Hochprozenter ? Besser trinken als anlegen

7 März 2012 von Max Kommentieren »

Mit einer „spektakulären Zuwendung“ in Höhe von 1,5 Millionen € aus dem Bundeshaushalt soll künftig (ab dem Jahr 2013) jährlich die Kapitalbasis der Stiftung Warentest gestärkt werden. Mit dieser Geldspritze sollen die vor allem als „Bleistift- und Waschmaschinenexperten“ bekannten Verbraucherschützer aus Berlin künftig dafür sorgen – so O-Ton der Ministerin für Verbraucherschutz Ilse Aigner – „daß die Verbraucher künftig vor mangelhafter Finanzberatung geschützt werden.“ 1,5 Millionen pro Jahr – das sind immerhin 1,88 Cent pro Einwohner in diesem Land (wenn man mal von 80 Mio. Bewohnern ausgeht). Ich frage mich manchmal, ob unsere Politiker sich die Statements, die ihnen Ihre Redenschreiber vorlegen, auch mal mit einem gesunden Menschenverstand vorher kritisch hinterfragen, bevor Sie das vor Medienvertretern dann hinaus posaunen. Wahrscheinlich in den meisten Fällen nicht, da der Terminkalender so eng gestrickt ist, dass dafür keine Zeit bleibt. Aber mal im Ernst: Es glaubt doch kein vernünftiger Mensch, dass ich mit 1,5 Millionen € in einem Land wie dem Unseren etwas Grundlegendes an den Dingen, die in der Finanzwirtschaft schief laufen, ändern kann. Das ganze fängt doch schon mit dem Wissen um die Finanzen an. Wie viele Leute bei uns können den ausrechnen, wie viel ein Betrag von 1,5 Millionen € bei 80 Millionen Einwohnern pro Nase ausmacht. Im Kern die gleiche Aufgabe stellt sich doch in der Praxis beim Angebot der xy-Bank, die den Kunden mit 4% Zinsen p.a. auf die Neuanlage lockt und im „Kleingedruckten“ steht dann: Das Angebot gilt nur für 3 Monate, danach gilt ein Zins von 1% p.a.  Wie hoch ist denn meine Verzinsung unter dem Strich, wenn ich das Geld dann für 2 Jahre dort anlege ? Die Kultusminister-Konferenz sollte sich zu diesem Thema mal Gedanken darüber machen, ob die Lehrpläne wirklich dem Grundsatz „Non scolae, sed vitae discimus“ (nicht für die Schule, sondern für das Leben sollten wir lernen) genügen. Anstatt das Paarungsverhalten „brünstiger Waldkäfer“ zu untersuchen, gehört so etwas als Pflichtveranstaltung in jede 5. Schulklasse, egal ob Hauptschule oder Gymnasium. Auch das Auseinandersetzen mit gewissen psychologischen Grundsätzen im Zusammenhang mit „Angst“ und „Gier“ schadet nicht. Warum gibt es denn immer wieder Anlageskandale, wo die Leute irgendwelchen Kriminellen, die Renditen von 10%-15% oder mehr versprechen, auf den Leim gehen? Das momentan niedrige Zinsniveau erleichtert solchen Leuten sogar noch Ihr Vorgehen, da man momentan schon bei garantierten Renditen von 6 oder 7% eigentlich hellhörig werden muss. Wenn sie sich jetzt stark genug für die nächste Prüfung fühlen, dann sollten wir uns mal näher anschauen, wie denn der Markt funktioniert, in dem die Deutschen (entweder direkt oder über Versicherungen) den Großteil Ihres Geldes angelegt haben. Nämlich in festverzinslichen Wertpapieren, die ja gemeinhin als „sicher“ gelten. Das sind Sie auch, wenn man mal von griechischen Staatsanleihen absieht.  Allerdings gibt es auch in diesem Bereich ein paar Feinheiten zu beachten. Wenn Sie einen gewissen Betrag, nehmen wir mal an 1.000 € für 5 Jahre zu einem Zinssatz von 5% angelegt haben und das Zinsniveau ist nach 3 (von insgesamt 5) Jahren auf 2% gefallen, dann kann man Ihnen gratulieren, da sie zu vergleichsweis hohen Zinsen ihr Geld längerfristig festgelegt haben. Deshalb bekommen Sie, wenn Sie nach 3 Jahren aus dieser Anlage aussteigen, auch eine Prämie von 2*3% (die man auch als Kursgewinn bezeichnet), da Sie ja für die verbleibenden 2 Jahre einen Anspruch von 5% Zinsen haben, während Neuanleger nur 2% p.a. bekommen. Das heisst nach 3 Jahren lautet Ihr Ergebnis: (3*5% Zinsen = 15%) + (2*3% Kursgewinn  = 6%). Macht zusammen 21% Ertrag in 3 Jahren. Das ist die positive Seite der Medaille. Wie sieht es aber in den beiden folgenden Jahren aus ? Sie bekommen (2*5% Zinsen = 10%) – (2*3% Kursverlust  = – 6% bis zum Ende der Laufzeit, da der zwischenzeitliche Kursgewinn sich bis zum Ende der Laufzeit wieder auf 0 reduziert). Macht in 2 Jahren genau 4% Ertrag, was (jetzt lassen wir aus Vereinfachungsgründen den Zinseszins mal weg) exakt den 2% pro Jahr entspricht. War das zu kompliziert ? Letztendlich müssen Sie sich einen Grundsatz merken. Sind die Zinsen niedrig (so wie jetzt) darf man sein Geld auf keinem Fall langfristig anlegen. Sind die Zinsen dagegen hoch, dann sind festverzinsliche Papiere mit die beste Anlage, die es gibt. Um so unverständlicher ist es für mich, daß momentan Milliardensummen in längerfristigen festverzinslichen Wertpapieren, Rentenfonds oder Lebensversicherungen liegen und – was noch schlimmer ist – täglich in diese Anlageformen hinein fließen. Für mich kann die Erklärung nur darin liegen, daß die Leute einfach das kaufen, was in der Vergangenheit gestiegen ist, ohne sich zu überlegen welche Perspektiven diese Anlage denn bietet. Bei einem Zinsniveau von 1-2% kann man mit den o.g. Instrumenten auf Sicht der nächsten 5 Jahre keinen Blumentopf verdienen. Im Gegenteil, wenn sie „Hochprozenter“ oder Rentenfonds im Depot haben, machen Sie Kasse und gönnen Sie sich etwas „Hochprozentiges“ auf diesen Erfolg. Einen besseren Zeitpunkt dafür, gab es in der jüngeren Geschichte noch nie.

1 Kommentar

  1. Olaf Faulstich sagt:

    Hallo Herr Stillger,
    die Berechnungen sind sehr eindeutig. Wenn man bedenkt, dass die Umlaufrendite bei 1,46% notiert, sollte jedem klar werden, dass für Kurssteigerungen im dtl. Anleihenmarkt kaum mehr Platz ist.
    ABER…mir fehlt doch die Eröffnung der Gegenrechnung. Bevor etwas auf 0…in dem Fall auf 0% gefallen ist…so lange bestehen im Anleihenmarkt Chancen auf Kurssteigerungen. Oder gehen auch Minusrenditen im Gesamtschema der Umlaufrendite?
    Egal…sinkt die Umlaufrendite auf 0,5 % ist das eine Reduzierung von knapp 1%. Betrifft dies Langläufer im Bereich 10 Jahre Anlagedauer und der Rückgang innerhalb von ca. 1 Jahr stattfindet…dann steigt der Kurs selbiger Anleihen um knapp 10%.
    In Anbetracht der Tatsache, dass kein Aufbegehren der Umlaufrendite derzeit zu erkennen ist, gibt es für mich keinen Grund davon auszugehen, dass ein Rückgang unter 1% weniger wahrscheinlich sein soll als ein Anstieg über 2%.
    Mit sportlichen Grüßen
    Olaf Faulstich