ Maßnahmen zu ergreifen.

Wie im Fussball benötigt man auch am Kapitalmarkt in der heutigen Zeit eine andere Taktik, um zum Erfolg zu kommen, als es noch vor 10 Jahren der Fall war.

Ganz wichtig: Streuung !

Auch der künftige Weltmeister wird keine 11 Stürmer auf dem Platz haben, sondern die richtige Mischung aus Kreativspielern und Zerstörern. Man braucht u.a. 2-3 gute Linksfüssler, einen Spezialisten für die Standardsituationen, einen „Knipser“ (nicht den Rotwein aus der Pfalz, sondern einen, der die Bude trifft J) und einen guten Torwart.

Genauso ist es mit dem persönlichen Anlagemix:

Gar nichts in Aktien ist genauso schlecht, wie alles in Aktien.

Aber ein bißchen in Aktien oder in einem guten Aktienfonds, garniert mit einer Beteiligung an regenerativen Energien wie beispielsweise Solar- oder Windkraftanlagen und (quasi als Inflationsschutz) flankiert von einem soliden Immobilieninvestment z.B. im Bereich „altersgerechtes Wohnen“ und einem Grundmaß an Liquidität ist eine Mischung, die der heutigen Situation gerecht wird, und bei der das niedrige Zinsniveau nicht als Belastung wirkt, sondern als Chance genutzt wird.

Festzinsprodukte wie z.B. Sparbriefe oder Lebensversicherungen kommen aktuell daher wie ein „Libero“, d.h. dafür ist in der heutigen Anlage-Welt eigentlich kein Platz mehr.

Und wenn Sie nach dem Spiel Bilanz ziehen, werden Sie feststellen, dass es überragende Spieler gegeben hat und welche, die enttäuscht haben und die Erwartungen nicht erfüllen konnten. Aber welche das sind weiß man – wie im Fussball – immer erst hinterher.

Entscheidend kann u.U. auch sein, während des Spiel ein glückliches Händchen bei den Auswechslungen zu haben.

Übrigens: Der Euro pendelte während der WM 2006 relativ lustlos um die Marke von 1,27 $ herum und „kein Schwein“ hat sich dafür interessiert.

Was auch keiner mehr weiß: Während der WM 2006 wurde von der großen Koalition die damalige Gesundheitsreform durch die Instanzen „gepeitscht“ und in der allgemeinen „schwarz-rot-geilen“ Euphorie und Jubelstimmung haben die Gewerkschaften und Sozialverbände damals völlig vergessen, dagegen zu protestieren.

Unsere Bundeskanzlerin scheint unseren Jungs in diesem Jahr nicht so viel zuzutrauen, sonst hätte Sie nicht bereits in der vergangenen Woche (ohne große (Zeit-)Not) ein viel diskutiertes Sparpaket verkündet. (Mehr dazu in der nächsten Ausgabe)

Ich wünsche Ihnen spannende WM-Wochen und hoffe, dass unser alter englischer Freund Gary Lineker (Torschützenkönig der WM 1986) mit seinem legendären Spruch Recht behält:

„Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen.“)

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