Von eigenem und fremdem Geld

19 November 2009 von Max Kommentieren »

Letzte Woche wurde der bekannte Buchautor und Finanzexperte Prof. Max Otte, der mit seinem Werk „Der Crash kommt“ in diesem Jahr monatelang die Bestsellerlisten anführte, in einem Interview mit einer Anlegerzeitschrift gefragt, ob er denn momentan in Aktien investiert sei.

Als ich die Antwort auf die Frage gelesen habe, ist mir fast die Kaffeetasse aus der Hand gefallen…„Das darf man fast gar nicht laut sagen, aber ich bin derzeit in meinem Privatdepot ein wenig gehebelt, ich halte derzeit keine Liquidität.

Wie bitte? Der Mann der noch vor einem Jahr Weltuntergangsszenarien an die Wand gemalt hat und dessen Buch zu diesem Thema alleine in Deutschland über 400.000 mal verkauft wurde, legt auf einmal sein ganzes verfügbares Geld in Aktien an?

Und noch schlimmer: Er leiht sich auch noch Geld von der Bank dazu, wo doch in jedem Lehrbuch zum erfolgreichen Investieren an der Börse steht:

„Kaufe niemals auf Kredit!“

Ist der wahnsinnig geworden oder was steckt da genau dahinter?

Ich glaube vielmehr, dass er ganz einfach schlau ist, mal abgesehen davon, dass er mit seinem Buch viel mehr Geld verdient hat, als mit seinen ganzen bisherigen Investments.

Es gibt gewisse Grundregeln im Wirtschaftsleben und an der Börse, die immer gelten (z.B.: Kaufe nur was Du verstehst), aber es gibt auch Grundsätze, die man situationsbedingt unterschiedlich auslegen kann.

Hierzu zählt auch die Regel „Kaufe niemals auf Kredit“.

95% aller Deutschen kaufen auf Kredit. Ob es sich um den Unternehmer handelt, der sich eine neue Maschine kauft, den Häuslebauer, der sein Eigenheim bezieht, oder der Konsument, der sich das neue Auto oder den Fernseher per Mietkauf oder Leasing zulegt.

Ob sich eine Investition auf Kredit rechnet, dafür sind 2 Faktoren entscheidend.

  1. Was kostet der Kredit und
  2. Welchen Ertrag bringt die Investition.

Es gibt unzählige Leute in Deutschland, die auf der einen Seite ein Sparbuch, einen Bausparvertrag oder eine Lebensversicherung haben und auf der anderen Seite einen Kredit bedienen.

Das ist ein vorprogrammiertes Verlustgeschäft weil die Kreditzinsen mit einer 100%-igen Sicherheit immer höher sein werden als die Guthabenzinsen, die die Anlage einbringt.

Bei einer Anlage in Aktien wissen wir nicht, was der Ertrag bringt, hier muss man dann einen Schritt weiter gehen und mit Wahrscheinlichkeiten arbeiten.

Sicherlich muss man in erster Linie auch die richtigen Aktien auswählen (wofür ein Wirtschaftsprofessor sicherlich bessere Fähigkeiten mitbringen sollte als Otto Normalverbraucher), aber das ist nur sekundär.

Wichtiger ist das Gesamtumfeld und da haben wir aktuell die Situation, dass die Zinsen deutlich niedriger als vor einem Jahr sind und die Aktienkurse (trotz des Anstiegs in den letzten 8 Monaten) sich ebenfalls deutlich verbilligt haben.

Und bei  3% Zinsen und 5.800 Punkten im DAX ist die Wahrscheinlichkeit mit einer solchen Strategie einen Gewinn zu erzielen, deutlich höher als bei 6% Zinsen und 8.000 Punkten im DAX. Und zwar unabhängig von irgendwelchen Einschätzungen, wie sich die Wirtschaft künftig entwickelt.

„Auf Schulden reitet der Kaufmann zum Sieg“ lautet ein altes Sprichwort, und wenn man die Biographien der reichsten Leute auf dieser Welt liest, findet man eine Parallele, die fast alle auszeichnet. Im richtigen Moment sind Sie bereit auch mal ein Risiko einzugehen. Und der ist meistens dann, wenn die Mehrzahl der Leute vor Angst „ die Hosen voll hat“ .

„So einfach läufts Business“ wenn da nicht eine Regel wäre, die es zu beachten gilt.

„Werden Sie nicht gierig“ lautet Sie und das bedeutet, dass man bei dieser Strategie immer darauf achten muss lediglich moderat oder wie es Professor Otte formuliert „leicht“ zu hebeln. Ein zu starker Hebel, kann dazu führen, dass der ganze Karren aus der Kurve fliegt, sollte es wider Erwarten auch mal in die falsche Richtung gehen.

Wie bei einer guten Medizin. Die Dosis ist entscheidend.

Ist Sie zu hoch, kann aus der besten Medizin ein tödliches Gift werden.

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