Kriechen die Griechen zu Kreuze…?

17 Juni 2011 von Max Kommentieren »

…und melden Sie den Staatsbankrott an ?

Diese Frage beschäftigt mittlerweile Heerschaaren von Finanz-Journalisten, Notenbankern, Wissenschaftlern und Investoren. Seit vergangenem Montag darf sich Griechenland sogar mit dem Titel „unsicherster Schuldner der Welt“ schmücken. Die Ratingagentur Standard & Poors stufte das Land mit der Note „CCC“ sozusagen „offiziell“ auf den Status einer Pleitefirma ab. Für ein Investment in Höhe von einer Million Euro in griechische Staatsanleihen muss mittlerweile eine Prämie von sage und schreibe 160.000 € (oder umgerechnet 16%) p.a. auf den Tisch geblättert werden, um sich gegen einen Ausfall bzw. eine Pleite des Landes abzusichern. Diese Prämie ist mehr als doppelt so hoch, wie eine Versicherung gegen den Staatsbankrott von Ländern wie Ecuador oder Pakistan. Bemerkenswert auch die Erklärung der Ratingagentur Moodys zur Herabstufung der Kreditwürdigkeit der Hellenen „Die Sparbemühungen der griechischen Regierung würgen die Konjunktur ab“ heisst es in einer Pressemitteilung zur Herabstufung , die in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Beim Zeus –  was soll das denn ? Manchmal frage ich mich, ob solche Meldungen (bevor Sie veröffentlicht werden) auch mal von jemandem gegen gelesen werden, der bei klarem Verstand ist. Sollen die Griechen etwa weiter sorglos das Geld ausgeben, wie in den vergangenen Jahren ? Die ganze Welt redet vom Sparen und wenn man es dann macht, ist es auch verkehrt, weil man damit die Konjunktur abwürgt ? Vor 10 oder 20 Jahren als es diesen ganzen Mist wie „Credit Default Swaps“ (so heisst das ganze Absicherungszeug) noch nicht gab und die meisten Menschen unter „Ratingagentur“ vielleicht die Hintermänner einer Quizshow im öffentlich rechtlichen Fernsehen vermuteten, konnte man die meisten Entwicklungen am Kapitalmarkt noch mit einem gewissen Mindestmaß an logischem Denkvermögen erklären. Was sich aktuell an Hysterie rund um das Thema „Griechenland“ abspielt, ist da wohl eher in die Abteilung „Irrenhaus“ einzustufen. Eine Hammelherde wildgewordener Hedge-Fondsmanager und Ratingexperten treibt das Opfer sozusagen wild vor sich her und die ganze Bande hat nur ein Ziel: „Schlachtet das Vieh, koste es was es wolle.“ Für mich ist es unerklärbar, warum die Europäische Zentralbank sich dieses Spiel so lange schon von der Tribüne aus anschaut, anstatt mal auf den Tisch zu hauen und zu sagen „Leute, jetzt lasst mal die Kirche im Dorf – a) haben wir einen Rettungsschirm in Höhe von 750 Milliarden Euro für finanzschwache EU-Länder gespannt und b) lassen wir keines unserer Länder im Regen stehen.“ Für Europa und den Euro gibt es keine Alternative. Sonst sind wir in 15 Jahren soweit, daß die Berliner Mauer wieder aufgebaut werden muss. Allerdings dann nicht nur um Berlin, sondern um ganz Deutschland und dieses Mal dann nicht, damit keiner raus kommt, sondern dass keiner rein kommt. Man muss sich das mal vor Augen halten: Mit Griechenland handelt es sich immerhin um ein im weltweiten Vergleich doch überdurchschnittlich entwickeltes Land mit einer im Großen und Ganzen funktionierenden Infrastruktur. In meinen Augen sind die Probleme in Griechenland definitiv einfacher zu lösen, als beispielsweise in den ganzen nordafrikanischen Staaten. Die Griechen müssen nur ihren Staatsapparat effizienter aufstellen. Die ganze Schattenwirtschaft und Schwarzarbeit muss eingegrenzt werden und  – wie vor ein paar Tagen publik wurde – es kann nicht angehen, dass an Tausende von bereits Gestorbenen noch jahrelang eine Staatsrente überwiesen wird. Und letztendlich haben die Griechen in der europäischen Union Partner und Verbündete, die in letzter Konsequenz nicht nur das fehlende Geld nach Athen überweisen, sondern die auch Ihre Kompetenz in verwaltungstechnischen Angelegenheiten dort einbringen können. Mit dieser Kraft im Rücken muss es doch möglich sein dieses im europäischen Vergleich doch eher kleinere Land (mit dem Bruttosozialprodukt von Südhessen) entsprechend anzuschieben, damit es auch in absehbarer Zeit wieder auf eigenen Füßen stehen kann. Warum schickt die EU nicht einfach mal 5.000 Beamte, die in Brüssel eh nichts gescheites zu tun haben, für eine befristete Zeit nach Athen und räumt den Laden auf. Wenn dort beispielsweise nur mal ein effizientes und funktionierendes Steuersystem eingerichtet ist, sind die gröbsten Probleme in meinen Augen gelöst. Da die Bevölkerung sich auf erhebliche Einschnitte einstellen muss (so ist das nun mal, wenn man über seine Verhältnisse gelebt hat und der Finanzier des Defizits den Geldhahn abdreht), sehe ich auf dem klassischen demokratischen bzw. politischen Weg keine Chance für die notwendigen Reformen eine Mehrheit zu finden. Es gibt allerdings in diesem Zusammenhang eine Legende, die – wenn Sie auch nur ansatzweise stimmt – wohl alles bisher diskutierte und geschriebene in den Schatten stellt. Laut verschiedenen Medienberichten soll die griechische Postbank Ende 2009 Credit Default Swaps (richtig, das sind die Scheine mit denen man auf die Pleite eines Landes wettet) im Gegenwert von 1 Milliarde Euro gekauft haben. Durch die aktuelle Verschlechterung der Kreditwürdigkeit Griechenlands ist dieses Paket mittlerweile auf einen Wert von 25 Milliarden Euro angestiegen. Das würde schlichtweg bedeuten, dass die Griechen auf Ihre eigene Pleite gewettet haben und dabei noch kräftig verdient haben. Wenn es denn stimmt, gibt es nur einen Weg: Den Gewinn konfiszieren, dann haben wir einen Großteil dessen, was das Land an Hilfsmitteln braucht über diesen Weg bereits gesichert.

 

 

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