Archiv für die ‘Marktkommentar’ Kategorie

Klingelingeling – hier kommt der Börsenmann

25 Januar 2012

„An der Börse wird nicht zum Einstieg geklingelt“ lautet eine alte Bauernregel.
Oder manchmal doch ?

Zumindest der in meinen Augen verlässlichste Indikator der letzten 15 Jahre hat in der vergangenen Woche „grünes Licht“ und damit vielleicht den Startschuss für eine nachhaltige Aufwärtsbewegung an der deutschen Börse gegeben.

Es handelt sich dabei um den gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Börsentage. Schneidet die aktuelle Kurslinie diese Kurve von unten nach oben (so wie in der vergangenen Woche geschehen), konnte man in den letzten 15 Jahren mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in den darauf folgenden 12-24 Monaten einen deutlichen Anstieg beim DAX mit zweistelligen Zuwachsraten verfolgen. Das Problem bei der ganzen Angelegenheit in den letzten 12 Jahren war, dass diese Gewinne, wenn man nicht verkauft hat, in einem der 3 Börsencrashs (2002, 2008 und 2011) zum Teil wieder aufgezehrt wurden. Aber noch viel schwerer als den richtigen Kauf-, ist es den richtigen Verkaufszeitpunkt zu finden.  Auch hier kann die 200 Tage-Durchschnittslinie hilfreich sein. Die in meinen Augen bessere Strategie ist es aber sich nicht in Kauf- und Verkaufsspielchen zu üben, sondern einen festen Anteil des Vermögens in Aktien anzulegen und dann das ganze Zeug einfach am besten 20 oder 30 Jahre liegen lassen. Auch wenn Ihnen aktuel fast jeder „Experte“ weismachen will, dass diese Regel nicht mehr in die heutige Zeit passt. Vor genau 20 Jahren (Ende Januar 1992) stand der DAX bei 1.687 Punkten. Das entspricht bei einem aktuellen Stand von 6.400 Punkten einem durchschnittlichen Anstieg von 6,9% p.a. Und vor genau 30 Jahren (Ende Januar 1982) stand der DAX bei 502 Punkten und wer damals gekauft hat, kann sich aktuell über 8,9% Rendite p.a. freuen. Angesichts der nach wie vor historisch niedrigen Zinsen, sollte jeder, der ein paar Groschen übrig hat, da ganz einfach mal drüber nachdenken. Für mich stellt der Aktienmarkt gerade in der heutigen Zeit eine absolut lohnenswerte Alternative dar. Nicht für das ganze Geld, aber für einen Teil davon. Die deutschen Unternehmen haben im Jahr 2011 so viel verdient, wie nie zuvor in der Geschichte und alle Indikatoren deuten darauf hinaus, dass sich dieser Trend auch in 2012 fortsetzt. Aber wer profitiert davon ? Fast 2/3 der Aktien der DAX Unternehmen befinden sich im Besitz von ausländischen Händen. Und der deutsche Anleger steckt sein Geld in Riester-Renten, Versicherungen und Bausparverträge. Ich frage mich schon seit Jahren: Warum wird dieser ganze Mist gekauft ? Wahrscheinlich, weil es der „Herr Kaiser“ sagt und man das ja schon immer so gemacht hat. Wenn man aber 1 und 1 zusammen zählen kann, kommt man relativ schnell zu der Erkenntnis, dass bei einem Zinsniveau von 1% und ganzen Heerscharen, die daran ja auch noch was verdienen wollen, für den Kunden am Ende mit viel Glück gerade mal der Betrag heraus kommen wird, den er in der Summe über die ganzen Jahre eingezahlt hat. Ich bin mal gespannt, wann die erste Versicherung die Hosen herunter lässt und sagt „Wir können den Garantiezins leider nicht mehr bezahlen, da wir uns mit italienischen und spanischen Staatsanleihen verspekuliert haben.“ Von dem Zeug haben Sie nämlich alle die Scheune bis zum Dach voll. Ich gehe jede Wette ein: Dieser Tag ist nicht mehr fern…

„Arme“ Ferrari-Fahrer und randvolle Gläser

20 Januar 2012

In der vergangenen Woche haben meine “liebsten Freunde” S&P, Fitch und Moodys (auch bekannt unter ihrem Künstlernamen “Ratingagenturen”) die Keule ausgepackt. Traf es zunächst mit Frankreich, Österreich, Italien, Portugal, Spanien, Zypern, Malta, der Slowakei und Slowenien neun einzelne Länder der Eurozone, haben sich die Verantwortlichen wohl gedacht „warum denn halbe Sachen ?” und dann einen Tag später gleich den kompletten Rettungsschirm „EFSF“ (European Financial Stability Facility – für alle, die’s genau wissen wollen) in seiner Bonität herabgestuft. Man ist geneigt zu sagen: Jetzt muss ja sogar das Rettungspaket gerettet werden ! Ein Glück, dass mittlerweile an den Kapitalmärkten Ruhe und Vernunft eingezogen ist und die hektischen Aktivitäten dieser Zauberlehrlinge zusehends von den Marktteilnehmern ignoriert – um nicht zu sagen: “belächelt” – werden. Mittlerweile dürft auch der Letzte erkannt haben, welche Strategie denn hinter diesem “Spiel” steht. In meinen Augen ist das Ganze eine gezielte Kampagne der USA von ihren eigenen Problemen abzulenken, den EURO gegenüber dem US-Dollar zu schwächen und innerhalb der Euro-Zone Neid und Misstrauen zu erzeugen. Flugs meldeten sich bereits am Tage der EFSF-Abstufung Stimmen aus Italien, die eine stärkere Beteiligung Deutschlands am Rettungsschirm forderten, da sich Deutschland ja ungleich günstiger am Kapitalmarkt refinanzieren könne.  Wenn man bedenkt, dass sich die Italiener jetzt bonitätsmäßig auf der gleichen Stufe wie Peru, Kolumbien oder Kasachstan befinden, ist es in der Tat Zeit für unsere Freunde südlich der Alpen, sich an die Arbeit zu machen. Und die erste Aufgabe ist es – wie immer – zunächst mal vor der eigenen Haustüre zu kehren bzw. den eigenen Stall auszumisten. Aber es gibt auch Hoffnungsschimmer. Kurz nach Weihnachten fiel die italienische Steuerfahndung nahezu überfallartig im Nobel-Skiort  Cortina d’Ampezzo in den Dolomiten ein. Zunächst einmal wurden die Einkommensverhältnisse der Halter aller im Ort gesichteten Ferraris (immerhin knapp 250 Stück) überprüft. Und siehe da: Knapp ein Fünftel der „Ferraristi“ waren – zumindest steuertechnisch – bettelarme Leute. Wahrscheinlich waren die meisten von denen noch Bezieher von „Hartze quattro“. Jetzt dürfen sich diese Schmarotzer erst mal auf einige unangenehme Fragen der italienischen Fiskalbehörde gefasst machen, die diese Nummer hoffentlich gnadenlos durchzieht.  Als nächstes nahmen die Fahnder dann die Restaurants und Edel-Boutiquen unter die Lupe. Nachdem sich deren Anwesenheit wie ein Lauffeuer im Dorf rumgesprochen hatte, verzeichneten alle Geschäfte und Lokale in den darauf folgenden Tagen Umsätze, die das drei- bis vierfache der durchschnittlichen täglichen Einnahmen erreichten. Da war dann wohl ein paar Tage nichts mit „senza conto“. Umgangssprachlich kann man das mit einem „Geht doch !“ prämieren. Aber diese Nachrichten zeigen doch genau, wo die Problematik in Europa steckt. Wenn alle Staaten ihr Finanzwesen mit preußischer Disziplin durchorganisieren, sind die Staatshaushalte – auch die der Südländer – problemlos zu sanieren. Und die Leute müssen lernen, dass es auf der ganzen Welt keinen Pott gibt (auch wenn da „Staat“ drauf steht), wo man mehr herausholen kann, als man rein steckt. Aber es wird ein harter und schmerzlicher Prozess, das in die Köpfe der Leute hinein zu bekommen. Genauso wie man die Bevölkerung in Europa auf längere Lebensarbeitszeiten vorbereiten muss. Wie soll das denn selbst in Deutschland funktionieren, wenn im Jahr 2030 25% aller Bewohner über 65 Jahre alt sind ? Wenn die Leute dieses Bewusstsein entwickeln und leben, dann geht es Europa viel, viel besser als der „neuen Welt“. Wie bereits oben gesagt: In meinen Augen ist der EURO auf einem guten Weg, den Dollar als Weltleitwährung abzulösen. Das lässt sich z.B. ganz einfach feststellen, wenn man sich die Schwankungen des Gold- und des Ölpreises anschaut, die – historisch bedingt – weltweit in Dollar gehandelt werden, sich in ihren Preisschwankungen aber immer häufiger konträr zu den Schwankungen zwischen Euro und Dollar entwickeln. „Steigt der Dollar, fällt das Gold“ ist eine der wenigen Gesetzmäßigkeiten, auf die man sich in den verrückten Finanzmärkten in den letzten Jahren verlassen konnte. Und das ganze Gehabe der US-gesteuerten Ratingagenturen führt dazu, dass in Europa diskutiert wird, ob wir den EURO wieder aufgeben ? Die ganze Welt schüttelt den Kopf über die Europäer. Wir haben die beste Infrastruktur, die beste medizinische Versorgung, das beste Bildungswesen und müssen kein Hundefleisch essen, um satt zu werden. Und anstatt sich auf das zu konzentrieren, was uns stark macht, wird jeden Tag eine neue „Sau“ durchs Dorf getrieben, die ein Schild umhängen hat, wie schlecht doch alles ist und das alles noch viel schlimmer wird. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir geht diese Stimmungsmache tierisch auf den Zeiger. Die Gläser bei uns sind randvoll, aber es wird gejammert, dass die ja so schwer zum Heben sind…

Das Märchen von der Inflation

7 Dezember 2011

Zum Jahresende blicken viele Immobilienbesitzer mit Spannung auf die vom statistischen Bundesamt verkündete „offizielle“ Inflationsrate. Gerade im gewerblichen Bereich ist es weit verbreitet die Entwicklung der Mieten an den sogenannten Verbraucherpreis-Index (VPI) zu koppeln, der monatlich von der Wiesbadener Behörde ermittelt wird. Gemäß Definition auf der Website des statistischen Bundesamts misst der VPI „die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die von privaten Haushalten für Konsumzwecke gekauft werden.“ Insgesamt  600 Personen sind damit beschäftigt ca. 300.000 Artikel des täglichen Bedarfs ständig zu analysieren und die Preisentwicklung auszuwerten. Außerdem nehmen bundesweit 60.000 Haushalte im 5-Jahres-Rhythmus an einer sogenannten „Einkommens- und Verbrauchs-Stichprobe teil“, deren Ergebnisse ebenfalls in die Berechnung des VPI einfließen.

Ein Blick in die Statistik der letzten 45 Jahre zeigt dann doch einige interessante Erkenntnisse.  So lag die durchschnittliche Inflationsrate in dieser Zeit bei genau 2,88% p.a. Und aufgepasst: Seit der Einführung des Euros im Jahr 1999 lag der Wert lediglich im Jahr 2007 mit 3,1% knapp über dieser Marke. Die durchschnittliche Preissteigerung seit 1999 liegt mit 1,60% p.a. DEUTLICH unter der langfristigen Preissteigerung, die wir zu D-Mark-Zeiten hatten. Wie kann das sein ? Es wird eben nicht ALLES teurer. So schlecht ist der EURO dann wohl doch nicht, auch wenn uns die Brandstifter von Standard & Poors dieser Tage gerade etwas anderes weis machen wollen. Die offenkundigen Preissteigerungen bei diversen Lebensmitteln und bei Treibstoffen sorgen dafür, dass die „gefühlte“ Inflation bei vielen Verbrauchern höher wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist. Rückläufige Preise z.B. in den Bereichen Telekommunikation und Hi-Fi Endgeräte sorgen hier für einen Bremseffekt. Eine Handy-Flatrate mit der man für weniger als 50 € im Monat unbegrenzt telefonieren und im Internet surfen kann, wäre noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Ein halbstündiges Telefongespräch von den USA nach Deutschland für 0,00 € – Skype macht’s möglich ! Den Flachbildschirm gibt’s heute für die Hälfte des Preises von vor fünf Jahren. Und dank der Erfindung der e-mail muss sich auch die Post anderen Einkunftsquellen als dem Verkauf von Briefmarken zuwenden. Bei den eingangs genannten Immobilienbesitzern gibt es viele, die froh sind, dass Ihnen überhaupt jemand eine Miete zahlt und die in den letzten 20 Jahren keine Mietsteigerung gesehen haben. Und wenn Sie denn kam, ist das Geld dann in notwendige Reparaturen geflossen. In der vergangenen Woche wurde ich allerdings in meiner „persönlichen Inflationsrate“ schmerzhaft auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Da lag nämlich die Beitragsmitteilung meiner Krankenversicherung im Briefkasten. Um satte 20% darf ich bei gleicher Leistung ab Januar mehr bezahlen. Für mich ist das, was manche private Krankenversicherer – und ich nenne hier namentlich die CENTRAL Krankenversicherung AG  – in den letzten Jahren veranstalten, nichts anderes als legalisierter Betrug und ich frage mich warum hier keine Aufsichtsbehörde bei diesem Gebaren einschreitet . Stattdessen sieht man tatenlos zu, wie die mit falschen Versprechungen geköderten Kunden schutzlos wirtschaftliche Fehlkalkulationen von Dilettanten und Versagern in den Vorstandsetagen ausbaden müssen. Ich kann an dieser Stelle nur davor warnen, sich in die Hände solcher Halsabschneider zu begeben ! Dass es in Sachen „Inflationsbekämpfung“  auch anders geht, und das sogar im viel gescholtenen Gastronomie-Bereich, zeigt die Entwicklung des Bierpreises in der Limburger Kultkneipe „Zum Runden Eck“. Kostete ein Bier im Jahr 2002 mit der Euro Einführung 1,20 €, liegt der Preis heute mit 1,40 € genau um 16 % höher. Dies entspricht exakt der durchschnittlichen Preissteigerung des gesamten Warenkorbs in diesem Zeitraum und damit hat der „Bob“ seinen Beitrag zur Preisstabilität in Deutschland geleistet. Oder man hält sich ganz einfach an das alte Motto „Bei mir wird das Benzin nicht teurer, ich tanke immer für 20 Euro.“ Dann fährt man halt ein bißchen weniger – das ist besser für die Umwelt und die Gesundheit.

Bundesverdienstkreuz oder Armutszeugnis?

30 November 2011

Einer der größten Kritikpunkte, der der Finanzbranche in den letzten 3 Jahren vorgehalten wurde, ist die Tatsache, dass es viel zu viele Produkte auf dem Markt gibt, die für die Anleger zu kompliziert sind und bei denen oftmals auch die Bank-Berater selber nicht durchblicken. Welche Entwicklung muss denn genau eintreten, damit das „Deep-Tracker-Express-Reverse-Index-Zertifikat“  die versprochene Basisverzinsung bringt. Muss der Dax im Quadrat stärker steigen, als der Schweizer Franken dividiert durch die griechischen Importpreise fällt ? Ich gebe zu, auch mir fällt es da manchmal schwer den Überblick zu behalten.

Den Überblick verloren haben jedoch definitiv die „Zertifikate-Bastler“ meiner „Lieblingsbank“, deren Banner weithin sichtbar am Frankfurter Waldstadion prangt. Wie im Handelsblatt am vergangenen Dienstag zu lesen war, haben Sie jetzt ein Zertifikat auf den Markt gebracht, mit dem man auf den Untergang der eigenen Bank wetten kann. Je tiefer die Aktie der Commerzbank noch fällt, um so höher der Gewinn, den der Käufer dieses Papiers einstreicht. Spätestens jetzt sollten doch bei den Anlegern die Alarmsirenen losgehen. Gab es da nicht mal so eine Bank – Lehman oder wie hieß die noch ? Und wie war das denn bei denen mit den Zertifikaten ? Richtig !  Wertlos ausgebucht wurden Sie bei den meisten Leuten ! Alles schon wieder vergessen ? Stellen Sie sich mal vor, die Commerzbank-Aktie fällt wirklich auf 30 Cent, die Käufer dieses Papiers freuen sich über einen schönen Gewinn und müssen dann feststellen „Oh, derjenige, der mir den Gewinn auszahlen muss, ist ja pleite.“ Diese Leute tun mir, ehrlich gesagt, noch nicht mal leid.

In der gleichen Ausgabe des „Handelsblatt“ fand sich außerdem eine Auflistung der Banken, die momentan die höchsten Zinsen für Tagesgeld zahlen. Die Namen der Institute habe ich schon wieder vergessen, es war keine dabei, die ich auch nur im Ansatz gekannt habe. Aber anscheinend gibt es schon wieder genügend Leute, die verdrängt haben, dass vor 3 Jahren eine Bank namens „Kauphting-Bank“ diese Liste anführte. Bemerkenswert für mich war in dieser Woche auch die Meldung, dass die Banken mittlerweile die stärkste Vertriebsschiene für die deutsche Lebensversicherungsbranche darstellen. Mehr als 30% aller neu abgeschlossenen Verträge werden in Bankfilialen unterzeichnet. Ich lass das an dieser Stelle einfach mal unkommentiert  stehen. Meine Meinung zu dieser Anlageform habe ich an dieser Stelle ja schon mehrfach kundgetan.

Aber nochmal zurück zur „Bank an Ihrer Seite“. Im Jahr 2005 noch eine stolze Bank mit einem Börsenwert von 20 Milliarden Euro, hat sich rund um die Commerzbank seitdem ein Trauerspiel abgespielt, das in der deutschen Wirtschaftsgeschichte seinesgleichen sucht. Nur durch massive Unterstützung des Staates, der der Bank 8 Milliarden Kapital zur Verfügung stellte, konnte im Jahr 2008 eine Pleite verhindert werden. Ob Subprime-Hypotheken, Griechenland oder notleidende Schiffskredite. Überall, wo es in den letzten Jahren etwas zu verlieren gab, stand die Commerzbank in der ersten Reihe. Umso mehr hat mich vor gut vier Wochen eine Meldung verwundert, wonach demjenigen, der in den letzten 10 Jahren zunächst als Vorstandsvorsitzender und aktuell als Aufsichtsratsvorsitzender hauptverantwortlich für dieses Debakel ist, vom hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier höchstpersönlich das Bundesverdienstkreuz medienwirksam um den Hals gehängt wurde. „In seiner Laudatio würdigte der Landesvater nicht nur das wirtschaftspolitische Engagement des Top-Managers, sondern auch dessen ehrenamtliche Tätigkeiten im bildungs- und sozialpolitischen Bereich“ hiess es in der Pressemitteilung.

Der zweite Halbsatz mag ja noch halbwegs als Argument gelten, aber was sich die für diese Auszeichnung Verantwortlichen dabei wohl gedacht haben, wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Das für mich Peinliche, ja fast Skandalöse an dieser ganzen Nummer ist aber, dass der Klaus Peter Müller diese Auszeichnung auch noch annimmt !

Wenn er einen Hauch von Charakter hätte, hätte er gesagt „Herr Ministerpräsident, lassen Sie die Ehrung bitte mal stecken, da ist jetzt nicht die richtige Zeit für.“ Dann hätte er (nicht nur bei mir) nach langer Zeit wieder mal ein paar Pluspunkte gesammelt. Schade ! So wird aus einem Bundesverdienstkreuz ein Armutszeugnis.

Slowakische Weisheiten

12 Oktober 2011

Die (vorläufige) Verweigerung des slowakischen Parlaments der Ausweitung des Euro-Rettungsschirms zuzustimmen (EFSF) zuzustimmen, hat am vergangenen Dienstag die Schlagzeilen rund um das „Euro-Chaos“ weiter angeheizt.

Auf den ersten Blick könnte man denken „Slowakei ? Was machen die denn da für einen Stress ? Die sollen froh sein, dass sie beim Euro überhaupt mitmachen dürfen !“. Schließlich sind die Nachbarländer Tschechien, Polen und Ungarn zwar EU-Mitglied, dort wird aber immer noch in Kronen, Zloty und Forint bezahlt.

In einem bemerkenswerten Kommentar, der im Vorfeld der Abstimmung über die Presse lanciert wurde,  lieferte der slowakische Parlamentspräsident Richard Sulik in seinem Internet-Blog (http://richardsulik.blog.de/2011/09/27/slowakei-efsf-stimmen-11925443) einleuchtende Argumente: „Nicht nur, dass wir schlechte Infrastruktur besitzen und die niedrigsten Gehälter (800 € im Monatsdurchschnitt) haben, wir müssen auch noch die höchsten Garantien (gemessen am Durchschnittsgehalt) ausstellen, damit Griechenland seinen Rentnern das Vierfache der slowakischen Rente auszahlen kann, Irland seine 12,5 prozentige Einkommenssteuer behalten kann und Italien seinen Abgeordneten 15 Tausend Euro monatlich zahlen kann. In diesem Zusammenhang von Solidarität (z.B. von Solidarität der Slowakei mit wesentlich reicherem Italien) zu sprechen, ist einfach pervers.“

Und dann kommt die ebenfalls sehr interessante rhetorische Frage „Warum haben die „Architekten“ des Rettungsschirms denn bei der Einrichtung 90% Zustimmung aller Euro -Länder gefordert, die Ausweitung soll aber jetzt einstimmig, d.h. mit 100% Zustimmung erfolgen ? Wir wollen doch nichts blockieren“ so der Parlamentschef weiter „aber wir können das unserem Volk nicht vermitteln. Wäre nur eine Zustimmung von 90% erforderlich, könnten wir ohne Probleme dann ein symbolisches Zeichen setzen.“

Liebe Slowaken, Ihr habt recht ! Im Zusammenhang mit der ganzen Euro- und insbesondere Griechenland-Diskussion gehen mir drei Dinge auf den Zeiger. Zum einen die Uneinsichtigkeit in Griechenland, wo man ständig nur Berichte über Demonstrationen sieht und ich den Eindruck habe, dass sich dort nichts, aber auch gar nichts zum Besseren wendet. Ich habe das an dieser Stelle bereits gesagt: Wenn die Griechen nicht in der Lage sind Ihre Probleme selber zu lösen, dann muss der Preis für finanzielle Hilfen sein, Souveränitäten abzugeben. Insbesondere im Aufbau eines effizienten Steuersystems kann die EU da professionelle Hilfe leisten. Wenn ich lese, dass das Vermögen griechischer Staatsbürger auf Schweizer Konten in etwa der Höhe der ganzen Staatsverschuldung entspricht, dann können doch nicht Gläubiger auf der ganzen Welt einem Schuldenschnitt zustimmen und diese „Gaukler“ lachen sich ins Fäustchen. Da wird es doch wohl irgendeinen unzufriedenen UBS- oder Credit-Suisse-Mitarbeiter geben, der mal eine kleine CD brennt und die in Brüssel auf dem Wochenmarkt anbietet. Das zweite Problem ist die Unentschlossenheit der Politik.

„Geschwätzt worn“ ist genug, es müssen konkrete Taten folgen. Und wenn wir über eine erneute Verstaatlichung von Banken reden (über den üblichen Verdächtigen wie z.B. Commerzbank oder Royal Bank of Scotland kreisen schon wieder die Geier und die belgische Dexia-Bank hat bereits die weisse Fahne gehisst), dann müssen die ganzen „Blinden“ in den Chefetagen, anstatt mit einem goldenen Handschlag nach Hause geschickt zu werden, auch mal die Erfahrung machen, wie denn so ein Gerichtssaal von innen – und zwar von der Anklagebank aus – ausschaut.

Ein altes Sprichwort lautet „Wer A sagt, muss auch B sagen.“ Man kann sicherlich darüber diskutieren, ob der Beitritt zur Euro-Zone für das ein oder andere Land nicht zu früh kam. Auf der anderen Seite sichert aber nur eine gemeinsame Währung in Verbindung mit einer eng abgestimmten gemeinsamen Zins- und Wirtschaftspolitik die Zukunft Europas. Ein Auseinanderbrechen  der EURO-Zone wäre ein gewaltiger Rückschritt für den gesamten europäischen Raum. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben gegenüber den Europäern ohne Zweifel den Vorteil, dass es dort schon seit Generationen eine politische Union – und was noch viel wichtiger ist – eine gemeinsame Sprache gibt. Aber auch Sie haben ihr „Griechenland“, das dort allerdings „Kalifornien“ heisst. Der „Golden-State“ geistert seit Jahren schon am Rande der Pleite herum, eine Diskussion über einen Ausschluss aus dem Dollar-Verbund ist aber hier so weit entfernt, wie die FDP von der absoluten Mehrheit.

Vielleicht hat der  „Warnschuss“ aus der Slowakei ja jetzt zumindest das politische Denken in Europa beschleunigt. Es wird Zeit…

P.S. Am Mittwoch hat das slowakische Parlament, dann in einem 2. Abstimmungsversuch der Ausweitung des ESFS zugestimmt – für mich keine wirkliche Überraschung .

 

Dauerbrenner und Auslaufmodelle

5 Oktober 2011

Die Finanz-Zeitschrift „Cash“ befragt alle zwei Monate Finanzberater, welche Produkte denn von ihren Kunden nachgefragt werden und erstellt aus 40 verschiedenen Angeboten dann eine jeweilige Rangliste unter dem Motto „Welche Produkte sind denn gerade angesagt ?“

In der aktuellen Ausgabe rangieren auf den ersten beiden Plätzen (wen wundert das ?) Kapitalanlage-Immobilien und Erneuerbare-Energien-Fonds.  Diese beiden Anlagekategorien bieten in der Tat, wenn Sie zu einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis eingekauft werden, einigermaßen gute Renditen bei begrenztem Risiko. Auch Rohstoff-Fonds und Energiefonds zählen auf den Plätzen 5 und 6 zu den Lieblingen der Anleger. Deutlich an Beliebtheit eingebüßt haben Aktienfonds, die in der aktuellen Rangliste von Platz 11 auf Platz 37 durchgereicht wurden. Aktien sind das einzige Wirtschaftsgut, das ich kenne, das bei fallenden Preisen keinen Kaufreflex beim Publikum auslöst.

Hier bin ich mir relativ sicher, dass bei etwas freundlicheren Kursen auch die Akzeptanz von Aktien bei potentiellen Neu-Anlegern wieder etwas größer wird. Dagegen rangieren in meinen Augen „exotische“ Produkte wie z.B. Waldfonds (Platz 12), Containerfonds (Platz 17) und Infrastrukturfonds (Platz 18) deutlich vor anderen Klassikern wie Geldmarktfonds, Immobilienfonds oder Rentenfonds.

Ich will hier nicht den Teufel an die Wand malen, aber wenn sich Otto Normalverbraucher mit Anlagen wie „Wald“ beschäftigt, dann macht mich das schon ein bißchen nachdenklich, ob in dieser Welt noch alles in Ordnung ist. Bei „Wald“ können die meisten der „Investoren“ das noch richtig schreiben und aussprechen, bei „Container“ und „Infrastruktur“ wird’s schon schwerer. Ob da jeder versteht, was mit seinem Geld in diesen Produkten genau passiert, wage ich zu bezweifeln. Jetzt könnte man natürlich provokativ sagen „und wer versteht denn momentan den Aktienmarkt ?“ Da fehlt selbst mir in der jetzigen Phase definitiv die Antwort, lediglich das Wörtchen „momentan“ gibt bei dieser fiktiven Frage die Hoffnung, dass die momentanen Turbulenzen nicht zu einem Dauerstatus mutieren. Mit den Aktien verhält es sich momentan, wie mit dem Hamburger Sportverein (HSV). Es kann nur aufwärts gehen und letztendlich hat es seit Bestehen der Bundesliga für den „Dauerbrenner“ immer für den Klassenerhalt gereicht. Und in guten Zeiten wurde auch schon mal die heutige Champions-League-Trophäe in den Athener Nachthimmel gereckt. Und nicht wenige Spieler haben die seinerzeitige Prämie 1983 dann in „Kapitalanlage-Immobilien“ investiert.

Interessant ist (neben der Beliebtheitsskala) auch die Auswertung, wieviel Prozent der Befragten die einzelnen Produkte auf einer Notenskale von 1 (sehr gut) bis 5 (sehr schlecht) bewerten. So vergibt jeder Dritte der Kapitalanlage-Immobilie die Note „sehr gut“. Ärzte und Profifussballer, die sich in den 80er Jahren mit sogenannten Bauherrenmodellen, im besten Fall die Finger verbrannt, aber auch in vielen Fällen ruiniert haben, waren wohl nicht unter den Interviewpartnern.

Eines zeigt diese Umfrage aber auf alle Fälle. Es geistert eine Unmenge von Kapital durch die Gegend, das angelegt werden will. Und eine alte Binsenweisheit lautet: Je niedriger die Zinsen sind, um so eher kommen die Anleger „auf dumme  Gedanken“.

Eigentlich bin ich ja ein Freund von antizyklischem Handeln. Was bedeutet, das zu kaufen, was keiner haben will oder wie es in der original Frankfurter Börsensprache heisst:  „unne kaafe – obbe gebbe !“ Für das Schlusslicht in der Rangliste gilt das allerdings nicht.

Das Tabellenende ziert mit dem letzten von insgesamt 40 Plätzen ein Produkt, das jeder Deutsche in mehrfacher Ausfertigung im Schrank stehen hat – die Kapital-Lebensversicherung – über 30% der Befragten vergab hier die Note 5 (sehr schlecht). Und auch hier gibt es eine Assoziation zum aktuellen Fussballgeschehen. Irgendwie erinnert  mich ist die Lebensversicherung an Arminia Bielefeld. Vor zweieinhalb Jahren noch in der Bundesliga und jetzt abgeschlagen auf dem letzten Platz in der 3. Liga und noch dazu 27 Mio € Schulden an der Backe. Und den letzten Geschäftsführer mussten sie entlassen, weil er nachts um drei in einem Rotlicht-Etablissement randalierte und einen Polizeieinsatz herbei führte. Ich glaube, so was nennt man Auslaufmodell…

Festgeld für 1% oder “Achterbahn” Börse?

29 September 2011

“Max, was macht der DAX” ? Zweifelsohne wird mir diese Frage in den letzten Wochen öfters gestellt, als in “ruhigen” Zeiten. Und ich gebe zu, dass es noch nie so schwer war, wie in der aktuellen Situation, hierauf eine verlässliche Antwort zu geben. Zumindest, wenn der Fragesteller auf einen Zeithorizont von einem Jahr oder weniger abzielt. Es gibt sogar Stimmen, die sagen: “Im aktuellen Umfeld eine Börsenprognose abzugeben, ist schlichtweg unseriös.”

Schon der legendäre britische Staatsmann Winston Churchill sagte “Prognosen sind schwierig, vor allem, wenn Sie die Zukunft betreffen.” Was aber kann man jemandem raten, der vor dem “Luxusproblem” steht, Geld anzulegen. Zunächst gibt es 2 gravierende Trends, die in den letzten 10-20 Jahren zu beobachten sind. Zum einen sind die Zinsen auf ein Niveau gefallen, dass nahezu alle Experten noch vor 4-5 Jahren für unmöglich gehalten hätten. Bekam man Anfang der 90er Jahre für 100.000 DM, die man für 5 Jahre “sicher” festlegen wollte, noch knapp 8% und damit 8.000 DM p.a. an Ertrag, so sind es heute gerade mal 1,5 %. Das bedeutet, wer von Geldvermögen leben muss, braucht heutzutage die fünffache (!) Summe um auf den gleichen “sicheren Ertrag” zu kommen, als vor 20 Jahren. By the way: Dieses Tatsache kann man den  ganzen “Dummschwätzern” und “Brandstiftern”, die von einem schwachen Euro reden, schon mal vor die Nase halten. Vor 10 Jahren stand der EURO übrigens bei genau 0,90 US-Dollar, heute notiert die europäische Gemeinschaftswährung 50 % höher. Der zweite (und leider schmerzhafte) Trend ist der, dass die Aktienanleger mittlerweile vom dritten “Crash” innerhalb von 10 Jahren “gebeutelt” worden sind und per Saldo die letzten 12 Jahre mit leeren Händen da stehen. Und das Ganze, nachdem sich der DAX von 1990 – 1999 noch verfünffacht hatte. Kein Wunder, dass viele Anleger in einer solchen Situation die Börse eher als “Geisterbahn” denn als “Achterbahn” sehen. Hinzu kommt, dass viele Anleger sich mental immer an den Höchstkursen orientieren, aber vergessen, dass sie teilweise zu deutlich tieferen Kursen eingestiegen sind. (Nicht nur) in der aktuellen Situation kann von daher die Regel Nr. 1 nur lauten: Streuung !

Der Markt bietet neben Aktien und Festgeld jede Menge Alternativen. Von Unternehmensanleihen, Immobilien, Gold, Solaranlagen, Windräder, Schiffen bis hin zu exotischen Anlagen wie Rotwein, Oldtimern oder zeitgenössischer Kunst. Allerdings hat der Anleger bei vielen diesen Dingen (im Gegensatz zur Börse, wo jeden Tag ein Preis festgestellt wird) das Problem, dass es eine verdammt große Gefahr gibt, an den “Falschen” zu geraten, d.h. einen überhöhten Preis zu zahlen. Der härteste Sachwert nützt wenig, wenn er mit 20% (und teilweise mehr) “weichen Kosten” eingekauft wird. Vor diesem Schritt sollte der Anleger aber auch definieren, welcher Teil seines Vermögens eher kurzfristig und welcher Teil eher langfristig angelegt werden sollte. Beim kurzfristigen Teil spielt der Ertrag eher eine untergeordnete Rolle. Beim langfristigen Teil (durch den Zinseszins-Effekt) um so mehr.

Ein Blick auf die langfristige Entwicklung des DAX lohnt sich allemal. Am 1.Oktober 1951 stand der Index bei umgerechnet 65 Punkten, am 1. Oktober 1981 bei 495 Punkten und am 1. Oktober 2011 (bzw. aktuell) bei 5.500 Punkten. Eine Verzehnfachung in 30 Jahren entspricht einer Rendite von 8% p.a. Den Preis für diese Rendite, hat Börsen-Altmeister Andre Kostolany schon vor langer Zeit treffend beschrieben. “An der Börse gibt es Schmerzensgeld. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld”. Man kann auch sagen: Heute ist Familientag. die Fahrt mit der Achterbahn gibt es zu einem stark ermäßigten Preis. Aber wer mitfährt braucht – wie im richtigen Leben – starke Nerven. Und zu einer Prognose lasse ich mich trotzdem hinreissen. Am 1.Oktober 2041 steht der DAX irgendwo zwischen 40.000 und 60.000 Punkten. Wetten nehme ich gerne an…

Licht und Schatten

15 September 2011

Im Schatten der momentan von vielen Seiten prognostizierten großen Wirtschaftskrise, die uns angeblich bevorsteht, gibt es definitiv auch ein paar Lichtblicke.

So sind die langfristigen Zinsen in Deutschland auf ein Niveau gefallen, das die letztjährigen Tiefststände noch deutlich unterbietet. 10-jährige Bundesanleihen rentierten Anfang der Woche gerade noch mit 1,9% p.a.  und wer dem Staat für 5 Jahre sein Geld zur Verfügung stellt, musste sich sogar mit 1,2% p.a. zufrieden geben. „Flucht in Sicherheit“ sagen die Experten dazu und die Schweizer Notenbank sah sich sogar gezwungen eine „Nullzinspolitik“ auf unbegrenzte Zeit auszurufen. Da die Kreditversorgung hierzulande  – insbesondere im Sparkassen und Volksbankensektor  -  nach wie vor intakt ist, bietet dieses Umfeld traumhafte Rahmenbedingungen für jeden Investor. Ich kann mich noch gut an Zeiten erinnern (1990 nach der Maueröffnung), als die Zinsen für Baukredite knapp an der 10% Marke kratzten.  Mittlerweile zahlen Häuslebauer und Vermieter nur noch knapp ein Drittel an Zinsen. Da die Mieten sich nicht wesentlich verändert haben, sind Immobilieninvestitionen in einem solchen Umfeld deutlich attraktiver als vor 20 Jahren. Der größte Profiteur dieser ganzen Entwicklung sitzt in Berlin und heisst Wolfgang Schäuble. Bei geschätzten 2 Billionen € Staatsverschuldung muss er mit Zinskosten von knapp 40 Milliarden für das kommende Jahr kalkulieren. Lägen die Zinsen für Bundesanleihen bei der (früher als langfristiger Durchschnitt geltenden) Marke von 6%, wäre das mit 120 Milliarden der dreifache Betrag. Und hätten wir anstatt 2,5 Millionen vier Millionen Arbeitslose, würde das die Staatskasse mit weiteren 50 Milliarden belasten. Bei solchen Rahmenbedingungen würde kein Mensch in diesem Land über Transferleistungen in andere Länder diskutieren, sondern dann würde „Rente mit 75“, „Kürzung von Sozialleistungen“ und als Nachtisch  „Mehrwertsteuererhöhung“ auf dem Speisezettel stehen. Das sind nämlich genau die Sparpakete, die die Regierungsverantwortlichen der südeuropäischen Länder in der aktuellen Situation ihrem Volk beibringen müssen.

Aber auch in anderen Bereichen gibt es Profiteure. So befinden sich beispielsweise die Preise für Solarmodule im freien Fall und sind aktuell ca. 20% günstiger, als noch zu Jahresanfang zu haben. Da gleichzeitig auch die Zinsen drastisch gesunken sind und auch eine geplante Reduktion der Einspeisevergütung auf das kommende Jahr verschoben wurde, können Investoren in diesem Bereich mühelos und bei sehr eingeschränktem Risiko zweistellige Renditen einfahren. Hinzu kommt natürlich noch der Effekt, dass die Renditen von Festzinsanlagen, die ja in Konkurrenz zu solchen Investitionsmöglichkeiten stehen, gesunken sind. „Ein Investment, das über einen bestimmten Zeitraum 10% p.a. abwirft, ist bei einem Zinsniveau von 2% einfach mehr wert, als bei einem Zinsniveau von 6%.“ heisst es auf Deutsch, was Fachleute als „Opportunitätsgewinn“ bezeichnen.

Aber auch sogenannte „ Sachwerte“ wie Bilder, Oldtimer, Rotwein oder Ackerland sind in den letzten 12 Monaten deutlich im Preis gestiegen, genauso wie der „König aller Sachwerte“ in Form des Goldpreises. Wobei es bei vielen Investitionen dieser Art ohne eine gewisse Sachkenntnis bzw. ein qualifiziertes Netzwerk selbst in diesen Zeiten sehr schwer ist, echte Gewinne zu erzielen. Wenn ich als Investor an den „Falschen“ gerate und zu teuer einkaufe, kann sich ein vermeintlicher Gewinn sehr schnell in einen Verlust umwandeln. Beim Gold zumindest besteht diese Gefahr nicht, da sind die Preise – wie bei Aktien – transparent. Allerdings hat der Investor hier ein „Timing-Problem“. Die wichtigste Aufgabe, die ich bei einer erfolgreichen Geldanlage lösen muss, lautet nämlich:  Das zu kaufen, was steigen wird und nicht das zu kaufen, was gestiegen ist.

Wenn man sich die Kapitalströme anschaut, wird relativ schnell klar, das genau das die wenigsten Anleger beherzigen. Da stehen einfach die zwei starken Pfosten „Angst“ und „Gier“ im Weg.

Der „Sachwert“ Aktie führt momentan ein nie dagewesenes Eigenleben. Hier wird den Anlegern momentan vor allem ein Bonmot des legendären „Altmeisters“ André Kostolany anschaulich vor Augen geführt. „An der Börse kommen erst die Schmerzen und dann das Geld.“

So war es schon vor hundert Jahren und nie war dieser Spruch treffender als heute.

Wer hat die Kokosnuss geklaut?

8 September 2011

Vor ca. einem halben Jahr habe ich an dieser Stelle unter der Überschrift „Kaufe nur, was du verstehst“ über ein dubioses Finanzgeschäft der kommunalen Wasserwerke Leipzig mit der Schweizer Großbank UBS berichtet, das der Stadt Leipzig (als Träger der Wasserwerke) und damit auch dem Steuerzahler einen Schaden von knapp 300 Mio. € bescherte. Die Verantwortlichen sitzen mittlerweile in Haft, aber nicht, weil Sie sich für dieses Geschäft verantworten mussten, sondern weil Sie – was das Ganze noch unglaublicher macht – sich auch noch bestechen ließen. Dass dieses Geschäft kein Einzelfall ist, pfeifen die Spatzen schon länger von den Dächern. Bestechung ist zwar in fast allen Fällen nicht im Spiel, wohl aber eine gehörige Portion Dummheit, Unfähigkeit, Größenwahn und Gier, die die ein oder andere Kommune bzw. den ein oder anderen kommunalen Zweckbetrieb veranlasst haben, sich auf diverse Zinswetten und sonstige „Spielchen“ mit Banken einzulassen. Seit Ende vergangener Woche wissen wir über die Größenordnung dieser in Deutschland getätigten Geschäfte Bescheid. Wie das „Handelsblatt“ am 5.9.2011 unter der Überschrift „Zinswetten werden zum Milliardenrisiko“ berichtete, bestanden am 31.12.2010 Wetten zwischen Banken und Kommunen in einer Größenordnung von 63,7 Milliarden Euro. Laut Auskunft des zentralen Kreditausschusses (ZKA) handelt es sich insgesamt um 1.556 Verträge von Kommunen mit Banken und 1.104 Verträge von kommunalen Unternehmen bzw. Zweckverbänden mit Banken. Experten beziffern das Risiko aus diesen Verträgen auf eine Gesamtsumme von mehr als 20 Milliarden Euro, die – um es mal auf Deutsch zu sagen – gewählte Volksvertreter mal soeben am Kasinotisch verzockt haben. Da bleibt ja nur zu hoffen, dass die Gegenspieler nicht nur Schweizer Banken waren, sondern, dass sich auch ein paar einheimische Institute an der „Schlachtung“ dieser willkommenen Opferlämmer beteiligt haben, damit wenigstens ein Teil dieses Geldes wieder in Form von Steuereinnahmen in die Staatskasse zurück fließt. Was mich bei dieser ganzen Sache am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass die Leute, die diesen Schaden verursacht haben, mit keinen Cent zur Kasse gebeten werde. Wenn ich als Unternehmer oder auch als Privatperson eine falsche Entscheidung treffe, muss ich die finanziellen Konsequenzen hieraus zu 100% tragen. In der Politik ist das leider anders, hier gibt es nur die Konsequenz des „Abwählens“. Und nach dem Motto „die Affen rasen durch den Wald…“ fragt keiner nach den Schuldigen.  Viele der Dilettanten, die diese Verluste verursacht haben, werden sich wahrscheinlich noch denken „ Was soll’s, wenn wir den Griechen, Italienern und Portugiesen unsere Knete hinter her werfen, kommt’s doch auf die 20 Milliönchen nicht an, die ich meiner Heimatstadt da verbockt habe“.  So geht’s aber nicht ! Normalerweise gehören diese insgesamt 2.660 Verträge alle auf den Prüfstand und es muss herausgefunden werden, wer letztendlich in diesen Fällen verantwortlich war und diese Verantwortlichen müssen das auch am eigenen Portemonnaie spüren – und wenn es nur eine symbolische Kürzung der Pension ist. Wie sollen wir denn andernfalls nachfolgenden Generationen glaubwürdig einen sorgsamen Umgang mit Gemeinschaftseigentum vorleben ?

Wer jetzt denkt : „das ist doch alles weit weg von uns“ wurde in der Ausgabe vom 27. August der „Börsen-Zeitung“ eines Besseren belehrt. „Ein real existierender Landrat und seine „virtuellen“ Verluste“ lautet dort die Überschrift eines Artikels, aus dem hervorgeht, dass der benachbarte Rheingau-Taunus-Kreis bei Währungsspekulationen mit Fremdwährungsdarlehen (solche Geschäfte sind in der o.g. Statistik noch nicht mal enthalten) im vergangenen Jahr einen Verlust von 30 Mio € eingefahren hat. Mit der abenteuerlichen Begründung  „die Verluste treten ja erst ein, wenn wir die Kredite zurückzahlen und das können wir im Moment eh nicht“ wird der amtierende Landrat Burkhard Albers (SPD) im gleichen Artikel zitiert. In der Wirtschaftsprüfer-Schule gibt’s dafür eine „Setzen-Sechs“. Wer allerdings etwas tiefer in dieser Materie informiert ist, weiß, dass hier ein Teil dieses Problems „Erbmasse“ seines CDU-Vorgängers ist. Aber egal ob rot, schwarz oder grün. So sorglos kann ich vielleicht mit meinem eigenen Geld, aber nicht mit öffentlichen Mitteln umgehen. Wir brauchen in der Politik Rahmenbedingungen, die dafür sorgen, dass nicht Politiker in die Wirtschaft wechseln, sondern auch fähige Wirtschaftsleute Anreize haben, in der Politik tätig zu werden. Dazu gehört als erste Maßnahme, dass die Gehälter der Leute in den verantwortlichen Positionen auch der Verantwortung, die diese Leute tragen, angepasst werden. Und dieses Gehalt darf es dann auch nur solange geben, wie die betreffende Person im Amt ist – ohne den ganzen „Versorgungs-Schnick-Schnack“ hinter her.  Wie wollen wir denn fähige Leute in verantwortungsvolle politische Positionen bringen, wenn der Bundeskanzler bzw. die Kanzlerin gerade mal so viel verdient, wie ein Ersatzspieler bei Energie Cottbus in der 2. Fussball-Bundesliga. Aber der verdient das Geld eben auch nur so lange, wie er spielt und bekommt keine Pension, sondern muss vorsorgen, d.h. von seinem Verdienst etwas sparen bzw. sich im Anschluss an seine Karriere einen anderen Job suchen. Warum sollte ein solches System nicht auch in der Politik funktionieren ?

Millionen, Milliarden und Billionen

20 Mai 2011

4.933.000.000.000 (in Worten: 4 Billionen und neunhundertdreiunddreissig Milliarden) lautet für mich die Zahl der Woche. Hierbei handelt es sich nicht um Anzahl der von den Fans der Frankfurter Eintracht am vergangenen Wochenende verbrauchten „Angst-Kalorien“ , sondern um das Geldvermögen aller Privathaushalte in Deutschland, wie die Deutsche Bundesbank am vergangenen Dienstag mitteilte.

Wenn man von 82 Millionen Einwohnern ausgeht (nach der derzeit laufenden Volkszählung werden wir da alle schlauer sein), heisst das: pro Kopf verfügen die Deutschen über ein Vermögen von 60.158 € . Nicht eingerechnet in diese Zahl sind allerdings Vermögenswerte wie Immobilien oder Pensionsansprüche, da die von der Bundesbank veröffentlichte Statistik nur das private Geld-Vermögen umfasst. Rechnet man diese Werte noch hinzu, landet man mit Sicherheit bei einer 14-stelligen Zahl, was bedeutet: Wir reden hier über einen Wert jenseits der 10 Billionen Euro-Grenze.

Als Politiker (zumindestens einer speziellen Couleur) könnte man da ja ganz fix auf die Idee kommen: „Dann nehmen wir jedem jetzt mal 1/5 weg und damit sind unsere läppischen 2 Billionen Staatsverschuldung mit einem Schlag getilgt.“

Aus Sicht der Politiker „leider“, aus Sicht der Sparer „Gott sei Dank“ funktioniert das aber nicht so einfach. Aber es ist immerhin ein beruhigendes Gefühl, dass es unserem Land im internationalen Vergleich immer noch relativ gut geht. Ein derartiges Verhältnis zwischen Vermögen und Schulden findet man nicht überall auf der Welt.

Eine für mich nicht wirklich überraschendes Ergebnis erhält man auf die Frage „Wie sah das ganze denn vor einem Jahr aus ?“. Das private Geldvermögen hat sich in den vergangenen 12 Monaten um 154 Milliarden erhöht.

Da das immerhin einem Zuwachs von 3,2% entspricht, könnte man auf die Idee kommen und sagen: „Angesichts der derzeit niedrigen Zinsen ein ganz respektables Anlage-Ergebnis.“ Das ist aber eine klassische Milchmädchenrechnung. Im Zuwachs sind ja auch Sparleistungen enthalten und wenn man die heraus rechnet, kommt man in Endergebnis auf eine relativ magere Zahl, die irgendwo im Bereich von 1,5% liegt. Vor 10 Jahren übrigens lag das Geldvermögen noch 3,5 Billionen Euro, sodass man in den Ergebnissen des Jahres 2010 durchaus eine Bestätigung des Trends der letzten 10 Jahre sehen kann. Die Aufgabe aus einem kleinen Vermögen ein großes zu machen ist definitiv schwieriger geworden. Während das Geldvermögen in diesem Zeitraum nur um 3,5% pro Jahr stieg, konnte man in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einen Zuwachs von 7,2% pro Jahr verzeichnen. Was waren das noch für Zeiten, wird sich mancher Anleger wehmütig erinnern. Zwischen 1990 und dem Jahr 2000 stieg der DAX von 1.300 auf 8.000 Punkte, und zu Beginn der 90er Jahre gab es auf 5-jährige Sparbriefe bzw. Bundesanleihen Zinsen von 8% und mehr p.a. Um so wichtiger ist es für alle, die sich zu den glücklichen Besitzern eines kleinen Geldvermögens zählen können, in einem solchen Umfeld auf die Kosten, die die Verwaltung und (hoffentliche) Vermehrung ihres Vermögens mit sich bringt, zu achten. In Zeiten, wo man von 2-stelligen Renditen verwöhnt wird, rückt diese Betrachtung leicht in den Hintergrund.

Was die guten Ergebnisse der 90er Jahre allerdings etwas relativiert: Nach Erhebungen der Weltbank lag die durchschnittliche Inflationsrate in den Jahren 1990-2000 in Deutschland bei 2,2% im Vergleich zu 1,5% in den Jahren 2000-2010. Jeder, der sich an dem „Geschwafel“ um den schwachen Euro beteiligt, sollte ich in einer ruhigen Minute mal überlegen, was diese Zahlen eigentlich aussagen.

Die für mich bemerkenswerteste Zahl in der Pressemitteilung der Bundesbank vom vergangenen Dienstag betrifft allerdings nicht das Vermögen, sondern die gleichzeitig veröffentlichte Statistik der privaten Schulden.

Während das Geldvermögen – wie bereits oben gesagt in den letzten 10 Jahren von 3,5 auf knapp 5 Billionen Euro angestiegen ist, blieb die Summe der Schulden der Privathaushalte bei Banken und Versicherungen in diesem Zeitraum konstant bei 1,5 Billionen Euro. Damit haben die Privathaushalte deutlich besser gewirtschaftet als die öffentliche Hand, ist doch die Staatsverschuldung hierzulande im gleichen Zeitraum von 1,2 auf knapp 2 Billionen Euro angestiegen. Oder haben die „Kreditverkäufer“ der Banken hier einfach nur einen schlechten Job gemacht ? Zumindestens bestätigt auch diese Erkenntnis, dass wir uns in Deutschland in vielen Dingen auf einem gar nicht so schlechtem Weg befinden…