Das einzig unberechenbare isch der Ball!

8 Dezember 2016 von Max Kommentieren »

Vor gut einem Jahr wurde in Sichtweite des Dortmunder Hauptbahnhofs das „deutsche Fußball-Museum“ eröffnet. In einer Zeit, wo mittlerweile ca. 200 Leute damit beschäftigt sind, zu analysieren, was 22 Kicker und drei Leute „in schwarz“ bei einem durchschnittlichen Bundesligaspiel leisten, befindet sich dort ein wahres „El Dorado“ für alle Fans für die Fussball „mehr als ein 1:0“ ist. Auf drei Ebenen finden sich Devotionalien, die weit über das legendäre  Notizbuch von Sepp Herberger oder den Spickzettel, den sich Jens Lehmann 2006 im WM Viertelfinale gegen Argentinien vor dem Elfmeterschiessen in den Stutzen steckte, hinaus gehen. In einer Video-Dokumentation des WM-Finales von 2014 erscheint am Ende Bundestrainer Joachim Löw und spricht den tiefgreifenden Satz: „Das einzig unberechenbare isch der Ball“.

Unberechenbare Wähler

Hier muss ich allerdings verbal rein grätschen und sagen „Falsch, Jogi !“. Gerade im Jahr 2016 wurden wir hier in vielen Fällen eines Besseren belehrt. „Unberechenbar“ waren für mich in diesem Jahr vor allem die Wähler – oder sollte man besser sagen „das Wahlvolk“ ? Ob Brexit-Entscheidung, die Wahl des US-Präsidenten oder jetzt am vergangenen Wochenende das Referendum in Italien. Überall haben uns zahlreiche Wahlforscher, Analysten, Propheten und sonstige Gaukler mit Vorhersagen regelrecht überschüttet. Aber am besten war es, sich mit dem Thema erst dann zu beschäftigen, wenn das Ergebnis feststand. Oder wie es der Journalist Hans-Jürgen Jakobs in einem „Handelsblatt“-Artikel sehr treffend formulierte: „Klarer Wahlverlierer war im übrigen die Demoskopie“. Mein Rat für das Jahr 2017 zu diesem Thema: Befassen Sie sich vor der Bundestagswahl nicht mit dem möglichen Ausgang, aber beteiligen Sie sich aktiv daran, indem Sie von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen !

Halbdunkle „Steuerspielchen“

Einen völlig unberechenbaren Ausgang könnte für viele bekannte Gesichter die Entwicklung aus den am letzten  Wochenende enthüllten Informationen der Whistleblower-Plattform „Football-Leaks“ nehmen. Da der Informant dieser pikanten Informationen wohl auf der iberischen Halbinsel lebt und anscheinend Fan des FC Barcelona ist, konzentrieren sich die Ermittlungen vorwiegend auf Kicker und Trainer, die in Diensten von Real Madrid stehen bzw. standen. Fachkenner wissen, dass José Mourinho einer der größten Taktikfüchse im Trainergeschäft ist. Aber das Konstrukt, das er bzw. seine Berater aufgebaut haben, um letztendlich für seine Bild- und Werberechte (immerhin geht es da um hohe einstellige Millionenbeträge pro Jahr) nur den halben Steuersatz bzw. evtl. gar keine Steuern zu zahlen nötigt selbst Finanz- und Steuerexperten Respekt ab. Der Nachteil: Die Konstruktion mit Verzweigungen nach Zypern, Schweiz (klar müssen die auch dabei sein !), Irland, British Virgin Islands und sogar Neuseeland erfüllt wahrscheinlich den Tatbestand der Steuerverkürzung bzw. –hinterziehung.

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(Quelle: Spiegel.de)

Noch ist es für viele unvorstellbar, dass auch ein aktiver Spieler oder Trainer mal für einen gewissen Zeitraum „aus dem Verkehr“ gezogen wird. Aber man muss bedenken: In Spanien und auch in Portugal sind die Staats-Kassen leer und bei den Summen, die Ronaldo und Co. mittlerweile p.a. verdienen, kommen wir mit halbdunklen Steuerspielchen ganz schnell in Dimensionen, da mussten hier bei uns bekannte Gesichter vorübergehend die Adresse wechseln.

Aber auch bei Messi, Neymar und Co. in Barcelona brennt in dieser Hinsicht in diesem Jahr nicht nur der Weihnachtsbaum. Lionel Messi wurde bereits zu einer Steuernachzahlung von fünf Mio € „verdonnert“ und bei Neymar zählen sie gerade die Strafsumme zusammen. Und  vor zwei Wochen sickerte durch, dass die spanischen Behörden gegen den Kameruner Samuel Eto’o eine Haftstrafe von zehn (!) Jahren beantragt haben.

Da bekommt die „Slapstick-Nummer“ des ecuadorianischen Nationalstürmers Enner Valencia vor einigen Wochen eine völlig neue Bedeutung. Am Rande des WM Qualifikationsspiels Ecuador gegen Chile in Quito war die örtliche Polizei angerückt, um den Stürmer des FC Everton wegen rückständiger Unterhaltszahlungen in Höhe von ca. 15.000 € festzunehmen. Valencia simulierte eine Verletzung und ließ sich auf dem Platz auf eine motorisierte Bahre umlegen. Der Fahrer gab dann Vollgas und den hinterher sprintenden Polizisten keine Chance.

https://www.youtube.com/watch?v=i9xXFP5Li4Y

Ronaldo und Neymar sind zwar schnell, aber ich befürchte, dass Schnelligkeit alleine bei dieser Nummer nicht reicht, um da wieder raus zu kommen.

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