Wie man in den Wald hinein ruft…

5 Mai 2016 von Max Kommentieren »
Markus Stillger mit Hermann Klaus (v.L.) - Foto: Dorothee Rund

Markus Stillger mit Hermann Klaus (v.L.) – Foto: Dorothee Rund

Der „DFB-Rahmenterminkalender“ (in dem immer zu Beginn einer Fussball-Saison alle Spieltermine veröffentlicht werden), war in früheren Zeiten immer ein wichtiges Hilfsmittel bei der langfristigen Planung von Veranstaltungen, um Termin-Kollisionen mit großen Fussball-Duellen zu vermeiden. In der heutigen Zeit ist das fast unmöglich, da durch die Kommerzialisierung und TV-Abhängigkeit des Profi-Fussballs nahezu täglich Spiele übertragen werden – wobei man da über die „Wichtigkeit“ mancher Partie sicherlich geteilter Meinung sein kann. Aber die Einschaltquoten zeigen: „Die Leute gucken das.“  Nicht selten muss dann bei Veranstaltungen, wo man kurz vorher feststellt „oh, da spielt ja auch x gegen y“ noch kurzfristig eine Leinwand und ein Beamer organisiert werden. Dank dieser Hilfsmittel kann dann die ganze Schar der Gäste für zwei Stunden beim „Public Viewing“ unterhalten werden. Die Ausweitung der TV-Sendezeiten stellt auch ein grundlegendes Problem für den Amateursport dar. Dort kämpft man seit Jahren mit schwindenden Zuschauerzahlen, weil sich die fussballinteressierten Leute lieber die „Sky-Bundesliga-Konferenz“, anstatt das Spiel Ihres Dorfvereins anschauen. Im günstigsten Fall profitiert der Verein noch von Getränkeumsätzen, weil er im Besitz eines „Sky-Abos“ ist und die „Fans“ sich die Sendung im Vereinsheim anschauen. Und nicht selten sitzen mehr Zuschauer vor dem Fernseher, als man draußen auf dem Sportplatz vorfindet. Gerade in einer dörflichen Struktur nehmen Vereine eine wichtige gesellschaftspolitische Stellung – insbesondere in der Jugendförderung – ein, aber es häufen sich die Fälle, wo „mangels Masse“ der Laden zugesperrt werden muss.

15 Jahre – 4.940 Förderbescheide – 265 Mio €

In diesem Umfeld ist die Politik gefordert, das „Ehrenamt“ zu fördern und den Vereinen Unterstützung zu gewähren. Im Sport – zuständig sind hier die Bundesländer – geschieht dies in erster Linie durch die Bezuschussung bzw. Förderung der Infrastruktur. In den letzten 15 Jahren sind bspw. in Hessen in 4.940 Fällen insgesamt 265 Mio € an Zuschüssen an die Vereine geflossen. Jetzt galt es am vergangenen Mittwoch mit Hermann Klaus den Mann zu verabschieden, der in diesem Zeitraum im Auftrag des Landes als „Referatsleiter für den Sportstättenbau“ (so die offizielle Bezeichnung) verantwortlich war und diese Aufgabe mit Augenmaß, Verbindlichkeit und hohem persönlichen Einsatz ausgefüllt hat. Man könnte auch geneigt sein zu sagen, diese Rolle war ihm „auf den Leib geschnitten“. Stand irgendwo eine Baumaßnahme an Platz oder Vereinsheim an, so lautete das Ergebnis der ersten Vorstandssitzung, die sich mit dem Thema befasste, in der Regel: „Wir müsse mal den Hermann anrufe“.

Geballte politische Prominenz

Im bis auf den letzten Platz besetzten Bürgerhaus in Schupbach war hochkarätige Politprominenz vertreten. Von der hessischen Landesregierung Ministerpräsident Volker Bouffier, Innenminister Peter Beuth und Staatsekretär Werner Koch. Neben Landrat Manfred Michel außerdem nahezu die komplette Riege der Bürgermeister des Landkreises Limburg-Weilburg. Die Laudatoren Bouffier, Beuth und Michel (streng nach protokollarischer Rangfolge) sowie Finanzminister a.D. Karl-Heinz Weimar und LSB Präsident Rolf Müller sprachen mit einer Stimme. Hermann Klaus ist ein Mann, der mit Herzblut seine Aufgabe ausfüllte und mit seinem ihm anvertrauten Etat so sorgsam umging, als wäre es sein eigenes Geld. Eine Eigenschaft, die für Leute im Staatsdienst – ich denke nur an den Berliner Flughafen – nicht unbedingt selbstverständlich ist. Und es war fürwahr keine leichte Aufgabe, denn Hermann Klaus kam nicht nur mit der großen Geschenketüte bzw. den beliebten Schecks, sondern nahm die begünstigten Vereine auch immer – zurecht –  mit in die Pflicht.

Keine Chance für den FC Bayern

Auch wenn die „Holzheimer Schoppensänger“, die zusammen mit dem Blasorchester des TV Niederbrechen und den „Blauen Funken“ aus Frickhofen, die Versammlung künstlerisch ummalten, mit der deutschen Version von Frank Sinatras legendären „My Way“ die Mutter aller Abschiedslieder boten, sickerte bereits im Vorfeld der Veranstaltung durch, dass dem endgültigen Abschied von Hermann Klaus aus diesem wichtigen Amt noch eine Einarbeitungsphase seines Nachfolgers voraus geht.

Die für mich größte Wertschätzung erhielt der „Mann des Abends“ von allen anwesenden Gästen. Trotz des parallel verlaufenden Champions-League Halbfinals Atletico Madrid gegen den FC Bayern blieb die Halle bis zum Schluss vollbesetzt – auch ohne „Public Viewing“, lediglich mit ein paar Hinweisen auf den jeweils aktuellen Spielstand. Eine bessere Symbolik hätte die Verabschiedung dieses Mannes, dem die „kleinen Vereine“ ans Herz gewachsen waren, nicht bieten können. Hermann bleib gesund – an kommenden Aufgaben wird es nicht mangeln !

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