Königlich Bayerisches Amtsgericht

31 Mai 2012 von Max Kommentieren »

In den Monaten Mai und Juni ballen sich die Termine, bei denen sich die Aktionäre zu den jährlichen Hauptversammlungen (HV) treffen, in denen dann Vorstand und Aufsichtsräte Rechenschaft für das abgelaufene Geschäftsjahr ablegen. Bei den Firmen, die erfolgreich gearbeitet haben, wird an diesem Tag auch die Höhe der Dividende bestimmt, die dann am darauffolgenden Tag an die Aktionäre ausgezahlt wird. Was anscheinend die wenigsten wissen: Da die Dividende ja aus dem Unternehmen abfliesst, mindert sich der Wert der Aktie am Tag nach der HV um genau diesen Betrag. Bei der Deutschen Telekom, die 0,70 Cent Dividende pro Aktie zahlte, macht das beim aktuellen Kursniveau immerhin über 8% aus. Neben der Telekom gibt es mit Allianz, Daimler, Deutsche Börse, Deutsche Post, E.ON, Metro, Münchner Rück, und RWE (in alphabetischer Reihenfolge) insgesamt acht weitere Unternehmen, die ebenfalls eine Dividende ausschütten, die mehr als fünf Prozent des aktuellen Kurses beträgt. Mit Ausnahme der Telekom haben alle Unternehmen den Ausschüttungsbetrag auch operativ verdient und müssen dafür nicht die Kapitalsubstanz angreifen. Ich denke, es lohnt sich in der heutigen Zeit einmal darüber nachzudenken, ob fünf Prozent Dividende nicht eine Alternative zu 0,5% Festgeldzins darstellen (vorausgesetzt man benötigt das Geld für die nächsten paar Jahre nicht).

Ein kleines Risiko besteht bei der Einzel-Aktien-Auswahl nicht nur für den Laien, auch für den Profi immer darin, dass man auch mal die falsche Aktie erwischen kann. Die Aktionäre der Commerzbank können davon ein Lied singen, hat sich doch deren Kurs seit dem Höchststand mit 44€ am 9.3.2000   um sage und schreibe 97% Prozent ermäßigt und damit der Bank für alle Zeiten einen Platz in den Börsen-Lehrbüchern im Kapitel „Ein schlechter Wert kann sich immer noch halbieren“ gesichert. Dafür haben die Commerzbank-Aktionäre mit Sicherheit den höchsten Unterhaltungswert auf ihrer Veranstaltung, da dort die „creme de lá creme“ der Berufskritiker ihre jährliche Aufwartung macht. Und es ist immer wieder amüsant, welche Kreativität diese Leute in ihren Wortspielen entwickeln. „Seit Ihrem Amtsantritt befindet sich die Bank in ertragsmäßiger Inkontinenz“ schleuderte ein wütender Aktionär Bankchef Martin Blessing entgegen. „Sie gehören nach Griechenland, Sie Kapitalvernichter“ lautete ein weiteres Zeugnis. „Die Aktie ist billiger als ein Liter Benzin, damit komme ich aber wenigstens vorwärts“ und „der Vorstand braucht dringend ein Navigationssystem“ sind weitere Kostproben. Königlich Bayerisches Amtsgericht vom Feinsten. Wenn es im Resultat nicht so traurig wäre. Mit Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und Vorstand Martin Blessing sitzen die Verantwortlichen für eines der größten Wirtschaftsdebakel in der Nachkriegsgeschichte in Deutschland lächelnd auf dem Podium und die ganze Wut und Kritik der Aktionäre geht den beiden gelinde gesagt „am Arsch vorbei“. Frei nach dem Motto „lass die sich doch mal beschweren – uns kann eh keiner was“ wird dann im weiteren Verlauf der Versammlung eine deutliche Gehaltserhöhung für den Vorstand beschlossen mit der Begründung „er war im Branchenvergleich bisher unterbezahlt.“ Meine Meinung lautet: „Einsperren !“ Und zwar beide. Den, der nimmt und den, der es ihm gibt. Es muss ja nicht lange sein, aber dann könnten diese beiden Herren mal darüber nachdenken, was sie für die Aktienkultur in Deutschland an Schaden anrichten. 5.000 Kehlen aus der „Südkurve“, die frei nach der Melodie des legendären „Chirpy-Chirpy-Cheep-Cheep“-Songs der schottischen Band „Middle of he road“ singen, „Sperrt den Müller ein !“ wäre eine schöne Choreographie für die Veranstaltung im nächsten Jahr, falls er dann immer noch im Amt ist. Was bin ich froh, dass ich mir diese Veranstaltung nicht als Aktionär antun muss und mir dieses ganze Schauspiel als Unbeteiligter von der Seitenlinie anschauen kann. Da lockt mich auch nicht die Aussicht auf ein kostenloses Würstchen mit Senf nach dem ganzen Trauerspiel. Die Commerzbank-Aktie werde ich in meinem Leben nicht mehr mit der Kneifzange anfassen ! Wer sich jetzt fragt: „Warum wählen denn die Aktionäre diesen Vorstand und Aufsichtsrat nicht ab ? Das ist doch ihr im Gesetz verankertes Recht“ der muss wissen: Stimmt ! Aber die Commerzbank ist zu 25% im Staatsbesitz und da in der Regel weniger als die Hälfte der Aktionäre bei einer Versammlung präsent sind, reicht dieser Anteil immer für die Mehrheit. Gefallen ist der Kurs der Commerzbank am Tag nach der HV übrigens nicht, da es bei den aktuellen Geschäftszahlen zwar für die üppige Anhebung des Vorstandsgehalts, aber leider nicht für eine Dividende gereicht hat.  Aber zum Glück haben wir ja nicht nur die Commerzbank auf der „Speisekarte“, sondern können aktuell  unter mindestens 50 Aktiengesellschaften in Deutschland wählen, wo man sagen kann „die gibt’s es aktuell zum halben Preis dessen, was sie eigentlich wert sind.“ Und zu essen gibt’s überall was nach den Versammlungen. Am besten geschmeckt hat‘s übrigens in Dortmund bei der Borussia. Westfälische Erbsensuppe mit Wursteinlage und dazu ein frisch gezapftes Pils. Und das alles für aktuell 2,20 Euro pro Aktie. Da kann sich keiner beschweren.

 

 

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