Archiv für die ‘Marktkommentar’ Kategorie

Slowakische Weisheiten

12 Oktober 2011

Die (vorläufige) Verweigerung des slowakischen Parlaments der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zuzustimmen (EFSF) zuzustimmen, hat am vergangenen Dienstag die Schlagzeilen rund um das „Euro-Chaos“ weiter angeheizt.

Auf den ersten Blick könnte man denken „Slowakei ? Was machen die denn da für einen Stress ? Die sollen froh sein, dass sie beim Euro überhaupt mitmachen dürfen !“. Schließlich sind die Nachbarländer Tschechien, Polen und Ungarn zwar EU-Mitglied, dort wird aber immer noch in Kronen, Zloty und Forint bezahlt.

In einem bemerkenswerten Kommentar, der im Vorfeld der Abstimmung über die Presse lanciert wurde,  lieferte der slowakische Parlamentspräsident Richard Sulik in seinem Internet-Blog (http://richardsulik.blog.de/2011/09/27/slowakei-efsf-stimmen-11925443) einleuchtende Argumente: „Nicht nur, dass wir schlechte Infrastruktur besitzen und die niedrigsten Gehälter (800 € im Monatsdurchschnitt) haben, wir müssen auch noch die höchsten Garantien (gemessen am Durchschnittsgehalt) ausstellen, damit Griechenland seinen Rentnern das Vierfache der slowakischen Rente auszahlen kann, Irland seine 12,5 prozentige Einkommenssteuer behalten kann und Italien seinen Abgeordneten 15 Tausend Euro monatlich zahlen kann. In diesem Zusammenhang von Solidarität (z.B. von Solidarität der Slowakei mit wesentlich reicherem Italien) zu sprechen, ist einfach pervers.“

Und dann kommt die ebenfalls sehr interessante rhetorische Frage „Warum haben die „Architekten“ des Rettungsschirms denn bei der Einrichtung 90% Zustimmung aller Euro -Länder gefordert, die Ausweitung soll aber jetzt einstimmig, d.h. mit 100% Zustimmung erfolgen ? Wir wollen doch nichts blockieren“ so der Parlamentschef weiter „aber wir können das unserem Volk nicht vermitteln. Wäre nur eine Zustimmung von 90% erforderlich, könnten wir ohne Probleme dann ein symbolisches Zeichen setzen.“

Liebe Slowaken, Ihr habt recht ! Im Zusammenhang mit der ganzen Euro- und insbesondere Griechenland-Diskussion gehen mir drei Dinge auf den Zeiger. Zum einen die Uneinsichtigkeit in Griechenland, wo man ständig nur Berichte über Demonstrationen sieht und ich den Eindruck habe, dass sich dort nichts, aber auch gar nichts zum Besseren wendet. Ich habe das an dieser Stelle bereits gesagt: Wenn die Griechen nicht in der Lage sind Ihre Probleme selber zu lösen, dann muss der Preis für finanzielle Hilfen sein, Souveränitäten abzugeben. Insbesondere im Aufbau eines effizienten Steuersystems kann die EU da professionelle Hilfe leisten. Wenn ich lese, dass das Vermögen griechischer Staatsbürger auf Schweizer Konten in etwa der Höhe der ganzen Staatsverschuldung entspricht, dann können doch nicht Gläubiger auf der ganzen Welt einem Schuldenschnitt zustimmen und diese „Gaukler“ lachen sich ins Fäustchen. Da wird es doch wohl irgendeinen unzufriedenen UBS- oder Credit-Suisse-Mitarbeiter geben, der mal eine kleine CD brennt und die in Brüssel auf dem Wochenmarkt anbietet. Das zweite Problem ist die Unentschlossenheit der Politik.

„Geschwätzt worn“ ist genug, es müssen konkrete Taten folgen. Und wenn wir über eine erneute Verstaatlichung von Banken reden (über den üblichen Verdächtigen wie z.B. Commerzbank oder Royal Bank of Scotland kreisen schon wieder die Geier und die belgische Dexia-Bank hat bereits die weisse Fahne gehisst), dann müssen die ganzen „Blinden“ in den Chefetagen, anstatt mit einem goldenen Handschlag nach Hause geschickt zu werden, auch mal die Erfahrung machen, wie denn so ein Gerichtssaal von innen – und zwar von der Anklagebank aus – ausschaut.

Ein altes Sprichwort lautet „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob der Beitritt zur Euro-Zone für das ein oder andere Land nicht zu früh kam. Auf der anderen Seite sichert aber nur eine gemeinsame Währung in Verbindung mit einer eng abgestimmten gemeinsamen Zins- und Wirtschaftspolitik die Zukunft Europas. Ein Auseinanderbrechen  der EURO-Zone wäre ein gewaltiger Rückschritt für den gesamten europäischen Raum. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben gegenüber den Europäern ohne Zweifel den Vorteil, dass es dort schon seit Generationen eine politische Union – und was noch viel wichtiger ist – eine gemeinsame Sprache gibt. Aber auch Sie haben ihr „Griechenland“, das dort allerdings „Kalifornien“ heisst. Der „Golden-State“ geistert seit Jahren schon am Rande der Pleite herum, eine Diskussion über einen Ausschluss aus dem Dollar-Verbund ist aber hier so weit entfernt, wie die FDP von der absoluten Mehrheit.

Vielleicht hat der  „Warnschuss“ aus der Slowakei ja jetzt zumindest das politische Denken in Europa beschleunigt. Es wird Zeit…

P.S. Am Mittwoch hat das slowakische Parlament, dann in einem 2. Abstimmungsversuch der Ausweitung des ESFS zugestimmt – für mich keine wirkliche Überraschung .

 

Dauerbrenner und Auslaufmodelle

5 Oktober 2011

Die Finanz-Zeitschrift „Cash“ befragt alle zwei Monate Finanzberater, welche Produkte denn von ihren Kunden nachgefragt werden und erstellt aus 40 verschiedenen Angeboten dann eine jeweilige Rangliste unter dem Motto „Welche Produkte sind denn gerade angesagt ?“

In der aktuellen Ausgabe rangieren auf den ersten beiden Plätzen (wen wundert das ?) Kapitalanlage-Immobilien und Erneuerbare-Energien-Fonds.  Diese beiden Anlagekategorien bieten in der Tat, wenn Sie zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis eingekauft werden, einigermaßen gute Renditen bei begrenztem Risiko. Auch Rohstoff-Fonds und Energiefonds zählen auf den Plätzen 5 und 6 zu den Lieblingen der Anleger. Deutlich an Beliebtheit eingebüßt haben Aktienfonds, die in der aktuellen Rangliste von Platz 11 auf Platz 37 durchgereicht wurden. Aktien sind das einzige Wirtschaftsgut, das ich kenne, das bei fallenden Preisen keinen Kaufreflex beim Publikum auslöst.

Hier bin ich mir relativ sicher, dass bei etwas freundlicheren Kursen auch die Akzeptanz von Aktien bei potentiellen Neu-Anlegern wieder etwas größer wird. Dagegen rangieren in meinen Augen „exotische“ Produkte wie z.B. Waldfonds (Platz 12), Containerfonds (Platz 17) und Infrastrukturfonds (Platz 18) deutlich vor anderen Klassikern wie Geldmarktfonds, Immobilienfonds oder Rentenfonds.

Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber wenn sich Otto Normalverbraucher mit Anlagen wie „Wald“ beschäftigt, dann macht mich das schon ein bißchen nachdenklich, ob in dieser Welt noch alles in Ordnung ist. Bei „Wald“ können die meisten der „Investoren“ das noch richtig schreiben und aussprechen, bei „Container“ und „Infrastruktur“ wird’s schon schwerer. Ob da jeder versteht, was mit seinem Geld in diesen Produkten genau passiert, wage ich zu bezweifeln. Jetzt könnte man natürlich provokativ sagen „und wer versteht denn momentan den Aktienmarkt ?“ Da fehlt selbst mir in der jetzigen Phase definitiv die Antwort, lediglich das Wörtchen „momentan“ gibt bei dieser fiktiven Frage die Hoffnung, dass die momentanen Turbulenzen nicht zu einem Dauerstatus mutieren. Mit den Aktien verhält es sich momentan, wie mit dem Hamburger Sportverein (HSV). Es kann nur aufwärts gehen und letztendlich hat es seit Bestehen der Bundesliga für den „Dauerbrenner“ immer für den Klassenerhalt gereicht. Und in guten Zeiten wurde auch schon mal die heutige Champions-League-Trophäe in den Athener Nachthimmel gereckt. Und nicht wenige Spieler haben die seinerzeitige Prämie 1983 dann in „Kapitalanlage-Immobilien“ investiert.

Interessant ist (neben der Beliebtheitsskala) auch die Auswertung, wieviel Prozent der Befragten die einzelnen Produkte auf einer Notenskale von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) bewerten. So vergibt jeder Dritte der Kapitalanlage-Immobilie die Note „sehr gut“. Ärzte und Profifussballer, die sich in den 80er Jahren mit sogenannten Bauherrenmodellen, im besten Fall die Finger verbrannt, aber auch in vielen Fällen ruiniert haben, waren wohl nicht unter den Interviewpartnern.

Eines zeigt diese Umfrage aber auf alle Fälle. Es geistert eine Unmenge von Kapital durch die Gegend, das angelegt werden will. Und eine alte Binsenweisheit lautet: Je niedriger die Zinsen sind, um so eher kommen die Anleger „auf dumme  Gedanken“.

Eigentlich bin ich ja ein Freund von antizyklischem Handeln. Was bedeutet, das zu kaufen, was keiner haben will oder wie es in der original Frankfurter Börsensprache heisst:  „unne kaafe – obbe gebbe !“ Für das Schlusslicht in der Rangliste gilt das allerdings nicht.

Das Tabellenende ziert mit dem letzten von insgesamt 40 Plätzen ein Produkt, das jeder Deutsche in mehrfacher Ausfertigung im Schrank stehen hat – die Kapital-Lebensversicherung – über 30% der Befragten vergab hier die Note 5 (sehr schlecht). Und auch hier gibt es eine Assoziation zum aktuellen Fussballgeschehen. Irgendwie erinnert  mich ist die Lebensversicherung an Arminia Bielefeld. Vor zweieinhalb Jahren noch in der Bundesliga und jetzt abgeschlagen auf dem letzten Platz in der 3. Liga und noch dazu 27 Mio € Schulden an der Backe. Und den letzten Geschäftsführer mussten sie entlassen, weil er nachts um drei in einem Rotlicht-Etablissement randalierte und einen Polizeieinsatz herbei führte. Ich glaube, so was nennt man Auslaufmodell…

Festgeld für 1% oder “Achterbahn” Börse?

29 September 2011

“Max, was macht der DAX” ? Zweifelsohne wird mir diese Frage in den letzten Wochen öfters gestellt, als in “ruhigen” Zeiten. Und ich gebe zu, dass es noch nie so schwer war, wie in der aktuellen Situation, hierauf eine verlässliche Antwort zu geben. Zumindest, wenn der Fragesteller auf einen Zeithorizont von einem Jahr oder weniger abzielt. Es gibt sogar Stimmen, die sagen: “Im aktuellen Umfeld eine Börsenprognose abzugeben, ist schlichtweg unseriös.”

Schon der legendäre britische Staatsmann Winston Churchill sagte “Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn Sie die Zukunft betreffen.” Was aber kann man jemandem raten, der vor dem “Luxusproblem” steht, Geld anzulegen. Zunächst gibt es 2 gravierende Trends, die in den letzten 10-20 Jahren zu beobachten sind. Zum einen sind die Zinsen auf ein Niveau gefallen, dass nahezu alle Experten noch vor 4-5 Jahren für unmöglich gehalten hätten. Bekam man Anfang der 90er Jahre für 100.000 DM, die man für 5 Jahre “sicher” festlegen wollte, noch knapp 8% und damit 8.000 DM p.a. an Ertrag, so sind es heute gerade mal 1,5 %. Das bedeutet, wer von Geldvermögen leben muss, braucht heutzutage die fünffache (!) Summe um auf den gleichen “sicheren Ertrag” zu kommen, als vor 20 Jahren. By the way: Dieses Tatsache kann man den  ganzen “Dummschwätzern” und “Brandstiftern”, die von einem schwachen Euro reden, schon mal vor die Nase halten. Vor 10 Jahren stand der EURO übrigens bei genau 0,90 US-Dollar, heute notiert die europäische Gemeinschaftswährung 50 % höher. Der zweite (und leider schmerzhafte) Trend ist der, dass die Aktienanleger mittlerweile vom dritten “Crash” innerhalb von 10 Jahren “gebeutelt” worden sind und per Saldo die letzten 12 Jahre mit leeren Händen da stehen. Und das Ganze, nachdem sich der DAX von 1990 – 1999 noch verfünffacht hatte. Kein Wunder, dass viele Anleger in einer solchen Situation die Börse eher als “Geisterbahn” denn als “Achterbahn” sehen. Hinzu kommt, dass viele Anleger sich mental immer an den Höchstkursen orientieren, aber vergessen, dass sie teilweise zu deutlich tieferen Kursen eingestiegen sind. (Nicht nur) in der aktuellen Situation kann von daher die Regel Nr. 1 nur lauten: Streuung !

Der Markt bietet neben Aktien und Festgeld jede Menge Alternativen. Von Unternehmensanleihen, Immobilien, Gold, Solaranlagen, Windräder, Schiffen bis hin zu exotischen Anlagen wie Rotwein, Oldtimern oder zeitgenössischer Kunst. Allerdings hat der Anleger bei vielen diesen Dingen (im Gegensatz zur Börse, wo jeden Tag ein Preis festgestellt wird) das Problem, dass es eine verdammt große Gefahr gibt, an den “Falschen” zu geraten, d.h. einen überhöhten Preis zu zahlen. Der härteste Sachwert nützt wenig, wenn er mit 20% (und teilweise mehr) “weichen Kosten” eingekauft wird. Vor diesem Schritt sollte der Anleger aber auch definieren, welcher Teil seines Vermögens eher kurzfristig und welcher Teil eher langfristig angelegt werden sollte. Beim kurzfristigen Teil spielt der Ertrag eher eine untergeordnete Rolle. Beim langfristigen Teil (durch den Zinseszins-Effekt) um so mehr.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung des DAX lohnt sich allemal. Am 1.Oktober 1951 stand der Index bei umgerechnet 65 Punkten, am 1. Oktober 1981 bei 495 Punkten und am 1. Oktober 2011 (bzw. aktuell) bei 5.500 Punkten. Eine Verzehnfachung in 30 Jahren entspricht einer Rendite von 8% p.a. Den Preis für diese Rendite, hat Börsen-Altmeister Andre Kostolany schon vor langer Zeit treffend beschrieben. “An der Börse gibt es Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld”. Man kann auch sagen: Heute ist Familientag. die Fahrt mit der Achterbahn gibt es zu einem stark ermäßigten Preis. Aber wer mitfährt braucht – wie im richtigen Leben – starke Nerven. Und zu einer Prognose lasse ich mich trotzdem hinreissen. Am 1.Oktober 2041 steht der DAX irgendwo zwischen 40.000 und 60.000 Punkten. Wetten nehme ich gerne an…

Licht und Schatten

15 September 2011

Im Schatten der momentan von vielen Seiten prognostizierten großen Wirtschaftskrise, die uns angeblich bevorsteht, gibt es definitiv auch ein paar Lichtblicke.

So sind die langfristigen Zinsen in Deutschland auf ein Niveau gefallen, das die letztjährigen Tiefststände noch deutlich unterbietet. 10-jährige Bundesanleihen rentierten Anfang der Woche gerade noch mit 1,9% p.a.  und wer dem Staat für 5 Jahre sein Geld zur Verfügung stellt, musste sich sogar mit 1,2% p.a. zufrieden geben. „Flucht in Sicherheit“ sagen die Experten dazu und die Schweizer Notenbank sah sich sogar gezwungen eine „Nullzinspolitik“ auf unbegrenzte Zeit auszurufen. Da die Kreditversorgung hierzulande  – insbesondere im Sparkassen und Volksbankensektor  -  nach wie vor intakt ist, bietet dieses Umfeld traumhafte Rahmenbedingungen für jeden Investor. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern (1990 nach der Maueröffnung), als die Zinsen für Baukredite knapp an der 10% Marke kratzten.  Mittlerweile zahlen Häuslebauer und Vermieter nur noch knapp ein Drittel an Zinsen. Da die Mieten sich nicht wesentlich verändert haben, sind Immobilieninvestitionen in einem solchen Umfeld deutlich attraktiver als vor 20 Jahren. Der größte Profiteur dieser ganzen Entwicklung sitzt in Berlin und heisst Wolfgang Schäuble. Bei geschätzten 2 Billionen € Staatsverschuldung muss er mit Zinskosten von knapp 40 Milliarden für das kommende Jahr kalkulieren. Lägen die Zinsen für Bundesanleihen bei der (früher als langfristiger Durchschnitt geltenden) Marke von 6%, wäre das mit 120 Milliarden der dreifache Betrag. Und hätten wir anstatt 2,5 Millionen vier Millionen Arbeitslose, würde das die Staatskasse mit weiteren 50 Milliarden belasten. Bei solchen Rahmenbedingungen würde kein Mensch in diesem Land über Transferleistungen in andere Länder diskutieren, sondern dann würde „Rente mit 75“, „Kürzung von Sozialleistungen“ und als Nachtisch  „Mehrwertsteuererhöhung“ auf dem Speisezettel stehen. Das sind nämlich genau die Sparpakete, die die Regierungsverantwortlichen der südeuropäischen Länder in der aktuellen Situation ihrem Volk beibringen müssen.

Aber auch in anderen Bereichen gibt es Profiteure. So befinden sich beispielsweise die Preise für Solarmodule im freien Fall und sind aktuell ca. 20% günstiger, als noch zu Jahresanfang zu haben. Da gleichzeitig auch die Zinsen drastisch gesunken sind und auch eine geplante Reduktion der Einspeisevergütung auf das kommende Jahr verschoben wurde, können Investoren in diesem Bereich mühelos und bei sehr eingeschränktem Risiko zweistellige Renditen einfahren. Hinzu kommt natürlich noch der Effekt, dass die Renditen von Festzinsanlagen, die ja in Konkurrenz zu solchen Investitionsmöglichkeiten stehen, gesunken sind. „Ein Investment, das über einen bestimmten Zeitraum 10% p.a. abwirft, ist bei einem Zinsniveau von 2% einfach mehr wert, als bei einem Zinsniveau von 6%.“ heisst es auf Deutsch, was Fachleute als „Opportunitätsgewinn“ bezeichnen.

Aber auch sogenannte „ Sachwerte“ wie Bilder, Oldtimer, Rotwein oder Ackerland sind in den letzten 12 Monaten deutlich im Preis gestiegen, genauso wie der „König aller Sachwerte“ in Form des Goldpreises. Wobei es bei vielen Investitionen dieser Art ohne eine gewisse Sachkenntnis bzw. ein qualifiziertes Netzwerk selbst in diesen Zeiten sehr schwer ist, echte Gewinne zu erzielen. Wenn ich als Investor an den „Falschen“ gerate und zu teuer einkaufe, kann sich ein vermeintlicher Gewinn sehr schnell in einen Verlust umwandeln. Beim Gold zumindest besteht diese Gefahr nicht, da sind die Preise – wie bei Aktien – transparent. Allerdings hat der Investor hier ein „Timing-Problem“. Die wichtigste Aufgabe, die ich bei einer erfolgreichen Geldanlage lösen muss, lautet nämlich:  Das zu kaufen, was steigen wird und nicht das zu kaufen, was gestiegen ist.

Wenn man sich die Kapitalströme anschaut, wird relativ schnell klar, das genau das die wenigsten Anleger beherzigen. Da stehen einfach die zwei starken Pfosten „Angst“ und „Gier“ im Weg.

Der „Sachwert“ Aktie führt momentan ein nie dagewesenes Eigenleben. Hier wird den Anlegern momentan vor allem ein Bonmot des legendären „Altmeisters“ André Kostolany anschaulich vor Augen geführt. „An der Börse kommen erst die Schmerzen und dann das Geld.“

So war es schon vor hundert Jahren und nie war dieser Spruch treffender als heute.

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

8 September 2011

Vor ca. einem halben Jahr habe ich an dieser Stelle unter der Überschrift „Kaufe nur, was du verstehst“ über ein dubioses Finanzgeschäft der kommunalen Wasserwerke Leipzig mit der Schweizer Großbank UBS berichtet, das der Stadt Leipzig (als Träger der Wasserwerke) und damit auch dem Steuerzahler einen Schaden von knapp 300 Mio. € bescherte. Die Verantwortlichen sitzen mittlerweile in Haft, aber nicht, weil Sie sich für dieses Geschäft verantworten mussten, sondern weil Sie – was das Ganze noch unglaublicher macht – sich auch noch bestechen ließen. Dass dieses Geschäft kein Einzelfall ist, pfeifen die Spatzen schon länger von den Dächern. Bestechung ist zwar in fast allen Fällen nicht im Spiel, wohl aber eine gehörige Portion Dummheit, Unfähigkeit, Größenwahn und Gier, die die ein oder andere Kommune bzw. den ein oder anderen kommunalen Zweckbetrieb veranlasst haben, sich auf diverse Zinswetten und sonstige „Spielchen“ mit Banken einzulassen. Seit Ende vergangener Woche wissen wir über die Größenordnung dieser in Deutschland getätigten Geschäfte Bescheid. Wie das „Handelsblatt“ am 5.9.2011 unter der Überschrift „Zinswetten werden zum Milliardenrisiko“ berichtete, bestanden am 31.12.2010 Wetten zwischen Banken und Kommunen in einer Größenordnung von 63,7 Milliarden Euro. Laut Auskunft des zentralen Kreditausschusses (ZKA) handelt es sich insgesamt um 1.556 Verträge von Kommunen mit Banken und 1.104 Verträge von kommunalen Unternehmen bzw. Zweckverbänden mit Banken. Experten beziffern das Risiko aus diesen Verträgen auf eine Gesamtsumme von mehr als 20 Milliarden Euro, die – um es mal auf Deutsch zu sagen – gewählte Volksvertreter mal soeben am Kasinotisch verzockt haben. Da bleibt ja nur zu hoffen, dass die Gegenspieler nicht nur Schweizer Banken waren, sondern, dass sich auch ein paar einheimische Institute an der „Schlachtung“ dieser willkommenen Opferlämmer beteiligt haben, damit wenigstens ein Teil dieses Geldes wieder in Form von Steuereinnahmen in die Staatskasse zurück fließt. Was mich bei dieser ganzen Sache am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass die Leute, die diesen Schaden verursacht haben, mit keinen Cent zur Kasse gebeten werde. Wenn ich als Unternehmer oder auch als Privatperson eine falsche Entscheidung treffe, muss ich die finanziellen Konsequenzen hieraus zu 100% tragen. In der Politik ist das leider anders, hier gibt es nur die Konsequenz des „Abwählens“. Und nach dem Motto „die Affen rasen durch den Wald…“ fragt keiner nach den Schuldigen.  Viele der Dilettanten, die diese Verluste verursacht haben, werden sich wahrscheinlich noch denken „ Was soll’s, wenn wir den Griechen, Italienern und Portugiesen unsere Knete hinter her werfen, kommt’s doch auf die 20 Milliönchen nicht an, die ich meiner Heimatstadt da verbockt habe“.  So geht’s aber nicht ! Normalerweise gehören diese insgesamt 2.660 Verträge alle auf den Prüfstand und es muss herausgefunden werden, wer letztendlich in diesen Fällen verantwortlich war und diese Verantwortlichen müssen das auch am eigenen Portemonnaie spüren – und wenn es nur eine symbolische Kürzung der Pension ist. Wie sollen wir denn andernfalls nachfolgenden Generationen glaubwürdig einen sorgsamen Umgang mit Gemeinschaftseigentum vorleben ?

Wer jetzt denkt : „das ist doch alles weit weg von uns“ wurde in der Ausgabe vom 27. August der „Börsen-Zeitung“ eines Besseren belehrt. „Ein real existierender Landrat und seine „virtuellen“ Verluste“ lautet dort die Überschrift eines Artikels, aus dem hervorgeht, dass der benachbarte Rheingau-Taunus-Kreis bei Währungsspekulationen mit Fremdwährungsdarlehen (solche Geschäfte sind in der o.g. Statistik noch nicht mal enthalten) im vergangenen Jahr einen Verlust von 30 Mio € eingefahren hat. Mit der abenteuerlichen Begründung  „die Verluste treten ja erst ein, wenn wir die Kredite zurückzahlen und das können wir im Moment eh nicht“ wird der amtierende Landrat Burkhard Albers (SPD) im gleichen Artikel zitiert. In der Wirtschaftsprüfer-Schule gibt’s dafür eine „Setzen-Sechs“. Wer allerdings etwas tiefer in dieser Materie informiert ist, weiß, dass hier ein Teil dieses Problems „Erbmasse“ seines CDU-Vorgängers ist. Aber egal ob rot, schwarz oder grün. So sorglos kann ich vielleicht mit meinem eigenen Geld, aber nicht mit öffentlichen Mitteln umgehen. Wir brauchen in der Politik Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass nicht Politiker in die Wirtschaft wechseln, sondern auch fähige Wirtschaftsleute Anreize haben, in der Politik tätig zu werden. Dazu gehört als erste Maßnahme, dass die Gehälter der Leute in den verantwortlichen Positionen auch der Verantwortung, die diese Leute tragen, angepasst werden. Und dieses Gehalt darf es dann auch nur solange geben, wie die betreffende Person im Amt ist – ohne den ganzen „Versorgungs-Schnick-Schnack“ hinter her.  Wie wollen wir denn fähige Leute in verantwortungsvolle politische Positionen bringen, wenn der Bundeskanzler bzw. die Kanzlerin gerade mal so viel verdient, wie ein Ersatzspieler bei Energie Cottbus in der 2. Fussball-Bundesliga. Aber der verdient das Geld eben auch nur so lange, wie er spielt und bekommt keine Pension, sondern muss vorsorgen, d.h. von seinem Verdienst etwas sparen bzw. sich im Anschluss an seine Karriere einen anderen Job suchen. Warum sollte ein solches System nicht auch in der Politik funktionieren ?

Millionen, Milliarden und Billionen

20 Mai 2011

4.933.000.000.000 (in Worten: 4 Billionen und neunhundertdreiunddreissig Milliarden) lautet für mich die Zahl der Woche. Hierbei handelt es sich nicht um Anzahl der von den Fans der Frankfurter Eintracht am vergangenen Wochenende verbrauchten „Angst-Kalorien“ , sondern um das Geldvermögen aller Privathaushalte in Deutschland, wie die Deutsche Bundesbank am vergangenen Dienstag mitteilte.

Wenn man von 82 Millionen Einwohnern ausgeht (nach der derzeit laufenden Volkszählung werden wir da alle schlauer sein), heisst das: pro Kopf verfügen die Deutschen über ein Vermögen von 60.158 € . Nicht eingerechnet in diese Zahl sind allerdings Vermögenswerte wie Immobilien oder Pensionsansprüche, da die von der Bundesbank veröffentlichte Statistik nur das private Geld-Vermögen umfasst. Rechnet man diese Werte noch hinzu, landet man mit Sicherheit bei einer 14-stelligen Zahl, was bedeutet: Wir reden hier über einen Wert jenseits der 10 Billionen Euro-Grenze.

Als Politiker (zumindestens einer speziellen Couleur) könnte man da ja ganz fix auf die Idee kommen: „Dann nehmen wir jedem jetzt mal 1/5 weg und damit sind unsere läppischen 2 Billionen Staatsverschuldung mit einem Schlag getilgt.“

Aus Sicht der Politiker „leider“, aus Sicht der Sparer „Gott sei Dank“ funktioniert das aber nicht so einfach. Aber es ist immerhin ein beruhigendes Gefühl, dass es unserem Land im internationalen Vergleich immer noch relativ gut geht. Ein derartiges Verhältnis zwischen Vermögen und Schulden findet man nicht überall auf der Welt.

Eine für mich nicht wirklich überraschendes Ergebnis erhält man auf die Frage „Wie sah das ganze denn vor einem Jahr aus ?“. Das private Geldvermögen hat sich in den vergangenen 12 Monaten um 154 Milliarden erhöht.

Da das immerhin einem Zuwachs von 3,2% entspricht, könnte man auf die Idee kommen und sagen: „Angesichts der derzeit niedrigen Zinsen ein ganz respektables Anlage-Ergebnis.“ Das ist aber eine klassische Milchmädchenrechnung. Im Zuwachs sind ja auch Sparleistungen enthalten und wenn man die heraus rechnet, kommt man in Endergebnis auf eine relativ magere Zahl, die irgendwo im Bereich von 1,5% liegt. Vor 10 Jahren übrigens lag das Geldvermögen noch 3,5 Billionen Euro, sodass man in den Ergebnissen des Jahres 2010 durchaus eine Bestätigung des Trends der letzten 10 Jahre sehen kann. Die Aufgabe aus einem kleinen Vermögen ein großes zu machen ist definitiv schwieriger geworden. Während das Geldvermögen in diesem Zeitraum nur um 3,5% pro Jahr stieg, konnte man in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Zuwachs von 7,2% pro Jahr verzeichnen. Was waren das noch für Zeiten, wird sich mancher Anleger wehmütig erinnern. Zwischen 1990 und dem Jahr 2000 stieg der DAX von 1.300 auf 8.000 Punkte, und zu Beginn der 90er Jahre gab es auf 5-jährige Sparbriefe bzw. Bundesanleihen Zinsen von 8% und mehr p.a. Um so wichtiger ist es für alle, die sich zu den glücklichen Besitzern eines kleinen Geldvermögens zählen können, in einem solchen Umfeld auf die Kosten, die die Verwaltung und (hoffentliche) Vermehrung ihres Vermögens mit sich bringt, zu achten. In Zeiten, wo man von 2-stelligen Renditen verwöhnt wird, rückt diese Betrachtung leicht in den Hintergrund.

Was die guten Ergebnisse der 90er Jahre allerdings etwas relativiert: Nach Erhebungen der Weltbank lag die durchschnittliche Inflationsrate in den Jahren 1990-2000 in Deutschland bei 2,2% im Vergleich zu 1,5% in den Jahren 2000-2010. Jeder, der sich an dem „Geschwafel“ um den schwachen Euro beteiligt, sollte ich in einer ruhigen Minute mal überlegen, was diese Zahlen eigentlich aussagen.

Die für mich bemerkenswerteste Zahl in der Pressemitteilung der Bundesbank vom vergangenen Dienstag betrifft allerdings nicht das Vermögen, sondern die gleichzeitig veröffentlichte Statistik der privaten Schulden.

Während das Geldvermögen – wie bereits oben gesagt in den letzten 10 Jahren von 3,5 auf knapp 5 Billionen Euro angestiegen ist, blieb die Summe der Schulden der Privathaushalte bei Banken und Versicherungen in diesem Zeitraum konstant bei 1,5 Billionen Euro. Damit haben die Privathaushalte deutlich besser gewirtschaftet als die öffentliche Hand, ist doch die Staatsverschuldung hierzulande im gleichen Zeitraum von 1,2 auf knapp 2 Billionen Euro angestiegen. Oder haben die „Kreditverkäufer“ der Banken hier einfach nur einen schlechten Job gemacht ? Zumindestens bestätigt auch diese Erkenntnis, dass wir uns in Deutschland in vielen Dingen auf einem gar nicht so schlechtem Weg befinden…

Der Euro und die “German Angst”

29 April 2011

Der eine oder andere von Ihnen wird sich vielleicht noch dunkel daran erinnern (in der heutigen schnelllebigen Zeit ist 1 Jahr ja fast schon eine Ewigkeit) welche Diskussionen Ende April/Anfang Mai 2010 die Schlagzeilen beherrscht haben.

Richtig: Dem Euro wurde aufgrund der sich zuspitzenden Krise in Griechenland das Sterbebett hergerichtet. In Athen ging das Volk auf die Straße, um gegen dringend notwendige Reformen zu protestieren. Erst ein von den Finanzministern der EU und der europäischen Zentralbank eilends beschlossener Rettungsschirm für in Not geratene EU-Mitglieder sorgte für eine Beruhigung der Lage.

Heute 1 Jahr später, sind sich die meisten Experten unisono einig „Die Griechen schaffen das nicht“. Mittlerweile haben auch Irland und Portugal Mittel bzw. Garantien aus dem Rettungsschirm beantragt.

Und der Euro ? Angesichts der Meldungen der letzten Wochen könnte man geneigt sein zu erwarten, dass der Außenwert des Euros ins Bodenlose sinkt. Aber genau das Gegenteil ist der Fall ! Gemessen an der Welt-Leitwährung US-Dollar konnte der Euro in den vergangenen 12 Monaten kontinuierlich von 1,30 Dollar, die man für einen Euro bekommen hat, auf jetzt fast 1,50 Dollar zulegen. Das sind immerhin knapp 15% Wertzuwachs für den Euro gegenüber dem Dollar. Mit Ausnahme des Schweizer Frankens kann man die positive Euro-Entwicklung insbesondere in den letzten Wochen nicht nur beim US-Dollar, sondern auch bei YEN, Brit. Pfund und anderen Währungen ablesen.

 

Die Ewig-Schwarzmaler und Pessimisten lassen in dieser Situation verlauten. „Das ist keine Euro-Stärke, sondern eine Schwäche der restlichen Währungen“, frei nach dem Motto „Der Euro ist der Einäugige unter den Blinden.“ Aber wie bitte schön ist das denn zu werten, wenn der Euro gegen den Dollar um 15% zulegt. Dann ist der Euro stark und der Dollar schwach ! „That’s it“, sagen die Amerikaner und „Runde Eck-Wirt“ Detlev Klöckner würde das in seiner unnachahmlichen Art mit einem „so sieht’s aus !“ kommentieren.

Alle, die vor einem Jahr auf einen starken Euro gesetzt haben, können heute relativ entspannt aus dem Fenster schauen. Allerdings gilt das auch für diejenigen, die vor einem Jahr, als die Griechenland-Krise erstmals eskalierte, dem Papiergeld nicht mehr trauten und sich Gold oder Silber ins Depot gelegt haben. Der Goldpreis stieg seitdem um 30% und Silber sogar um 150%. Allerdings – und jetzt muss man zumindest den Dreisatz beherrschen, um mitreden zu können – wird der Gold- und Silberpreis, genauso wie der Ölpreis in US-Dollar berechnet, sodass dem heimischen Investor, dann z.B. beim Gold knapp die Hälfte seines Gewinns auf der Währungsseite wieder dahin geschmolzen ist. Die Entwicklung beim Silber ist in der Tat spektakulär, allerdings sollte man bevor man auf diesen Zug aufspringt einmal die Wertentwicklung des „Gold des kleinen Mannes“ über die letzten 40 Jahre anschauen. Was schnell hoch steigt, kann auch schnell wieder tief fallen. Gesund ist diese Entwicklung in meinen Augen definitiv nicht.

„You must be a rich Land – You’re saving all the countries around You“ – „Ihr Deutschen müsst ein reiches Volk sein, Ihr füttert ja alle rings um Euch durch“ mit diesen Worten entgegnete diese Woche ein Taxifahrer in New York meine Antwort auf seine Frage, wo ich denn her komme. Und dann setzte er noch einen drauf „I read about the German Angst, i don’t understand this, because you have everything you need.“ “German Angst” ist mittlerweile in der angelsächsischen Welt zu einem geflügelten Wort geworden. Auch das Verhalten vieler Deutscher angesichts der Atomkatastrophe in Japan hat zum Image des ängstlichen und übervorsichtigen Deutschen mit beigetragen. Mit knapp 14 Billionen Dollar ist die US-Staatsverschuldung knapp 5 mal so hoch, wie die in Deutschland. Dass das nicht gesund ist, steht auf einem anderen Blatt, aber nach einer 1 Woche New York nehme ich von hier einen Eindruck mit nach Hause, dass die Leute optimistisch sind und nach vorne schauen. Die 2008er Krise scheint hier komplett abgehakt zu sein und die Leute kaufen ein, als gäbe es morgen nichts mehr. Und am Times Square gibt es tatsächlich Leute, die sich für die Börsenkurse interessieren, die dort umgeben von grellen Lichtreklamen auf einem Laufband angezeigt werden. Wahrscheinlich sind da einige dabei, die sich auch mit guten deutschen Standardwerten eingedeckt haben. Neben den 15% die der DAX in den vergangenen 12 Monaten zugelegt hat, hat ein US-Investor nämlich das gleiche auch noch mal an dem starken Euro verdient. Kein schlechtes Geschäft für 1 Jahr…

Versicherungen ins Exil!

25 Februar 2011

Nach monatelangen Diskussionen hat das Bundesfinanzministerium am vergangenen Dienstag ein Machtwort gesprochen. Ab dem 1. Januar 2012 wird der Garantiezins für Lebensversicherungen von derzeit 2,25% auf 1,75% gesenkt.

Der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes GDV Frank Jörg von Fürstenwerth (den Namen hab ich auch zum ersten Mal gehört) beeilte sich dann flugs in der Börsenzeitung vom 23.02.2011 zu verkünden „An der Attraktivität der Lebensversicherung werde sich durch diesen Schritt nichts ändern.“

Dazu kann ich nur sagen: Herr von Fürstenwerth, ich stimme Ihnen hundertprozentig zu !

Die Attraktivität des Produkts „Lebensversicherung“ lag in meinen Augen auch vor diesem Schritt schon bei 0 und von daher konnte es nicht mehr schlimmer kommen.

Aber im Ernst: Für diese Aussage gehört der Mann sofort entlassen! 1,75% sind doch nicht das gleiche wie 2,25%, das ist fast ein Viertel weniger ! Da fehlt nur noch, dass er in bester Horst- Szymaniak-Manier sagt: „Lieber ein Viertel weniger, als ein Fünftel weniger.“

Nur ein kleines Rechenbeispiel:  Wenn Sie 100 € im Monat, 30 Jahre lang zu einem Zinssatz von 2,25% anlegen, erhalten Sie bei Ablauf 51.250 €. Reduziert man den Zins auf 1,75% ermäßigt sich die Auszahlung um 4.000 € auf 47.250 €.   Jetzt muss man ja noch berücksichtigen, dass von 100 €  ja noch 10-20% in den Risiko- bzw. Verwaltungstopf fließen, d.h. effektiv zur Anlage gelangen oft nur 80 €. Unter diesen Umständen werden aus insgesamt eingezahlten 36.000 € dann erbärmliche 37.800 € nach 30 Jahren.

Ich frage mich, wie lange die Finanz-Aufsicht denn noch tatenlos zusehen will, wie in diesem Sektor die Kunden regelrecht verarscht werden. Viel zu hohe Vorabprovisionen und eine dilettantische Anlagepolitik der Versicherungsmanager tun ihr Übriges dazu.

Selbst mir fällt es teilweise schwer, die fast täglich auf meinem Schreibtisch landenden Schreiben, Wertmitteilungen und Berechnungen von Versicherern richtig einzuordnen. Zudem werden dann bei Kündigungen willkürlich Abzüge vorgenommen oder Ablauf-Auszahlungen werden bewusst hinausgezögert.

Die Arroganz mit der die Versicherungsunternehmen am Markt auftreten, gepaart mit der Unfähigkeit (oder besser gesagt: dem Unwillen) Ihre Produkte auch nur mit einem Hauch von Transparenz zu versehen, wird diese Branche in den kommenden Jahren das gleiche Schicksal ereilen lassen, wie das der nordafrikanischen Despoten, die momentan in wöchentlicher Regelmäßigkeit von ihrem Volk vom Hof gejagt werden.

Internet, Facebook & Co. sorgen dafür, dass die nachwachsende Generation sich kein „X für ein U“ vormachen lässt und wer seinen Verstand einigermaßen beieinander hat und die 4 Grundrechenarten, sowie das Prozentrechnen beherrscht, wird einen weiten Bogen um diese Mogelpackungen machen. In diesem Punkt haben die Versicherungen das gleiche Problem wie die katholische Kirche oder die örtlichen Gesangvereine. Die alten Kunden bzw. Mitglieder sterben weg und der Nachwuchs tritt eben nicht mehr, wie noch vor 20-30 Jahren dann automatisch in die Fußstapfen, sondern hinterfragt schon mal das eine oder andere kritisch.

Und Zahlen lügen nicht ! Wo wir schon bei diesem Thema sind…

Sie können in Ihrem Umfeld mal eine kleine Quizfrage machen, mit welchem Zinssatz sich denn eine Anlage in einem deutschen Aktienfonds in den letzten 30 Jahren entwickelt hat.

Das aktuell vom Bundesverband BVI veröffentliche Ergebnis per 31.12.2010 wird manch einen positiv überraschen. Im Durchschnitt brachte eine solche Anlage in den letzten 30 Jahren einen Ertrag von 7,5% p.a. Dann reden wir nicht über eine Auszahlung von 40.000 €, sondern von knapp 130.000 €.

Das sind Welten und da sollte manch einer, der sich mit dem Gedanken trägt, sein Geld von einer Versicherung „aufzubewahren lassen“ (mehr wird es nämlich zukünftig nicht sein) mal drüber nachdenken .

Was kostet Sicherheit?

28 Januar 2011

Die Bundesbank hält viele Anlageprodukte für zu teuer und rät Investoren davon ab, auf die Kauf und Verkaufsempfehlungen der Finanzinstitute zu hören.

Diese Worte waren in der vergangenen Woche im Handelsblatt zu lesen.

Im weiteren Verlauf des Artikels war zu lesen „ Die Bundesbank rät Anlegern zudem davon ab, ihre Wertpapiere oder Fondsanteile durch zu häufiges Kaufen und Verkaufen unnötig umzuschichten .“

Das ist schon starker Tobak, was die Mannen um Axel Weber (Chef der Bundesbank) da loslassen.

Das ist sinngemäß das Gleiche, als wenn sich der Gesundheitsminister vor die Presse stellen würde und vor einem Arztbesuch mit dem Worten „Das bringt eh nichts, danach sind sie noch kränker als vorher“ warnen würde.

Was mich aber noch mehr wundert: Ich lese jeden Tag ca. 2-3 Std. alle möglichen Wirtschaftszeitungen. Aber eine Stellungnahme der mit diesen Worten angegriffenen Klientel auf diese Aussage habe ich nirgendwo gefunden.

Sicherlich hat die Bundesbank im Kern der Sache recht, insbesondere der Hinweis auf zu häufiges „Kaufen und Verkaufen“ ist eine der Hauptursachen dafür, dass es vielen Leuten nicht gelingt, mit Ihren Anlagegeschäften unter dem Strich eine ordentliche Rendite zu erwirtschaften.

Es ist ein Ammenmärchen z.B. am Aktienmarkt zu glauben, die Strategie „ich verkaufe jetzt und steige billiger wieder ein“ funktioniere auf Dauer. Ich jedenfalls kenne keinen, der mir bis heute über einen längeren Zeitraum das Gegenteil bewiesen hat.

Und eine Lebensversicherung zu kündigen und dafür an anderer Stelle eine neue abzuschließen ist so ziemlich das schlechteste Geschäft, was es auf dieser Erde gibt. Auch nicht, wenn auf dem neuen Formular dann die Mogelpackung „Riester“ oder „Rürup“ drauf steht.

Meiner Meinung nach befindet sich der Finanzsektor – was die Vergütungsstrukturen betrifft – im größten Umbruch seit dem 2. Weltkrieg.

Es passt einfach nicht mehr in die heutige Zeit, dass ein Anleger, wenn er einen Betrag „x“ in ein längerfristig ausgerichtetes Anlageprodukt investieren will, dafür eine einmalige Gebühr von 5 oder mehr Prozent zahlt. Noch schwieriger wird es bei den laufenden Kosten. Wenn der Anleger 1,5% p.a. für eine Verwaltung im festverzinslichen Bereich zahlt, kann man sich leicht ausrechnen, dass bei einem Zinsniveau von 2-3% da nicht viel netto übrig bleibt.

Auf der anderen Seite gilt aber auch der Spruch: „Was nichts kostet, ist nichts wert“. Von Kontoführungsgebühren und ab und zu ein paar Euros in türkische Lira zu wechseln, kann kein Finanzinstitut leben, zumal der Gesetzgeber den administrativen Aufwand für die Geldinstitute in den vergangenen 20 Jahren  ständig erhöht hat.

Erfolgsabhängige Gebühren sind in meinen Augen der ideale Ansatz, um hier zu einem fairen Preismodell zu gelangen. Wenn der Anleger gut verdient, dann soll auch derjenige, der ihm zu diesem Ergebnis verholfen hat, daran partizipieren. Und wenn ich als Anleger 10% in einem Jahr verdient habe, bin ich auch gerne bereit vielleicht 1% davon abzugeben.

Wenn ich dann in der -diese Woche veröffentlichten – Jahresmeldung des Deutschen Aktieninstituts lese, dass die Zahl der Aktionäre bzw. Aktienfondsbesitzer im Jahr 2010 um knapp 500.000 auf 8,2 Mio. zurückgegangen und damit auf den niedrigsten Stand seit 10 Jahren gefallen ist, befürchte ich allerdings, dass es nicht allzuviele Leute geben wird, die sich in den kommenden Jahren bei ihrem Berater für ein ordentliches Ergebnis bedanken werden.

Für 87% der Bundesbürger steht die Sicherheit an erster Stelle bei der Geldanlage und nur 71% legen Wert auf Rendite, d.h. diese Leute interessiert auch das Ergebnis ihrer Anlage.

Es gibt in der ganzen Wirtschafts-Geschichte kein einziges Beispiel, dass von Sicherheitsdenken dominiertes Handeln zu einem Wohlstandseffekt geführt hat. Im Gegenteil: Meistens beginnt mit „Besitzstandsdenken“ und „Ausruhen auf der Position“ der direkte Weg in den Abstieg.

Mittlerweile befinden sich 58% aller im DAX vertretenen Aktien in ausländischen Händen. Vor 10 Jahren lag dieser Wert noch bei ca. 40%.

Vielleicht sollte sich die Bundesbank (und auch der ein oder andere „Sicherheitsfanatiker“) mal über diesen Punkt Gedanken machen…

Schuld sind immer die Anderen

21 Januar 2011

700.000 € (in Worten: siebenhunderttausend) hat eine ehemalige Bankangestellte an der Börse „verspielt“ und ihren Arbeitgeber mit der Begründung „sie wäre spielsüchtig und die Bank hätte die Geschäfte verhindern müssen“ auf Schadensersatz verklagt. So war es jedenfalls vergangene Woche in der lokalen Presse zu lesen.
Unabhängig von der Tatsache, dass man angesichts eines solchen Schritts dieser Frau nur mit dem Kopf schütteln kann und ich mich frage „wie schlecht muss es einem Anwalt gehen, so ein Mandat anzunehmen“, war es für mich alleine berufsbedingt schon interessant, sich mal etwas näher mit dieser Meldung zu befassen.
In dem besagten Zeitungsartikel war nämlich zu lesen, daß die Frau seit dem Jahr 1989 ein Wertpapierdepot besaß, mit dem durchaus erfolgreich gewirtschaftet wurde. Erst als dann ab dem Jahr 1999 zunehmend riskantere Optionsgeschäfte getätigt wurden, setzten Verluste ein, die sich dann in den folgenden Jahren auf den o.g. Betrag summierten.
Dem in Finanzdingen vielleicht nicht so versiertem Leser sei an dieser Stelle gesagt, dass zwischen einem „normalen“ Aktienkauf und einem sogenannten „Termin- oder Optionsgeschäft“ Welten liegen. Bei einem „normalen“ Aktienkauf beteilige ich mich an einem Unternehmen und werde mit allen Rechten und Pflichten Miteigentümer. Hier gilt übrigens nicht der oft im Zusammenhang mit Börsengeschäften zitierte Satz „Das Geld ist nicht weg, es hat nur ein anderer“. Nehmen wir den DAX als Beispiel, beträgt das Vermögen aller DAX-Aktien bei einem Stand von 7.000 Punkten etwa 750 Milliarden € . Steigt der DAX um 10% steigt auch das Vermögen der Aktionäre um 75 Milliarden €, genauso wie es im Falle der Abwärtsbewegung schmilzt.
Anders sieht es beim Termin- bzw. Optionsgeschäft aus. Hier wetten 2 Kontrahenten, dass sich eine Aktie innerhalb einer gewissen Zeit in eine bestimmte Richtung bewegt. Hier gibt es immer einen Optionskäufer, der darauf wettet, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt und einen „Stillhalter“, der dagegen hält. Statistisch ist es erwiesen, dass in 90% aller Fälle der „Stillhalter“ als Gewinner aus dieser Wette hervorgeht (das ist ungefähr mit der Rolle der Bank im Casino zu vergleichen) und in diesem Bereich ist es tatsächlich so, dass das, was der eine verliert, der andere als Gewinn einstreicht.
Jetzt leben wir ja in einem freien Land und jeder kann mit seinem Geld machen, was er will, aber Freiheit bedeutet auch Verantwortung und Verantwortung heißt aber gleichzeitig auch für Fehlentscheidungen gerade zu stehen.
Der Gesetzgeber hat in diesem Bereich klare rechtliche Rahmenbedingungen geschaffen. Wer in das „Haifischbecken“ Terminmarkt hinabsteigt, muss gegenüber seiner Bank klar und deutlich erklären, dass er die Bedingungen dieses Geschäfts verstanden hat und akzeptiert, dass er auch einen Totalverlust erleiden kann.
Und damit sind wir an einen Punkt, wo ich ganz klar sage: Die Frau hat genau gewusst, auf was sie sich eingelassen hat. Aber sagen zu können „Ich habe Mist gebaut und übernehme die Verantwortung dafür“ ist eine Eigenschaft, die den meisten Menschen in diesem Land fehlt.
Mittlerweile treten ja bei fast jedem Strafprozess Gutachter auf, die dem Angeklagten dann eine schwere Kindheit bescheinigen, die es anscheinend rechtfertigt jemanden umzubringen oder eine aufgrund durch die Umwelt ausgelöste Depression und damit verbundene Alkoholkrankheit wird zu einem „Freifahrtschein“ für jegliche Art von Straftaten.
Jetzt reden wir in dem oben beschriebenen Fall ja nicht von einer Straftat , da in diesem Fall ja nur das eigene Geld „verbrannt“ wurde, aber die Tatsache zu versuchen Andere dafür verantwortlich zu machen tendiert im Prinzip in die gleiche Richtung.
Verantwortlich für diese Entwicklung war einzig und allein die Gier und vielleicht auch ein etwas ausgeprägter Spieltrieb, aber dafür kann außer dem Beteiligten selber, niemand etwas.
Als Fazit dieser Geschichte kann ich jedem Anleger nur raten: Sorgen Sie dafür, dass die Gier niemals das Hirn frisst. Und lassen Sie die Finger von Optionsgeschäften, das ist definitiv nur ein Geschäft für Profis. „Hätt ich doch einfach weiter nur „normale“ Aktien gekauft“, werden die wahren Gedanken der Betroffenen sein. Aber die Herren „hätt ich“ und „wenn ich“ sind nun mal die größten Feinde des langfristig erfolgreichen Anlegers, so jedenfalls lautet eine alte Börsenweisheit
Ich hoffe nur, dass noch etwas von dem Geld der Frau übrig ist, damit für solch einen schwachsinnigen und unnötigen Prozess nicht die Allgemeinheit auch noch bezahlen muss.