Zwei „Experten“

8 November 2014 von Max Kommentieren »

Zwei „Experten“

In der Frankfurter Neuen Presse findet man jeden Freitag eine Sparte „Ratgeber Geld“.

Aktuell durchlaufen wir ja eine Phase, in der vielen „Sparern“ jeden Tag schmerzlich vor Augen geführt wird, dass der „risikolose Zins“ dank der Nullzinspolitik der Notenbanken seit einiger Zeit auf dem Friedhof liegt. In einer solchen Zeit ist guter Rat in Geldfragen definitiv wertvoller, als in Zeiten, in denen man für sein Geld risikolos 4 oder 5% mit garantierten Festzinsprodukten bekam.

Was allerdings von zwei „Möchtegern-Experten“ am vergangenen Freitag zu lesen war, zieht einem die Schuhe aus. Das schlimme für mich dabei ist, dass diese beiden Herren auch noch hauptberuflich von ihren Kommentaren leben, dass es also Leute gibt, die Sie für ein solches „Geschwätz“ auch noch bezahlen.

Zum einen äußerte sich der Sprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (da sollen ja besonders sparsame Leute leben) zur aktuellen Niedrigzinsphase mit dem Ratschlag:

„Bevor der Sparer sein Geld für 1% auf ein Tagesgeldkonto legt, sollte er es derzeit lieber zu Zinssätzen von 2,5% 10 Jahre fest legen“ natürlich mit dem Hinweis „achten Sie, dass die deutsche Einlagensicherung gilt“.

Von was träumt der Mann denn nachts ???

Aktuell rentieren sich 10-jährige Bundesanleihen gerade mal mit 0,7% p.a. und wer über eine ordentliche Bonität verfügt, bekommt Darlehen mit 10-jähriger Zinsfestschreibung aktuell bei manchen Anbietern mit einer 1 vor dem Komma. Welcher seriöse Anbieter kann denn da 2,5% Guthabenzins auf 10 Jahre garantieren ?

Und zum „Experten-Tipp“ jetzt auf 10 Jahre sein Geld festzulegen (auch wenn es nur 0,5% mehr als beim Tagesgeld gibt), habe ich eine eindeutige Meinung:

Wer weiss, wie festverzinsliche Wertpapiere funktionieren, welche Rolle Kupon und Laufzeit spielen, wie sich Zinsänderungen während der Laufzeit auf den Kurs und damit den aktuellen Wert der Anlage auswirken und sich dann heute im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte für eine 10jährige Festlegungsdauer seiner Sparguthaben entscheidet. dem gebe ich nur einen Rat: „Gehen Sie zum Arzt !“ Der füllt Ihnen dann zwar keine Kauforder, aber sicherlich die richtige Überweisung aus.

Kommen wir zum zweiten „Experten“- dem allseits bekannten und auch schon zu einer legendären Veranstaltung in der Limburger Stadthalle präsenten „n-TV“- Telebörse-Moderator Raimund Brichta.

Sein Rat damals im Sommer 2001, nachdem der Neue-Markt-Index unmittelbar zuvor von 9.000 auf 7.500 Punkte gesunken war: „Nutzen sie jeden Rückschlag zum bedingungslosen Nachkauf – in 3 Jahren sehen wir dort einen Stand von 15.000 Punkten.“

Wie es ausgegangen ist, wissen wir alle – 3 Jahre später wurde der Neue Markt bei einem Indexstand von 300 Punkten beerdigt.

Unter der Überschrift „Aktienmann ohne Aktien“ ist dort in der gleichen Ausgabe der FNP zu lesen dass er offen zugibt „ich habe festgestellt, dass ich einen freieren Blick habe, wenn ich selbst keine Aktien besitze. Meine Aufgabe ist es über die Börse zu berichten, aber nicht mein Geld dort anzulegen.“

Aber dann folgt ein spektakuläres Statement, das selbst meine –immer von einem gesunden Optimismus geprägten – Prognosen in den Schatten stellt:

„Ich glaube, dass die Börsianer die besten Zeiten noch vor sich haben – der DAX wird in den nächsten 10-15 Jahren in Richtung 50.000 gehen.“

Da frage ich schon nicht mehr, von was der Herr Brichta nachts träumt, sondern eher, was der geraucht hat !

Aber nicht wegen der Prognose DAX 50.000 (zugegeben, die ist sportlich), sondern wegen dem offenen Geständnis, dass er trotz dieser Prognose privat keine Aktien hält. Was wohl „n-TV-Börsenlegende“ Friedhelm Busch dazu sagen würde ?

Das wäre genauso, wenn mein alter Freund Rolf Töpperwien in einem Interview gestehen würde „Ich habe in meinem Leben zwar 1.444 Fussballspiele kommentiert, aber eigentlich interessiert mich dieses ganze Gekicke nicht, meine wahre Leidenschaft liegt im Dressurreiten, Eiskunstlauf und Synchronspringen.“

Zur „Ehrenrettung“ der FNP an dieser Stelle noch der Hinweis: Beide Artikel sind keine redaktionellen Beiträge, sondern Agenturmeldungen, die von der Deutschen Presse Agentur (dpa) übernommen wurden und auch in weiteren Printmedien zu finden sind.

FNP 07.10.2014

Aber zurück zur Kernfrage „Wohin mit dem Geld bei 0% Zinsen ?“

Für „Sparer“ bleiben in meinen Augen – so hart wie das klingt – nur 2 Möglichkeiten.

  1. Entweder Sie verabschieden sich von dem Gedanken, dass Sie von Erträgen aus Ihrem Vermögen leben können und müssen an die Substanz gehen.
    Der kostengünstigste Weg hier lautet: Das Geld liegt auf einem Tagesgeldkonto und Sie heben jeden Monat das ab, was Sie benötigen. Alternativ können Sie auch Bargeld in einem Safe aufbewahren.
  2. Sie wandeln sich in Ihrer Einstellung vom „Sparer“ zum „Anleger“, der zwar risikobewusst denkt und handelt, aber nicht nur Risiken, sondern auch Chancen sieht.

Und Chancen liegen derzeit zuhauf auf der Strasse.

 

Man muss nur die richtigen Leute fragen – die „wahren“ Experten !

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