Wann wird’s mal wieder richtig Winter ?

2 Februar 2012 von Max Kommentieren »

In Anlehnung an den Sommer-Hit des Jahres 1975 von legendären Oranje-Showmaster Rudi Carrell, müsste man den ganzen „Wetter-Journalisten“ eigentlich die Frage stellen: „Warum führt Ihr denn so einen Tanz auf  ?“
„Das Kältehoch „Dieter“ lässt die Russenpeitsche knallen“, titelte z.B. die Bild-Zeitung in dieser Woche in Anspielung auf die kleine Kaltfront, die momentan über Deutschland liegt. Da werden Empfehlungen ausgesprochen, lieber zu Hause zu bleiben, als sich diesen Temperaturen auszusetzen. Ich bin da geneigt zu sagen „Ihr Leut, jetzt lasst mal die Kirch im Dorf ! Guckt mal in den Kalender und denkt mal nach, wie das früher war !“ Ich habe jedenfalls – im Gegensatz zu früheren Jahren – bis jetzt noch keinen Schlittschuhläufer auf der Lahn gesehen. Dass es definitiv kälter ist, als im vergangenen Jahr um diese Zeit, steht außer Zweifel. Aber 10-15 Grad Plustemperaturen (wie Anfang Februar 2011) Zeit sind in meinen Augen dann eher eine Sensation, als das, was sich momentan abspielt . Falls Ihnen am Wochenende ein eisiger Wind um die Nase pfeift, hier noch mal der Wetterbericht vom 5.2.2011:

„Gut, wer im Süden der Republik wohnt. Am Samstag wird das Wetter noch durchwachsen sein, doch am Sonntag dürfen sich die Süddeutschen auf richtig schönen Sonnenschein freuen. Und: Temperaturen von bis zu 13 Grad sind drin. Da blickt der Norden neidisch nach Süden.“

nachzulesen im Archiv von www.wetter.de

Und beim Recherchieren frei nach dem Motto „es hätte schlimmer kommen können“ bin ich dann auf die tiefste jemals in Deutschland gemessene Temperatur gestossen (Wikipedia sei Dank). Hätten Sie’s gewusst ? Am Heiligabend 2001 wurden am Funtensee in Bayern wirklich spektakuläre – 45,8 Grad gemessen. Wenn da dann noch Ostwind gewesen wäre, wäre der n-tv-Reporter vor Ort wahrscheinlich zur Eissäule erstarrt. Aber das Jammern über das Wetter ist ja ein Spiegelbild der Gesellschaft. Mal ist es zu kalt, dann ist es zu windig, dann ist es zu heiss. Ich kann mich noch gut an den vergangenen November erinnern, als es viel zu warm war und kein Tropfen Regen fiel. Und vor 5 Jahren wurde ein Sturm namens „Kyrill“ angekündigt , der sich dann im nachhinein zumindest in unserer Region als laues Lüftchen entpuppte. Was wurde damals im Vorfeld eine Hysterie erzeugt. Nicht alles, dass die Leute damals die Supermärkte geplündert haben und sich in Kellerschutzräume verbarrikadierten. Ich sehe die Schlagzeilen der kommenden Woche schon vor mir. Der Pressesprecher der Deutschen Bahn kann sich schon im wahrsten Sinne des Wortes „warm anziehen“. Denn dass es irgendwo in Deutschland Züge geben wird, wo die Heizung nicht funktioniert, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Auf alle Fälle ist es leichter sich gegen die Kälte zu wappnen, als gegen eine Hitzewelle, mit der wir in den nächsten 6-8 Monaten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ebenfalls konfrontiert werden. Und in Anbetracht  von vielleicht läppischen 10 oder 15 Grad Minus sollten wir das Ganze wirklich gelassen betrachten. Deshalb kommt die Meldung der Woche für mich nicht vom Deutschen Wetterdienst, sondern von der Bundesagentur für Arbeit. Im Januar waren so wenige Menschen ohne Arbeit wie zuletzt vor 20 Jahren um diese Zeit. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Lage in Deutschland viel, viel besser ist als die Stimmung. Aber positive Berichterstattung ist ja langweilig…

2 Kommentare

  1. Wolfgang Fladung sagt:

    Sehr geehrter Herr Stillger,

    ich weiß nicht, ob Sie oder ein Anderer diesen Beitrag verfasst haben. Es ist nicht Ihre Meinung zum Wetter, die mich aufregt, sondern der mehr als fahrlässige Umgang mit den Arbeitslosen-Daten, der mich aufregt. Nicht nur fahrlässig, sondern absolut falsch, da hier Äpfel und Birgen wild durcheinander gemischt werden und alle bereits angedatschten Früchte aussortiert. Ich zitiere: “ Im Januar waren so wenige Menschen ohne Arbeit wie zuletzt vor 20 Jahren um diese Zeit. Ein weiteres Zeichen dafür, dass die Lage in Deutschland viel, viel besser ist als die Stimmung. Aber positive Berichterstattung ist ja langweilig…“.

    Da finde ich in diesem Blog eine ganz andere Aussage, http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/2012/alle-jahre-wieder-die-gefalschte-statistik/. Wer sich als für die Wahrheit sich interessierender Bürger oder gut und ehrlich recherchierender Journalist die „Mühe“ macht, diese hirnlose Nachbeterei auf BILD-Niveau zu hinterfragen, muß nur auf die Seite von „arbeitsagentur.de“ – da findet er die korrekten Daten und Fakten.

    Also, gehen wir mal ans Eingemachte. Bundesregierung, stat. Bundesamt und Medien melden offiziell rund 3 Mio. Arbeitslose. Interessant dann, daß 4,5 Mio. aber ALGII beziehen, also so schlecht bezahlt werden, daß sie zusätzlich Hilfe vom Amt benötigen.

    Auch vergessen Sie, zu erwähnen, daß in den letzten 20 Jahren viele Grupppen und Personen einfach nicht mehr bei der Ermittlung der korrekten Zahlen berücksichtigt werden und somit als Faktor unter den Tisch fallen. Dazu zählen dann:

    – ca. 1,5 Mio., welche in irgendwelchen „Maßnahmen“, wie 1-Euro-Jobs, Fortbildung, Umschulung, Bewerbungstrainings etc. pp. stecken
    – alle mindestens 58Jährigen, welche mind. 12 Monate Hartz IV bezogen haben, jedoch weiterhin arbeitslos sind (mind. 100.000 Menschen)
    -alle Bezieher von Sozialgeld, die nicht mehr als erwerbsfähig gelten, ca. 1,8 Millionen

    Und wer sich nicht, aus welchen Gründen auch immer, arbeitslos gemeldet hat, taucht natürlich auch nicht auf. Diese Nicht-Meldung kann unterschiedlichste Gründe haben: Unkenntnis, Scham, Behörden-Probleme, Teil-Selbständigkeit (Taxifahrer, Schauspieler, Künstler) oder psychisch Kranke.

    Wir kommen also, je nach Sichtweise, auf mindestens 5, wenn nicht gar 7 Millionen, die eigentlich in die Statistik, wenn sie korrekt und ehrlich sein soll, hinein gehören. Aber ehrliche Zahlen könnten ja Unruhe im Volks auslösen, oder die Meinungsumfragen in die falsche Richtung beeinflussen. Und ansonsten gilt die alte Wahrheit: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht slebst gefälscht/manipuliert hast“. Womöglich griechische Leiharbeiter bei den Statistikern?

    Aber Hauptsache, die Parteipropaganda für Mutti & Co,. ist nicht gefährdet. Aus ihren Kommentaren spricht für mich auch nicht gerade eine linke oder linksliberale Seele.

    Mit freundlichen Grüßen
    Wolfgang Fladung
    Bad Camberg

  2. Max sagt:

    Sehr geehrter Herr Fladung

    Zunächst einmmal danke ich Ihnen für Ihre Stellungnahme, für mich ist jede Kritik ein Ansporn besser zu werden.

    Den Blog http://www.zeitgeistlos.de kenne ich und habe den auch an anderer Stelle schon mal zitiert.

    Die komplette Systematik bei der Erfassung der Arbeitsmarktdaten dem Leser darzustellen, würde sicherlich eine 3-teilige Serie der Kolumne erfordern, mit dem Resultat, dass der letzte Teil der Serie dann leider nur noch von maximal 10% aller Leser registriert wird.

    Darum geht es in diesem Zusammenhang auch nicht.

    Für mich sind auch 3 Millionen Arbeitslose, 3 Millionen zu viel.

    Tatsache ist aber, daß der Arbeitsmarkt sich deutlich robuster zeigt, als dass in den Krisenszenarien im Herbst des Jahre 2008 vorhergesagt wurde.

    Da wurde nämlich nach der gleichen Systematik gezählt und damals geisterte ein Prognose von 5 Millionen (Äpfel oder Birnen – je nachdem für welche Währung man sich entscheidet) durch den Raum.

    Zu Ihrem letzten Satz: Eine linke oder linksiberale Seele steckt definitiv nicht in mir, aber auch keine rechte oder gar rechtsradikale (was mir von linker Seite auch schon unterstellt wurde).

    Ich bleibe da lieber auf einem von gesundem Menschenverstand begleiteten Mittelweg

    In diesem Sinne herzliche Grüße und alles Gute für Sie.