Bier für 9,99 € oder neue Zähne für einen Sack Kartoffeln ?

11 August 2011 von Max Kommentieren »

Ein verurteilter Kindermörder erhält von einem deutschen Gericht „Schmerzensgeld“ zugesprochen. Das wichtigste Kleidungs-Accessoire in den vergangenen Wochen war der Regenschirm und seit ca. 14 Tagen sieht die Welt einen Börsen-Crash, der vom Tempo und Verlauf her gesehen, alles bisher dagewesene in den Schatten stellt. Richter, Wetter und Börsianer – sind die denn alle verrückt geworden oder was ist da los ? Zu dem ersten Thema gibt es eigentlich gar nichts zu sagen – außer dass es mich sprachlos macht. Zum Wetter habe ich auch eine klare Meinung: Man muss es nehmen, wie es ist. Man kann sich darüber ärgern, aber dadurch wird es auch nicht besser. Alle möglichen Diskussionen über den Klimawandel und die zunehmende Erderwärmung sind zumindestens momentan in die Randspalten der Zeitungen verdrängt worden, wenn man denn überhaupt noch etwas zu diesem Thema liest. Dafür überschlagen sich die Titelseiten mit den Kommentaren zur Börsensituation. Angesichts eines Kursverfalls von knapp über 20% in nur 11 Börsentagen (Stand Mittwoch, 10. August) drängt sich natürlich die Frage auf. „Was ist der Grund für diese Entwicklung ?“ und gleichzeitig beschäftigen sich viele Anleger mit der Frage „Wie reagiere ich denn jetzt ?“.

Fangen wir mal mit der ersten Frage an: Grund für die Börsenturbulenzen in den vergangenen 14 Tagen sind verstärkt aufkommende Befürchtungen, dass verschiedene Länder (allen voran die „üblichen Verdächtigen“ Griechenland und Portugal) Ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Jetzt tauchen in dieser Liste aber plötzlich auch Namen wie Italien, die USA und zuletzt auch Frankreich auf. Viele Börsianer befürchten, dass diese Länder jetzt durch Sparmassnahmen die Weltkonjunktur bremsen. Und so gab es in den vergangenen 2 Wochen mehr Verkäufer als Käufer, was letztendlich den entscheidenden Faktor für die Kursentwicklung darstellt . Und an der Börse gilt (wie übrigens auch im richtigen Leben): „Der Fall vollzieht sich immer schneller als der Aufstieg.“ Aber letztendlich haben wir es ja hier mit Unternehmensbewertungen zu tun und irgendwann sind diese Bewertungen dann so attraktiv, dass es plötzlich wieder mehr Käufer als Verkäufer gibt und dann läuft das ganze Spiel in die andere Richtung. Die spannende Frage ist „Wann ?“. War es 2008 das fehlende Vertrauen in die Bankenwelt, so ist es im aktuellen Fall das fehlende Vertrauen in die Politik. Und genau wie im Jahr 2008 – als viele Schwarzseher bereits das Ende des derzeitigen Wirtschaftssystems verkündeten – wird auch dieses Mal am Ende des Spuks das Fazit frei nach dem alten Kölner Grundsatz „et hätt noch immer jot jejange“ lauten. Das mal als Überleitung zur Frage 2 „Wie reagiere ich denn jetzt ?“ Ich persönlich kann jedem, der, sei es durch den Besitz von Aktien oder Fonds, momentan zu den „Gebeutelten“ zählt, nur sagen: Schauen Sie in solchen Phasen am besten nicht mehr hin und blenden Sie die Beschäftigung mit den Börsen weitgehend aus. Es sei denn, Sie sagen sich „Momentan gibt es ja richtige Sonderangebote – ich kriege ja das Pfund Kaffee, das vor 2 Wochen noch 5 € gekostet hat, jetzt in der gleichen Qualität für 3,50 €. Und die Kiste Bier ist ja auch von 20 € auf 13,99 € runter gesetzt. Da lad ich mir doch mal ein paar Kisten in den Einkaufswagen.“ Nichts anderes spielt sich momentan an der Börse ab. Nur geht es da nicht um Kaffee und Bitburger, sondern um Daimler, Siemens oder E.ON. Und sie dürfen sich nicht ärgern, wenn der Kaffee in 4 Wochen nur noch 2,50 € kostet und das Bier für 9,99 € pro Kiste „verramscht“ wird. Dann laden Sie Ihren Einkaufswagen eben ein weiteres Mal voll. Übrigens gibt es ein ganz einfaches Mittel diese Strategie an der Börse anzuwenden: Das Zauberwort heisst „Aktien-Sparplan“. Für solche Investoren sind Entwicklungen wie die momentane ein wahrer Segen, bieten Sie solchen hartgesottenen Sparern doch die Möglichkeit auch wieder mal günstig ein paar Anteile einzusammeln.

Eine Strategie, über die man durchaus mal nachdenken sollte. Vor allem wenn man noch 20 Jahre oder mehr seines Erwerbslebens vor sich hat. Laut Berechnungen des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) konnte man mit einem Sparplan in deutsche Aktien in den vergangenen 30 Jahren eine Rendite von über 7% p.a. erzielen.

Wer natürlich glaubt, unser Wirtschaftssystem entwickelt sich wieder zum Tauschhandel, wo ich den Zahnarztbesuch dann mit einem Sack Kartoffeln bezahle, für den bin ich ein schlechter Ratgeber, da ich nicht an dieses Szenario glaube.

Dass sich auf der Welt gewisse Dinge ändern müssen, wissen wir erst nicht seit 14 Tagen, sondern schon länger. Mehr dazu in der nächsten Woche…

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