Denn Sie wissen nicht was sie tun…

14 Januar 2015 von Max Kommentieren »

Ein wichtiger Bestandteil eines betriebswirtschaftlichen Studiums ist eine Grundausbildung im Fach „Statistik“. Eines der ersten Dinge, die man dort lernt, ist der Unterscheid zwischen statistisch abhängigen und statistisch unabhängigen Ereignissen.

Ein Beispiel gefällig: Bei der Ziehung der Lottozahlen steigt mit jeder gezogenen Zahl die Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Zahl (z.B. die „3“) gezogen wird. Liegt die Wahrscheinlichkeit zu Beginn noch bei 1:49, so steigt diese nach 5 gezogenen Zahlen (wenn die“ 3“ nicht dabei war) auf 1:44 an, weil dann eben keine 49 sondern nur noch 44 Kugeln in der Trommel liegen. Deshalb spricht man hier von einem statistisch abhängigen Ereignis, weil die Wahrscheinlichkeiten sich verändern.

Anders sieht es beim Roulette oder beim Würfeln aus. Hier besteht bei jedem Vorgang bzw. bei jedem Wurf immer die gleiche Wahrscheinlichkeit, dass die „3“ kommt. Unabhängig vom Ausgang des vorangegangenen Wurfs liegt diese immer bei 1:37 (Roulette) oder 1:6 (Würfeln). Deshalb sind das statistisch unabhängige Ereignisse. Übrigens: Auch nach 12-Mal „rot“ besteht beim Roulette die gleiche Wahrscheinlichkeit, dass beim nächsten Wurf „rot“ anstatt „schwarz“ kommt, eine Erfahrung, die viele „Zocker“ schon teuer bezahlen mussten.

Die Entwicklung an den Kapitalmärkten unterliegt unterschiedlichen Einflussfaktoren. Neben Fundamentaldaten wie Notenbankpolitik und Wirtschaftswachstum, kommt hier auch eine große Portion Psychologie ins Spiel.

Allerdings gibt es in Bezug auf „Statistik“ zumindest an den Zinsmärkten die klare Definition, dass die Entwicklung eines festverzinslichen Wertpapiers ein statistisch abhängiges Ereignis ist.

Abhängig nämlich davon, wie hoch der effektive Zins des Wertpapiers beim Einstieg des Anlegers ist.

Und je tiefer der Zins beim Einstieg, desto geringer sind die Gewinnchancen.

Dazu muss man wissen, wie festverzinsliche Wertpapiere funktionieren und was der Unterschied zwischen einem nominalen und einem effektiven Zins ist.

Ein festverzinsliches Wertpapier garantiert (wie es der Name sagt) einen festen Zins auf eine feste Laufzeit.

z.B. 2,625% Daimler von 2012/2019 – hier garantiert das Unternehmen Daimler AG 2,625% Zinsen p.a. für eine Laufzeit von 7 Jahren.

In der Regel sind diese Papiere börsennotiert und täglich handelbar. Der Kurs kann allerdings während der Laufzeit schwanken. Fallen die Zinsen steigt der Kurs, steigen die Zinsen fällt der Kurs. Und zwar umso stärker, je länger die Restlaufzeit der Anleihe ist, da diese am Ende ja wieder zum Ausgabekurs (in der Regel 100%) zurück gezahlt wird.

Im Beispiel der o.g. Anleihe der Daimler AG zeigt sich die aktuelle Zinsentwicklung darin, dass der aktuelle Kurs auf knapp 110% gestiegen ist. Alle, die diese Anleihe vor 3 Jahren gekauft haben, können sich derzeit neben 2,625% Zinsen über 10% Kursgewinn freuen.

Diese Entwicklung spiegelt sich bei fast allen Standard-Rentenfonds wieder. Durch die stark gefallenen Zinsen weisen diese auf Sicht der letzten 3, 5 oder 10 Jahre momentan sehr positive Ergebnisse auf.

Doch für den Anleger ist wichtiger zu wissen „wie sieht die Zukunft aus“. Auch beim Roulette nützt mir nichts zu wissen, wie die letzten Ergebnisse waren, die zukünftigen Würfe bestimmen mein Glück.

Im Falle der Daimler-Anleihe ist das leicht auszurechnen. Wer das Papier heute zum Kurs von 110% kauft, erhält die nächsten 4 Jahre noch 2,625% Zinsen p.a. und die Daimler AG zahlt ihm dann einen Kurs von 100% zurück, d.h. ich bekomme insgesamt zwar 10,5% Zinsen, verliere aber 10% am Kurs.

Gewinnchance unter Berücksichtigung von Steuern: ZERO (selbst wenn die Bank einen sozialen Tag hat und Ihnen die Kaufspesen erlässt).

Man bekommt in diesem Fall zwar „nominal“ 2,625% Zinsen aber „effektiv“ liegt der Zins bei 0, weil man ja den (heute schon feststehenden) Kursrückgang von 110% auf 100% berücksichtigen muss.

Die gleiche Rechnung gilt abgewandelt für die meisten am Markt angebotenen Rentenfonds , weil diese ja exakt in solche Papiere investieren bzw investiert sind.

Man muss hier kein Wahrsager sein, sondern nur den gesunden Menschenverstand einschalten, um zu prognostizieren, das das Ergebnis bei vielen Rentenfonds von heute auf Sicht der nächsten 5 Jahre im besten Fall bei 0 aber höchstwahrscheinlich im Minus liegen wird.

Umso unverständlicher ist es für mich, wenn ich mir die Absatzzahlen für das Jahr 2014 in der deutschen Fondsbranche anschaue.

Der mit Abstand größte Batzen der Anlegergelder fließt eben in solche Rentenfonds.

Warum ? Weil die Anleger nicht wissen, was Sie tun !

Lassen sich von Vergangenheitsergebnissen blenden und übersehen dabei, dass man, wenn man bei einem Zinsniveau von 0% in festverzinsliche Wertpapiere einsteigt, nichts verdienen, sondern eigentlich nur verlieren kann. Und die ganz Doofen bezahlen dann auch noch 3% Ausgabeaufschlag !

Im festverzinslichen Bereich geht es momentan nur darum Verluste zu vermeiden und das geht nur mit der Tiki-Taka-Strategie (kurz-kurz-kurz) was heisst, den Schwerpunkt auf variable Papiere ohne feste Laufzeit zu legen und auf einen Zinsanstieg zu warten.

Übrigens: Die Daimler AG hat bei einem aktuellen Aktienkurs von 70 € in den letzten 3 Jahren eine Dividende von 2,15 € bzw. 2,25 € gezahlt. Das entspricht etwas über 3% Dividende-Rendite.

Aber das interessiert momentan (noch) zu wenige. Noch übertünchen die guten Ergebnisse der Vergangenheit bei den Rentenfonds die Schmerzen der Sparer, die aber definitiv spätestens im Jahr 2016 kommen werden.

Und dann werden die Aktien entdeckt.

Und während die Zinsfreunde immer noch auf Herrn Godot warten, heisst der neue Stadionsprecher in der Aktien-Arena Michail Gorbatschow…

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