Es muss erst weh tun !

20 Oktober 2016 von Max Kommentieren »

In der vergangenen Woche war es soweit. Nach der Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee wagte sich auch die Volksbank Stendal in Mecklenburg-Vorpommern aus der Deckung. Auch hier müssen – wie bei den Kollegen in Bayern – Kunden, die mehr als 100.000 € Guthaben auf dem Konto haben, 0,4% p.a. „Strafzinsen“ zahlen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Investmenthaus Flossbach von Storch in Zusammenarbeit mit der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) im März diesen Jahres durchgeführt hat.

Unter dem Thema „Negativzinsen, Konsum- und Sparverhalten“ wurde ein repräsentativer Querschnitt von 500 Personen befragt, ob und wie sie denn ihr Anlageverhalten verändern würrden, wenn sie denn persönlich von Negativzinsen betroffen wären. Zusätzlich flossen die Antworten von 100 „HNWI“s in die Umfrage ein. „HNWI“ heisst „High Net-Work Individuals“ oder auf Nassauer Platt: „Leut, die richtisch Geld honn“

Das Ergebnis überrascht keineswegs:

44% der Befragten würde die Bank wechseln. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend allen verantwortlichen Vorständen der deutschen Kreditinstitute bekannt ist. Deshalb zieren und winden sich ja die Institute flächendeckend Negativzinsen einzuführen, da keiner das Risiko eingehen will, die Hälfte seiner Kunden zu verlieren.

Was aber, wenn diese Option für den Kunden nicht mehr greift, weil, z.B. auf Anordnung von oben, alle Banken verpflichtet werden, Negativzinsen einzuführen. Die Option „Bank-Hopping“ greift dann nicht mehr.

„Tatort Weltsparen“

Ich finde es ohnehin fragwürdig, dass mittlerweile Webseiten wie www.weltsparen.de wieder in aller Munde sind. Aktuell (15.10.2016) bietet die „Banco BNI“ aus Portugal hier mit 0,71% p.a. den höchsten Zinssatz für Tagesgeld. Es ist gerade mal acht Jahre her, da gab es eine isländische Bank namens „Kaupthing“, die in der Gunst der deutschen „Hosenträger-und-Gürtel“-Anleger ganz vorne stand – mehr muss ich dazu nicht sagen. Und wenn’s knallt hilft der Münchner Tatort-Kommissar Miroslav Nemec, der auf der Website der „Weltsparer“ als Testimonial wirbt, den Anlegern genauso wenig wie Manfred Krug den Telekom-Aktionären geholfen hat. Übrigens war der auch mal Tatort-Kommissar…

Hier der Link zur Umfrage:

http://www.fvs-ri.com/files/16.05.09_negativzinsen_und_helikoptergeld_1.pdf

Nahezu die Hälfte aller Befragten würde das Konto plündern und sich den Kontostand in Form von Bargeld auszahlen lassen. Selbst bei der Option, dass nicht alle Banken Negativzinsen verlangen, würden das 27,5% der Befragten in Erwägung ziehen.

Hier könnten die Institute in Gmund und Stendal ja demnächst mal über Ihre Erfahrungen berichten. Die Finanzaufsicht wird das sicherlich mit höchstem Interesse verfolgen.

Knapp 10% der Bankkunden sind dankbar und lassen alles mit sich machen – selbst Negativzinsen werden treu und brav bezahlt !

Für mich gibt es eine Zahl, die Mut macht. Knapp 40% der Befragten würden Ihr Geld anderweitig anlegen. Da bleibt nur die Frage: Wird dann für Immobilien in den Ballungszentren anstatt der 40-fachen, demnächst die 50-fache Jahresmiete als Preis gezahlt oder gibt es tatsächlich noch den einen oder anderen Sparer, der dann auch die Vorzüge eines unterbewerteten Aktienmarktes entdeckt ? Immerhin plant mehr als die Hälfte (von den o.g. 40%) im Falle von Negativzinsen ihr Geld in Aktien oder Investment-Fonds anzulegen.

Wehe, ich muss dafür bezahlen !

Eine zukunftsträchtige Anlage dürften auf alle Fälle Aktien der börsennotierten Hersteller von Tresoren sein. Und das Ergebnis der Umfrage bestätigt eines: Der deutsche Sparer ist genügsam und gibt sich auch mit Null-Zinsen zufrieden. Aber wehe er muss dafür bezahlen, dann steht uns eine Revolution in Sachen „Anlegerverhalten“ bevor.

Aber bei aller Hoffnung auf neue Kunden für die Fondsbranche. Was passiert, wenn die Hälfte aller Leute Sparbüchern bzw. Tagesgeldkonten plündert ? Je länger ich da länger drüber nachdenke, geht es mir da wie Matze Knoop alias Reiner Calmund auf dem Anrufbeantworter von Franz Beckenbauer (ganz am Ende):

„Wart e mal: Wenn de Hälfte von de Leutchen de Kohle abhebt, kann allet andere machen, wat et will, dann ist unsere System im Eimer.“

Übrigens: Am 28.10 ist „Weltspartag“. Zeitgemäß wäre es auch hier, langsam mal über eine alternative Namensgebung (z.B. Welt-Anleger-Tag oder Welt-Fonds-Tag) nachzudenken,

Die Zeit ist (mit oder ohne Negativzinsen) reif dafür !

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