Oje SGE !

13 Mai 2011 von Max Kommentieren »

Nach dem Ausflug in die Weltpolitik am vergangenen Wochenende, der bei einer gewissen Klientel – vielleicht auch von mir bewusst provoziert  – für leicht erhöhten Blutdruck sorgte, stehen in dieser Woche wieder die wirklich wichtigen Dinge auf dem Zettel, schließlich wird an diesem Samstag der letzte Bundesligaspieltag der Saison 2010/2011 absolviert. Nicht selten spielten sich in der Vergangenheit wahre Krimis und Dramen an diesem entscheidenden Spieltag ab und der Spruch des legendären ehemaligen Managers des FC Liverpool Bill Shankly „Wer glaubt im Fussball ginge es um Leben und Tod irrt sich, es geht um viel mehr…“ war immer wieder eine beliebte Metapher, die aus diesem Anlass aus der Mottenkiste geholt wurde.

In diesem Jahr ist alles anders und die Messe ist weitgehend gesungen. Mit Borussia Dortmund steht bereits seit 2 Wochen der deutsche Meister fest, Bayer Leverkusen und der FC Bayern belegen die weiteren Champions-League-Plätze und die beiden Überraschungsteams der diesjährigen Saison Hannover 96 und Mainz 05 sicherten sich die Teilnahme an der Europa-League. Lediglich bei der Frage, wer denn neben dem FC St. Pauli absteigt, klebt noch ein kleines Fragezeichen neben dem Zettel, auf dem bei allen Experten landauf-landab in dicken Lettern der Name „Eintracht Frankfurt“ steht. Nur noch ein Sieg im letzten Spiel, das ausgerechnet beim neuen deutschen Meister Borussia Dortmund ausgetragen wird, kann der Eintracht helfen, den Abstieg noch zu vermeiden. Hätte man – wie so manches Wesen in der Tierwelt – sich Mitte Dezember in den Winterschlaf begeben und wäre jetzt aufgewacht, würde man sich die Augen reiben und fragen „Wie geht das denn, die standen doch an Weihnachten noch auf dem 7. Platz ?“.

In der Tat kann ich mich in den knapp 40 Jahren, seit ich den Bundesliga-Fussball verfolge, nicht daran erinnern, dass ein Team in der Rückrunde derart eingebrochen ist und die Frage, die die zahlreichen Anhänger des Traditionsvereins vom Riederwald beschäftigt, lautet: „Wie konnte das nur passieren ?“

Die Antwort auf diese Frage zu finden ist nicht leicht, um nicht zu sagen unmöglich. Warum trifft ein Spieler wie Gekas, der in der Vorrunde noch 14 Tore erzielt hat, plötzlich 3 Meter vor dem leeren Tor den Ball nicht mehr ? Der (ehemalige) Erfolgstrainer Christoph Daum, der in einer Harakiri-Aktion 7 Spieltage vor Schluss verpflichtet wurde, konnte uns auf diese Frage wenigstens eine Antwort liefern. „Der Spieler befindet sich in einem Denk-Gefängnis, aus dem wir ihn befreien müssen“ so seine präzise Analyse des Problems. Den Schlüssel zum Öffnen der Gefängnis-Tür hat aber auch Christoph Daum nicht gefunden…
Für mich gibt es – mit dem nötigen emotionalen Abstand, da ich ja nicht unbedingt als eingefleischter Eintracht-Fan gelte – einen Hauptgrund für die aktuelle Misere und der liegt meiner Meinung nach eindeutig in diesem Trainerwechsel, dessen Sinn sich mir bis heute nicht ergründet hat. Für mickrige 3 Punkte aus 6 Spielen brauche ich keinen „Messias“ Daum zu holen. Wenn ich seine Wortwahl und das Auftreten in manchen Presskonferenzen sehe, ist da für mich vieles „heiße Luft“ und abgedroschene Phrasen. Ich habe noch keinen Spieler gehört, der gesagt hat „Der Trainer gibt uns für jedes Spiel einen ausgeklügelten Plan mit auf den Weg“ (was in meinen Augen das Erfolgsrezept von Leuten wie Tuchel in Mainz oder Slomka in Hannover darstellt). In Frankfurt gehe ich ja fast soweit zu sagen: Mit den heimischen Experten und SGE-Fans Rudi Fuchs, Hermann Fritsch oder Klaus Dombach auf dem Trainerstuhl hätte das Ergebnis auch nicht schlechter ausgesehen und notfalls hätte „Edelfan“ Paul Saleschke mit dem glühenden Zigarrenstumpen den Spielern das nötige Feuer unter den Hintern gerieben.

Da sind wir nämlich bei dem zweiten Hauptproblem: Diese Mannschaft hat keinen Charakter.
Wenn man in einem so entscheidenden Spiel, wie am letzten Wochenende gegen Köln, in einer so beschämenden Art und Weise auftritt, keine einzige Torchance erarbeitet und jeglichen Kampfeswillen vermissen lässt, sollte man sich schämen auch nur einen einzigen Cent Gehalt für diesen Auftritt entgegenzunehmen. Aber das ist das Problem des heutigen Profifussballs. Die Spieler sind nur noch Söldner und wenn da einer auf dem Platz nach der Niederlage weint, dann sind das nichts anderes als Krokodilstränen. Nach dem Abstieg „verpissen“ sich die meisten Spieler, weil es ja bei anderen Vereinen dann mehr Geld zu verdienen gibt. Auf die Frage „welcher Verein ist denn Ihr Lieblingsverein ?“ antwortete kürzlich ein Wirtschaftsmanager in einem Interview „ich habe keinen Lieblingsverein, ich habe ein paar Lieblingsspieler, da muss man sich heutzutage bei den vielen Wechseln nicht dauernd umgewöhnen“. Mir tun meine vielen Freunde, die sich in diesen Wochen ständig über die Leistungen der Eintracht-Mannschaft ärgern müssen, leid. Aber wie sagte „Kult-Prinz“ Kai Diefenbach: „Die Hoffnung stirbt zuletzt… beim letzten Abstieg habe ich bei 4 Punkten Rückstand vor dem letzten Spieltag die ganze Nacht noch die Tabelle durchgerechnet , aber ich habe keine Lösung gefunden.“ Noch ist – zumindestens, wenn diese Zeilen geschrieben werden – rechnerisch alles möglich…

 

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