„Arme“ Ferrari-Fahrer und randvolle Gläser

20 Januar 2012 von Max Kommentieren »

In der vergangenen Woche haben meine „liebsten Freunde“ S&P, Fitch und Moodys (auch bekannt unter ihrem Künstlernamen „Ratingagenturen“) die Keule ausgepackt. Traf es zunächst mit Frankreich, Österreich, Italien, Portugal, Spanien, Zypern, Malta, der Slowakei und Slowenien neun einzelne Länder der Eurozone, haben sich die Verantwortlichen wohl gedacht „warum denn halbe Sachen ?“ und dann einen Tag später gleich den kompletten Rettungsschirm „EFSF“ (European Financial Stability Facility – für alle, die’s genau wissen wollen) in seiner Bonität herabgestuft. Man ist geneigt zu sagen: Jetzt muss ja sogar das Rettungspaket gerettet werden ! Ein Glück, dass mittlerweile an den Kapitalmärkten Ruhe und Vernunft eingezogen ist und die hektischen Aktivitäten dieser Zauberlehrlinge zusehends von den Marktteilnehmern ignoriert – um nicht zu sagen: „belächelt“ – werden. Mittlerweile dürft auch der Letzte erkannt haben, welche Strategie denn hinter diesem „Spiel“ steht. In meinen Augen ist das Ganze eine gezielte Kampagne der USA von ihren eigenen Problemen abzulenken, den EURO gegenüber dem US-Dollar zu schwächen und innerhalb der Euro-Zone Neid und Misstrauen zu erzeugen. Flugs meldeten sich bereits am Tage der EFSF-Abstufung Stimmen aus Italien, die eine stärkere Beteiligung Deutschlands am Rettungsschirm forderten, da sich Deutschland ja ungleich günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren könne.  Wenn man bedenkt, dass sich die Italiener jetzt bonitätsmäßig auf der gleichen Stufe wie Peru, Kolumbien oder Kasachstan befinden, ist es in der Tat Zeit für unsere Freunde südlich der Alpen, sich an die Arbeit zu machen. Und die erste Aufgabe ist es – wie immer – zunächst mal vor der eigenen Haustüre zu kehren bzw. den eigenen Stall auszumisten. Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer. Kurz nach Weihnachten fiel die italienische Steuerfahndung nahezu überfallartig im Nobel-Skiort  Cortina d’Ampezzo in den Dolomiten ein. Zunächst einmal wurden die Einkommensverhältnisse der Halter aller im Ort gesichteten Ferraris (immerhin knapp 250 Stück) überprüft. Und siehe da: Knapp ein Fünftel der „Ferraristi“ waren – zumindest steuertechnisch – bettelarme Leute. Wahrscheinlich waren die meisten von denen noch Bezieher von „Hartze quattro“. Jetzt dürfen sich diese Schmarotzer erst mal auf einige unangenehme Fragen der italienischen Fiskalbehörde gefasst machen, die diese Nummer hoffentlich gnadenlos durchzieht.  Als nächstes nahmen die Fahnder dann die Restaurants und Edel-Boutiquen unter die Lupe. Nachdem sich deren Anwesenheit wie ein Lauffeuer im Dorf rumgesprochen hatte, verzeichneten alle Geschäfte und Lokale in den darauf folgenden Tagen Umsätze, die das drei- bis vierfache der durchschnittlichen täglichen Einnahmen erreichten. Da war dann wohl ein paar Tage nichts mit „senza conto“. Umgangssprachlich kann man das mit einem „Geht doch !“ prämieren. Aber diese Nachrichten zeigen doch genau, wo die Problematik in Europa steckt. Wenn alle Staaten ihr Finanzwesen mit preußischer Disziplin durchorganisieren, sind die Staatshaushalte – auch die der Südländer – problemlos zu sanieren. Und die Leute müssen lernen, dass es auf der ganzen Welt keinen Pott gibt (auch wenn da „Staat“ drauf steht), wo man mehr herausholen kann, als man rein steckt. Aber es wird ein harter und schmerzlicher Prozess, das in die Köpfe der Leute hinein zu bekommen. Genauso wie man die Bevölkerung in Europa auf längere Lebensarbeitszeiten vorbereiten muss. Wie soll das denn selbst in Deutschland funktionieren, wenn im Jahr 2030 25% aller Bewohner über 65 Jahre alt sind ? Wenn die Leute dieses Bewusstsein entwickeln und leben, dann geht es Europa viel, viel besser als der „neuen Welt“. Wie bereits oben gesagt: In meinen Augen ist der EURO auf einem guten Weg, den Dollar als Weltleitwährung abzulösen. Das lässt sich z.B. ganz einfach feststellen, wenn man sich die Schwankungen des Gold- und des Ölpreises anschaut, die – historisch bedingt – weltweit in Dollar gehandelt werden, sich in ihren Preisschwankungen aber immer häufiger konträr zu den Schwankungen zwischen Euro und Dollar entwickeln. „Steigt der Dollar, fällt das Gold“ ist eine der wenigen Gesetzmäßigkeiten, auf die man sich in den verrückten Finanzmärkten in den letzten Jahren verlassen konnte. Und das ganze Gehabe der US-gesteuerten Ratingagenturen führt dazu, dass in Europa diskutiert wird, ob wir den EURO wieder aufgeben ? Die ganze Welt schüttelt den Kopf über die Europäer. Wir haben die beste Infrastruktur, die beste medizinische Versorgung, das beste Bildungswesen und müssen kein Hundefleisch essen, um satt zu werden. Und anstatt sich auf das zu konzentrieren, was uns stark macht, wird jeden Tag eine neue „Sau“ durchs Dorf getrieben, die ein Schild umhängen hat, wie schlecht doch alles ist und das alles noch viel schlimmer wird. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir geht diese Stimmungsmache tierisch auf den Zeiger. Die Gläser bei uns sind randvoll, aber es wird gejammert, dass die ja so schwer zum Heben sind…

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