Auf Sand gebaut

3 Dezember 2009 von Max Kommentieren »

In der vergangenen Woche versetzte eine Meldung aus Dubai die Anleger an den internationalen Börsen in den Alarmzustand.

Die staatliche Holding „Dubai World“, eine der treibenden Kräfte im Bauboom der vergangenen Jahre in dem Wüstenstaat, bat seine Gläubiger um eine Aussetzung der fälligen Zins- und Tilgungszahlungen.

Was ist da los? Wird jetzt ausgerechnet aus einem der Golfstaaten (die ja bisher als die letzten solventen Länder auf dieser Erde angesehen wurden) die nächste Runde der Finanzkrise eingeläutet?

Die Antwort hierauf kann nur lauten: Ein klares Nein

Erstens handelt es sich bei den Verbindlichkeiten von Dubai World um „lächerliche“ 60 Mrd. US-Dollar, also umgerechnet 40 Mrd. Euro., das entspricht in etwa dem aktuellen Börsenwert der Volkswagen AG, wobei die Scheichs sich in dieser „Währung“ auskennen sollten.

Zweitens glaube ich nicht, dass die Anrainerstaaten von Dubai (allesamt gesegnet  mit reichlichen Ölvorkommen) tatenlos zusehen, wie einer der ihren in der Öffentlichkeit sein Gesicht (oder noch schlimmer: am Kapitalmarkt seine Reputation) verliert.

Ich wette, dass die Emire von Katar und Abu Dhabi längst ihre Liquiditätspositionen gecheckt haben und in den Startlöchern sitzen, um ihrem Kumpel aus Dubai zur Seite zu springen. Allerdings – wie es sich zu einer guten Pokerrunde gehört – nur zu einem „Schnäppchenpreis“. Aber Scheich Maktum (der „Chef“ von Dubai) wird keine großen Alternativen haben.

Der Preis einer Immobilie hängt in erster Linie davon ab, was denn ein möglicher Nutzer bereit ist zu zahlen. Wenn aber (so wie in Dubai) völlig am Bedarf vorbei gebaut wird, entsteht ein krasse Missverhältnis zwischen dem, was ich für den Bau einer Immobilie aufwende, und dem Wert derselben. Aber wer soll denn die ganzen Büros und Luxuswohnungen dort beziehen ? Und wenn eine Immobilie leer steht, ist der Ertragswert bei 0 bzw. sogar aufgrund von Bewirtschaftungskosten im negativen Bereich.

Das Wortspiel „to buy or not to buy“ erhält in diesem Zusammenhang eine neue Bedeutung.

Wer zahlt die Zeche?

In die Röhre schauen werden wohl viele ausländische (und kulturfremde) Investoren, die in der Hoffnung auf „schnelles Geld“ in Dubai investiert haben.

Aber Mitleid muss man mit denen wohl kaum haben.

Wenn phasenweise 25% aller weltweit verfügbaren Baukräne in Dubai stationiert sind und Immobilien zwischen Baubeginn und Schlüsselübergabe 5-6 mal den Besitzer gewechselt haben, frage ich mich, ob es eigentlich noch deutlichere Zeichen für eine Überhitzung des Marktes geben kann.

In einem Artikel in der FAZ war diese Woche eine interessante Theorie zu lesen:

„Immer wenn die Leute meinten, ein Gebäude in den Himmel bauen zu  müssen, gab es Stress“. Damit kann man Dubai (mit dem Buji-Tower wird derzeit das höchste Gebäude der Welt (818 m) gebaut) getrost als das das Babylon des 21. Jahrhunderts bezeichnen.

Unter diesem Gesichtspunkt sind wir richtig froh mit unseren bescheidenen  6 Stockwerken im Max-Value-Tower in dieser Liga nicht mitspielen zu müssen und können uns diese ganze Entwicklung völlig entspannt anschauen.

Einer meiner Mentoren hat einmal zu mir gesagt: „Zu seinen Immobilien muss man immer mit dem Fahrrad hinfahren können.“

Dubai ist für eine Fahrradtour definitiv zu weit…

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